Amy Test: Der pure Horror

Robin Schweiger 12

Ich habe Amy nicht durchgespielt, ich konnte es nicht. Wirklich wild ist das aber nicht, denn wenn ihr euch dazu entscheiden solltet, das Spiel zu kaufen, werdet ihr es auch nicht durchspielen. Vorher werdet ihr entweder euren Controller, eure Konsole oder euch selbst aus dem Fenster geworfen haben. „Amy“ ist eines der schlechtesten Spiele dieser Konsolengeneration.

Kennt ihr das? Diese seltsame Faszination von schlechten Spielen, die euch aus irgendeinem Grunde trotzdem tierischen Spaß machen? Das wohl beste Beispiel dafür ist das im letzten Jahr erschienene Deadly Premonition – trotz furchtbarer Steuerung, ödem Leveldesign und mieser Grafik hatte ich sehr viel Spaß mit dieser skurrilen Spieleperle. Nehmt also alles Negative von Deadly Premonition, entfernt jedes Feature, jeden Charakter und jede Dialogzeile die irgendwie Spaß gemacht hat, reibt euch Pfeffer in die Augen und ihr könnt in etwa nachvollziehen wie viel Freude es macht, „Amy“ zu spielen.

So sah ich aus, nachdem ich „Amy“ ca. eine Stunde gespielt habe.

 

„Amy“ möchte klassischer Survival-Horror sein. Erinnert ihr euch noch an die Horrorspiele der 90er-Jahre? In denen sich die Charaktere wie Panzer steuerten, die Kämpfe euch regelmäßig zur Weißglut trieben und die Synchronisation scheinbar in einem Schuppen von den Hausmeistern des Entwicklerstudios übernommen wurde? All dies gehört nach Meinung von Entwickler „VectorCell“ unbedingt zu einem Horrospiel und wurde deswegen für „Amy“ übernommen. Erinnert ihr euch auch noch an die gruselige Atmosphäre, die einzigartigen Gegner, die spannenden Storys und interessanten Charaktere solcher Spiele? Dasgehört laut VectorCell nämlich leider so gar nicht dazu und fehlt. Dafür wurden aber noch ein paar Features hinzugefügt: Die Framerate bricht regelmäßig komplett zusammen und läuft zu keiner Zeit flüssig. Jede einzelne Kletter-, Lauf- oder Sprunganimation dauert eine halbe Ewigkeit. Ihr bleibt an jeder einzelnen Ecke hängen. Und Checkpoints bekommt ihr alle 20 Minuten mal zu sehen, sodass ihr jedes Rätsel auch gerne zehn Mal angehen müsst.

Lana wird ungefähr 32 Minuten brauchen, um sich über diesen Abgrund zu bewegen.

 

Aber wie genau hat „VectorCell“ es geschafft, diese Kakophonie des furchtbaren Spieldesigns zusammenzutragen? Das ist tatsächlich gar nicht so leicht zu sagen, denn das Konzept hört sich durchaus gut an. Ihr spielt die junge Mutter Lana, die mit ihrer autistischen Tochter Amy vor wildgewordenen Mutanten und schießwütigen Soldaten flüchten muss. Und so fungiert das Spiel vor allen Dingen als Beweis dafür, was für ein großartiges Spiel „Ico“ eigentlich ist. Denn „Amy“ zeigt, wie viel bei dem Spiel hätte schief gehen können. Wie auch bei dem großen Vorbild müsst ihr Amy nämlich durch drücken der rechten Schultertaste ständig an der Hand halten. Entfernt ihr euch zu weit von ihr mutiert ihr wie eure Mitmenschen und sterbt schließlich. Das Problem dabei: Amy bleibt an jeder noch so kleinen Ecke hängen. Streift euer Töchterchen einmal die Wand könnt ihr noch so sehr auf die Schultertaste hauen – sie bleibt stehen. Einmal eine schnelle Drehung gemacht und Amy lässt euch los. Es ist eine unfassbare Plackerei ständig stehen bleiben, zurücklaufen  oder warten zu müssen, nur weil Amy einen 10 Zentimeter großen Karton mit ihren Zehenspitzen berührt hat. Lana kann außerdem sprinten, was ja erst einmal lobenswert ist. Nur müsst ihr dazu die rechte Schultertaste halten um Amy nicht loszulassen, die linke Schultertaste halten um zu joggen, auf den X- bzw. Kreis-Knopf hämmern und dann mit dem Linken Stick noch in die gewollte Richtung zeigen. Die Kamera zu kontrollieren wird da natürlich unmöglich.

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