Variable Kamerablende, AR Emoji und mehr: Samsung Galaxy S9 (Plus) im Hands-On-Video

Frank Ritter 5

2017 war ein Tick-Jahr, 2018 ist ein Tock-Jahr für Samsung. Zur Erklärung: Tick bedeutet Redesign und neue Wege, Tock heißt Verfeinerung des etablierten Konzeptes und Ausbügeln der Schwächen, die bei so einem Redesign beinahe zwangsläufig anfallen. Letzteres trifft auf das Galaxy S9 und das Galaxy S9 Plus zu, wie wir euch im Hands-On-Video der neuen Samsung-Flaggschiffe zeigen. 

Samsung Galaxy S9: Das erste Hands-On.

Optisch muss man Unterschiede zum Vorgängermodell mit der Lupe suchen. Die oberen und unteren Ränder an der Vorderseite sind einen Tick schmaler. Der Iris-Scanner ist jetzt weniger sichtbar und der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite ist unter die Kameralinse gewandert. Gott sei Dank!

Samsung Galaxy S9 (Plus): Stereo-Lautsprecher mit Dolby Atmos

Was zählt, ist aber sowieso das Innenleben. Und da gibt es Verbesserungen an allen Ecken und Enden. Das Galaxy S9 hat zunächst mal von Samsung-Tochter AKG und Harman getunete Stereo-Lautsprecher. Die klingen wohldefiniert und 40 Prozent lauter als die Vorgänger, auch wenn der untere Speaker nicht in Richtung des Nutzers platziert ist. Dank Dolby-Atmos-Support ist sogar virtueller Raumklang möglich, ähnlich wie beim Razer Phone. Damit macht das mobile Anschauen von Videos deutlich mehr Spaß.

Samsung Galaxy S9 (Plus): Kamera mit variabler Blende

Einen großen Fokus hat Samsung auf die Verbesserung der Kamera gelegt. Eine zweite Linse für Bokeh-, Weitwinkel- und Zoomaufnahmen gibt es zwar nur beim Plus-Modell, aber die „Magie“, wenn man so will, findet sowieso im Hauptkameramodul und der Software statt. Zum einen besitzt das S9 nun eine variable Blendenöffnung. Ein Lichtsensor überprüft die Umgebungshelligkeit – sobald das Licht unter einen Schwellwert von 100 Lux sinkt, wird die Blendenöffnung von f/2.4 auf f/1.5 vergrößert, wodurch 28 Prozent mehr Licht aufgenommen wird. Das Ergebnis sind bedeutend bessere Lowlight-Bilder als beim Vorgänger und Konkurrenzgeräten. Im Pro-Modus kann man die Blende auch manuell verstellen.

Zusätzlich rechnet die sogenannte „Multi Frame Noise Reduction“ nun 12 statt vorher 4 schnell nacheinander aufgenommene Bilder zusammen, um Bildrauschen stark zu reduzieren. Neu ist auch die Super-Zeitlupe, die mit 960 FPS bei 720p-Auflösung aufnehmen kann. Dabei wird ein Zeitabschnitt von 0,2 Sekunden auf 6 Sekunden ausgedehnt. Mit einem cleveren Trick kann man Zeitlupen auch komfortabler als zum Beispiel bei Sony aufnehmen: Vor der Aufnahme zieht man einen Rahmen im Sucher. Sobald sich etwas in diesem Rahmen bewegt, wird die Zeitlupenaufnahme ausgelöst. Anschließend kann man das Video auch als GIF speichern.

Apropos GIFs: Im Galaxy S9 gibt es nun ein Feature-Gegenstück zu den Animojis beim iPhone X. Die so genannten AR Emojis besitzen aber auch ein paar pfiffige Alleinstellungsmerkmale, die sie von Apples Lösung abheben. Anhand eines Bildes mit der Frontkamera wird ein Avatar erstellt, der das eigene Gesicht als Comic-Version verblüffend realitätsnah abbildet. Aus diesem Avatar bastelt das S9 animierte GIF-Sticker, die man – anders als bei iPhone-Emojis – in praktisch jedem Messenger verschicken kann.

