A Plague Tale: Innocence angespielt: Wie die Pest zwei Fremde zusammenschweißt

Franziska Behner

Wir waren letzte Woche bei Focus Home Entertainment zu Besuch und haben uns A Plague Tale: Innocence genauer angesehen. Das Action-Adventure stellt Amicia und ihren Bruder zur Zeit der Pest in den Vordergrund. Gemeinsam müssen sie menschliche und tierische Gefahren überstehen.

Wenn du schon einmal von A Plague Tale: Innocence gehört hast, wirst du dich vielleicht über unsere Überschrift wundern. Schließlich geht es in diesem Spiel um Amicia und ihren jüngeren Bruder Hugo. Obwohl die beiden Geschwister sind, kennen sie einander kaum. Das kommt daher, dass ihre gemeinsame Mutter den kleinen Jungen im Anwesen versteckte und er daher auch nur selten Berührungspunkte mit seiner Schwerster hatte. Wie Fremde lebten sie gemeinsam unter einem Dach.

Auf der Flucht

Eines Tages jedoch müssen sich die beiden aufgrund einer Ausnahmesituation nicht nur gegenüberstehen, sondern auch einander vertrauen. Eine große Macht, die Inquisition, durchsucht ihr ganzes Haus auf der Suche nach Hugo. Sie wollen den kleinen Jungen der Familie wegnehmen, da er an einer seltenen Krankheit leidet, für die es keine Heilung gibt. Was genau Hugo hat und welche Rolle seine Anfälle, die mit schlimmen Kopfschmerzen beginnen, damit zutun haben, konnten wir in unserer Preview-Session noch nicht herausfinden. Aber das macht auch den Reiz aus, schließlich schwebt permanent die Angst und Neugier beim Spielen mit. Wird er einen Anfall bekommen? Welche Auswirkungen hat das?

Auf der Flucht vor den Soldaten müssen sich die Kinder in Feldern und Blumenwiesen verstecken, denn gegen eine Gruppe Erwachsener mit Schwertern und Rüstung haben sie einfach keine Chance. Doch Amicia ist sehr geübt mit ihrer Schleuder und hat bereits unter Beweis gestellt, dass sie damit auch Tiere zielgenau treffen kann. An einer silber-strahlenden Rüstung prallen die Steinchen natürlich ab, deshalb musst du deinen Kopf ein wenig anstrengen und die Stealth-Abschnitte clever durchqueren. An metallischen Oberflächen, wie beispielsweise Pfannen, prallen die Geschosse zwar ab, machen aber auch ganz schön Lärm und lenken die Aufmerksamkeit der Feinde dorthin. Entscheide also weise, ob du die Schleuder verwendest oder die Steinchen mit der Hand wirfst.

Gefährliche Kämpfe als Kind

Doch in A Plague Tale: Innocene wird auch richtig gekämpft. Amicia kann beispielsweise bei bestimmten Gegnern die Rüstung wegschießen und schließlich mit einem gezielten Kopfschuss ihren ersten Menschen töten – das geht natürlich nicht spurlos an ihr vorbei. Denn auch wenn sie erwachsen wirkt, ist die junge Französin nach wie vor ein Kind.

Ein Mal gelernt wie es funktioniert, kannst du auch in anderen Passagen die Gegner komplett ausschalten, anstatt nur an ihnen vorbei zu schleichen. Jedoch sollte sich Amicia nicht von ihnen fangen lassen, denn nur ein Schlag und es ist vorbei. Mehrere Soldaten sind also keine gute Voraussetzung für einen Kampf, bei einem einzelnen Wachposten hingegen ist es zu schaffen. Oft gibt das Spiel keinen richtigen Weg vor, sondern lässt dich selbst entscheiden, wie du vorgehen möchtest.

Die Verbreiter der Pest: Ratten

Gegen die Ratten, eine weitere Bedrohung in dem Spiel von Asobo Studio und Focus Home Entertainment, bringt ihre Schleuder allerdings nichts. Vielleicht bei einem oder zwei Nagern, allerdings versperren tausende dieser Tiere ihnen immer wieder den Weg. Das Auffällige: Die fiepsenden Vierbeiner tauchen nur an Orten auf, an denen es wirklich dunkel ist. Mit Feuer und anderen Lichtquellen haben sie nicht viel am Hut, also kannst du dich dort sicher fühlen. Diese Verhaltensweise musst du dir im Spiel zunutze machen, denn manchmal wirken die Situationen aussichtslos. Die unzähligen Ratten warten nur darauf, dich als kleinen Snack zwischen die Nagetierzähne zu bekommen. Die Biester der Dunkelheit sind dabei nicht wählerisch. Ob Tier oder Mensch: Hauptsache Fleisch. Und das nagen sie bis zum Knochen ab, kommt man ihnen zu nahe. Also versuche möglichst großen Abstand zu ihnen zu halten und dir den Schein des Lichtes zunutze zu machen.

