Ubuntu Edge: Das zum Scheitern verurteilte Millionenprojekt

Steffen Pochanke

Es sieht nicht gut aus für das Ubuntu Edge. 21 Tage bleiben dem indiegogo-Projekt, um mehr als 24 Millionen Dollar zu sammeln. Selbst optimistisch betrachtet, erscheint das unrealistisch.

Das Ubuntu Edge sollte das ultimative mobile Gerät werden: Mehrkernprozessor, mindestens 4GB RAM, 128GB Speicher, hochwertige Materialien, sowie Ubuntu Touch und Android als Betriebssysteme. Angedockt an einen Bildschirm sollte sich die Desktop-Oberfläche von Ubuntu öffnen und das Arbeiten wie an einem PC ermöglichen. Sollte.

Ubuntu Edge Introducing The Hardware.
Etwas mehr als eine Woche läuft die Kampagne nun. Zwar wurden bereits 7,6 Millionen Dollar eingenommen, doch innerhalb von 21 weiteren Tagen müssen für knapp 24 weitere Millionen Unterstützer gefunden werden. Diese Zahl scheint unmöglich zu erreichen, wenn man bedenkt, dass bereits nach 24 Stunden 3,4 Millionen Dollar eingenommen waren und die täglichen Neueinnahmen seit dem ersten Tag immer weniger werden.

Zur indiegogo-Kampagne*

Warum wird es das Edge nicht schaffen?

Für mich persönlich liegen die Probleme des Ubuntu Edge vor allem in diesen Punkten:

  • Ein Gerät für Geeks: Das Ubuntu Edge wäre ein klasse Gerät und die Spezifikationen lassen sicherlich vielen unter uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber leider sind wir da in der Minderheit. Die meisten Menschen sehen wohl keinen Sinn in einem solchen Gerät. 4GB RAM und 128GB Speicher in einem Smartphone? Und dann auch noch zwei Betriebssysteme? Für High-End-Nutzer ein Traum, für den Normalverbraucher unnötig.
  • Die Katze im Sack: Die Crowdfunding-Kampagne des Edge lässt viele Fragen offen. Rund 700 Dollar zur Unterstützung eines Produktes erfordern viel Überzeugungsarbeit seitens der Kampagnen-Betreiber. Der Unterstützer möchte wissen, was er für den Batzen Geld, den er spendet, bekommt. Aussagen wie „der schnellste verfügbare Mehrkernprozessor“ und Lobeshymnen auf den Akku ohne genauere Details verunsichern potentielle Unterstützer. Ich muss zugeben, dass ich das Projekt hauptsächlich nicht unterstützt habe, weil Canonical mir nicht glaubhaft versichern konnte, dass der Akku dieses Monstergeräts nicht schon nach wenigen Stunden den Geist aufgibt. Schade, denn das Gerät an sich ist klasse.
  • Fehlende Alltagstauglichkeit: Das Edge ist ein Hype-Gerät. Wir sehen, was möglich wäre, feiern das Konzept einige Tage lang und danach ebbt die Begeisterung ab. Hand aufs Herz: Wie oft würden wir das volle Potential des Gerätes ausnutzen? Würden wir immer wieder zwischen Android und Ubuntu Touch wechseln und das Gerät als Desktopersatz nutzen? Einige Nutzer sicherlich, aber nicht so viele, dass mit ihnen über 30 Millionen eingenommen werden.
  • Das Crowdfunding-Problem: „Hallo, ich habe eine Idee für ein tolles neues Gerät und suche nach Unterstützern, die mir helfen, es zu realisieren.“ „Ihre Idee ist klasse. Ich helfe aber nur, wenn ich auch eines der Geräte dafür bekomme.“ Die ursprüngliche Idee des Crowdfunding war es, zu helfen, Ideen zu verwirklichen. Wer ein Konzept gut fand, sollte dafür spenden und erhielt eine Art Dankeschön. Mittlerweile sind Crowdfunding-Plattformen zu einem Marktplatz für noch nicht vorhandene Produkte geworden. Ich kaufe ein Gerät, das noch nicht existiert, mit dem Risiko, dass es niemals existieren wird. Bei kleineren Investitionen ist das kein Problem, aber wer kauft schon ein teures Smartphone ein Jahr im Voraus, ohne zu wissen, was dann eigentlich daraus wird?

Natürlich ist es schade, dass das Edge über Crowdfunding wohl nicht finanziert wird. Da hilft es auch nicht, dass immer wieder neue Aktionen der Kampagnen-Betreiber gestartet werden, um für mehr Unterstützer zu werben. Während bei anderen Projekten wie der OUYA der geringe Preis und die Massentauglichkeit für einen dauerhaften Hype sorgen konnten, halten der vergleichsweise hohe (wenn auch angemessene) Preis des Edge, gepaart mit einer kleinen Zielgruppe, potentielle Unterstützer ab. Schade.

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