Was ist Tumblr - und wie kann ich es nutzen?

Marco Kratzenberg

Man könnte Tumblr als eine Art Blogging-Plattform sehen, die sich auf das Einstellen und endlose Wiederkäuen kurzer Blogbeiträge und Bilder spezialisiert hat. Für die Publikation längerer, strukturierter Artikel und eine Kategorisierung der Einträge eignet sich der Dienst nicht.

Was ist Tumblr - und wie kann ich es nutzen?

Etwas problematisch bei dieser Form des sogenannten Microbloggings ist die dadurch sehr häufig vorkommende Verletzung des Urheberrechts sowie die Aufgabe eigener Rechte. Der Großteil der Nutzer von Tumblr ist im Alter zwischen 13 und 22 Jahren. Ursprünglich 2007 von zwei jungen Burschen gegründet, wurde Tumblr im Frühjahr 2013 von Yahoo für etwa 990 Millionen Dollar gekauft.

Was ist Tumblr und wie unterscheidet es sich von anderen Blogs?

Tumblr ist ein sogenannter Microblogging-Dienst. Im Gegensatz zu den üblichen Blogs, die viel Wert auf Kategorien, Struktur und umfangreiche Inhalte legen, kann man Tumblr eher mit einer SMS vergleichen, die ohne Rücksicht auf Interesse oder Antworten ins Netz gesendet wird.

In wenigen Minuten hat man sich sein eigenes Tumblr-Konto angemeldet und kann anschließend sofort loslegen. Tatsächlich könnte man relativ umfangreiche Texte posten und sie mit Fotos versehen und formatieren, doch das nutzt kaum jemand. Hier geht es mehr um kurze Statements. Hier ein Foto, da ein flapsiger Spruch und manchmal auch Videos. Aber vor allem lebt Tumblr vom „Reblogging“. Man sieht eine Meldung, die einem gefällt und klickt auf Reblogging. Daraufhin taucht diese Meldung als Posting auf der eigenen Tumblr-Seite auf. Und wenn es wieder jemandem gefällt, dann kann auch er es recyceln.

Bei diesem Rebloggen liegt gleichzeitig der Reiz und das Problem von Tumblr. Denn der Dienst geht davon aus – und lässt sich das in den Nutzungsbedingungen auch absegnen, dass der ursprüngliche Onlinesteller des Fotos, Videos oder Textes die Verwertungsrechte an dem Geposteten hat. Und nicht nur das: Mit seinem Posting gewährt er allen anderen das Recht, seine Werke zu nehmen und sie weiterzuverwenden. Natürlich kann man davon ausgehen, dass ein Großteil der Postings aus „Webfunden“ besteht. Aus gestohlenen und recycelten Inhalten. Richtig problematisch wird das wohl erst, wenn die ersten Urheberrechtsprozesse gelaufen sind.

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12 verrückte Blogs, die du nur bei Tumblr findest.

Auch das ist Tumblr: Einige meiner Lieblings Tumblr-Blogs

Großartige Seite! Wir alle kennen diese Zeitgenossen, die vor dem ersten Bissen ihrer Mahlzeit erst ein Foto davon machen müssen, um es der ganzen Welt zu zeigen. Diese Seite geht noch einen Schritt weiter: Sie veröffentlich Fotos von Leuten, die Essen fotografieren.

Pictures of Hipsters Taking Pictures of Food

Die Nordkoreanische Presse darf vor allem Fotos veröffentlichen, auf denen sich der gerade aktive Diktator der Dynastie irgendwelche Sachen ansieht. Auf dieser Seite sehen wir nur Fotos von Kim Jong Il, der sich gerade mit steinernem Gesicht irgendetwas präsentieren lässt.

Kim Jong Il looking at things

Dass Tumblr auch für kritische Politikauseinandersetzung genutzt wird, zeigt z.B. das Blog „Gut gemacht, FDP„. Macht zumindest nachdenklicher als die tatsächlichen Wahlplakate der Parteien.

Ein sehr witziges Konzept verfolgt die Seite „Spiegel Online Headlines„. Sie macht nichts anderes, als die witzigsten Headlines von Spiegel Online anzuzeigen und zu verlinken. Da finden wir Juwele wie: „Leichenraub im Namen der Bombe“ oder „Sechs Tonnen Krawumm“.

Und nicht zu vergessen: Chantalismus. Das Microblog für alle, die unter den Chantals, Kevins, und Justin-Jeromes leiden und sich fragen, wohin unsere Gesellschaft sich entwickelt? Zu einer Generation von ganzkörper-tätowierten Großeltern mit komischen Doppelnamen?

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