Porno-Abmahnungen: Wie sind die Rechtsanwälte an die Daten gekommen?

Mittlerweile kursieren einige Gerüchte darüber, wie die Rechtsanwälte an die Daten der Nutzer gekommen sind. Auch eine Zusammenarbeit mit RedTube wurde mitunter nicht ausgeschlossen. Dagegen sprach sich die Muttergesellschaft Mindgeek deutlich aus.

MindGeek, the parent company of RedTube, denied allegations Monday that it divulged user information to third parties as outlined in a story reported by Die Welt. The adult entertainment conglomerate also said that it has no affiliation with the German law firm of Urmann and Collegen, which, according to Die Welt's article, sent hundreds of warning letters to surfers “who have allegedly seen several pirated porn on the portal.“

Es spricht vieles dafür, dass die Firma itGuards Inc., die die Daten für die Rechtsanwaltskanzlei erhoben hat, schlicht und ergreifend Werbeanzeigen genutzt hat, um Nutzer zu identifizieren.

Bilderstrecke starten(6 Bilder)
Anonym Surfen: 5 beliebte VPN-Apps

Strafantrag gegen die Rechtsanwälte und die Datenbeschaffer der Porno-Abmahnungen

Die Kanzlei sprach in dem Antrag auf Adressherausgabe davon, dass RedTube eine Filesharing-Seite ist, was heißen würde, RedTube ist eine Tauschbörse. Dies ist nicht der Fall. Deshalb stellte die Rechtsanwaltskanzlei Werdermann/von Rüden nun eine Strafanzeige wegen Irreführung.

Auch die Firma itGuards Inc. kommt womöglich nicht glimpflich davon, da sie eidesstattlich versicherte, dass die Daten der Nutzer, die die Videos gestreamt haben sollen fehelerfrei erhoben worden sind. Dies ist nicht der Fall. Auch hier wurde eine Strafanzeige gestellt.

Um die „Täter“ dingfest zu machen, wurde das Programm GLADII 1.1.3. genutzt. Hierbei ist wie bereits im Artikel zu erlesen nicht bekannt, wie das Programm an die IP-Adressen der Nutzer gekommen ist. Das zuständige Gericht weigert sich die Daten, die bei einer Adressherausgabe erfolgen müssen, herauszugeben. Vielleicht wurde sie also einfach nicht ordentlich geprüft.

Landgericht Köln reagiert auf Vorwürfe

Das Landgericht Köln gab nun auf die Anschuldigungen, dass sie Anträge auf Adressherausgabe aufgrund der Flut dieser einfach durchwinken würde, Antwort: 16 verschiedene Zivilkammern des Gerichts sollen diese geprüft haben. Trotzdem gibt man zu verstehen, dass die Berichterstattung im Internet hierüber zur Folge hat, dass diese Art von Anträgen in Zukunft intensiver geprüft werden.

Vom Landgericht Köln werden keine Anträge zur Adressherausgabe in diesem Fall mehr zugelassen, was aber nicht für die Betroffenen eine Freisprechung dieser heißt. Auch durch Falschaussagen getätigte Abmahnungen sind rechtsgültig.

Abgemahnt wegen Porno-Stream? Rechtsanwalt ruft zu Gelassenheit auf, der Verbraucherschutz nicht

Entgegen dem Raten vieler Rechtsanwälte, sich in Verbindung mit einer Rechtsberatung zu setzen, sollteman Opfer einer solchen Abmahnung sein, ruft Udo Vetter, Fachanwalt für Strafrecht zu Gelassenheit auf: „Es spricht einiges dafür, dass man sich keine schlaflosen Nächte machen muss. Selbst bei den echten Abmahnungen von U + C ist schlichtes Ignorieren derzeit eine vertretbare Option.“

Verbraucherschutzzentralen raten jedoch dazu, sich einen Rechtsbeistand zu suchen, sei man betroffen. Nach der Einschätzung der Münchner Niederlassung „dürfte die Abmahnung in rechtlicher Hinsicht angreifbar sein“.

Vorsicht: Wir bieten keine vollständige Rechtsberatung, die Inhalte dieses Textes basieren rein auf den Aussagen der in den Quellen genannten Anwaltskanzleien.

Quellen: stadt-bremerhaven, internet-law, infodocc, t3n
Update-Quellen: crackajack, heise, golem, t3n
Bild via shutterstock, II

Was sich sonst noch getan hat, erfahrt ihr auf Seite vier.