Agents of Mayhem in der Vorschau: Saints Row trifft auf Crackdown

Sandro Kreitlow

Nach vier verrückten Saints-Row-Titeln geht Entwickler Volition nun neue Wege. Agents of Mayhem findet zwar im gleichen Universum statt, will aber eine andere Spielwelt mit neuem Gameplay präsentieren. Gelingt die Neuausrichtung?

Agents Of Mayhem - Fies gegen Böse.

 

Devil’s Night. Der Moment, der alles veränderte. Die schurkische Organisation des Oberbösewichts Morningstar startet eine globale Attacke - zeitgleich. Mithilfe von Teleportations-Technologie und der von Dunkler Materie betriebenen Waffen treten sie aus dem Nichts in Erscheinung. Verheerende Armeen stehlen Rohstoffe und ruinieren jegliche Wirtschaftssysteme. Verantwortlich für die Angst der Menschen: Die Legion.

Um die Welt von der Legion zurückzuerobern konnte die Ultor Corporation die ehemalige Legion-Ministerin Persephone Brimstone anwerben. Gemeinsam mit der Teleportations-Technologie und der bunt zusammengewürfelten Gruppe von Spezialisten soll sie den Kampf gegen ihre ehemaligen Mitstreiter ein für alle mal beenden. Mit allen notwendigen Mitteln gilt es, die Legion zu vernichten - angefangen mit jenem Kopf der Legion Ministry of Pride, der als erster das Geheimnis der Dunklen Materie lüftete: Doctor Babylon.

So weit, so gut. Aber ist dieses Setting spannend genug, um zu überzeugen?

3rd-Person-Open-World-Sandbox-Action

Agents of Mayhem ist ein 3rd-Person-Shooter, in dem Du jederzeit zwischen drei zuvor ausgewählten Superagenten in Deinem Squad wechseln kannst. Jeder Agent spielt sich dabei anders und verfügt über individuelle Spezialfähigkeiten und Fortbewegungsmöglichkeiten. Du hast die Wahl zwischen widerstandsfähigen Nahkämpfern, Scharfschützen und allem, was dazwischen liegt. Nach einem Remix des A-Team-Themes und der Dreipunktlandung Hollywoods, einer klassischen Reality-Show-Persönlichkeit, warten bereits die ersten Gegnerwellen darauf vernichtet zu werden.

Mit der Waffe wird einer nach dem anderen erledigt, hinzu kommt eine Spezialfähigkeit, die sich auflädt und nach einer bestimmten Zeit eingesetzt werden kann. Je mehr diese Spezialfähigkeit genutzt wird, desto schneller lädt sich der Mayhem-Meter auf. Die ultimative Fähigkeit eines Agenten nennt sich Mayhem, mit der gleich mehrere Gegner mit einem Mal ausgeschaltet werden können. Der bereits in Saints Row-verwendete Dreifach-Sprung ist übrigens auch in Agents of Mayhem möglich.

Fliegender Wechsel

Da in Agents of Mayhem nicht nur ein Charakter, sondern gleich drei gesteuert werden, ist es nach Hollywood an der Zeit, den robusten, dafür langsamen Hardtack zu wählen, der eine Schrotflinte bei sich trägt, die  mehrere Gegner gleichzeitig trifft. Während Hollywood eine Granate als Spezialfähigkeit wirft, die ebenfalls mehrere Gegner verletzt oder auslöscht, teleportiert Hardtack seine Gegner mithilfe der Harpune zu sich, um sie anschließend schlicht mit seiner massiven Faust im Nahkampf zu attackieren.

Vor dem Einsatz gilt es, das Team aus einem Pool von zwölf Helden zusammenzustellen. So dauert es nicht lange, bis Fortune als nächster Charakter vorgestellt wird. Sie ist eine Himmels-Piratin mit zwei Pistolen. Für den Nahkampf nutzt sie lediglich schnelle Kicks, während ihre Spezialfähigkeit - die Kanonenkugel - erst so richtig nützlich wird, wenn die Drohne als ihre Mayhem-Fähigkeit ins Spiel kommt. Die fliegende Drohne kann nicht nur die Spezialfähigkeit nutzen, sie schießt außerdem mit Blitzen um sich. So sind die Gegner schnell erledigt, ehe Dr. Babylon bereits auf das Squad wartet.

Spätestens im Bosskampf gegen Dr. Babylon ist es notwendig, taktisch zu agieren. Direkt im Kampf wird per Knopfdruck von einem zum nächsten Charakter gewechselt. So lassen sich deren Fähigkeiten hervorragend kombinieren. Baut sich Dr. Babylon ein Schutzschild auf, kommt Hollywood mit seiner Schusswaffe nicht besonders weit - Zeit zu wechseln! Mithilfe der Spezialfähigkeiten von Hardtack und Fortune wird das Schutzschild durchbrochen, wodurch Hollywood nun da weitermachen kann, wo er aufgehört hat. Nach kurzer Zeit zieht sich Dr. Babylon zurück, als Belohnung erhalten die Charaktere einige Gadgets. Mit ihnen kannst Du das Gameplay jedes Agenten noch weiter anpassen, was sich wiederum direkt auf die Squad-Dynamik auswirken kann. Mit mehr Erfolg und mit jedem höheren Level können bessere Upgrades verwendet werden.

