Xiaomi Mi5 im Test: Es hätte das beste Smartphone der Welt sein können

Tuan Le 17

Xiaomi hat sich in den vergangenen Jahren als chinesischer Aufsteiger immer wieder durch spektakuläre Geräte in aller Munde bringen können. Mit dem Xiaomi Mi5 stellte das Unternehmen erstmals ein Smartphone auf dem MWC 2016 in Barcelona vor, parallel zum Samsung Galaxy S7. Während es in Sachen Hardware und Verarbeitung auf Augenhöhe mit den Südkoreanern ist, verwehren einige unnötige Probleme dem Gerät eine Zukunft als internationaler Bestseller.

Xiaomi Mi5 im Test: Es hätte das beste Smartphone der Welt sein können

Kurz gefasst: Kaum ein anderes Gerät kommt derzeit Samsungs Spitzen-Smartphones so nahe wie das Xiaomi Mi5. Das High-End-Modell des chinesischen Aufsteigers punktet mit einer hervorragenden Haptik und Verarbeitung, leistungsfähiger Hardware und einer ausgezeichneten Kamera. Die Software ähnelt zwar eher iOS als Android, bietet aber auch viele eigene innovative Ansätze und bemerkenswerte Features.

Xiaomi lieferte in unserem Test schlussendlich den Beweis, dass man es mit der aktuellen Elite der Smartphone-Hersteller aufnehmen könnte – wenn man es denn wirklich wollte. Tatsächlich ist das Mi5 vom Hersteller allerdings nicht für den europäischen Markt vorgesehen, was sich durch das Fehlen einer deutschen Übersetzung sowie dem gerade für ländliche Regionen wichtigem LTE Band 20 deutlich bemerkbar macht. Diese Makel, gepaart mit der ausbleibenden Verfügbarkeit in hiesigen Gefilden, führen dazu, dass das Xiaomi Mi5 eher als Geheimtipp für Android-Enthusiasten als eine ernstzunehmende Gefahr für das Galaxy S7 zu betrachten ist – zumindest außerhalb Asiens.

Pro

  • Hervorragendes Design
  • Sehr schnelle und flüssige Performance
  • Sehr gute Kamera mit OIS
  • Ausdauernder Akku
  • Dual-SIM
  • Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
Kontra

  • Keine deutsche Sprache
  • Kein LTE Band 20
  • Google Apps müssen nachinstalliert werden
  • Stellenweise Zwang zur MIUI Cloud
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Spezifikationen des Xiaomi Mi5: Technische Daten im Überblick

Display 5,15 Zoll mit 1.920 x 1.080 Pixel (Full HD IPS)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 820 Quad-Core (64 Bit)
Arbeitsspeicher 3 GB
Interner Speicher 32 GB
Kamera 16 MP mit Sony IMX298-Sensor, 6-teiliger Linse (Saphirglas-Abdeckung) und 4-achsigem OIS
Frontkamera 4 MP
Akku 3.000 mAh
Maße 144,55 x 69,20 x 7,25 Millimeter
Gewicht 129 Gramm
Betriebssystem MIUI 7 mit Android 6.0 Marshmallow
Farben Schwarz, Weiß, Gold
Besonderheiten Fingerabdrucksensor, Dual-SIM, USB Typ C
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Lieferumfang, Verarbeitung, Haptik und Design des Xiaomi Mi5

xiaomi-verpackung

Im Lieferumfang befindet sich nicht viel: Ein USB Typ C-Kabel, ein für europäische Nutzer nutzloser Ladeadapter – wir haben das Xiaomi Mi5 im Testzeitraum mit dem Ladeadapter eines OnePlus One betrieben –, eine SIM-Nadel sowie haufenweise Papierkram. Hier hätte man sich sicherlich mehr Mühe geben können (OnePlus oder OPPO machen es vor), die meisten Nutzer werden die Verpackung im Anschluss aber vermutlich ohnehin irgendwo im Keller oder auf dem Dachboden verstauen.

xiaomi-mi5-oberseite

Zugegeben: Hier und da erinnert das Mi5 unwillkürlich an Geräte von Samsung, beim Rahmen vielleicht auch an Apple. An der Front befindet sich unten ein länglicher Homebutton, der tatsächlich ein gutes Stück schmaler als bei den Samsung-Modellen und ohne Mängel verarbeitet ist. Ebenso wie bei den restlichen Hardware-Tasten gibt es beim Druckpunkt der Home-Taste nichts auszusetzen. Der Rahmen links und rechts vom Display ist erfreulich schmal, wohingegen die Bezel über und unter dem Bildschirm für den einen oder anderen vielleicht etwas zu großzügig geraten sind. Von der Form her geht das Mi5 eher in die Länge als in die Breite und schmiegt sich durch die abgerundete Rückseite angenehm an die Hand des Benutzers.

