Wileyfox Swift im Test: Cyanogen-Smartphone für 170 Euro

Tuan Le 12

Wie viel muss ein gutes Smartphone mindestens kosten? 400 Euro? 300 Euro? 200 Euro? Das Wileyfox Swift stellt in unserem Test unter Beweis, dass es noch günstiger geht: Mit einem Straßenpreis von rund 170 Euro sagt es Moto G und Konsorten den Kampf an und kann sich durch eine ganze Reihe von Alleinstellungsmerkmalen aus der Masse der Mitbewerber hervorheben.

Kurz gefasst: Das Wileyfox Swift ist ein echter Preis-Leistungs-Brecher und bietet zum kleinen Preis eine rundum angenehme Android-Erfahrung. Mit einem ansprechenden Design, solider Hardware-Ausstattung und der feature-seitig überzeugenden wie performanten Android-Variante Cyanogen OS ist das Smartphone das zurzeit beste im Preisbereich unter 200 Euro. Trotz des knapp kalkulierten Preises überrascht das Swift durch sinnvolle Bonus-Features: Der Dual-SIM-LTE-Slot dürfte Tarif-Sparfüchse begeistern und kann parallel zum microSD-Slot betrieben werden, der im Swift tatsächlich noch wechselbare Akku ist zudem heutzutage ein rar gewordenes Gut. Wer nicht zu hohe Ansprüche an Grafikleistung und Kameraqualität stellt, kann zu einem Preis von weniger als 180 Euro mit dem Gerät nichts falsch machen. Vor allem als Einstieg in die Android-Welt kann man das Swift Neulingen wärmstens ans Herz und in die Hand legen.
Pro
  • Schickes Design
  • Flüssige Performance
  • wechselbarer Akku
  • Dual-SIM mit LTE und separatem microSD-Slot
  • Fantastisches Preis-Leistungs-Verhältnis
Kontra
  • Kamera wenig zufriedenstellend
  • (Noch) kein Android 6.0 Marshmallow
  • Zu wenig Leistung für aufwändige Games
Wileyfox Swift bei Amazon kaufen*
Die Wertung findet ihr unten im Text

Spezifikationen des Wileyfox Swift: Technische Daten im Überblick

Bilderstrecke starten(15 Bilder)
Vorbild Android? Funktionen, auf die mein iPhone neidisch ist…
Display 5 Zoll HD-IPS-Display (1.280 x 720 Pixel, 294 ppi) mit Corning Gorilla Glas 3
Prozessor Qualcomm Snapdragon 410 Quad-Core-CPU
4x ARM Cortex A53 mit 1,2 GHz, 64-Bit-fähig
Grafik Qualcomm Adreno 306
Arbeitsspeicher 2 GB RAM
Interner Speicher 16 GB (erweiterbar per microSD)
Kamera 13 MP, Samsung-S5K3M2-BSI-Sensor, Dual LED Flash
Frontkamera 5 MP
Akku 2.500 mAh, wechselbar
Maße 41,2 mm x 71 mm x 9,37 mm
Gewicht 135 Gramm
Betriebssystem Cyanogen OS 12.1 auf Basis von Android 5.1.1 Lollipop
Farben Schwarz
Besonderheiten Dual-SIM-LTE, Benachrichtigungs-LED mit verschiedenen Farben, UKW-Radio

Verarbeitung, Haptik und Design des Wileyfox Swift im Test

wileyfox-swift-test-front-display

Das Wileyfox Swift überzeugt durch ein grundsätzlich unauffälliges Design, das durch einige Akzente aufgewertet wird. Dazu zählt etwa der orange schimmernde Ring um die Kamera, aber auch das markante Firmenlogo auf der Rückseite des Gerätes, das die Form eines stilisierten Fuchs-Kopfes aufweist. Haptisch erinnert das Plastik auf der Rückseite fast an Kunstleder, fühlt sich aber trotz optischer Ähnlichkeit nicht annähernd so rau an wie die Sandstone-Cover von OnePlus One und 2. Fingerabdrücke sieht man darauf schon, aber nur schwer – etwaige Fettflecken halten sich derweil recht hartnäckig.

wileyfox-swift-rueckseite

Knarzen oder Wackeln konnten wir trotz der abnehmbaren Rückseite nicht vernehmen oder spüren – auch wenn man sich vollumfänglich mit Kunststoff als Baumaterial begnügen muss, von der mit Gorilla Glass 3 geschützten Front einmal abgesehen. Der Anteil des Displays an der gesamten Fläche der Front (Screen-to-Body-Ratio) von 68,8 % mag für einen Fünfzoller im unteren Mittelfeld liegen (zum Vergleich: Das Galaxy S7 mit 5,1-Zoll-Display hat 72,1 %, das iPhone 6s mit 4,7-Zoll-Display 65,6 %, das Nexus 5x mit 5,2-Zoll-Display hat 70,2 %), dennoch wirkt das Gerät wohlproportioniert, die seitlichen Bezels (Abstände zwischen Display und Geräterand) sind angemessen schmal.

