EA ist nicht an Anthem Schuld – BioWare entschuldigt sich für „schreckliche Spielerfahrung“

Marina Hänsel 9

Es war kein glücklicher Tag, als Anthem aus BioWares Entwicklerhallen krabbelte und sich in die Läden setzte. Während Mass Effect- und Dragon Age-Fans den Multiplayer-Aspekt schon vor Release beklagten, waren auch viele jener enttäuscht, die einen Loot-Shooter wie Anthem wollten. Woran lag’s? Und hat EA BioWare wirklich gezwungen, Anthem zu entwickeln?

Es gibt jede Menge Spieler und BioWare-Fans, die EA als Darth Vader der Videospieleindustrie sehen; einen großen, bösen Konzern, der jene Studios unter sich zwingt, Multiplayer-Titel mit Lootboxen zu entwickeln. Das jedoch mag nur zu einem Teil wahr sein, wie Industrie-Beobachter und Kotaku-Autor Jason Schreier unlängst in einem Tweet diskutierte. BioWare, das schon vor 12 Jahren von EA aufgekauft wurde, hat Anthem durchaus ganz allein entwickelt – und der Druck durch EA ist sehr viel subtiler, als viele glauben mögen:

Ich sehe ständig Leute, die die Idee verbreiten, dass EA BioWare gezwungen hat, ein Online-Spiel zu machen. Stimmt nicht. EA gibt seinen Studios eigentlich viel Autonomie. Der exekutive Druck dahinter ist sehr viel subtiler als „Mach dieses Spiel!“ – es geht eher um das Manövrieren von Ressourcen und „Was ist deine Version eines FIFA Ultimate-Teams?

Schreier zufolge hat EA BioWare keineswegs gezwungen, ein Online-Spiel wie Anthem zu entwickeln. Was nicht heißt, dass BioWare nicht auch Vorgaben zu befolgen hat – die Früchte dieser Vorgaben konntest du wahrscheinlich in den Multiplayer-Modi der Mass Effect-Teile erkennen. Anstatt also ein neues Mass Effect mit Multiplayer zu basteln, hat sich BioWare womöglich ganz von allein für den Loot-Shooter entschieden; zumindest, wenn wir Schreier glauben wollen. Unwahrscheinlich ist es in Anbetracht von BioWares langer Vorgeschichte mit EA sicher nicht.

Worum geht’s in Anthem eigentlich? Abgesehen davon, dass du die Welt rettest?

Anthem: Our World, My Story-Trailer.

BioWare: „Ich möchte mich für die schreckliche Spielerfahrung entschuldigen

EA hat BioWare womöglich nicht dazu gedrängt, Anthem zu entwickeln. Sicher ist aber, dass BioWare bereits über die jahrelange Entwicklung hinweg wusste, was genau sie hier programmieren: Einen Loot-Shooter, der nun insbesondere in jenen Spielmechaniken enttäuscht, die im Genre durchaus bekannt sind. Die Community von Anthem möchte ihr Spiel lieben, offensichtlich. Aber es wird ihnen nicht gerade leicht gemacht, wenn Bugs und tiefgreifende Fehler ihre Spielerfahrung trüben.

Bugs, wie ein automatisches Kraftfeld, das Spieler von ihrem Loot abschneidet. Auf Reddit hat sich unlängst ein Nutzer darüber beschwert, wie er nach einer besonders schwierigen Mission vom Team abgeschnitten wurde und dann zusehen durfte, wie die anderen ihre legendäre Beute einsammeln. Es ist ein recht trauriges Video:

After 80+ hours my first legendary drop locked behind force field. I am so done with Anthem the first 30 hours were great since then… grind and glitches. from AnthemTheGame

Der Reddit-Beitrag blieb nicht ungesehen: Anthem-Entwickler Ben Irving antwortete mit einer persönlichen Entschuldigung und versprach, den Bug – und vieles andere – so schnell wie möglich zu beheben:

Ich will hier kurz vorbeischauen und mich für die schreckliche Spielerfahrung entschuldigen, für die ich unmittelbar verantwortlich bin. Als Stronghold-Lead ist das mein Bier. Ich kann es erklären, aber schließlich wird das nichts an der Erfahrung ändern […] Ich kann nur versprechen, dass wir uns für euch und die Community in der Zukunft verbessern werden, und dass wir versuchen werden, euer Vertrauen zurückzugewinnen.

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Das Feedback auf Irvings Entschuldigung ist durchgehend positiv. Ohne Frage ist Anthem – aus welchen Gründen auch immer – unfertig gewesen, als es auf den Markt krabbelte. Und nein, die letzten Tage waren für BioWare und insbesondere für das Team um Anthem sicherlich weder schön noch einfach. Aber trotz allem scheint die Community bereit zu sein, dem Loot-Shooter noch eine Chance zu geben. Eine, die er mehr als alles andere braucht, während er sich über die nächsten Monate hoffentlich zu einem fertigeren Spiel entwickelt.

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