Gemeinsam in Frieden: Was das Ende eines Spiels mit uns macht

Marina Hänsel 1

Das Ende der Welt — ein Motiv, das seit Anbeginn der Menschheit in unseren Köpfen schlummert; vielleicht eine der ältesten Fantasien, die jemals geträumt wurden. Doch was würde geschehen, hätte wirklich unsere letzte Stunde geschlagen? Chaos, dachten wir. Eine Studie jedoch besagt: Frieden.

Gemeinsam in Frieden: Was das Ende eines Spiels mit uns macht

Rote Wolken ziehen über das Firmament, während die letzten Sonnenstrahlen im Dunkel verschwimmen. Ein letztes Wort, eine letzte Geste, ehe die Schwärze den Himmel verschlingt und alles ein Ende findet — Das Ende der Welt ist ein Thema, welches uns durch alle Epochen hindurch begleitet.

Endlos viele Bücher wurden geschrieben, Gemälde gemalt, Filme gedreht. Das Spiel Life Is Strange von Dontnod Entertainment oder der Film Melancholia von Lars von Trier sind nur zwei Beispiele unter vielen und jeder Künstler stellt das Motiv in einem anderen Licht dar. Doch wie würden wir tatsächlich reagieren, stünde uns ein Armageddon bevor?

Unter der Leitung der University Buffalo wagt ein Team den Versuch: Im Experiment wollen sie das Ende der Welt nachstellen. Aber wie führt jemand ein solches Experiment durch? Vielleicht, indem das apokalyptische Ereignis auf einem MMORPG-Server nachgestellt wird:

Wir glauben, dass das Ende des Spiels eine gute Annäherung an ein ‚Weltuntergangs‘-Szenario darstellt, und deswegen ist diese Arbeit nicht nur nützlich, um das Verhalten der Spieler besser zu verstehen, sondern auch, um Aufschluss über menschliches Verhalten im Allgemeinen zu erlangen.

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So abwechslungsreich kann der Weltuntergang sein.

Das Forscherteam der University Buffalo hat sich an den MMO-Titel ArcheAge gewandt, und bekam einen eigenen Server, auf dem sie die Studie durchführten. Die Spieler wussten, worauf sie sich einlassen — es gab also kein überraschendes Moment; stattdessen konnten sich die Gamer von Anfang an auf das Ende der Spielwelt einstellen.

Das MMO ArcheAge ist ein Fantasy-RPG, bei dem die Spieler wie in vielen MMORPGs nahezu alle Möglichkeiten haben, sich frei zu entfalten: Ob als Anführer einer Armee, als Händler oder als Assassine. Das Team der Universität empfand diese Art von Freiheit in einem Spiel als passende Kulisse für das Endzeit-Experiment.

Natürlich ist die Situation im MMO-Spiel eine andere und doch hat uns das Ergebnis dieser Studie überrascht. Während wir vermuteten, es würde Chaos ausbrechen, stellte sich genau das Gegenteil ein: Frieden.

Viele Spieler dieses Genres konzentrieren sich darauf, so schnell wie möglich einen höheren Level zu erreichen. Auf dem Welteruntergangs-Server von ArcheAge jedoch wurden Quests oft nicht beendet und es bildeten sich vermehrt soziale Gruppen: „Spieler, die bis zum bitteren Ende des Spiels blieben, zeigten Spitzen in der Anzahl von temporär gebildeten Gruppen: neue soziale Beziehungen wurden aufgebaut.

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Tatsächlich wurden die aufgezeichneten Gespräche in den Chat-Logs zum Ende hin immer glücklicher und nicht etwa trauriger. Wenn es also dem Ende entgegen geht, scheinen sich zumindest die Spieler auf dem Server eher auf das Schöne im Leben konzentrieren zu wollen. Ein wundervolles Beispiel für den menschlichen Zusammenhalt, wie wir finden.

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