Absolver im Test: Professionelle Hilfe für Button-Smasher

Marina Hänsel

Absolver prügelt sich als vermeintlicher Dark-Souls-Klon durch die Spielerherzen, begeistert die einen mit einem genialen Kampfsystem und enttäuscht die anderen mit einer zu kurzen Kampagne. Dabei ist campagne gerade der richtige Begriff; das französische Wort für „Feldzug“: Eine militärische Operation mit mehreren Abschnitten, in dem Fall: eine kurze Story und eine PvP-Endlosschleife, in der du die eigene Perfektion erlangen kannst.

Du bist unentschieden, ob Absolver deinen Geschmack trifft? Dann schau dir die erste halbe Stunde des Martial-Arts-Spektakels im Video an. Aus der Redaktion spielt Victoria Scholz.

Absolver: Tritte, Tode und das Tutorial - unsere ersten 30 Minuten!

Keine Zeit, den Text zu lesen? Unten wartet ein Fazit & Zusammenfassung auf dich!

Sloclaps Prügelspaß

Der Entwickler Sloclap wirft dir mit Absolver ein kleines Martial-Arts-Bonbon vor die Füße, das mit einem Mix aus Taktik und Grinding auch weniger versierten Kämpferseelen jede Menge Spaß machen kann. Kurz: Absolver kann schwer sein, doch der oft genannte Vergleich zu Dark Souls hinkt und sollte dich nicht davon abhalten, ein Auge auf das Spiel zu werfen (oder auch zwei, wenn du beide entbehren kannst).

Die beiden Murmeln brauchst du ohnehin nicht mehr, wenn du deinen Weg als Krieger antrittst. Nachdem du dich in den ersten Minuten für ein Geschlecht, eine Frisur und einen Kampfstil entschieden hast, wirst du als Absolver-Anwärter auserkoren und erhältst eine Maske, die sich auf mystische Weise über dein Gesicht heftet. Sie hat keine Löcher, als müssen wir davon ausgehen, das du entweder blind kämpfst oder ohne Augen siehst. Wie auch immer du das anstellst.

Absolver war einer der Geheimtipps für 2017. Genauso wie diese Spiele hier:

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Geheimtipps 2017: Diese 10 Games solltest Du unbedingt spielen.

Nur bewaffnet mit deinen Fäusten wirst du in das Reich Adal teleportiert, dein Ziel: Besiege mehrere Martial-Arts-Meister, besteige einen hohen Turm in der letzten Zone und stelle dich Risryn, um den Titel des Absolvers zu erlangen. Also, dein eigentliches Ziel: Prügeln, prügeln, prügeln.

Ein Kampfsystem zum Verlieben

Und prügeln macht selten so viel Spaß, wie in Absolver. Zumindest, wenn du ein Taktiker bist und schon immer jeden einzelnen Tritt und Schlag deines Kämpfers koordinieren wolltest. Dabei unterscheidet das Spiel zunächst zwischen drei Stilen: Khalt, Windfall und Forsaken (später wirst du auch einen vierten Bonus-Kampfstil erlernen können). Mit Khalt absorbierst du die Angriffe deiner Gegenspieler, während du mit Windfall ausweichst und mit Forsaken blockst. Schon hier wird klar: Mit purem Button-Smashing wird kein Absolver-Schüler sehr weit kommen, ganz egal, wie flink die Finger über die Tasten zischen. Stattdessen ist richtiges Timing gefragt – und das Voraussehen der entgegenkommenden Angriffe, um sich entsprechend verteidigen zu können.

Wir verraten: Hier findest du alle Bosse und Gezeichneten in Absolver

Aber nicht nur Hellsehen wird dir abverlangt, auch darfst du dich in dein Kampfdeck hineinarbeiten, wo du jede Abfolge von Bewegungen minutiös per Hand einstellen kannst. Über das Grinden schaltest du weitere Techniken frei, bis sich aus deinen anfänglichen Kick- und Trittversuchen ein ganz individueller, tödlicher Tanz herausbildet. Im PvP wächst dieses Feature jedoch erst zu seiner ganzen Größer heran: Nach der Kampagne stellst du dich anderen Absolvern, lernst von ihnen neue Angriffe und arbeitest fortan an der Perfektion deines ganz persönlichen Jackie Chans.