Xiaomi-mi5-front-display

Darüber hinaus ist positiv festzustellen, dass sich auf der hochglänzenden weißen Rückseite kaum Fingerabdrücke ausmachen lassen. Möglicherweise ist dies allerdings bei der schwarzen Variante problematischer. Der Metallrahmen wirkt sehr hochwertig: Beim Blick auf die Front fallen direkt die glänzenden, abgeschliffenen Kanten auf. Diese sind nett anzusehen, allerdings ebenso wenig wie das Display nicht vor Kratzern gefeit, wie wir im Testzeitraum bei normaler Nutzung ohne Case festgestellt haben. Wirklich negativ fallen diese aber eigentlich nicht auf.

xiaomi-mi5-logo

Während man an der Oberseite den Kopfhörer-Anschluss sowie einen IR-Blaster vorfindet, gibt es an der Unterseite einen USB Typ C-Port sowie die Öffnungen für den Lautsprecher. Tatsächlich dröhnt der Ton zwar nur durch den rechten Lautsprecher, die Qualität ist jedoch überraschend gut. Auffällig ist, dass Xiaomi anders als Samsung den Metallrahmen an der Ober- und Unterseite nicht nach außen gewölbt, sondern geradlinig hat verlaufen lassen. Somit orientiert sich Xiaomi zwar am Design der Konkurrenz, liefert aber tatsächlich eine gelungene, wenn nicht sogar noch ansehnlichere Neuinterpretation bekannter Design-Merkmale.

SAMSUNG CSC

Durch die abgerundete Rückseite wirkt das Xiaomi Mi5 noch schlanker, als es mit seiner Dicke von 7 Millimetern ohnehin schon ist. Zugleich ist es allerdings auch ziemlich rutschig und sollte daher für den Fall der Fälle lieber mit einem Case verwendet werden. Das Xiaomi-Logo findet sich zum einen an der Front oben links, zum anderen auf der Rückseite unten mittig wieder; ungewohnt mutet das Fehlen der CE-Zertifizierung oder sonstiger Logos auf dem Gerät an, insgesamt weiß das minimalistische Design des Mi5 aber zu überzeugen.

Display des Xiaomi Mi5 beeindruckt im Test

Zwar löst das Display des Xiaomi Mi5 lediglich mit Full HD und nicht wie die Konkurrenz mit WQHD aus, doch an der Bildschärfe oder Qualität des Panels gibt es nichts zu bemängeln. Trotz IPS-Technologie liefert das Xiaomi Mi5 satte Schwarzwerte, die im ersten Moment gar an ein AMOLED-Display glauben lassen. Die Darstellung ist farbgetreu und nicht wie bei vielen anderen Geräten chinesischer Hersteller gelbstichig. Die Helligkeit ist ebenfalls ausreichend, um selbst bei hellem Sonnenschein das Display noch ablesen zu können.

Außerdem gibt es einige erwähnenswerte Einstellungen in der Software: So kann der Nutzer neben der Standardeinstellung auch eine deutlich kühlere und eine deutliche wärmere Farbkalibrierung vornehmen. Zwischenstufen erlaubt die Software aber leider nicht. Dafür gibt es auch einen automatischen Modus, der je nach Umgebungslicht die Kontraste und Farben eigenständig anpasst. Das funktionierte in unserem Test gut: Bei Sonnenschein wurden die Kontraste deutlich erhöht, was zwar die Bildqualität etwas reduziert, dafür aber eine bessere Ablesbarkeit gewährleistet.

