Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Dick und schlank gleichzeitig

Stefan Bubeck 2

Sony verfolgt seine eigene Logik: Für ein 2018er-Flaggschiff ist das kleine XZ2 Compact mit einer absurden Wölbung auf der Rückseite ausgestattet, bekommt aber zugleich das moderne 18:9-Format beim Display verpasst. Wie sich das kompakte High-End-Smartphone schlägt und ob es dem iPhone 8 das Wasser reichen kann, klären wir in diesem Test.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Dick und schlank gleichzeitig
Bildquelle: GIGA.

Eines vorab: Wir hatten das neue Sony Xperia XZ2 Compact einige Tage im Dauertest und parallel dazu stets ein iPhone 8 griffbereit, um die beiden Anwärter auf den Thron des besten handlichen Smartphones vergleichen zu können. Natürlich sind Android 8.0 und Apples iOS 11.3 nicht in allen Punkten vergleichbar, da es sich um zwei unterschiedliche Software-Ökosysteme handelt. Trotzdem kann man die Hardware (Gehäuse, Display) und die Ergebnisse im Alltag (Fotos, Videos, Medienwiedergabe) gegenüberstellen, um daraus Rückschlüsse zu ziehen. Die technischen Daten des Sony Xperia XZ2 Compact findet ihr auf unserer Produktseite zum Smartphone.

Unser Testurteil zum Sony Xperia XZ2 Compact

Display und Kamera sind ein Fortschritt zu den Vorgängern, auch Leistung und Ausdauer im Alltag überzeugen. Sony hat mit dem Xperia XZ2 Compact einen würdigen Vertreter der „Compact“-Reihe geschaffen, der die Anforderungen von Fans kleiner Smartphones erfüllt – ein allgemeiner Android-Pflichtkauf oder gar Trendsetter ist das Mini-Sony allerdings nicht.

Der Akku bringt den Nutzer sicher durch den Tag, mit etwas Disziplin auch durch zwei Tage. Mit dem vergleichsweise aktuellen Android 8.0 lässt es sich leben und die Ausstattung mit Staub- und Wasserschutz (IP65/68), Bluetooth 5.0 und Stereolautsprechern kann überzeugen. Leider ist die Klinkenbuchse für Kopfhörer gestrichen worden.

Ist Sony endlich das „Xperia Compact“ gelungen, auf das wir alle gewartet haben? Ja, aber mit Einschränkungen. Viele Verbesserungen und ein paar kleine Makel führen zu einem guten Endergebnis und einer Kaufempfehlung für bestimmte Zielgruppen. Wem Robustheit und Bedienbarkeit mit einer Hand wichtiger sind als ultraflaches Randlos-Design plus Wireless-Charging, der liegt mit dem Sony Xperia XZ2 Compact goldrichtig. Das ist kein Handy zum Angeben, sondern ein leistungsstarkes und vor allem kompaktes Werkzeug für den digitalen Alltag, das sehr gut in der Hand liegt, schnell ist und tolle Fotos macht.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Bewertung

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Kameras: 4/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5

Gesamt: 75 %

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Die Qualität der Kamera bei Fotos und Videos

Die 19-MP-Kamera auf der Rückseite (Weitwinkel-G-Objektiv, f/2.0) muss sich nicht verstecken, Sony macht hier sichtbare Fortschritte und rückt zur Konkurrenz auf: Die Fotos werden scharf und packen auch dunkle Szenen gut, der Sprung von älteren Modellen wie dem Xperia Z3 Compact von 2014 ist gewaltig. Hier der Vergleich mit dem ebenfalls kompakten iPhone 8:

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iPhone 8 vs. Sony Xperia XZ2 (Compact): Kameras im Foto-Vergleich.

Der hochgelobten Knipse des iPhone 8 steht ein würdiger Gegner aus Japan gegenüber, der manchmal siegt (Low-Light, Flexibilität) und manchmal den Kürzeren zieht (Natürlichkeit, Bedienung). Fazit: Wer etwas Zeit und Muße mitbringt, wird mit der Kamera des Xperia XZ2 Compact sehr schöne Foto-Resultate erzielen – sie ist übrigens identisch mit der des größeren Bruders Xperia XZ2 (ohne „Compact“). Gefilmt werden kann in 4K mit HDR, leider sind uns bei den Aufnahmen gelegentliche Ruckler aufgefallen – hier sollte Sony per Softwareupdate schnellstmöglich nachbessern. Ein nettes Gimmick ist die extreme Zeitlupe mit 960 Bildern pro Sekunde, die mit etwas Übung faszinierende Aufnahmen ermöglicht. Hier ein kurzes Video mit Eindrücken:

Sony Xperia XZ2: So schlägt sich die Kamera.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Design und Verarbeitung im Detail

Statt 4,6-Zoll-Displaydiagonale wie beim Vorgänger Xperia XZ1 Compact im 16:9-Format, bekommen wir es nun mit 5 Zoll im schlankeren 18:9-Format zu tun. Auch bei der Bildschirmauflösung hat sich etwas getan: Aus ehemals 1.280 x 720 Pixeln sind nun endlich stattliche 2.160 x 1.080 Pixel (483 ppi) geworden. Dank HDR-Unterstützung und einem mächtigen Snapdragon 845 unter der Haube stellt Sony klar, dass das hier kein schnödes Mittelklasse-Handy ist, sondern ein echtes Top-Gerät. Dagegen sprechen allerdings die pummelige Gehäusehöhe (12,1 mm) und das insgesamt konservativ wirkende Design – einen Wow-Effekt à la iPhone X oder Samsung Galaxy S9 wird das XZ2 Compact im Jahr 2018 nicht auslösen.