Nur so viel: Falls einer der Sloclap-Entwickler tatsächlich ein Dark-Souls-Fan war, dann saß er sicherlich hinter der Mechanik von Windfall. Der Ausweichstil wirkt ungleich schwerer als die anderen beiden Techniken und verlangt von dir, die Attacken der Gegner zu lernen, um sie voraussehen und entsprechend darauf reagieren zu können. Dafür sieht Windfall jedoch auch am schönsten aus, solltest du den Stil meistern.

Zwei Seiten einer Medaille: Der Koop-Janus

Adal selbst erstrahlt in blassen Pastelfarben; überzogen von eckigen Ruinen, in denen sich überall NPCs und andere Spieler herumtreiben. Während du die meisten computergesteuerten Gegner grindest, um bessere Rüstungen oder ein höheres Level zu erhalten, kannst du mit anderen Spielern auch per Knopfdruck in den Koop wechseln. Einfach und unkompliziert bildest du mit ihnen eine Gruppe von bis zu drei Personen – zumindest, wenn es zufällige Begegnungen sind. Der Koop-Janus in Absolver hat nämlich zwei Gesichter und die böse Grimasse hinter dem Lächeln erscheint, sobald du mit deinen Freunden in den Kampf zieht.

Per Einladung bietet dir das Menü an, eine bestimmte Person auszuwählen. Klingt einfach, ist jedoch extrem frustrierend, besonders, wenn du gleich zwei Freunde in deinem Trupp wissen willst. Sobald du Mr. oder Mrs. X einlädst, erscheint der Charakter neben dir; bei der zweiten Einladung jedoch verlässt du die Gruppe wieder. „Warum?“, fragen wir uns, erhalten jedoch auch von den weisen Guides, den Herrschern dieser Welt, keine Antwort.

Noch dazu wird der Koop automatisch beendet, sobald ein Gruppenmitglied im Kampf besiegt wird. Das heißt, du darfst wieder Einladungen verschicken und darauf hoffen, dass dein zweiter Kamerad im Prozess nicht aus dem Koop fliegt. Auch sind die Abschnitte in Adal mit Instanzen vergleichbar, in denen nur eine bestimmte Anzahl an Spielern umherirren können. Wenn du großes Glück hast, spawnen deine Freunde wieder in deiner Instanz. Meistens verschwinden sie einfach und müssen – du wirst es sicherlich erraten – wieder einmal per Einladung in die eigene Welt transferiert werden. Ermüdend!

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Mein Fazit zu Absolver

Zack, zack, klatsch! Sloclap teilt mit Absolver ziemlich gut aus, erwischt das Fighting-Genre mit einem bahnbrechenden Kampfsystem und lässt dich eine Koop-Schelle spüren, die leider ein bisschen ziept. Puzzle dir im eigenen Kampfdeck deinen ganz individuellen Martial-Arts-Stil zusammen, grinde durch die Kampagne und stelle dich anschließend im PvP gegen andere Meister der Prügelkunst.

Damit könnte Absolver ein Endlostitel sein, doch ganz so weit schafft Sloclap es nicht. Zwar kann das Spiel auch nach der Kampagne noch begeistern, aber irgendwann mangelt es an Abwechslung und der verkorkste Koop-Modus, der dich ständig Einladungen verschicken lässt, erstickt den Spielspaß irgendwann. Trotzdem: Für eine kleine Weile ist Absolver genau das, was es verspricht – ein nahezu perfektes Martial-Arts-Werk für Taktiker.

Hier gibt's noch 6 weitere Tipps für Absolver

Wird dir gefallen, wenn du schon immer Jackie Chan sein wolltest, einen Masken-Fetisch hast, du dir das Button-Smashing abgewöhnen willst oder du einfach eines der besten Kampfsysteme im Genre ausprobieren möchtest.

Wird dir nicht gefallen, wenn du dir niemals das Button-Smashing abgewöhnen willst/kannst, du ungeduldig bist, du nur mit einem bestimmten Freund zocken möchtest oder du ein Dark Souls erwartest, weil dich die Medien belogen haben.

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