ZUK Z1 im Test: Akkumonster mit Cyanogen OS

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Wie viel Smartphone kann man eigentlich für rund 300 Euro erwarten? Ganz schön viel: Cyanogen OS, Dual-SIM, 64 GB Speicher, Fingerabdrucksensor, ein pfeilschneller USB 3.0 Typ C-Port und einen Monster-Akku zum Beispiel. In unserem Testbericht zum ZUK Z1 klären wir, ob das Smartphone auch Schwächen hat.

OnePlus hat’s vorgemacht, Honor macht mit, und jetzt eben auch ZUK: Bei ZUK handelt es sich um eine Tochterfirma von Lenovo mit Startup-Charakter. ZUK veröffentlichte das Z1 in Europa jedoch nicht wie OnePlus sein „One“ mit Getöse und einer großen Kampagne, sondern eher heimlich, still und leise bei einer intimen Release-Feier in Berlin. Wir holten das Gerät aus seinem Kämmerlein und schauten es uns im Rahmen eines Testberichts näher an.

ZUK Z1: Spezifikationen

Rein technisch bricht das ZUK Z1 sicher keine Performance-Rekorde, dafür erhält man für 300 Euro doch recht gute Spezifikationen:

Display 5,5 Zoll IPS-Display mit 1.920 x 1.080 Pixel (Full HD, 401 ppi)
Prozessor Qualcomm Snapdragon 801 Quad-Core-SoC mit 2,5 GHz
Arbeitsspeicher 3 GB RAM (LPDDR3, 1866 MHz)
Interner Speicher 64 GB (eMMC 5.0), nicht erweiterbar
Betriebssystem In China: Android 5.1 Lollipop mit ZUI
International: Android 5.1 Lollipop mit Cyanogen OS
Hauptkamera 13 MP mit optischem Bildstabilisator, f/2.2-Blende, 5 Linsen, Dual LED-Blitz und Sony IMX214-Sensor
Frontkamera 8 MP mit OmniVision OV8865
Akku 4.100 mAh
Farben Weiß, Grau
Abmessungen 155,7 x 77,3 x 8,9 Millimeter
Gewicht 175 Gramm
Sonstiges Dual Nano-SIM, Fingerabdrucksensor, Fast Charging mit Erhaltungsschaltung

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Design: Und das schönste Smartphone ist… nicht das ZUK Z1

Einen Schönheitswettbewerb gewinnt das ZUK Z1 sicher nicht – unter anderem wegen der schwarzen Displayränder, die bei der weißen Version deutlich sichtbar sind, bei der grauen Variante mit schwarzer Front jedoch weniger auffallen. Auf der Vorderseite des entfernt an die ersten beiden Samsung Galaxy Note-Phablets erinnernden ZUK Z1 sticht weniger das Display, dafür mehr die Umrandung in Form des Metallrahmens ins Auge: Die Frontkamera, der Umgebungslichtsensor und die Ohrhörermuschel inklusive Näherungssensor sind optisch dezent untergebracht, auch der unten positionierte Home-Button mit Fingerabdrucksensor besitzt nur dezente Farbakzente bei der weißen Variante und nahezu keine bei der schwarzen Version. Die Rückseite ist rein ästhetisch ebenso wenig preisverdächtig, dafür aber schlicht gehalten.

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Wer sich den Metallrahmen ansieht, erblickt auch schon das auffälligste Merkmal am ZUK Z1: Der Rahmen bietet dem grau-schwarzen oder weißen Rahmen sowie der Rückseite etwas Kontrast. Letzterer ist aus Plastik, aber in Metallfarben gehalten. Auf der Ober- und Unterseite finden sich zwei farblich abgesetzte Längsstreifen für besseren Empfang; unten rechts befindet sich das Lochmuster für den Lautsprecher, oben links ist der Kopfhörereingang. Rechts sind eine farblich dem Metallrahmen entsprechende Lautstärke-Wippe und der Power-Button zu finden. Links ist der Dual-SIM-Schacht. Power- und Lautstärke-Buttons besitzen gute Druckpunkte und sind ergonomisch sinnvoll positioniert. Richtig gut funktioniert auch der Fingerabdrucksensor. Der in den drückbaren Home-Button integrierte Scanner entsperrte das Gerät im Testzeitraum extrem schnell und zuverlässig – so soll es sein.

