Warum mir der Smartphone-Preiskampf auf die Nerven geht

Monika Mackowiak 3

Wer sich heutzutage ein Android-Smartphone gleich zum Release kauft, hat entweder zu viel Geld oder zu wenig Geduld, denn nur wenige Wochen später ist das Gerät wesentlich günstiger erhältlich. Der UVP mutiert zum lächerlichen Phantasie-Preis, den selbst eingefleischte Early Adopter – den raschen Wertverlust vor Augen – nicht mehr bereit sind zu bezahlen. Um die Verkäufe zum Start dennoch anzukurbeln, übertrumpfen sich die Hersteller mit Vorbesteller-Boni – von Premium-Kopfhörern über Altgeräteprämien bis hin zu Tech-Gadgets im Wert von mehreren Hundert Euro. Warum ich mich über solche „First-World-Problems“ aufrege? Weil Konkurrenz zwar das Geschäft belebt, aber auch vieles kaputt macht. Ein Kommentar von Monika Mackowiak.

Warum mir der Smartphone-Preiskampf auf die Nerven geht
Bildquelle: GIGA (Bild zeigt Huawei P20 Pro, Galaxy S9, S9 Plus und iPhone X).

Unser Leser GipsEnte571 trifft den Nagel auf den Kopf und stellt eine wichtige Frage: Wer will noch Geld ausgeben für ein Produkt, das in so kurzer Zeit an Wert verliert? Und welche Auswirkungen hat die Smartphone-Flut auf Produktpflege seitens der Hersteller in Form von Updates und nicht zuletzt auch auf Innovationen, die das Geschäft ebenfalls beleben könnten – tun sie aber nicht.

Jedes Jahr stellen die Smartphone-Hersteller nicht nur ein neues Gerät vor, sondern ein ganzes Line-up, jeweils im Einsteiger-, Mittelklasse- und Oberklasse-Segment. Allein Samsung hat im Jahr 2017 neun Smartphones auf den Markt geworfen, die alle mit Updates versorgt werden wollen. Doch das kostet Geld und hält Kunden gleichzeitig davon ab, sich ein neues Handy zu kaufen. Also muss ein anderer Anreiz geschaffen werden und zwar, indem einfach der Preis massiv gesenkt wird. Für Innovationen und große technische Sprünge bleibt am Ende zu wenig Geld und auch zu wenig Zeit – schließlich müssen jedes Jahr neue Geräte an den Start, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Samsung Galaxy S9 Plus vs. Galaxy S8 Plus: Vergleich der zwei Generationen.

Langsam dämmert’s aber sowohl den Nutzern als auch den Herstellern, dass man vielleicht einen anderen Weg einschlagen muss, um in diesem hart umkämpften Markt weiterhin eine Rolle spielen zu können. OnePlus beispielsweise verfolgt von Anfang an eine ganz andere Strategie und konzentriert sich aufs Wesentliche: Eine überschaubare Produktpalette zum vernünftigen Preis, der mit der Zeit fällt, aber lange nicht so dramatisch wie der eines Galaxy S9 oder LG G6. Auch Nokia hat sich eigene Ziele gesteckt: Eine große Auswahl an Smartphones für jeden Geldbeutel und trotzdem schnelle Updates.

Angesichts des rapiden Wertverlustes von Smartphones und gleichzeitig stagnierender technischer Innovationskraft, stellen sich immer mehr Kunden die Frage: Brauche ich jedes zweite Jahr oder sogar jedes Jahr ein neues Smartphone? Das alte Handy erfüllt doch eigentlich noch voll seinen Zweck. Warum also umsteigen? Vielleicht findet langsam ein Umdenken statt, sich den Wert eines Smartphones wieder bewusst zu machen. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf Umwelt und Arbeitsbedingungen, die eine Überflutung mit Billig-Smartphones mit sich bringen würde.

Ein Gerät, das wir tagtäglich so intensiv nutzen, ohne das wir eigentlich gar nicht mehr leben können (das bilden wir uns zumindest ein) – ist es da nicht okay, ein wenig tiefer in die Tasche greifen zu müssen?

Hinweis: Die in diesem Kommentar geäußerten Meinungen stellen ausschließlich die Ansichten des Autors dar und sind nicht notwendigerweise Standpunkt der gesamten GIGA-Redaktion.

Wie oft kaufst du dir ein neues Smartphone?

Handyverträge laufen in der Regel mindestens zwei Jahre, doch fast alle Smartphone-Hersteller bringen mittlerweile jedes Jahr mehrere neue Geräte auf den Markt. Empfindest du das als Über-Angebot oder als positive Entwicklung, da du dein Smartphone gerne häufig wechselst?

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