Es gibt nur einen Ausweg

„Nein. Niemals. Ach du Scheiße. Was für ein Kack“, das und ähnliches murmelten wir beide vor uns hin und legten fast gleichzeitig unsere Controller nieder. Wir mussten uns gegenseitig angreifen, damit am Ende nur einer übrig bleiben würde. Auf diese Situation war keiner von uns gefasst. „Ich spiele nicht mehr, schieß auf mich“, meinte mein Freund. „Ich werde nicht auf dich schießen“, erwiderte ich. Und so saßen wir eine gute Minute lang schweigend vor dem Fernseher und versuchten auf diesen verdammten Wendepunkt klarzukommen.

Irgendwann packte uns doch die Neugier und wir schoßen jeweils abwechselnd aufeinander. So konnten wir uns zumindest einreden, dass der Zufall über unser Schicksal bestimmen würde. In der finalen Szene lagen beide Männer auf dem Boden und griffen nach einer Pistole, die nur wenige Meter von ihnen entfernt lag. Auch wenn wir beide der Meinung waren, dass Leo den Tod nicht verdient hat, gab ich meinem Freund den Vortritt, in der Hoffnung, dass sich die Situation noch zum Guten wenden würde.
Aber nichts da! Hatte Vincent erst die Waffe in der Hand, konnte mein Freund nichts anderes machen, als einen Knopf zu drücken. Dieser resulierte dann in einen Schuss in Leos Oberkörper und führte schließlich zu seinem Tod. Und hier ist das eigentliche Problem an der ganzen Sache: Du wirst in diesem Spiel regelrecht dazu gezwungen, deinen Freund zu töten. Hier gibt es keine Verweigerungs-Option oder die Möglichkeit auf etwas anderes zu zielen – hier ist Töten der einzige Ausweg. Wie passend, heißt doch A Way Out übersetzt „ein Ausweg“.
 
 

A Way Out

Facts 
A Way Out
So hat A Way Out in unserem Text abgeschnitten
Klar, jetzt könnten einige damit argumentieren, dass strenggenommen jeder Online-Shooter dich dazu bringt, Mitspieler zu töten, doch in A Way Out ist es was anderes: Dieses Spiel suggeriert dir die ganze Zeit über eine sich anbahnende Freundschaft, nur um dir dann ein Messer in den Rücken zu rammen. Im Verlauf des Spiels, wirst du dazu ermutigt zusammenzuarbeiten, sich abzusprechen und gegenseitig zu unterstützen, nur um dann zu erfahren, dass du im Grunde niemanden trauen kannst. In Shootern, denen üblicherweise eine tiefgründige Story fehlt, baust du meist nicht so eine emotionale Basis zu deinen Mitspielern auf, weshalb es dir leichter fällt, die Figuren zu elimieren.
Ich hätte mir bei dem Spiel zumindest eine alternative Option gewünscht, bei der – ähnlich wie in GTA 5 – beide Protagonisten überleben. Doch so hinterlässt das Spiel einen sehr bitteren Beigeschmack, der moralisch äußerst fragwürdig ist. Mir ist natürlich bewusst, dass es sich hierbei nur um ein Spiel und eine bereits vorgeschriebene Story handelt, auf die ich ohnehin keinen Einfluss gehabt hätte. Nur macht es für mich einen grundlegenden Unterschied, ob ich lediglich stiller Zuschauer einer Cutscene bin, in der jemand durch meine Spielfigur stirbt oder ob ich, wie in dem Fall, den Tod aktiv auslösen muss.
Letzten Endes wollte die Entwickler wahrscheinlich genau dieses Gefühl auslösen, was mein Freund und ich empfunden haben. Und zumindest kann ich sagen, dass das Spiel einen bleibenden Eindruck bei uns hinterlassen hat. Trotzdem bleibt die Ungewissheit, ob ein solches Vorgehen in Videospielen vertretbar ist. Daher meine Frage an dich: Findest du den Schluss von A Way Out akzeptabel oder hättest du dir auch ein alternatives drittes Ende gewünscht?

Umfrage: Wie hast du dich am Ende von A Way Out entschieden?