Assassin's Creed Unity Test: Die Revolution ist da

Annika Schumann 107

Das Volk von Paris hungert. Die Adligen feiern opulente Feste. Auf der Straße sterben jeden Tag Menschen durch die Pest oder werden ermordet. Die Adligen schlagen sich die Bäuche voll und werfen ihr Geld für teure Perücken aus dem Fenster. Das Volk leidet – und der Adel verschließt die Augen. Doch das Volk lässt sich dies nicht mehr gefallen. Die Revolution beginnt, in den verwinkelten, langen Straßen der französischen Hauptstadt. Royalisten werden in aller Öffentlichkeit bedroht, verprügelt und ermordet. Ihre Köpfe werden auf Speere gesteckt und stolz durch Paris getragen. Und ihr befindet euch mittendrin. Willkommen zu unserem Test von Assassin’s Creed: Unity.

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Die Herrschaft der Gleichberechtigung hat begonnen

Unity startet zu Beginn der französischen Revolution: der Funke wurde entfacht, hat sich bislang aber noch nicht zu einem Flächenbrand ausgeweitet. Ihr, in Gestalt eines jungen, wohlhabenden Mannes namens Arno Victor Dorian, müsst miterleben, wie zunächst euer Vater und dann auch noch euer Adoptivvater ermordet werden. Zu allem Überfluss wird Arno beim letzten Mord auch noch für den Täter gehalten und landet in der Bastille, dem berühmt-berüchtigten Gefängnis. Dort lernt er einen Mann kennen, der ihm das Geheimnis seines Vaters preisgibt: er war ein Assassine. Und sein Adoptivvater ein Templer.

Um seinen des Mordes beschuldigten Namen reinzuwaschen und Rache zu üben, schließt er sich der Assassinen-Bruderschaft an und kehrt zu seiner Adoptivschwester und großen Liebe Élise de la Serre zurück – nur um festzustellen, dass sie sich inzwischen, genau wie ihr Vater, den Templern angeschlossen hat. Zunächst gehen sie getrennte Wege durch das zerrüttete und brodelnde Paris, doch ihre Missionen überschneiden sich und so treffen sie immer wieder aufeinander, um den Mörder ihres Vaters dingfest zu machen.

Assassin's Creed Unity Launch Trailer.mp4.

Dies alles geschieht vor dem Hintergrund der sich anbahnenden Französischen Revolution. Es ist eine turbulente Zeit, in der jeder denkt, dass er oder sie allein weiß, was für das Land am besten ist und so schicksalsträchtige Handlungen vollzieht, die einen Rattenschwanz an Problemen hinter sich herziehen. Dadurch wirkt die ganze Szenerie unheimlich geladen und intensiv. Die Straßen sind voller Menschen, die nach Gleichheit schreien, sich prügeln oder sich doch noch auf den Alltag besinnen und ihren Obststand aufbauen.

Wenn ihr euch einen Augenblick Zeit nehmt und einfach an den Rand einer Straße stellt, werdet ihr bemerken, wie die Figuren miteinander interagieren. Es kommt zu neuen Gesprächen, Streit kann ausbrechen, ja sogar Mord kann plötzlich vor euren Augen stattfinden. Die Grausamkeit der damaligen Zeit wird vor allem auch in späteren Sequenzen deutlich, wenn ihr dabei zusehen müsst, wie Leichen durch die Straßen getragen oder Bettler verstümmelt werden, damit sie mehr Geld einnehmen können. Deshalb ist Unity das erste Spiel der Reihe, das die ausgewählte Epoche in all seiner Schönheit und Erbarmungslosigkeit perfekt und genau auf den Punkt darstellt. Das fiktive Paris in Unity ist ein lebendiger und atmender Organismus, den ihr euch geschickt zunutze machen könnt und der von seinem Detailreichtum lebt.

Nicht nur die Bewohner der Hauptstadt sorgen für eine einzigartige Spielerfahrung, auch die Gebäude tragen zur Stimmung bei. Jedes ist mit etlichen liebevollen Details verziert und repräsentiert auf beeindruckende Weise den damaligen Zeitgeist. Besonders die berühmte Kirche Notre-Dame mit den vielen kleinen Buntglasfenstern ist eine wahre Augenweide und definitiv einen Ingame-Sightseeing-Abstecher wert.

Doch das ist noch lange nicht alles. Unity lebt nicht nur von der intensiven Atmosphäre des lebendigen Paris. Auch andere Abschnitte außerhalb dieser Epoche sorgen für absolutes Gänsehaut-Feeling und einen hohen Puls. Aus Spoilergründen kann und will ich darauf nicht näher auf die bereits per Trailer angekündigten Time-Anomaly-Szenen eingehen. Wenn ihr euch ein Bild über die Intensität der Szenen machen wollt, schaut euch am besten diesen Trailer an:

Assassin's Creed Unity Time Anomaly.mp4.