Auch unabhängig vom Preis kann man dem Swift daher ein gelungenes Design attestieren, unter Berücksichtigung der Preisklasse ist die Aufmachung sogar fast schon beeindruckend. Ein kleiner Kritikpunkt unsererseits ist lediglich, dass der micro-USB-Port so tief ins Gehäuse eingelassen ist, dass nicht jedes Kabel oder andere Peripherie mechanisch Anchluss findet. Kleiner Bonus: Die orange Verpackung, die trotz des etwas dünnen Kartons nicht billig wirkt. Im Lieferumfang enthalten sind allerdings weder ein Ladeadapter noch ein Kopfhörer, sondern lediglich ein USB-Kabel. Uns hat’s nicht gestört und auch in den meisten anderen Haushalten dürfte davon noch genug herumschwirren.

Display des Wileyfox Swift im Test

wileyfox-swift-display-crop

An der Display-Helligkeit, der Farbdarstellung und der Blickwinkelstabilität des Wileyfox Swift gibt es nicht viel auszusetzen, allerdings auch nicht viel zu lobpreisen. Das IPS-Display besitzt eine farbtreue Darstellung mit guten Kontrasten und ist auch bei 70 Prozent Helligkeit sehr gut ablesbar. Der Nutzer muss sich allerdings mit einer HD-Bildschirmauflösung, also 1.280 x 720 begnügen – in dieser Preisklasse ist das eben Standard.

Wer für gewöhnlich ein Flaggschiff-Smartphone mit Full HD oder gar WQHD benutzt, wird durchaus einen Unterschied in der Schärfe ausmachen können; wenn auch nur einen subtilen – mit einer Pixeldichte von 294 ppi ist der Bildschirm trotzdem scharf genug. Im Außenbetrieb im prallen Sonnenlicht muss man aufgrund der Spiegelungen die Helligkeit schon mal bis zum Anschlag hochdrehen, aber ist bei jedem Smartphone ohne matte Schutzfolie der Fall. Insgesamt erfüllt das Display seinen Zweck, ohne in einer bestimmten Disziplin zu überragen, und überrascht mit einer für die Preisklasse soliden Bildqualität. Es gibt im Übrigen eine Benachrichtigungs-LED, die in verschiedenen Farben den Ladestatus sowie eingehende Nachrichten signalisiert.

Powered by Cyanogen: die Software vom Wileyfox Swift im Test

wileyfox-swift-decke

Machen wir es kurz: Die Software des Wileyfox Swift ist das Android, wie wir uns es immer gewünscht haben. Kein überflüssiger Schnickschnack, eine pfeilschnelle Performance – trotz des eher schwachen Prozessors – und eine Optik ganz im Sinne von Googles Material Design. Wer sich ein wenig in der Android-Welt auskennt, wird die zum Einsatz kommende Firmware natürlich kennen, denn es handelt sich dabei um CyanogenOS 12.1, basierend auf Android 5.1.1 Lollipop. Dabei handelt es sich um die „kommerzielle“ Version der wohl berühmtesten und am weitesten verbreiteten Community-Distribution eines Open-Source-Betriebssystems überhaupt: CyanogenMod.

Die Software orientiert sich weitgehend an Stock Android und kann hier und da im Detail mit zusätzlichen Einstellungsmöglichkeiten punkten. Insbesondere der hervorragende Theme-Manager von Cyanogen OS sowie die granularen Einstellungen zur Rechteverwaltung für Apps sind Highlights der Software. Bloatware glänzt durch Abwesenheit, zumindest wenn man die Google-Applikationen nicht als solche sieht, viele von ebenjenen lassen sich ansonsten auch deaktivieren. Einzig und allein der Umstand, dass es noch kein Marshmallow-Update für das Swift gibt, trübt den Gesamteindruck ein wenig und zieht einen Punktabzug nach sich. Aber auch dieses soll bald ausgeliefert werden – zumindest die Custom-ROM-Version CyanogenMod 13 ist bereits für das Swift veröffentlicht. In dieser Preisklasse nicht wertungsrelevant, aber trotzdem erwähnenswert: Über eine Double-Tap-to-Wake-Funktion verfügt das Wileyfox Swift genauso wenig wie über einen Fingerabdruckscanner.