MIUI 7: Die Software des Xiaomi Mi5 im Test

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Bei der Software des Xiaomi Mi5 wird es dann schwierig: Zum Einsatz kommt MIUI 7, eine alternative Android-Benutzeroberfläche basierend auf Android 6.0 Marshmallow. MIUI wird von Xiaomi schon seit vielen Jahren weiterentwickelt, erinnerte jedoch auch schon von Beginn an sehr stark an Apples iOS-Oberfläche. Gerade für langjährige Android-Nutzer könnte die Umstellung zu Beginn etwas schwer fallen, viele Dinge lassen sich aber zum Glück nachbessern.

  • Kein App-Drawer: Sämtliche installierten Applikationen werden beim vorinstallierten Launcher auf dem Homescreen angezeigt. Ein alternativer Launcher wie zum Beispiel Nova Launcher kann aber problemlos nachinstalliert werden. Beim Xiaomi Mi5 kann man den Launcher beziehungsweise Homescreen wechseln, indem man in den Einstellungen unter „Installed Apps“ das kleine Zahnrad mit „Defaults“ antippt und dort unter „Launcher“ die gewünschte Homescreen-App auswählt.
  • Veränderte Benachrichtigungsleiste: In MIUI 7 ist das Benachrichtigungszentrum in zwei Seiten unterteilt. Auf einer Seite werden eingehende Benachrichtigungen mit einem Uhren-Widget ganz oben angezeigt, auf der anderen Seite die Schalter für WLAN, Bluetooth und weitere Einstellungen mit einem Widget zur Musiksteuerung ganz oben. Aufgrund dieses Widgets ist es sinnvoll, die Benachrichtigung von Musikplayern zu deaktivieren, da sich sonst die Steuerelemente doppeln.
  • Veränderte Menüstruktur in den Einstellungen: Während man auf dem ersten Bildschirm der Einstellungen eigentlich weniger wichtige Menüpunkte wie zum Beispiel Schriftart und Textgröße vorfindet, verbergen sich essenzielle Punkte wie Akku & Performance, Speicher sowie die Eingabemethoden im Unterpunkt „Additional Settings“. Es wäre sinnvoller gewesen, in den Einstellungen mehr Unterpunkte als nur „Network“ und „Accounts“ zu integrieren und alle wichtigen Einstellungspunkte auf der ersten Seite anzuzeigen. Eine vereinfachte Ansicht wie bei Huaweis EMUI-Oberfläche gibt es nicht. Die Struktur der Einstellungen ist nicht nur ungewohnt, sondern stellenweise auch recht unintuitiv, was aufgrund der vielen Optionen leider zu Beginn etwas verwirrend wirkt.
  • Keine Google-Dienste vorinstalliert: Mangels Lizenz gibt es auf dem Xiaomi Mi5 keinen Play Store – zumindest nicht ab Werk. Das ist aber ein Umstand, den man durch die Installation der entsprechenden APK-Dateien generell bei Xiaomi-Smartphones schnell beheben kann (und sollte).
  • Vorinstallierte Bloatware: Auf dem Homescreen finden sich ab Werk eine ganze Reihe von Bloatware-Apps chinesischer Anbieter, die man getrost deinstallieren kann.
  • Nutzlose Benachrichtigungssymbole: Eingehende Benachrichtigungen erhalten häufig nur ein generisches Icon in der Statusleiste, an dem man nicht erkennen kann, von welcher App sie stammt. Auch dies lässt sich aber in den Einstellungen ändern (im Unterpunkt „Notifications“ ).
  • Multitasking-Menü: MIUI verzichtet auf eine Miniatur-Ansicht der geöffneten Apps und zeigt stattdessen nur Icons an. Das spart zwar System-Ressourcen, ist mitunter beim Multitasking hinderlich. Mit einer (ebenfalls alles andere als intuitiven) Pinch-to-Zoom-Geste kann man aber eine an iOS angelehnte Vorschau dauerhaft aktivieren.
  • Xiaomi Cloud: An vielen Stellen wird man zum Login in den Xiaomi-Account aufgefordert, um zusätzliche Features zu aktivieren. Die meisten europäischen Nutzer dürften einen solchen Account allerdings gar nicht besitzen (und auch nicht vorhaben, sich einen solchen zuzulegen).