Nicht geglückt ist die zu tiefe Position des Fingerabdrucksensors auf der Rückseite, auch der seitlich angebrachte Powerbutton dürfte ruhig ein Stück weiter oben sitzen.

Sony Xperia XZ2 (Compact) im Hands-On.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Das hat uns gefallen

  • Verarbeitung: Robuste Bauweise mit stabilem Metallrahmen und Rückseite aus Kunststoff. Das XZ2 Compact kann – anders so mancher Glasrücken bei den Wettbewerbern – einiges wegstecken und kommt durchaus auch ohne Schutzhülle aus.
  • Formfaktor: Die dickliche Bauform mit der Rundung des Rückens hat den Vorteil, dass das Xperia XZ2 Compact ein Handschmeichler der alten Schule ist. Eine Qualität, die so manchem Konkurrenten fehlt und für einige Kaufinteressenten entscheidend sein dürfte.
  • Kamera: Hier und da etwas zu viel künstliche Schärfe, aber das Gesamtergebnis im Alltag überzeugt. Uns sind einige wirklich gute Fotos gelungen – mit dem dedizierten Kamerabutton macht das sogar richtig Spaß, wenngleich er etwas fest gedrückt werden muss. Die Selfie-Kamera erfüllt ihren Zweck, kann aber nicht aus dem Wettbewerb hervorstechen.
  • Display: Deutlich hochauflösender als der Vorgänger, stabile Blickwinkel, gute Farbdarstellung und ausreichende Helligkeit auch in der Sonne (außer in der Kamera-App), HDR-fähig – das flache Display des kompakten Xperia XZ2 ist fast frei von Makeln. Rundherum hat Sony auch noch etwas Rand zum Anpacken gelassen, aber endlich deutlich weniger als bei den Vorgängern.
  • Performance: Der Prozessor Snapdragon 845 rennt durch jede Anforderung. Die Benchmarkwerte (AnTuTu: 264.336 Punkte) bringen das Xperia XZ2 Compact ins Spitzenfeld und bestätigen, dass die Rechenleistung für die nächsten Jahre locker ausreichen dürfte. Ein wirklich schnelles Handy, das Apps zügig startet und alle Spiele flüssig darstellen kann.
  • Sound: Der Stereoklang der Lautsprecher ist klar und auch einigermaßen ausgewogen, es fehlt allenfalls etwas an Tiefton.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test: Das fanden wir nicht so gut

  • Verarbeitung: Die technische Ausstattung mit dem schnellen Snapdragon 845 spielt zwar ganz oben mit, aber rein äußerlich kann das Xperia XZ2 Compact kein Flaggschiff-Luxus-Flair versprühen. Das zum Vergleich herangezogene (minimal größere) iPhone 8 wirkt eindeutig eleganter und wertiger.
  • Positionierung von Fingerabdrucksensor und Powerbutton: Beide sind zu tief angebracht und erfordern mehrere Tage Eingewöhnung.
  • Gesprächsqualität bei Telefonaten: Die Verständlichkeit (in beide Richtungen) konnte nicht durchgehend überzeugen.
  • Sound: Keine Klinkenbuchse, obwohl das dicke Gehäuse bestimmt Platz dafür bieten würde. Kabelgebundene Kopfhörer können mit dem beigelegten Adapter betrieben werden, ansonsten ist Bluetooth angesagt, immerhin in der aktuellen Generation 5.0.
  • Videos: Wir hatten immer wieder Ruckler bei 4K-Aufnahmen, die sogar schon beim Filmen durch den Sucher hindurch zu sehen waren. Dabei lief keine weitere App im Hintergrund, die vielleicht einen Performance-Einbruch hätte verursachen können. Womöglich ist das ein (vereinzelt auftretendes) Softwareproblem, das Sony schleunigst beheben sollte.

Sony Xperia XZ2 Compact: Gut zu wissen

  • Software: Auf dem Xperia XZ2 Compact läuft Android 8.0, von einem noch folgenden Update auf 8.1 kann man fast sicher ausgehen. Die Oberfläche ist nicht allzu weit entfernt von Stock-Android – manchen Nutzern gefällt das, andere wünschen sich hingegen mehr Weiterentwicklung. An einigen nützlichen Stellen gibt es sinnvolle Konfigurationsmöglichkeiten (App-Sortierung, Homescreen-Anpassung). Die vorinstallierte Bloatware (Amazon Apps, Xperia Assist) ist gerade noch im Rahmen des Erträglichen, aber der AVG-Virenscanner hat dann doch sehr genervt.
  • Das Xperia XZ2 Compact unterstützt Raise-to-wake und zeigt beim Anheben Uhrzeit und Benachrichtigungen an, ein doppeltes Tippen auf den Bildschirm führt zur Bildschirmsperre (z.B. Muster zeichnen).
  • Die 64 GB interner Speicher sind per microSD-Karte erweiterbar.
  • Die beigelegten Kopfhörer (mit Klinkenanschluss statt USB-C) sind klanglich nicht der Rede wert und müssen mit dem ebenso beiliegenden Adapter angeschlossen werden – schade, gerade der Audio-Experte Sony könnte hier seine Expertise ausspielen und besseres und zeitgemäßes Zubehör mitliefern.
  • Eine Feststellung zum Abschluss: Die Taschenlampe (LED-Blitz) ist nicht einmal halb so hell wie die des iPhone 8. Kein großer Nachteil, aber in einer dunklen Straße fällt das im direkten Vergleich schon auf.

Auf Seite 2 sprechen wir über den Preis des Sony Xperia XZ2 Compact und schauen uns die Alternativen von anderen Herstellern an.

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