Wileyfox Swift bei Amazon kaufen*

Flinker Fuchs, trotz Einsteiger-Chip: die Performance des Wileyfox Swift

Die Alltagsperformance des Wileyfox Swift ist vorbildlich: Surfen, Musik hören, E-Mails lesen und schreiben, Facebook, WhatsApp und die meisten anderen im Jahr 2016 üblichen Aufgaben für ein Smartphone bewältigt das Gerät ohne unnötige Nachdenkpausen; gerade beim Multitasking merkt man die Tatsache deutlich, dass der Hersteller nicht mit Arbeitsspeicher gegeizt und dem Wileyfox Swift für die Preisklasse üppige 2 GB RAM spendiert hat. Bei Spielen oder anspruchsvolleren Apps sind die Ladezeiten allerdings merklich länger, als man es als Nutzer von High-End-Geräten gewohnt ist.

Wileyfox Screenshot AnTuTu Swift
Wileyfox Swift AnTuTu

Auch ältere 3D-Spiele wie Wild Blood sowie weniger fordernde 2D-Games lassen sich flüssig auf dem Wileyfox Swift spielen. Hier macht sich bemerkbar, dass die Adreno-306-GPU im SoC eben nur ein 720p-Display zu befeuern hat. Für Benchmark-Fans haben wir auch AnTuTu auf dem Gerät laufen lassen, wo das Swift „nur“ 24.666 Punkte erreicht. Diese Punktzahl trägt aber der guten subjektiven Performance keine Rechnung - Cyanogen OS holt alles aus dem Gerät heraus, was eben geht. Wer sein Smartphone nicht allzu häufig zum Zocken verwendet oder auf anspruchsvolle 3D-Spiele verzichten kann, wird mit der Leistung des Wileyfox Swift zufrieden sein. Durch die eher moderate Leistung wird das Smartphone außerdem so gut wie nie warm, geschweige denn unangenehm heiß.

Telefonie und Audio beim Wileyfox Swift

Die Gesprächsqualität beim Wileyfox Swift stellt kein Problem dar; klare Verständlichkeit ist auf beiden Seiten gegeben und auch der Empfang fiel nicht unangenehm auf. Die Qualität des eingebauten Lautsprechers ist akzeptabel, allerdings sollte man hier keine Wunder erwarten: Bei hoher Lautstärke wird die Verzerrung nahezu unerträglich, insgesamt ist der Sound eher dünn und blechern. Über angeschlossene Kopfhörer oder Boxen liefert das Swift aber einen soliden Klang.

Konnektivität und Speicher des Wileyfox Swift

Intern sind im Wileyfox Swift nur 16 GB verbaut, in dieser Preisklasse sind derzeit aber auch kaum mehr zu erwarten. Dafür gibt es zumindest einen microSD-Slot als – übrigens vom SIM-Slot unabhängigen – Bonus, mit dem man theoretisch bis zu 200 GB Speicher nachrüsten kann. Die lassen sich freilich erst dann auch wirklich auf den internen Speicher draufrechnen, wenn Wileyfox das auf Android 6.0 Marshmallow beruhende Cyanogen OS 13 auszurollt. Mit Android 5.1.1 ist man auf die Nutzung des SD-Speichers für externe App-Daten – sofern die entsprechende App das zulässt –, Fotos, Musik, Videos und dergleichen beschränkt.

Darüber hinaus bietet das Swift einen Dual-SIM-Slot. Mit diesem kann man nicht nur mit zwei SIM-Karten telefonieren, sondern tatsächlich auch über beide SIM-Karten LTE nutzen. Softwareseitig ist die Dual-SIM-Funktion benutzerfreundlich gelöst; es lässt sich einstellen, welche SIM-Karte standardmäßig für welche Funktion genutzt oder ob vor jedem Anruf manuell ausgewählt werden soll. Wichtig zu wissen ist allerdings, dass WileyFox nicht auf den etablierten Nano-SIM-Standard setzt. Beide SIM-Schächte verlangen nach einer heutzutage schon fast als archaisch zu bezeichnenden micro-SIM. wer nur Nano-SIMs besitzt, sollte sich also rechtzeitig entsprechende Adapter – ein Pfennigartikel oder im Fachhandel – besorgen.

