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Es ist ein historischer Coup. Das US-Satiremagazine „The Onion“ veröffentlichte gestern eine Pressemeldung, die sich sofort wie ein Lauffeuer im Internet verbreitete. In ihrem 12-seitigen Statement stellen die Macher des Magazins eine unglaubliche Behauptung auf. Demnach sei die unter dem Label „Gamergate“ bekannt gewordenen Kontroverse zum Sexismus in der Spielekultur eine von langer Hand geplante, mehrstufige Performance-Aktion gewesen. Alle an der Hass-Kampagne beteiligten Personen sollen angeblich eigens angeheuerte Mitarbeiter des Magazins gewesen sein.

Mehrere dutzend Schauspieler, zahlreiche Komparsen, Rechtsanwälte und Dokument-Fälscher sowie weit über 1000 befristet engagierte Internetnutzer waren demnach an der akribisch geplanten Aktion beteiligt. Der Bericht belegt zudem, dass selbst die misogynen Attacken, infamen Belästigungen und selbst die Morddrohungen auf die Redaktion des „Onion“ zurückgehen: Die Opfer der Hass-Kampagne waren zudem schon Monate vor der Aktion eingeweiht worden. Cole Bolton, leitender Redakteur bei „The Onion“, äußerte sich in einem Interview mit der „Washington Post“ zu dem Coup und beschrieb Hintergründe der Aktion dort wie folgt:

„Sehen sie, wir fanden einfach, dass es an der Zeit war, das Bewusstsein für diese Probleme in der Gaming-Szene zu schärfen. Dass die Aktion dermaßen aus dem Ruder laufen würde, war uns allerdings nicht klar. Ich meine, es gibt da draußen ja eine ganze Menge einfältiger Arschlöcher, doch die Figuren, die Kommentare, die YouTube-Videos, alles was wir uns für diese Aktion ausgedacht haben, das war dermaßen lächerlich überzeichnet, dermaßen dämlich und ignorant, dass wir eigentlich fest damit gerechnet hatten, dass die Sache schon nach ein oder zwei Tagen auffliegen würde. Doch das Netz hat unseren Schwachsinn einfach geschluckt. Ich meine, so widerlich ist doch kein Mensch. Hallo? Aufwachen, Leute.“

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Aktuell wird „The Onion“ stark für die Aktion kritisiert. Wenngleich man sich in den sozialen Medien vielerorts sehr erleichtert zeigte, steht die Redaktion des Magazins nun unter Druck. Industrievertreter und Presse werfen den Satirikern vor, dass das Ganze ein überaus schlechter Scherz gewesen sei, der nicht nur das Ansehen der Branche nachhaltig beschädigt habe, sondern auch ein sehr schlechtes Licht auf die Spielekultur geworfen habe.

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"So widerlich ist doch kein Mensch." Cole Bolton von "The Onion"