Video: ZUK Z1 im Unboxing und erster Eindruck

ZUK Z1 Unboxing.

ZUK Z1 im Test: das Display

Das 5,5-Zoll-Display mit der Full HD-Auflösung von 1.920 x 1.080 Pixeln bietet ausreichende Schärfe und ist auch an hellen Tagen mit Sonneneinstrahlung noch ohne Probleme ablesbar, dabei sogar heller als beispielsweise das zugegebenermaßen etwas dunkel geratene Display vom LG G4. Weiter bietet das IPS-Panel kräftige Farben, übersättigt jedoch nicht so stark wie beispielsweise Samsungs AMOLED-Displays. Die Helligkeit kann dem Umgebungslicht automatisch angepasst werden, außerdem ist die LiveDisplay-Funktion von Cyanogen OS mit an Bord, über die sich (auf Wunsch manuell oder automatisch) die Farbwärme des Displays je nach Tageszeit und Licht einstellt. So werden abends beispielsweise Blautöne entfernt, um eine einfachere Lesbarkeit zu ermöglichen und dem Körper nicht zu suggerieren, es sei helllichter Tag.

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Die Farbanpassungen durch LiveDisplay mögen anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein, doch schon nach zehn Minuten möchte man das Feature nicht mehr missen und hat sich vollends an den leichten bis starken Rotstich (je nach Tageszeit) gewöhnt. Alles in allem bietet das Display also satte Farben und kräftige Kontraste, hat jedoch einen leichten Grauschleier, den man allerdings nur im direkten Vergleich zu anderen Displays erkennt.

ZUK Z1
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ZUK Z1 im Leistungs-Test

Auf dem Papier liest sich das mittlerweile ein Jahr alte Qualcomm Snapdragon 801-SoC nicht mehr ganz zeitgemäß. Zu Unrecht, denn der auch im Samsung Galaxy S5, HTC One (M8) und OnePlus One verbaute Chip ist durchaus noch in der Lage, ein modernes Android zu befeuern – trotz „nur“ vier Kernen und fehlender 64-Bit-Unterstützung. Auch ist der Chip stromsparender und sondert weniger Hitze ab als so mancher aktuelle Achtkern-Bolide. In Benchmarks macht sich das ZUK Z1 immer noch ordentlich, der Chip erreicht beispielsweise Resultate um die 45.000 Punkte im Antutu-Benchmark. Aufgrund der fehlenden 64-Bit-Unterstützung ist das ZUK Z1 damit vielleicht nicht ganz so zukunftssicher, 2016 wird man mit dem ZUK Z1 mutmaßlich aber noch keine Probleme bekommen. Probleme könnte es lediglich beim LTE-Empfang in Deutschland geben, denn hierzulande (und in Europa) ist das Frequenzband 20 sehr gängig – gehört jedoch leider nicht zu den empfangbaren LTE-Frequenzen des Lenovo-Geräts.

Plus für die Performance ist die Tatsache, dass ZUK anders als andere Geräte dieser Preisklasse modernen eMMC 5.0-Flashspeicher verbaut: Anwendungen laden schneller, da der Speicher ein wesentlich schnelleres Lesen sowie Schreiben ermöglicht als bei herkömmlich verwendeten Flash-Speicher. Aber um die Alltags-Performance muss man sich dank der zahlreichen Optimierungen des ohnehin recht nah an Stock-Android orientierten Cyanogen OS nicht sorgen: Das System läuft ohne Ruckler, auch aufwendige Anwendungen wie beispielsweise Asphalt 8 oder Hearthstone laufen problemlos und ganz ohne Ruckler auf dem Gerät. Weiterer Vorteil: Anders als zahlreiche Vertreter der aktuellen Smartphone-Flaggschiffe wird das ZUK Z1 in der Benutzung höchstens warm, aber nie heiß.

ZUK Z1 im Test: Ein Akkuwunder?