Akku und Alltag mit dem Wileyfox Swift

Akkulaufzeit-wileyfox
screen-on-akkulaufzeit

Nicht nur die Performance, sondern auch die Ausdauer im Alltag ist zufriedenstellend, ohne überragend zu sein. Einen Arbeitstag sollte das Swift mit 3 Stunden Screen-On-Zeit durchaus überstehen, selbst wenn man einige wenig CPU-lastige Spiele wie zum Beispiel Ascension spielt, verschiedene Messenger nutzt und mehrere E-Mail-Konten synchronisieren lässt. Besonders hervorzuheben ist der sehr geringe Standby-Verbrauch: Über Nacht verliert das Wileyfox Swift kaum Energie, im Screenshot gut zu erkennen.

Eine Schnellladefunktion haben wir vermisst, für das vollständige Aufladen benötigt das Smartphone etwas langatmige 2,5 Stunden. Wer sein Smartphone intensiver nutzt und keine Powerbank mit sich herumträgt, könnte dadurch in Engpässe geraten. Der Akku ist zwar wechselbar, bislang fehlen jedoch noch Optionen, sich einen Ersatzakku separat kaufen zu können.

Die Kamera des Wileyfox Swift im Test

Wileyfox-Swift-testfoto-6

Hier merkt man dem Gerät seinen Preis erstmals deutlich an, gerade wenn man für gewöhnlich ein teureres Smartphone mit höherwertiger Kamera verwendet. Bei Tageslicht sind die Resultate zwar annehmbar, in Sachen Bildschärfe sind die Fotos aber trotz der nominell hohen Auflösung von 13 MP im Detail nicht ganz zufriedenstellend. Zudem sind die Farben häufig verwaschen und nicht realitätsgetreu. Immerhin: Der Autofokus arbeitet zuverlässig und schnell. Bei der Kamera-App handelt es sich um eine leichte Abwandlung der Google Kamera, die stellenweise leider komplett auf Englisch gehalten ist. Da es hier kaum wirklich nützliche Zusatzfunktionen gibt und gelegentlich einige Bugs bei der Darstellung im Querformat auftreten, sollte man sich die originale Google Kamera-App (derzeit nur als APK verfügbar) herunterladen.

Wunder bewirken kann eine Änderung der Kamera-App freilich nicht: Unter schlechten Lichtverhältnissen nimmt die Bildqualität durch Bildrauschen und zunehmende Unschärfe weiter ab, da selbst viele High End-Smartphones in dieser Disziplin schwächeln soll das aber kein gravierender Kritikpunkt am Swift darstellen.

Die Frontkamera nimmt Fotos mit maximal 5 MP im 4:3-Format auf und ist für Schnappschüsse (allerdings auch nur für solche) geeignet. Für Instagram, Snapchat & Co. dürfte die Kamera des Wileyfox Swift völlig ausreichend sein; wer aber gerne besondere Momente mit seinem Smartphone festhalten möchte, wird mit der Bildqualität vermutlich nicht glücklich werden.

Wileyfox Swift: Testvideo der Kamera

Wileyfox Testvideo.

Bei der Qualität der Videoaufnahmen kann das Wileyfox Swift leider überhaupt nicht überzeugen: Videos werden zwar theoretisch in Full HD aufgenommen, doch die Bildschärfe lässt deutlich zu wünschen übrig. Außerdem ist die Qualität der Soundaufnahme in Videos kaum noch als annehmbar zu bezeichnen. Einzig der schnelle Autofokus ist hier lobend hervorzuheben; bei sehr viel Sonnenlicht (und mit einem externen Mikrofon) lässt sich vielleicht noch einiges machen, doch tendenziell ist das Wileyfox Swift nicht dazu gedacht, eine Videokamera zu ersetzen.

Wileyfox Swift: Bildergalerie

Unsere Test-Wertung zum Wileyfox Swift

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 4/5
  • Display: 3/5
  • Software: 4/5
  • Performance: 3/5
  • Telefonie und Audio: 3/5
  • Konnektivität und Speicher: 4/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Kamera: 2/5

Gesamtwertung: 68 %

wileyfox-swift-badges

Wileyfox Swift bei Amazon kaufen*

Wileyfox Swift

19. März 2016

68/100 Punkte

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

* Werbung