Y-Titty und das Samsung Galaxy S4 active: Vorwurf der Schleichwerbung gegen populäre YouTuber

Frank Ritter 20

Die Jungs von Y-Titty betreiben einen der größten YouTube-Kanäle Deutschlands und haben eine große Fanbasis aus überwiegend jungen Zuschauern. Es liegt nahe, diese Popularität auch für Werbung zu nutzen. Nun stehen Vorwürfe der Schleichwerbung im Raum. Y-Titty soll in einem Video von 2013 das Samsung Galaxy S4 Active beworben haben – ohne Kennzeichnung.

Der deutsche Gesetzgeber sieht ziemlich klare Regelungen vor, was Schleichwerbung im TV angeht – so genannte „Product-Placements“ müssen klar gekennzeichnet werden. Die Betreiber von YouTube-Kanälen und immer häufiger dahinter stehenden Mediaagenturen fühlen sich offenbar weniger an solche Regeln gebunden. Der SWR berichtet in seiner letzten „Report Mainz“-Sendung in einem Beitrag über nicht ausreichend gekennzeichnete Werbung in den Kanälen von deutschen YouTube-Stars.

Konkret ging es um Y-Titty, mit mehr als 2,8 Millionen Abonnenten einer der erfolgreichsten YouTube-Kanäle Deutschlands, die in einem Beitrag von einem Festival im vergangenen Sommer das Samsung Galaxy S4 active (Test) zeigten. Das bekanntermaßen wasser- und staubdichte Outdoor-Smartphone wird in dem Video in der Tat in ein positives Licht gerückt:

Zwar bedankt man sich im Video und dessen Beschreibung bei Samsung; eine Kennzeichnung, dass es sich um ein bezahltes Product-Placement handelt, fehlt aber. Dass es sich bei der Bezahlung nicht nur um „Peanuts“ in Form eines bezahlten Festivalbesuchs und zweier Outdoor-Smartphones handeln dürfte, hat Report Mainz ebenfalls ermittelt. Denn für „redaktionelle Integrationen“ von Produkten fordert die Agentur von Y-Titty in einem angeforderten Beispiel 80 Euro für 1.000 Videoklicks. Für ein Video garantiere man 650.000 Video-Views, der Gegenwert liegt also bei 52.000 Euro, wiewohl dies – anders als manche Medien behaupten – nicht der Betrag sein muss, der im geschilderten Fall des Galaxy S4 active geflossen sein muss.

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Smartphone-Konzepte vs. Realität (iPhone 5, Galaxy S5 & Co.)

Y-Titty sind beim Netzwerk Mediakraft unter Vertrag, das als Werbevermarkter für mehr als 1.000 YouTube-Kanäle fungiert. Da YouTube ein Medium vor allem für eine junge Zielgruppe ist, funktioniert Werbung dort besonders gut, die Kanalbetreiber werden von Mediakraft als „Markenbotschafter“ angepriesen.

Es könnte sich nicht um einen Einzelfall handeln, immer wieder werden Produkte und Marken in den Videos von Y-Titty recht offensichtlich und ohne Kennzeichnung gezeigt. Die Bezirksregierung Mittelfranken hat sich nun eingeschaltet und ein Prüfverfahren eingeleitet.

Nachtrag: Dies ist offenbar nicht richtig. Ein Sprecher von Mediakraft wies uns darauf hin, dass kein Prüfverfahren eingeleitet wurde.

Nun wirkt der Bericht von Report Mainz auf uns etwas reißerisch, einige Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen. Blogger-Urgestein Robert Basic erklärt sogar, dass solche Werbeplatzierungen an der Tagesordnung seien. Dennoch sind auch wir der Auffassung, dass Werbung und redaktionelle Inhalte voneinander getrennt gehören, Werbung hinreichend als solche gekennzeichnet sein muss. Entsprechende Regeln gelten für TV, Print und Online-Text – mit den aktuellen Ermittlungen wird möglicherweise ein notwendiger Präzedenzfall für YouTube und Online-Video als Medium allgemein geschaffen.

Was sagt ihr zum Thema Produktplatzierungen in YouTube-Videos? Seht ihr das Thema entspannt? Verlieren YouTuber dadurch an Glaubwürdigkeit oder gewinnen sie damit die Möglichkeit, ihr Hobby zum Beruf zu machen? Wie gut sollten Produkte bei YouTube als Werbung gekennzeichnet sein?

Quelle: ARD Mediathek: Bericht aus Report Mainz [via meedia, All About Samsung]

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