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10 Spiele, die keine Open-World gebraucht hätten

Agents-of-Mayhem-Special-Missionen werden mit nur einem Charakter gespielt, der gleichzeitig etwas mehr Hintergrundgeschichte bekommt. Als Rocker-Frau lässt sich Daisy nichts sagen. Auch vor gefährlich aussehenden Rocker-Banden nimmt sie nicht nur kein Blatt vor den Mund, sie verprügelt sie auch mal eben direkt an der Bar. Die Rollerblades sind ihr scheinbar nicht schnell genug. Deswegen nutzt sie in der Open-World von Seoul lieber ihr Auto, um zu weit entfernten Zielen zu gelangen. Am Ziel angekommen gilt es auch für sie, Gegnerwellen zu bestehen. Nach der Zerstörung eines stärkeren Roboters ist die Mission auch schon erledigt. Im Kampf ergattertes Geld wird beispielsweise für Skins (Agenten-Skin, Waffen-Skin etc.) verwendet.

„Sie haben alle ihre eigenen Gründe, die Welt zu retten“

Von der tätowierten Rocker-Braut bis hin zum selbstverliebten, coole-Sprüche-klopfenden Egomanen - Die Charaktere sind voller Klischees. Das mag in einem Over-the-top-Actionspiel womöglich auch gewollt sein, doch ein bisschen mehr Tiefgang oder innovative Verrücktheit hätte ihnen nicht geschadet. Saints Row hat zwar nicht unbedingt durch eine ausgefeilte Kampfmechanik geglänzt, dafür aber unter anderem durch die grenzdebilen Charaktere, die in den ersten angespielten Stunden von Agents of Mayhem jedoch viel zu belanglos und uninteressant wirken. Die Grenze zwischen gut und böse ist zudem jederzeit klar vorgegeben, was den Geschichten etwas Potenzial raubt.

Hollywood
Hollywood
Hardtack (links)
Hardtack (links)
Fortune
Fortune
Daisy
Daisy
Hammersmith
Hammersmith

Under-the-flop-Physik

Technisch ist Agents of Mayhem keine Meisterleistung, weiß dies aber durch den tollen Comic-Stil größtenteils zu kaschieren. Die wunderbar animierten Zwischensequenzen sind klar inspiriert von aktuellen Marvel-Animationsfilmen. Allerdings wird dieser Stil gebrochen, wenn es ins In-Game geht, das einen völlig anderen Stil präsentiert: Cell-Shading. Das futuristische Seoul wirkt auf den ersten Blick lebendig, wobei vor allem Random Encounters helfen, also Gegner, die sich Dir auf dem Weg zur nächsten Mission in den Weg stellen. Sind allerdings in einem Gefecht auch Zivilisten ums Leben gekommen, kümmert es folglich scheinbar niemanden. Das macht die Welt nicht besonders glaubhaft, ist sie auch noch so weit weg von der Realität konzipiert.

Unsauber wird es jedoch vor allem bei Gegnern. Dass es in einem so schnellen Open-World-Shooter vorkommt, dass Gegner sich nicht immer authentisch verhalten, ist klar. Doch in den ersten drei Spielstunden fällt die K.I. mehrmals aus, sodass Gegner etwa spät oder gar nicht reagieren. Hier wird bis zum Release hoffentlich noch einiges feinpoliert. Ebenso hakt es noch in der Physik. Nachdem Gegner auf den Grund des Bodens geschickt werden, verschwinden sie zwar nicht, doch sobald sie berührt werden, bewegen sich ihre Körper weit weg der realen Physik: Die leblosen Körper kullern und fliegen wie Fußbälle über den Platz - Das erinnert sehr an Demon’s Souls, nur dass das gute Spiel eben schon über 8 Jahre alt ist.

Agents of Mayhem ist übrigens ein reiner Singleplayer-Titel. Es gibt keine Multiplayer-Modi, auch kein Koop. Das ist erstaunlich, denn viele Elemente des Spiels würden sich auch in einem PvP-Modus gut machen. Im Singleplayer stehen Dir dafür 7 unterschiedliche Schwierigkeitsgrade zur Verfügung: Rookie, Agent, Operative, Hotshot (angespielt), Badass, Super Agent und Agent of the Week. Neben Hauptmissionen und Operationen gibt es noch acht weitere Nebenmissions-Typen, die auf der Karte angezeigt werden:

  • Gelegenheitsziel (Zerstören eines Zielfahrzeugs)
  • Erwerben von Autos
  • Geiselrettung
  • Objektzerstörung
  • Stoppen von Legion-Patrouillen
  • Übernehmen von Außenposten
  • Mayhem-Treffen (Sichern von Treffpunkten)
  • Angriffe auf Legion-Lager

Letztendlich unterscheiden sich die Aufgaben zwar im Ziel, doch der Weg dorthin ist stets gleich: Gegnerwellen müssen ausgelöscht werden.

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Auch wenn hin und wieder Actionfilme der 80er Jahre zitiert werden und passend dazu der Soundtrack läuft, mag die Action nie so richtig over-the-top gehen. Das Kampfsystem wird trotz fliegendem Wechsel der Charaktere schnell eintönig. Nach einigen Gegnerwellen und Explosionen fällt das Spiel bereits in ein Gefühl der Monotonie, was vor allem an der vergleichsweise kleinen Spielwelt liegt. Agents of Mayhem zeigt nichts, was Du nicht schon in zig anderen Spielen gesehen hast. Folglich könnte dieser Titel auch als neues Crackdown verkauft werden, nur ohne die Möglichkeit, die ganze Stadt auseinanderzunehmen. Vielfalt in Missions-und Gegnerdesign wird vergebens gesucht. Die ein oder andere wirklich innovative Idee findet hoffentlich noch ihren Weg ins Spiel.

Agents of Mayhem ist ab dem 18. August 2017 für PlayStation 4, Xbox One und PC erhältlich.

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