ZUK Z1 Produktbild

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Böse Zungen könnten ZUK unterstellen, man wolle mit dem gigantischen 4.100-mAh-Akku andere Performance-Defizite verschleiern, die ihrerseits den Akkuverbrauch in die Höhe treiben. Das ist aber natürlich nicht der Fall: Selbst bei intensiver Nutzung und der Ausführung akkuintensiver Anwendungen wie beispielsweise das Spiel Hearthstone (aufwändigere Grafik-Effekte, dauerhafte Internet-Verbindung), bringen den Akku selbst bei zwei Stunden Dauer-Spielzeit nicht zur Kapitulation. In unserer Testphase reichte eine Akkuladung für ein bis zwei volle Tage Betrieb – bei einer Displaylaufzeit zwischen 4 und 6:30 Stunden. Bei der durchschnittlichen Displaylaufzeit eines Normalanwenders von 2 bis 3 Stunden täglich kann sich dieses Ergebnis durchaus sehen lassen – andere Smartphones wie etwa das Galaxy S6 strecken bei einem solchen Anwendungsszenario schon nach 15 bis 20 Stunden die Waffen. Bonus: Über den USB Typ C-Anschluss lässt sich der Akku dank Quick Charging innerhalb von zwei Stunden vollständig laden – sofern man das bis dato doch relativ exotische Kabel bei sich führt. In den meisten Fällen wird das nicht nötig sein, unterm Strich ist das ZUK Z1 damit, zusammen mit dem Huawei Mate 7, der neue Akku-König am Smartphone-Himmel.

USB Typ C: Der Anfang muss gemacht werden

Das ZUK Z1 besitzt einen USB Typ-C-Port. Das heißt: Aufladen bei Freunden, ohne selbst ein Kabel mitzubringen ist wohl nur in den seltensten Fällen möglich. Dies ist jedoch nicht unbedingt als Nachteil zu nennen, schließlich muss irgendwo ja der Anfang bei der Etablierung eines neuen Steckertyps gemacht werden. Dafür wird man mittelfristig mit USB-C auf der sicheren Seite sein, denn in den kommenden Jahren wird der Port zum Standard werden – und das nicht nur bei Smartphones und Tablets, sondern auch in Laptops. Mit der Verwendung vom USB-Typ-C-Standard macht ZUK also keine halben Sachen wie beispielsweise Google bei seinen neuen Nexus-Geräten. Bei denen kommt zwar auch ein mechanischer USB-Typ-C-Port zum Einsatz, das beidseitig einsteckbare Kabel schafft dort allerdings nicht etwa Datenübertragungs-Geschwindigkeiten nach dem USB 3.0- oder gar USB 3.1-Standard, trotz der neuen Buchse schleichen Daten hier nur mit USB-2.0-Geschwindigkeit durch die Leitung. Beim ZUK Z1 findet man hingegen zumindest den Standard 3.0 vor, der deutlich schnellere Kopiervorgänge von Daten auf das Smartphone oder vom Smartphone auf den Computer ermöglicht.

Cyanogen OS: Die Software im ZUK Z1

Außerhalb von China wird das ZUK Z1 mit der Android-Distribution Cyanogen OS in Version 12.1 auf Basis von Android 5.1.1 vertrieben. Es sind Cyanogen-üblich viele Anpassungsmöglichkeiten des Android-Betriebssystems implementiert – und das ganz ohne Bloatware. So lassen sich beispielsweise die Schnelleinstellungen (beim Herunterziehen der Statusleiste) oder auch die kompletten Oberflächen nach Belieben anpassen. Nur ein Feature fehlt uns: So kann man die unteren Navigationsbuttons nicht vertauschen und ist fest an die vorgegebene Reihenfolge (links: App-Übersicht, rechts: zurück) Reihenfolge gebunden, egal ob man sich für die Verwendung der kapazitiven Tasten oder der optional aktivierbaren Software-Buttons entscheidet. Als Basis des Cyanogen OS 12.1 dient Android 5.1 Lollipop, das Update auf Android 6.0 Marshmallow soll in einigen Wochen folgen.

Traditionell besonders mächtig ist die Theming-Engine von Cyanogen OS, die natürlich auch auf dem ZUK Z1 zum Einsatz kommt. Aus einem mittlerweile riesigen Angebot an vordefinierten Gestaltungsmöglichkeiten kann man sich seine Traum-Oberfläche zusammenstellen - und hat dabei so viele Einstellungsmöglichkeiten wie bei keiner anderen Android-Variante. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Cyanogen OS. Ebenfalls mächtig sind die erweiterten Privatsphäreeinstellungen, die Cyanogen OS hier Android 6.0 Marshmallow vorwegnimmt, mit diesen lassen sich Apps individuell Rechte entziehen, wenn diese zu „schnüfflerisch“ ans Werk gehen. Insgesamt läuft die Software rund – während unseres Testzeitraums von zwei Wochen konnten wir lediglich einmal einen spontanen Neustart beobachten.

