Statt einer Vorschau: Eine Prophezeihung zu Assassin's Creed Unity

Leo Schmidt 12

Vorletzte Woche ist etwas seltsames und leicht unangenehmes passiert. Am Donnerstag fand in Paris ein Event zu Ubisofts kommendem Titel Assassin’s Creed Unity statt und ich sollte hinfliegen, um mir das Spiel nicht nur anzusehen, sondern auch selbst ein paar Stunden Hand anzulegen und euch dann meine Eindrücke mitzuteilen.

Unity

Unglücklicherweise streikte die Fluggesellschaft, deren hexerische Metallvögel mich nach Frankreich tragen sollten, und so konnte ich nicht hin. Andere Kollegen, die nicht aus Berlin oder Hamburg stammen, konnten es aber und ich hoffe, dass sie viel Spaß hatten. Solche Dinge sind ärgerlich, aber sie passieren nunmal, niemand kann wirklich was dafür und es wäre blöd, sich übermäßig darüber zu ärgern.

Dummerweise kann ich euch nun aber nicht sagen, wie das Spiel ist und es ist auch momentan noch unklar, ob ich es auf einem Ersatztermin zu sehen bekomme. Falls ja, werdet ihr hier natürlich lesen können, wie meine Eindrücke sind und ob der neueste Eintrag in einem der lukrativsten Ubisoft-Franchises gefällt. Bis dahin habe ich aber Seiten zu füllen, verdammt! Ich werde ja schließlich nicht fürs Rumsitzen bezahlt, sondern dafür, komplett subjektive und wertlose Meinungen aufzubauschen, für die ich ja immerhin auch mit immensen Summen bestochen werde.

Was wir also heute machen ist folgendes:

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Ich weiß nicht sehr viel über Assassin’s Creed Unity.

Eigentlich gar nichts, bis darauf, dass es im revolutionären Paris spielt. Ausgehend von dieser dünnen Prämisse und meinen bisherigen Erfahrungen mit der Reihe werde ich also versuchen zu extrapolieren, was ich gesehen HÄTTE, wenn ich nach Paris geflogen WÄRE. Es ist komplett unfair, kein bisschen integer und ein Schlag ins Gesicht für jeden, der sich Spielejournalist nennt.

Let’s do it.

Assassin’s Creed Unity handelt von einem jungen Assassinen namens Jean Clochard Delacroix, der ein athletischer brünetter 1,80-Schönling ohne jede Persönlichkeit oder im Weg stehende Charaktereigenschaften ist. Dass er so ein Abziehbild von einem maskulinen Protagonisten darstellt, stört ihn nicht weiter, vor allem aber hat es den Vorteil, dass sein Charaktermodell nicht so schwer zu modellieren ist, als wenn es Brüste, ein zweites X-Chromosom oder Eierstöcke hätte. Those things are HARD to animate!

Jean-Luc wächst in ärmsten Verhältnissen im Paris des 18. Jahrhunderts auf und natürlich, denn das ist bei der Reihe Pflicht, ist er eine Waise oder es wird zumindest ein beträchtlicher Teil seiner Familie früh abgemurkst. Jeder Halunke im AC-Universum, also auch der Mörder seiner Eltern/Schwester/Onkel/Tanten/Whatever, ist ein Lakai der Templer – und so, nicht etwa aus politischer Überzeugung oder durch Benutzung seines Gehirns, sondern einfach aus Verbitterung und Rachegefühlen, stößt Jean-Jacques zu den Assassinen.

Assassin's Creed Unity Arno.mp4.

Diese haben es derzeit so leicht wie nie, denn das Volk hat gerade sowieso die Schnauze voll von Aristokraten, und da Templer privilegierte reiche Säcke sind, lässt sich die Ambition des in den Straßen tobenden Pöbels herrlich mit derjenigen der Assassinen verbinden. Natürlich hat die Bruderschaft dabei keine tieferen Ziele als einfach möglichst viele Templer zu murksen. In einer Schlüsselszene sehen wir Jean-Baptiste, wie er einer politschen Kundgebung beiwohnt. Als die Ideale der französischen Revolution ausgerufen werden, hindert ihn die riesige, pulsierende Assassinen-Erektion, die er beim Wort „Freiheit“ kriegt, daran, die Worte „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ zu hören.

Das reicht ihm aber als Motivation. Er verbündet sich mit den Jakobinern, die unter Führung von Maximilien Robespierre sehr beeindruckt von Jean-Pierres Fähigkeiten beim Metzeln unschuldiger Leute sind und vor allem seine Waffe bewundern. Das ist das erste neue Feature des Spiels, denn statt wie bisher hervorspringende Dolche an den Handgelenken zu haben (die, wenn man so drüber nachdenkt, seit sie im Doppelpack auftauchen ihren eigentlichen Zweck, das heimliche Töten, nicht mehr so recht verfolgen), hat unser Held diesmal zwei Miniaturguillotinen am Unterarm, die auf sein Geheiß vorspringen und süße, blutige Gerechtigkeit erzeugen.

Süße, blutige Gerechtigkeit!