Lebendige Geschichte und die großen Männer der Zeit

Nach den eher schwachen bis gar langweiligen Charakteren Connor und Edward, erlebt ihr in Assassin’s Creed Unity wieder einen Protagonisten, der perfekt in das Setting passt und ordentlich für Stimmung sorgt. Arno Dorian hat Charme, ein klares Ziel vor Augen und immer einen kessen Spruch auf den Lippen – und erinnert deshalb oft an Ezio. Welcher der beiden nun besser ist, ist definitiv Geschmackssache. Ich mag Arno vor allem wegen einer Eigenschaft, die Ezio zwar auch besitzt, aber bei Unitys Hauptfigur noch deutlicher in den Vordergrund tritt: sein gutes Herz – und in diesem Zusammenhang auch seine Art, mit Élise umzugehen.

Auch Elisé ist eine gelungene Abwechslung in der Charakter-Riege der Reihe. Während ich mit Aveline aus Liberation und Black Flag wenig anfangen konnte, ist Elisé genau die Frau, die ich mir für die Reihe gewünscht habe. Sie ist stark, wortgewandt, furchtlos und – das Wichtigste – sie braucht keinen Mann, um sich aus schwierigen Situationen zu befreien, sondern weiß selbst, wie sie sich zu verteidigen hat. Gemeinsam mit Arno bildet sie ein unschlagbares, leidenschaftliches Paar, das sich scheinbar der ganzen Welt entgegenstellt um an ihr Ziel zu gelangen.

Doch Assassin’s Creed: Unity wird nicht nur von den beiden Hauptfiguren getragen. Insgesamt fährt der neue Teil mächtig auf, was interessante und beeindruckende Figuren anbelangt. Wie ich bereits in meinem Special zu Unity beschrieben habe, ist die Reihe für mich deshalb so besonders, weil ich auf diesem Weg die einzigartige Möglichkeit habe, mit einst real existierenden Personen zu interagieren, die die Weltgeschichte maßgeblich geprägt haben.

Durch diesen Fakt wird das Spiel greifbarer, erhält eine tiefere Ebene und schafft es, einem Geschichtsfreak wie mir teilweise den Atem stocken zu lassen. Besonders der Auftritt eines gewissen französischen Herrschers mit einer prägnanten Nase ließ mich fast den Controller aus den Fingern verlieren.

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Die Art und Weise wie er und auch der Marquis de Sade dargestellt sind und wie sie mit der Welt interagieren, sorgt für ein unheimliches, aber gleichzeitig erhabenes Gefühl von lebendiger Geschichte, wie ich es noch nie in einem Videospiel erlebt habe. Es kann auch daran liegen, dass ich mich von allen Epochen vor allem für die Französische Revolution interessiere und ich daher noch mehr Bezug zu den Figuren aufbauen kann. Ich bin allerdings davon überzeugt, dass auch andere Spieler spüren werden, wie gut die Charaktere ausgearbeitet sind und welche spannende Rolle sie in der alternativen Zeitgeschichte Unitys spielen.

Assassin's Creed Unity Unite.mp4.

Ein neues Spielgefühl

Unity bietet aber immer noch mehr als tolle Charaktere und ein spektakuläres Setting. Sowohl das Bewegungs- als auch das Kampfsystem wurden komplett überarbeitet. Obgleich ersteres nun intuitiver sein soll, fühlt es sich zunächst sehr sperrig an und braucht definitiv etwas Gewöhnungsphase, wenn man die vorangegangenen Teile gespielt hat.

Im Gegensatz dazu steht das neue Kampfsystem. Ihr könnt nun parieren, ausweichen oder angreifen. Euch wird stets angezeigt, wenn euer Gegner im Begriff ist, einen Schlag vorzubereiten, der euch mächtig Schaden zufügen kann. Nutzt ihr nicht die richtige Taste, ist der Kampf schnell wieder vorbei. Somit werden hier taktisches Denken und Timing das A und O der Auseinandersetzungen – und machen das neue System auf diese Weise zum bislang besten, interessantesten und abwechslungsreichsten Kampfsystem der ganzen Reihe. Was jedoch nicht unbedingt positiv ist, ist die Tatsache, dass gewisse Fähigkeiten erst freigeschaltet werden müssen. So könnt ihr unter anderem nicht von vornherein ein Doppelattentat ausüben, was in den vorangegangenen Spielen noch möglich war.

Zusätzlich zu den Fähigkeiten könnt ihr nach und nach immer mehr Ausrüstung freischalten. Dabei könnt ihr zum ersten Mal jedes Teil eurer Kleidung nach eurem eigenen Geschmack und den gewünschten Attributen wie Gesundheit, Rüstung oder Stealth auswählen.