Samsung Galaxy S9 (Plus): Software mit Detailverbesserungen

Natürlich gibt es noch ein paar weitere Verbesserungen in der Samsung-Software, die auf Android 8.0 Oreo basiert. Der Launcher kann nun endlich auch im Landscape-Modus verwendet werden. Iris-Scanner und Gesichtserkennung dürfen jetzt kombiniert verwendet werden, sodass diese Entsperrmethode weniger fehleranfällig sein dürfte. Bixby kann nun per Druck auf den entsprechenden Button Texte per Kamerasucher übersetzen, Essen erkennen, dessen Kalorien angeben sowie in einer Art AR-Modus Informationen zu Orten anzeigen, die man betrachtet. Samsungs Sicherheitssystem Knox wurde mit Version 3.1 weiter verbessert, genauso wie die DeX-Unterstützung. Angeschlossene Monitore können damit nun auch höhere Auflösungen als 1080p ausgeben. Die neue DeX-Station ist kompakter. Das Smartphone liegt jetzt horizontal darin, sodass der – weiter vorhandene – Klinkenanschluss nun freiliegt und man Headsets und Lautsprecher anschließen kann. Zudem lässt sich das Smartphone so auch als TouchPad und Tastatur verwenden, wenn man keine entsprechende Hardware zur Hand hat.

Samsung Galaxy S9 vs. Galaxy S9 Plus: Das sind die Unterschiede

Kommen wir zu den Unterschieden zwischen Galaxy S9 und S9 Plus. Wie schon bei den Vorgängern besitzt das kleinere Modell ein 5,8-Zoll-Dual-Edge-AMOLED-Display, die Plus-Variante ein 6,2-Zoll-Panel. Beide haben aber ein 18,5:9-Seitenverhältnis und lösen in WQHD+ auf, also 2.960×1.440 Pixel. Der Akku hat beim S9 eine Kapazität von 3.000 mAh, beim S9 Plus 3.500 mAh. Entsprechend größer und schwerer ist das S9 Plus (Galaxy S9 147,7 × 68,7 × 8,5 mm bei 163 Gramm, das Galaxy S9 Plus kommt auf 158,1 × 73,8 × 8,5 mm und 189 Gramm). Das große Modell hat eine Dual-Kamera, mit der man wie beim Note 8 Bokeh-, Weitwinkel und Zoom-Aufnahmen anfertigen kann. Außerdem ist der Arbeitsspeicher mit 6 GB gegenüber 4 GB beim regulären Galaxy S9 50 Prozent größer.

Abgesehen davon dominieren aber die Gemeinsamkeiten. Wie gewohnt sind die Geräte wasserdicht nach IP68, besitzen Unterstützung für schnelles Laden per Kabel und kabellos. Natürlich kann man den Speicher wieder per micro-SD-Karte erweitern, offiziell um bis zu 400 GB. Die optisch stabilisierten Rückkameras fertigen Bilder mit 12 MP an, die Frontkamera solche mit 8 MP. In den europäischen Geräten wird Samsungs neues in 10 nm gefertigtes SoC Exynos 9810 zum Einsatz kommen. Der Achtkerner taktet mit maximal 2,7 GHz auf den vier schnelleren Cores und ist natürlich auch wieder etwas schneller und energieeffizienter als der Vorgänger im S8.

Samsung Galaxy S9 (Plus): Endlich standardmäßig als Dual-SIM-Variante

Toll ist, dass Samsung die Geräte nun endlich auch in Deutschland standardmäßig als Dual-SIM-Version verkauft, der Einschub für die zweite SIM ist allerdings ein Kombislot – man muss sich also zwischen Speichererweiterung und zweiter SIM-Karte entscheiden. Lediglich einige Providervarianten werden mit Single-SIM ausgestattet. Beide Geräte werden beim Start in drei Farbversionen verfügbar sein: Midnight Black, Lilac Purple und Coral Blue. Vorbestellungen sind ab sofort möglich, der Verkaufsstart ist am 16. März.

Samsung Galaxy S9 (Plus): Preis und Verfügbarkeit

Zu den Preisen: Das Galaxy S9 wird für einen UVP von 849 Euro in den Handel kommen, das S9 Plus für 949 Euro. Beide Geräte sind standardmäßig mit 64 GB internem Speicher bestückt, eine Version mit 256 GB soll später folgen und jeweils rund 100 Euro mehr kosten. Samsung wird außerdem ein Trade-In-Programm starten, mit dem man beim Einschicken eines Altgerätes einen Nachlass auf den Kaufpreis erhalten kann. Details waren dazu, als wir das Video erstellt haben, noch nicht kommuniziert.

Samsung Galaxy S9 (Plus): Unsere Meinung

Um unseren ersten Eindruck zum Galaxy S9 und S9 Plus zusammenzufassen: Der Tock ist gelungen. Eine wirklich beeindruckende Kamera, überzeugender Stereoklang, der umpositionierte Fingerabdrucksensor und Kleinigkeiten wie die AR Emojis bilden ein Paket, das zwar nicht neu aussieht, mir aber aufgrund des Finetunings gegenüber dem Vorgänger gut gefällt.

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