Neben den zum Teil irritierenden Unterschieden zu Stock-Android sind uns im Test aber auch einige interessante, teils gar innovative Features positiv aufgefallen:

  • Personalisierbarer Energiesparmodus: Es gibt die Möglichkeit, eigene Nutzerprofile zur Verlängerung der Akkulaufzeit einzustellen. Hier können dann zu festgelegten Zeiten Funktionen wie WLAN, Bluetooth und GPS automatisch deaktiviert werden. Auch ab einem bestimmten Akkustand können die erstellten Profile automatisch ausgelöst werden.
  • Benachrichtigungsmanager: Direkt in der Benachrichtigungsleiste wird man bei Gedrückthalten einer eingehenden Benachrichtigung zu den entsprechenden Einstellungen weitergeleitet. Dort kann man dann festlegen, ob und inwiefern weiterhin von der App Benachrichtigungen eingeblendet werden sollen - eine sehr elegante Lösung.
  • Berechtigungsmanager: MIUI listet zu jeder App detailliert sämtliche Berechtigungen auf und zeigt dem Nutzer an, welche von ihnen gewährt oder verwehrt werden.
  • Anpassung der Statusleiste: Ein Feature, das eigentlich nur Custom-ROMs bieten. Der Nutzer kann nicht nur den Namen der Netzanbieter in der Statusleiste anzeigen, sondern diese für jede der SIM-Karten sogar noch anpassen. Zudem kann optional auch die aktuelle Datengeschwindigkeit in Kilobyte pro Sekunde angezeigt werden.
  • WLAN teilen: Jeder kennt das Problem: Wenn man jemanden zum ersten Mal Zuhause besucht, wird zuallererst nach dem WLAN-Passwort gefragt. Um sich langwierige Passworteingaben und das lästige Gefummel hinter dem Router zu ersparen, hat Xiaomi sich etwas enorm nützliches einfallen lassen: Mit dem Mi5 kann man bei bestehender WLAN-Verbindung einen QR Code erstellen, den andere Smartphone-Nutzer einfach abscannen können. Daraufhin wird direkt eine Verbindung zum Router aufgebaut, ohne dabei das eigentliche Passwort zu verraten.

Als gravierender Nachteil ist allerdings der Umstand zu werten, dass es bis auf die chinesische und englische Fassung keine weiteren Sprachen für die Firmware gibt. Man kann hier nur hoffen, dass die Entwickler-Community wie bei älteren Xiaomi-Smartphones eine brauchbare Multi-Language-ROM mitliefert – doch es ist schade, dass Xiaomi hier bislang noch nicht selbst investiert. Das ist insbesondere nach der großspurigen Ankündigung auf dem MWC 2016 unverständlich. MIUI 7 verschenkt insgesamt viel Potenzial und muss daher in unserer Software-Wertung trotz innovativer Ansätze und einer spannenden Neuinterpretation von Android deutlich federn lassen.

Snapdragon 820: Die Performance des Xiaomi Mi5 überzeugt im Review

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Während des MWC 2016 sorgte Xiaomi für Aufruhr, als man im AnTuTu-Benchmark einen Wert jenseits der 140.000er-Marke präsentierte. Tatsächlich konnten wir bei unseren Benchmarks „nur“ 114.000 Punkte erreichen – ein Wert, der hinter der Konkurrenz von Samsung und Apple liegt. In der Praxis macht sich das allerdings nicht bemerkbar: Apps öffnen sich nahezu ohne Verzögerungen, die Oberfläche ist überraschend flüssig und muss auch den Vergleich zu Stock-Android (geschweige denn TouchWiz) keineswegs fürchten.

Auch aufwändige Spiele bewältigt der Snapdragon 820 dank der Adreno 530-GPU ohne Probleme, vom alltäglichen Multitasking und Wechsel zwischen verschiedenen Apps ganz zu schweigen. Die Leistung des Xiaomi Mi5 lässt keine Wünsche offen und sollte ein für alle Mal das Gerücht aus der Welt räumen, Smartphones aus China würden allesamt an einer ruckelnden Benutzeroberfläche leiden. Übrigens: Der Snapdragon 820 im Xiaomi Mi5 erwärmt das Gerät zwar bei intensiver Belastung durchaus, Hitzeprobleme konnten wir aber nicht feststellen. Das Gerät wird nie unangenehm heiß und kühlt nach kurzer Zeit auch wieder ab.