Richtig effektiv werden sie aber erst später, wenn man als Upgrade auch zwei kleine Körbe freischaltet, die sich Alain an die Arme schnallt und die dann automatisch die abgetrennten Köpfe der Gegner auffangen. Die entleibten Häupter dienen dann als Währung für weitere Upgrades. Beim Sturm auf die Bastille haben wir dann erstmals Gelegenheit, Dinge zu tun, die so niemals passiert sind und die trotzdem von Fans der Reihe beharrlich „historisch“ genannt werden und es einer bestimmten Art von Spielern erlauben, zu sagen, sie würden Assassin’s Creed mögen, weil sie sich für Geschichte interessieren.

Assassin's Creed Unity - Experience Trailer 1.mp4.

Zur selben Zeit haben es die affektierte Nervtöle Shaun Hastings und seine eigenschaftslose Nerdfreundin Rebecca Crane in der echten Welt geschafft, aus einem Abstergo-Labor einen Klon von Desmond Miles zu entführen, dessen Persönlichkeit auf Backups basiert, die der Animus von dem alten Barkeeper immer mal wieder abgespeichert hatte. Alle drei sehen, wie in jedem neuen Teil der Reihe, völlig anders aus als noch im letzten, aber das gehört zum guten Ton.

Da der Animus keine Persönlichkeit zum Speichern feststellen konnte (und auch aus finanziellem Kalkül heraus) hat er Desmonds Charakter und Fähigkeiten einfach durch die seines bislang einzig interessanten Vorfahren Ezio ersetzt, der wie damals bei Onkel Mario Auditore mit einem brutal unclever parodierten „It’s-a me!“ in Desmonds Körper zum Leben erwacht und sofort Rebecca klarmacht. Dann geht es daran, die bereits erlernten Fähigkeiten neu zu erlernen, falls es noch Käufer gibt, die die Vorgänger nicht gespielt haben.

If it ain’t broke, don’t fix it!

Das Kampfsystem wurde nur in Nuancen verhindert, because if it ain’t broke, don’t fix it. Und wenn es, wie bei Assassin’s Creed, seit dem ersten Teil fundamental kaputt und viel zu leicht ist, sodass man es eigentlich einmal komplett abreissen und neu aufbauen müsste: Don’t fix it anyway. Ist schlichtweg zuviel Arbeit.

Stattdessen gehen Ubisoft den diesmal genau umgekehrten Weg und erlauben es dem Spieler nun nicht mehr nur im übertragenen Sinn, sondern wortwörtlich, die Kämpfe zu gewinnen, indem er mit dem eigenen Gesicht über die Facebuttons des Controllers rollt. Automatisch kontern DesEzio und François alle Angriffe der Feinde – selbst Schüsse – und der Spieler muss nur noch Quicktime-Events absolvieren, die im Falle des Misslingens nicht zu einer Verletzung oder einem Neuversuch führen, sondern einfach protokolliert und am Ende der Mission eingeblendet werden. Darunter steht der Satz:

„Jeder macht Fehler, wir sind trotzdem stolz auf dich.“

assassins_creed_unity

Um aber die Hardcore-Crowd ins Boot zu holen, hat jede der Missionen natürlich wieder optionale Ziele. In einer recht frühen Mission, in der es Damiens Aufgabe ist, ein Ei in einen Eimer zu legen, erscheint am linken Bildschirmrand die erste Bonusmission. „Erschaffe den Weltfrieden, kuriere Krebs, beseitige Hunger: 0/3“. Als Belohnung für diese Aufgaben, die auf herrlich balancierte Art das Spiel würzen, wartet nach den Credits eine Extra-Szene, falls man alle Missionen erfüllt hat. Aus der Ego-Perspektive sehen wir, wie uns eine Hand zum feuchten Druck gereicht und dann geschüttelt wird. Befriedigend.

But is it good?

Es ist ja auch nicht nötig, wirkliche Ingame-Belohnungen einzubauen. Vor allem nicht, weil die Wirtschaft abermals hervoragend gebalanced ist und keine Einmischung mehr duldet. Die ersten hundert Louis d’or verdient sich Philippe, indem er versehentlich auf der Straße einen Esel anrempelt, der gerade dabei ist, einer Kleinfamilie wie selbstverständlich beim Frühstück zum Fenster hineinzulinsen, um stereotyp französische Romantik zu erzeugen. Das Langohr kötelt die ersten paar Münzen. Diese investiert der Spieler in einer mehrteiligen Mission in ein Lottoticket, das natürlich gewinnt und ihm unbegrenzten Zaster verschafft. Dennoch kann er sich jetzt Immobilien kaufen, die bald Cookie-Clicker-artige Mengen an Geld auf das Konto des Spielers spülen und niemals sinnvoll für irgendetwas ausgegeben werden können.

Man sieht also: Sowohl das neue Szenario als auch zahlreiche frische Einfälle versprechen, wieder ordentlich Schwung in die Reihe zu bringen. Wir dürfen sehr erwartungsvoll sein – und auch schon auf den DLC, der zwei Monate später kommt, und den Nachfolger, der nicht ganz ein Jahr später erscheint und diesmal im frühen 19. Jahrhundert angesiedelt ist, weil Ubisoft mittlerweile gemerkt haben, dass ihr ganzes Konzept nicht mehr funktioniert, wenn man die Ebene von Schwertern und einschüssigen Pistolen verlässt.

Ich jedenfalls bin gespannt.

 

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