A Way Out: Wenn ein Core-Gamer mit der Freundin ausbüxt

Marco Mainz

A Way Out bringt den Couch-Koop zurück. Doch kann es damit an die alten Klassiker anknüpfen, die damals sowohl Core-Gamer wie auch Neulinge begeisterten? Das habe ich an meiner kaum zockenden Freundin getestet – und dabei so einiges über sie und mich gelernt.

Auch wir haben A Way Out schon angespielt. Wie sich unsere Redakteurinnen Lisa und Kamila dabei geschlagen haben:

A Way Out im Let's Play: Wir bereiten uns auf die Flucht vor.

Director Josef Fares zeigt es: Ein gemeinsamer Gefängnisausbruch bedarf guter Teamarbeit. In seinem neuesten Titel A Way Out holt er das nostalgische Split-Screen-Geflimmer in die Moderne und vereint Spieler in klassischer Koop-Manier wieder vor den Fernseher. Doch was, wenn hier ein Core-Gamer mit einem Laien zusammenspielt? Kann das gut gehen? Ich, hier der sogenannte Core-Gamer, habe es getestet und um die Unterstützung meiner nur dezent Gaming-affinen Freundin gebeten. Das Ergebnis: eine spannende Charakterstudie!

Schon die Figurenauswahl bringt interessante Erkenntnisse ans Tageslicht. Ob nun Leo oder Vincent, mit welch Verbrechertype ich mich durch das ruppige Knastleben schlagen würde, war mir ehrlich gesagt egal. Nicht aber meiner Mitspielerin! Ihre Wahl für Vincent war wohlüberlegt. „Der rechts passt zu dir“, sagt sie trocken und überlässt mir Leo, der als aufbrausend und sarkastisch charakterisiert wird – irgendwie verletzend, aber auch wahr.

A Way Out im Test: Kann das Koop-Abenteuer überzeugen?

Ich gebe es ja zu, in der Vergangenheit war ich nicht immer der netteste Spielpartner gewesen. Nicht zu wissen, was ein Respawn ist oder wo sich die R2-Taste befindet, entlockt mir heute noch hin und wieder einen tiefen Seufzer. Daher hatte ich im Vorfeld unserer Session auch ein wenig Angst vor dem Gameplay. Nicht, dass es zu komplex wird und ich immerzu das Rumpelstilzchen geben muss, kommen wir „wegen des Noobs“ nicht voran.

Ein frischer Blickwinkel, der gut tut

Immerhin beschränkt sich die Koop-Historie mit der Freundin auf das Spielen vom Jump-and-Runs. Glücklicherweise ist die Mechanik von A Way Out aber sehr viel intuitiver, stets wird das Symbol eingeblendet, das es als nächstes zu drücken gilt. Vielmehr setzt das Spiel den Fokus auf seine erzählerische Ader. Für meine Mitspielerin und mich also perfekt, um uns spielerisch auf einem Nenner zu bewegen.

Als Core-Gamer bin ich natürlich schon an so einige Erzählmuster gewohnt. Wie Hanebüchen die meisten sind, zeigt sich aber erst durch die frische Sichtweise meiner unbescholtenen Spielpartnerin. Beispielsweise dann, wenn wir es zu zweit völlig selbstverständlich mit einer ganzen Knasti-Schlägertruppe aufnehmen und, ohne große Blessuren zu erleiden, alle Gegner niederstrecken. Die Freundin sagt: „Unrealistisch“. Ich sage: „Recht hat sie!“

Anderes Beispiel: Auf der Krankenstation soll meine Kumpanin die Krankenschwester rufen, damit ich mich in ein Büro schleichen kann. Dass die Schwester bei ihrem Gang ins Krankenzimmer seelenruhig an meinem leeren Bett vorbeistreift, fällt mir überhaupt nicht auf – der Gelegenheitsspielerin aber schon.

Mini-Games, die verbinden

Hat sie dadurch weniger Spaß am Spiel? Überhaupt nicht! Mit ihrem ungetrübten Blickwinkel reißt sie sich zwar hin und wieder selbst aus der Immersion heraus, hat dafür aber auch an den kleinsten Spielereien noch Freude. Während ich in der Regel spießig am Levelausgang warte, versucht sie sich immer noch an ein paar Klimmzügen im Hof oder erfreut sich daran, durch die Gebüsche zu huschen: „Guck mal, ich sneake, dömm dömm dömm“, summt sie dann. Kein Wunder, dass das Spiel für mich schnell zur Nebensache wird. Die eigentliche Unterhaltung gibt es auf der Couch.

Der spaßige Höhepunkt erwartet uns beide auf einem riesigen Bauernhof jenseits der Gefängnismauern. Wie sich herausstellt ein Paradies für die Nicht-Gamerin. Wer will schon Headshots verteilen, wenn stattdessen Hufeisen geworfen, Autos repariert oder gemeinsam gejammt werden kann? Sie am Klavier, ich am Banjo. Wer die meisten Töne getroffen hat, verrate ich besser nicht.

Wo ein Bauernhof ist, da sind auch putzige Tiere nicht weit. Schweine, Pferde, Hühner: alles ist vertreten. Statt dass ich Core-Gamer mich am bloßen Antlitz der Hofbewohner ergötze, werfe ich selbstverständlich lieber Hühner in die Luft – einfach, weil es geht. Und da ausgerechnet das mein Highlight ist, ernte ich entsprechende Blicke.

Schlussgedanke

Siehe da, das Experiment ist gelungen: Das Zusammenspiel zwischen Core-Gamer und Nicht-Spielerin in A Way Out funktioniert tadellos. Für mich Dauerspieler entpuppt sich der 2018er-Koop-Stil als nette Abwechslung, für die Freundin bietet das Abenteuer einen nicht überfordernden Titel.

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A Way Out: 10 Fakten zum Koop - das geht und das geht nicht.

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Dass wir ausgerechnet bei den Minispielen die meiste Freude hatten, zeigt, dass es besonders bei Koop-Games nicht auf die Grafik oder Geschichte ankommt. Vielmehr steht das gemeinsame Erleben im Vordergrund, das seine besten Momente auf der heimischen Couch hervorbringt.

Mit wem hast du A Way Out gespielt? Was war dein Highlight des Koop-Abenteuers?

Umfrage: Wie hast du dich am Ende von A Way Out entschieden?

Das Ende von A Way Out ist vernichtend und emotional. Wir wollen nicht, dass du noch einmal alles Revue passieren lassen musst - aber uns interessiert: Für wen hast du dich am Ende von A Way Out entschieden? War es Leo oder Vincent? Verbrecher oder Verräter? Zyniker oder Introvertierter?

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