Telefonie, Audio und Lautsprecher beim Xiaomi Mi5: Gut, aber es geht besser

Die Gesprächsqualität des Xiaomi Mi5 bietet keinen Grund zur Beanstandung. Sowohl über die Hörmuschel als auch über den Lautsprecher lässt es sich verständlich mit dem Gegenüber telefonieren. Besonders hervorgehoben werden sollte die Qualität des Lautsprechers: Sowohl beim Telefonieren als auch beim Hören von Musik ist die Soundqualität über den integrierten Lautsprecher an der Unterseite sehr gut. Mit den Stereolautsprechern eines HTC One M9 kann man sich aufgrund der etwas unvorteilhaften Positionierung an der Unterseite natürlich nicht messen, doch die Lautstärke und Qualität an sich ist zufriedenstellend.

Konnektivität und Speicher des Xiaomi Mi5

Das Xiaomi Mi5 verfügt über einen Dual-SIM-Slot, in dem jedoch anders als bei vielen Konkurrenten kein microSD-Slot integriert worden ist. Der Nutzer muss also mit den 32 GB internen Speicher auskommen, von denen ab Werk immerhin 26 GB zur Verfügung stehen. Im Vergleich zum Nexus 6P (25 GB) und Galaxy S7 (24 GB) ist das ein sehr guter Wert, außerdem gibt es für anspruchsvollere Nutzer noch eine Variante mit 64 GB sowie eine Premium-Version mit 128 GB, 4 GB RAM und Keramik-Rückseite.

In Sachen Konnektivität dürfte das Xiaomi Mi5 in hiesigen Gefilden nicht alle Nutzer glücklich machen. Der Dual-SIM-Slot wird mit bis zu zwei Nano-SIM-Karten betrieben, in der Software kann der Nutzer genau festlegen, welche Funktionen mit welcher SIM ausgeführt werden sollen. Da das wichtige LTE Band 20 fehlt, kann es gerade in ländlichen Regionen zu einer mangelhaften Verbindungsqualität kommen. Schließlich sind davon nicht nur Nutzer mit LTE-Tarif betroffen – häufig ist auch überhaupt nur eine Verbindung über das Band 20 möglich, sodass Geräte ohne diesen Standard deutlich im Nachteil sind. Hin und wieder stellten wir im Test Verbindungsabbrüche mit beiden SIM-Karten (O2/E-Plus sowie Vodafone) beim Videostreaming fest, obwohl eigentlich ausreichend Empfang gegeben sein sollte. Solche Probleme blieben zwar eher die Ausnahme, trübten aber dennoch den Gesamteindruck etwas.

Akku und Alltag mit dem Xiaomi Mi5

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Der 3.000 mAh-Akku im Xiaomi Mi5 leistet im Zusammenspiel mit dem Qualcomm Snapdragon 820 sehr gute Arbeit. Einen Arbeitstag mit vier aktiven E-Mail-Konten, diversen Messengern und rund 3 Stunden Screen-On-Zeit meistert das Mi5 problemlos mit mehr als 30 Prozent Restlaufzeit; dank geringem Standby-Verbrauch kann man das Aufladen über Nacht auch mal vergessen (siehe Screenshots oben). Theoretisch können Intensivnutzer sicherlich auch noch deutlich längere Screen-On-Zeiten erreichen, wenn etwa hauptsächlich Videos konsumiert werden. Neben dem für einen 5,15-Zoller relativ großen 3.000 mAh-Akku ist dies auch der Software zu verdanken: Nachts (etwa von 1 Uhr bis 6 Uhr morgens) lässt sich das Smartphone unkompliziert in einen Standby-Modus versetzen, wo fast gar kein Strom verbraucht wird.

Generell ist der Standby-Verbrauch gering, zumindest solange man über ein WLAN-Netzwerk eingeloggt ist. Wer das Mi5 mit zwei SIM-Karten betreibt und sich in einer Region mit schlechter Netzabdeckung befindet, dürfte auch im Standby einen recht hohen Stromverbrauch feststellen. Bei gewöhnlicher Nutzung fällt die zweite SIM-Karte aber kaum ins Gewicht.