Die Kamera des ZUK Z1 im Test

Video: Slow-Motion-Aufnahme mit dem ZUK Z1

ZUK Z1: Beispiel – Slow Motion-Video.

An einen 13 MP-Sensor aus dem Hause Sony mag man hohe Ansprüche stellen, insbesondere, wenn dieser durch einen optischen Bildstabilisator ergänzt wird. Beim ZUK Z1 wurden unsere Erwartungen jedoch nicht erfüllt – wir hatten es mit typischen „bei guten Lichtverhältnissen okay, sonst nicht“-Bildern zu tun. Selbst bei guten Lichtverhältnissen fiel uns ein starker Rotstich auf. Auch wenn dieses Defizit noch per Software-Update abgeschwächt wird, wirken die Bilder insgesamt detailarm, beim Heranzoomen vermatscht und übertrieben im Kontrast nachbearbeitet. Das kann auch der passabel arbeitende Bildstabilisator nicht kompensieren. Die Cyanogen-eigene Kamera-Anwendung bietet hingegen einige praktische Features. Gut fanden wir insbesondere den Zeitlupen-Modus, der bei einer Auflösung von 1080p Videos in bis zu 60 FPS aufnimmt und halb so schnell wiedergibt, die Aufnahme in 4K-Auflösung ist allerdings nicht möglich. Die Selfie-Kamera mit 8 MP ist brauchbar - aber auch hier wirken die Bilder etwas zu detailarm und so, als ob ein Grauschleier über ihnen läge.

ZUK Z1 - Foto mit Frontkamera
ZUK Z1 - Foto mit Frontkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Fenster
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Fenster
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Fenster
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Fenster
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Bahnfenster
ZUK Z1 - Foto mit Rückkamera durch Bahnfenster

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Test-Fazit zum ZUK Z1

Für wen ist das ZUK Z1 denn nun das Smartphone der Wahl? Liebhaber eines haptisch ansprechenden Smartphones oder eines Status-Symbol a lá Samsung Galaxy S6 edge oder iPhone 6S ist es das definitiv nicht – vor allem aufgrund der schnöden Optik. Ebenso nicht empfehlenswert ist das Gerät der Lenovo-Tochter, wenn man auf der Suche nach einem Mobilgerät ist, dessen Kamera nicht nur Schnappschuss-Bilder schießt, sondern sich an der Spitze der Top-Kamera-Smartphones findet. Wer hingegen ein unprätentiöses Smartphone mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, großem Display, Dual-SIM-Option, viel Speicher und großem Akku will, darf beherzt zugreifen. In dieser Kombination macht das Smartphone für rund 300 Euro gegenüber aktuellen Flaggschiffen alles richtig und konnte auch uns – trotz der genannten Kritikpunkte – durchweg überzeugen.

Eine Alternative zum ZUK Z1 ist das kleinere, etwas preiswertere, besser verarbeitete OnePlus X, das aber einen kleineren Akku und weniger Speicher besitzt. Zu einem ähnlichen Preis ist überdies das Honor 7 (Test) empfehlenswert.

Unsere Test-Wertung zum ZUK Z1

  • Verarbeitung, Haptik und Design: 3/5
  • Display: 4/5
  • Software: 5/5
  • Performance: 4/5
  • Telefonie und Audio: 4/5
  • Kamera: 2/5
  • Konnektivität und Speicher: 5/5
  • Akku und Alltag: 5/5

Gesamt: 80 %

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Pro:

  • gigantische Akkulaufzeit
  • Dual-SIM-Funktion und USB 3.0 (Typ C)
  • Mächtiges Cyanogen OS

Kontra:

  • Schlichtes Design
  • Kamera nur Mittelmaß
  • Snapdragon 801 nicht 64-Bit-fähig
ZUK Z1

03. Dezember 2015

80/100 Punkte

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Martin Malischek
Martin Malischek, GIGA-Experte.

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