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Stealth-System als Schlüssel zur sicheren Fortbewegung

Das Kampfsystem und die Möglichkeiten zu agieren sind limitiert, sowie möglichst einfach gehalten. Deshalb bekommt Amicia auch keine andere Waffe. Allerdings gibt es kleine Extras. Gefundene Dosen aus zerbrechlichem Ton sind super Wurfgeschosse, die ordentlich Lärm machen. Von einem anderen Charakter im Spiel  lernt sie außerdem, ihre Steine mit Alchemie und ein paar gesammelten Zutaten in Munition zu verwandeln, die Gegenstände in Flammen setzt. Perfekt, denn just einen Moment später gerät sie mit ihrem Bruder in einen Raum, umzingelt von Ratten. Ein ausgebranntes Feuer befindet sich in der Nähe – was also tun? Richtig, du nutzt die Schleuder des Mädchens, um das Feuer wieder zu entzünden und bahnst dir so im Lichtkegel einen Weg nach Draußen. Die einfachen Rätsel waren in den ersten Stunden noch nicht besonders anspruchsvoll was ihre Lösung angeht, sind aber eine nette Abwechslung im Spiel.

Kinder als Sprecher

Das lineare Gameplay bietet trotz kleiner Umwege eine klare Richtung vor, was dabei hilft, die emotionale Gesichte besser zu transportieren. Wer mit Gefühlen spielen will, der muss neben entsprechenden Charakteren auch eine passende Synchronisation wählen, denn davon hängt viel ab. Das wissen auch die Macher von A Plague Tale: Innocence und haben sich für die englische Sprachausgabe sogar Synchronsprecher in einem ähnlichen Alter geschnappt, um Amicia und Hugo Leben einzuhauchen. Und das war gar nicht so einfach, denn der Titel wird ein USK 18-Game sein und daher nicht für Kinderaugen bestimmt. Doch obwohl die Sprecher nicht alle Szenen kennen oder es gar gespielt haben, konnte uns die Synchro wirklich überzeugen. Es soll auch eine deutsche Sprachausgabe geben, allerdings wurden dafür keine Kindersprecher engagiert.

Die solltest du auf keinen Fall verpassen.

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Wir würden dir an dieser Stelle auch wirklich gern etwas mehr über die Gründe ihrer Verfolgung verraten, welche Krankheit Hugo wirklich hat und ob es vielleicht etwas mit der Pest zutun hat, die zu dieser Zeit in Frankreich herrschte. Doch auf der einen Seite möchten wir euch nicht zu viel vom storygeladenen Game verraten und auf der anderen Seite sind wir uns selbst auch einfach noch nicht sicher. Während des Spielens wurden wir aber immer wieder mit der Pest und seinen Auswirkungen konfrontiert. Stadtbezirke und sogar ganze Städte sind mit Kreuzen an Türen und Wänden verziert, die zeigen sollen, dass sich darin die Seuche ausgebreitet hat. Betreten sollte man als gesunder Mensch diese Bereiche nicht, denn die Pest ist überaus ansteckend und es gab keinerlei Heilung für die Betroffenen. Ein beklemmendes Gefühl.

Detailverliebtheit

A Plague Tale: Innocence achtet sehr genau auf kleine Details und setzt sie gekonnt in Szene. Rennt Alicia beispielsweise mit ihrem Bruder an der Hand durch eine Straße, über die Wäscheleinen gespannt wurden, schiebt sie die einzelnen Stücke weg und duckt sich. Dadurch fühlt sich die Reise mit den beiden irgendwie „echt“ an. Hoffentlich verlieren sich die Entwickler im Laufe des Spiels nicht in solchen Details und vergessen dabei, die bisher fesselnde Geschichte voller Höhepunkte spannend zu halten. Ab und an fallen noch Ungereimtheiten hinsichtlich der Grafik auf. Obwohl die Ratten auch in großer Zahl dank der eigens entwickelten Engine fantastisch aussehen und mit ihren Gewusel für Gänsehautmomente sorgen, glitcht hier und da mal ein Arm durch die Tür. Auch Hugo scheint neben seinen Anfällen ganz gut im Zaubern zu sein, denn ist er einmal zu weit von Amicia entfernt, beamt er sich einfach zu ihr.

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Bisher macht A Plague Tale: Innocence trotzdem einen sehr guten Eindruck. Kleinere Bugs und Fehler wollen die Entwickler außerdem bis zum Release im Mai noch beheben. Wer auf Games steht, die eine Geschichte erzählen und die Emotionen wirklich gut übertragen können, sollte dieses hier im Auge behalten. Bisher gefällt uns die Balance zwischen Schleichen, Kämpfen, Geschichte und Gänsehautmomenten nämlich ziemlich gut. Mit 12 – 15 Stunden Spielzeit gibt es einiges zu entdecken. Wir sind gespannt!

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