Der Fingerabdrucksensor überzeugte im Alltag erst nach einiger Eingewöhnung: Wenn er funktionierte, erlaubte er mit einem einzigen Knopfdruck das Entsperren des Smartphones, ähnlich wie bei der Xperia-Reihe von Sony. Den Lockscreen bekommt der Nutzer dann gar nicht mehr zu Gesicht; tatsächlich war die Fehlerquote im Praxistest zunächst jedoch relativ hoch, sodass wir immer wieder dazu gezwungen waren, den Finger mehrmals aufzulegen oder gar das Passwort manuell einzugeben. Nach einiger Eingewöhnung ließ sich die Fehlerquote reduzieren, indem man den Homebutton solange gedrückt hält, bis das Gerät tatsächlich entsperrt wird. Hin und wieder genehmigt sich das Xiaomi Mi5 zwar eine kleine Denkpause, kurz darauf erfolgt dann aber die Entsperrung des Gerätes.

Die Kamera des Xiaomi Mi5 im Test

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Bei Tageslicht und guten Lichtverhältnissen kann das Xiaomi Mi5 hervorragende Ergebnisse erzielen. Die Fotos mit der 16 MP starken Hauptkamera auf der Rückseite sind knackscharf, die Farben realistisch und der Autofokus sehr schnell. Dank OIS sind die Bilder auch so gut wie nie verwackelt. Allerdings wird in Bildbereichen, die etwas dunkler sind, schnell ein leichtes Rauschen erkenntlich, was zum Beispiel beim Fotografieren in Innenräumen ersichtlich wird. Dabei handelt es sich aber um Jammern auf hohem Niveau: Gerade subjektiv betrachtet wirken die mit dem Xiaomi Mi5 geschossenen Fotos auf dem Smartphone-Display klasse und dürften auch anspruchsvollere Gelegenheitsknipser zufriedenstellen.

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Dazu trägt sicherlich auch die Kamera-Software bei. Hier kann der Nutzer mit einer Wischgeste nach rechts zahlreiche Filter in Echtzeit über das Bild legen. Wischt man zur linken Seite, so wird ein Einstellungsmenü geöffnet, wo sich interessante Zusatzmodi wie zum Beispiel Panorama, Fish Eye, Tilt-Shift und ein Nachtmodus (HHT-Modus) verbergen. Besonders interessant dürfte der manuelle Modus sein, der vier Variablen aktiviert: Weißabgleich, Fokusmodus, Belichtungszeit und ISO. Beim Weißabgleich gibt es verschiedene Modi, beim Fokusmodus kann der Nutzer bei Bedarf auch manuell die Linse scharfstellen. Die Belichtungszeit variiert zwischen 1/1000 und 32 Sekunden, der ISO-Wert zwischen 100 und 3.200.

Bei Dunkelheit sind die Ergebnisse zwiespältig: Zwar ist es wirklich beeindruckend, wie viel Licht die Kamera selbst bei völliger Dunkelheit bei entsprechender Belichtungszeit einfangen kann. Allerdings stellt sich auch schnell ein starkes Bildrauschen ein. Hier ist definitiv ein Stativ notwendig, um bei maximaler Belichtungszeit ein gutes, unverwackeltes Bild zu erhalten.

Bei Videoaufnahmen leistet der 4-Achsen-Bildstabilisator ebenfalls gute Arbeit und verhindert Kopfschmerzen durch ruckelndes Bewegtbild. Allerdings konnten wir, entgegen der Versprechungen des Herstellers, keine signifikanten Verbesserungen gegenüber normalen OIS-Technologien feststellen. Zudem fiel uns auf, dass die Aufnahmen ab Werk nur in 720p-Auflösung mit 30 FPS gedreht werden, selbstredend sind aber auch Aufnahmen in Full HD und auch 4K möglich. Insgesamt ist die Qualität der Videoaufnahmen auf hohem Niveau, vor allem von der Qualität des Sounds waren wir angenehm überrascht. Aufnahmen von Konzerten oder spontanen Jam-Sessions steht somit nichts im Wege.

Xiaomi Mi5: Testvideo der Kamera (720p)

Xiaomi Mi5: Testvideo 720p.

Unsere Test-Wertung zum Xiaomi Mi5

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 5/5
  • Display: 5/5
  • Software: 3/5
  • Performance: 5/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Konnektivität und Speicher: 3/5
  • Akku und Alltag: 4/5
  • Kamera: 4/5

Gesamtwertung: 83 Punkte

Xiaomi Mi5

10. April 2016

83/100 Punkte

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