Neben den altbekannten Waffen steht euch außerdem jetzt die Phantomklinge zur Verfügung, mit der ihr lautlos eure Gegner aus der Ferne töten könnt und deren Gebrauch oftmals anzuraten ist. Etliche Hauptmissionen finden auf großen Arealen mit teilweise über sechzig Wachen statt und um euch einen Weg zu bahnen und keinen Großalarm auszulösen, müsst ihr oft Gegner aus der Distanz erledigen. Das Besondere bei den Leveln ist vor allem ihr Abwechslungsreichtum. Es bleibt meistens euch überlassen, wie ihr das gewählte Ziel erreicht, sodass ihr beispielsweise entweder einen Schlüssel klauen und heimlich in ein Gebäude einsteigen oder Gefangene freilassen und so für Tumult sorgen könnt, durch den ihr dann unbemerkt zu eurem Ziel gelangt.

Die Nebenmissionen verlaufen ebenfalls nicht immer nach demselben Prinzip und bringen außerdem neue Aspekte ins Spiel. So müsst ihr beispielsweise zwischendurch Mordfälle lösen und dann nach alter Adventure-Manier Zeugenaussagen einholen, den Tatort untersuchen und Beweise sammeln. Allgemein gibt es in Paris viele Möglichkeiten, eure Zeit zu verbringen. Entweder ihr sammelt Gegenstände, löst spannende Rätsel, geht Missionen nach oder baut euer Café aus – ganz egal, es bleibt euch überlassen, was ihr in der französischen Hauptstadt unternehmen möchtet. Durch die dichte Atmosphäre und die wahnsinnig gute Story wird es nie langweilig.

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Für neue Erlebnisse sorgt außerdem der Koop-Modus, der den bisherigen Multiplayer-Modus ersetzt. Manche Missionen könnt ihr zu zweit und manche zu viert übernehmen. Diese Missionen bieten eine eigene Storyline und haben einen hohen Wiederspielwert. Jeder der Spieler übernimmt eine bestimmte Rolle und um siegreich zu sein, muss jeder seine Stärken ausnutzen und Teamgeist beweisen. So kann jeder Assassine neben den üblichen Fähigkeiten, die auch im Einzelspieler-Modus zur Verfügung stehen, eine spezielle Koop-Fertigkeit wählen, um das Team zu unterstützen.

Wer Lust auf interessante Herausforderungen mit Freunden hat, der sollte sich den Koop-Modus auf jeden Fall ansehen. Dieser ist allerdings nicht für Spieler geeignet, die gerne durchrushen und nur auf ihren eigenen Vorteil aus sind.

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Assassin’s Creed Unity - Test-Fazit:

In unserem Assassin’s Creed Unity Test stellten wir fest, dass sich das neue Spiel endlich wieder anfühlt wie ein vollwertiger und würdiger Teil der Meuchelmörder-Reihe. Er hebt die Serie durch die starke, lebendige Atmosphäre und das herrlich inszenierte Paris samt den grandiosen Charakteren auf ein völlig neues Podest. Assassin’s Creed kehrt mit Unity wieder zu seinen Wurzeln zurück, was richtig gut funktioniert und dank seiner frischen Überarbeitung zu begeistern weiß. Unity ist genau das (Assassin’s-Creed-)Spiel, das ich immer spielen wollte.

Assassin’s Creed Unity erscheint am 13. November 2014 für Xbox One, PlayStation 4 und PC. Getestet wurde die Xbox One-Version.

 

Disclaimer:

Mein Test zu Assassin’s Creed Unity basiert auf der von Ubisoft bereitgestellten Review-Version auf der Xbox One, die zum Zeitpunkt des Tests über keine gravierenden technischen Mängel verfügte. Die Versionen für die PS4 und den PC sind von uns nicht getestet worden, weshalb ich bewusst auf eine technische Einschätzung verzichtet habe.

Im Spiel enthaltene Mikrotransaktionen waren zum Zeitpunkt des Tests gesperrt und konnten von uns nicht als solche erkannt werden. Mein Nachtest hat ergeben, dass die Mikrotransaktionen in keiner Weise das Spielgefühl stören, da es auch unabhängig davon leicht möglich ist, rasch an die gewünschte Waffe, Kleidung oder Ausrüstung zu gelangen. Wer kein Echtgeld in das Spiel investieren will, muss dies nicht tun und kann die Mikrotransaktionen getrost ignorieren. Wer allerdings nicht so viel Zeit in Assassin’s Creed Unity investieren möchte, der hat eine Möglichkeit, schneller an die Gegenstände zu gelangen.
 
Das nachträgliche Auftauchen der Transaktionen in den Retail-Fassungen von Unity zieht den sonst positiven Gesamteindruck des Spiels nicht herunter.

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