Vor 12 Jahren gab es noch nicht so viele Rhythmusspiele wie heute. Es gab ein paar Tanzspiele, doch von Plastikgitarren wurde maximal in Gerüchten gesprochen. Amplitude war die Medizin für Musik-Junkies der PS2-Ära. Fetzige Musik und schnelle Tasten-Kombos boten eine super Mischung und sorgten für ordentlich Stimmung auf der Couch. Nun bringt Harmonix Amplitude für PS4 (und PS3) in neuem Anstrich. Doch das Vorhaben will nicht so richtig gelingen. Warum das so ist, erfahrt ihr in unserem Test.

 

Amplitude

Facts 
Amplitude
Amplitude - Launch Trailer
An der Grundformel hat sich nichts geändert. Ihr steuert eine Art Raumschiff über digitale Straßen in einem fiktiven Gehirn und löst auf den Musikspuren - Bass, Percussion oder Vocals - Töne aus, indem ihr die Buttons im richtigen Moment drückt. Was damals beinahe revolutionär war, ist heute mit lediglich drei Tasten pro Spur etwas merkwürdig. Dennoch hat dieses Prinzip nicht an Spaß verloren und geht euch direkt wieder ins Blut, vor allem, wenn ihr Amplitude bei der ersten Veröffentlichung gespielt habt. Seid ihr Neueinsteiger, werdet ihr nach ein paar Liedern Lust auf mehr bekommen und euch in höheren Schwierigkeitsgraden eine Herausforderung suchen. Auf den ersten Blick bekommt ihr all das, was ihr von einem Reboot erwarten könntet. Die Optik wurde auf den aktuellen Stand gehievt und sämtliche Effekte schön poliert. Doch bereits beim Umfang werden erste Schwächen deutlich. Dieser begrenzt sich auf eine Kampagne und den freien Modus. Da euch insgesamt nur 30 Lieder zur Verfügung stehen, ist das schon recht mager. Die Kampagne umfasst sogar nur 15 dieser Songs. Die restlichen Titel dürft ihr auf teils umständliche Weise freischalten. Die besten Momente habt ihr definitiv im freien Modus, in dem ihr versucht, eure Ergebnisse zu schlagen, oder gegen bis zu drei Freunde antretet. Hier rast ihr auf den Spuren nicht nur gedankenverloren entlang und konzentriert euch darauf, im richtigen Moment die Knöpfe zu drücken, sondern werdet von rasanten Entscheidungen gehetzt. Ihr schnappt euren Gegnern die Punkte weg oder lasst sie an der Wirkung eurer Power Ups verzweifeln. Da kommt das Spielgefühl von damals wieder hoch. Die spontane Party auf dem Sofa, die kurzlebig, aber doch intensiv ist. Wäre bloß die Musik entsprechend gut.
Amplitude2016
Anstatt wie im Original auf lizensierte Musik von Künstlern wie David Bowie oder Run DMC zurückzugreifen, wurden fast alle Lieder von Harmonix selbst bzw. extra für Amplitude produziert. Das muss nichts Schlechtes sein, ist es in diesem Fall aber. Klar, Musik ist Geschmackssache, aber ein bisschen weniger Elektro-Freejazz hätte es mit Sicherheit auch getan. So gut wie kein Lied wird zum Ohrwurm, was bei einem Musikspiel echt schade ist. Das reißen auch die Gastauftritte von Darren Korb (Transistor und Bastion) oder der Titelmusik von Crypt of the Necrodancer nicht mehr raus.

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Unser Test-Fazit zu Amplitude:

Als der Versuch des Reboots von Amplitude auf Kickstarter angekündigt wurde, war ich skeptisch. Für die damalige Zeit war es ein tolles Spiel, doch ich konnte mir nicht so recht vorstellen, dass es auch heute noch funktioniert. Diese Befürchtung wurde leider bestätigt. Zwar macht das Spiel ein paar Runden lang Spaß, doch bis auf den Mehrspielermodus sehe ich keinen Grund, es erneut einzulegen - insbesondere mit diesem sehr mittelmäßigen Soundtrack ohne richtigen Wiedererkennungswert. Trotzdem ist die Nostalgie-Reise ganz nett und so mancher Fan von damals wird sich über den neuen Trip freuen können.

Die GIGA GAMES Wertungsphilosophie

Wertung

6/10
“Verpasste Chance, die zum Großteil auf den mageren und lieblosen Soundtrack zurückzuführen ist.”
Michael Krüger
Michael Krüger, GIGA-Experte.

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