Assassin's Creed 4 - Black Flag Test: Unter schwarzer Flagge (+Gewinnspiel)

Thomas Goik 3

Als ich zum ersten Mal „Fluch der Karibik“ gesehen habe, wollte ich unbedingt ein Spiel spielen, in welchem ich als raubeiniger Pirat durch die sieben Weltmeere segle, auf Schatzsuche gehe und an gewaltigen Seeschlachten teilnehme. Dass es mal ein „Assassin’s Creed“-Spiel sein würde, das mir diesen Traum verwirklicht, das hätte ich vor zehn Jahren, als ich mit großen Augen im Kino saß, nicht erwartet. „Assassin’s Creed 4: Black Flag“ ist ein verdammt cooles Piratenspiel, aber was ist daran jetzt noch „Assassin’s Creed“?

Tja, diese Frage weiß selbst „Black Flag“ nur halbherzig zu beantworten. Wo mir vergangene Teile der Serie noch haarklein erzählten, wie Ezio, Connor und Co.  überhaupt zu Assassinen wurden, findet Edward Kenway, Held von Teil 4, die Kluft der Meuchelmörder direkt in den ersten Spielminuten an der Leiche eines Assassinen, den er auch noch selbst Sekunden zuvor umgelegt hatte.

Assassin's Creed 4 - Black Flag.

A Pirate I Was Meant to Be!

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Erzählerisch ist die Verbindung zum Assassin’s Creed-Kanon damit natürlich noch nicht erledigt – schnell tauchen die ersten Templer auf, der Assassinen-Orden der Karibik gibt sein Debüt und Edward steht erfrischender weise mal zwischen den Fronten. Dumm nur, dass dieses Storygerüst so überhaupt nicht zum Rest der Geschichte oder zum Setting passt. „Black Flag“ will uns viel lieber erzählen, wie Edward zum Piraten wurde und wie er den Traum von großen Schätzen und einem Dasein in Reichtum zu leben versucht.

Es wirkt fast so, als hätte Entwickler Ubisoft Montreal schlicht mehr Lust darauf gehabt, ein Piratenspiel zu entwickeln, statt noch einen Teil der inzwischen fünf Einträge starken Assassin’s Creed-Reihe zu machen. Und wer kann es ihnen verübeln? In den letzten Jahren wurde das Format „Assassin’s Creed“ eher schwächer, das stärkste Element aus Teil 3 war das Novum Schiffskampf, das in dem Spiel allerdings recht kurz kam – aber dafür gibt es ja jetzt „Black Flag“.

Auf diese Umstellung muss man sich einlassen. Zwar stecken hier durchaus noch viele Elemente aus der „Assassin’s Creed“-Serie drin – zu viele sogar – „Black Flag“ fühlt sich trotzdem eher an wie ein eigenständiges Piratenspiel, das versucht, all eure von Rum getränkten Freibeuter-Träume zu erfüllen. Der Traum einer guten Geschichte gehört nur leider nicht dazu. Ubisoft fährt zwar eine ordentliche Mannschaft aus namhaften Piraten des 17. Jahrhunderts auf, verpasst allerdings mal wieder, sich auf einige wenige zu konzentrieren – so gibt es also schön viele Charaktere, die allerdings alle recht flach bleiben.

Assassin's Creed 4 Black Flag Live Action Trailer.
Selbst ein Blackbeard wird da recht schnell abgehandelt, andere Namen wie Benjamin Hornigold und Anne Bonny spielen zwar ebenfalls wichtige Rollen in diesem Freibeuter-Mär, so richtig lerne ich aber niemanden kennen – bis auf Edward selbst und der bleibt, ob seines egoistischen Ziels und dem Kontrast zwischen ehrhaftem Pirat auf der einen und hundertfach mordendem Monster auf der anderen Seit,  lange unsympathisch.

Die Sequenzen außerhalb des Animus sind dieses Mal dafür tatsächlich ganz spannend: Als gesichtsloser Mitarbeiter von Abstergo arbeitet man am Projekt „Edward Kenway“ mit und produziert sozusagen das Spiel, das man auch gerade spielt. Da nennen die Leute von Abstergo dann sogar Ubisoft als Publisher ihrer ersten kommerziell vertriebenen Animus-Erfahrung namens „Liberation“ und ich erfahre den Zukunftsplan von künftigen Abstergo-Projekten, inklusive möglichen Szenarien – das klingt dann schon fast nach dem Business-Plan von Ubisoft selbst.

Mehr als Rumlaufen in der Egoperspektive und das Hacken einiger Rechner erwartet einen außerhalb des Animus zwar nicht, dafür gefallen mir die Inception-artigen Spiel-im-Spiel-Ansätze. Außerdem: Kein nerviger Desmond mehr. Hooray.

Volle Kraft voraus!

Es dauert ungefähr zwei Stunden, bis Edward am Ruder des eigenen Schiffs steht. Jackdaw heißt das gute Stück, mit dem ich die Karibik bereisen, Schätze suchen und englische Händlerschiffe versenken  werde. An dieser Stelle habe ich mich ein wenig in „Black Flag“ verliebt – denn was mir hier an fulminanten Seeschlachten geboten wird, was mich dieses Spiel in seiner wunderschönen Inselwelt alles entdecken lässt, das habe ich in der Form einfach noch nicht erlebt, es fühlt sich neu an. Es gab zwar schon Spiele, die mich an Bord eines großen Kahns den Ozean haben erobern lassen, aber keines war dabei so schnell, so actionreich und so gut inszeniert wie „Black Flag“.

Oft schicken mich Hauptmissionen in den Seekampf gegen immer mehr und immer größer werdende Schiffe der Spanier und Engländer, die daraus entstehenden Großgefechte sind aber nicht auf Storyaufträge beschränkt. Im freien Spiel kann ich genauso gut einen Konvoy angreifen, dadurch mein Fahndungslevel erhöhen und mir anschließend große Schlachten gegen Piratenjäger leisten – dynamisch gerate ich dabei in einen Hurricane und muss nicht nur den Kugeln des Feindes, sondern auch riesigen Wellen und Windhosen ausweichen. Wenn ich dann als Sieger hervorgehe und mit fetter Beute der Jackdaw anschließend eine neue Reihe Kanonen oder auch mal ein schickes neues Segel verpasse, ist das Erfolgserlebnis groß.

Bei mir funktioniert der Sog aus Seeschlachten schlagen, Beute reinholen und Schiff verbessern so gut, dass ich über weite Teile des Spiels nichts anderes gemacht habe. Schnell merkt man allerdings, dass das auch nötig ist – heizt man nämlich direkt durch alle Storymissionen bekommt man nicht annähernd genug Ressourcen, um die Jackdaw auf das für spätere Aufträge nötige Level aufzuwerten.

Assassin's Creed 4: Black Flag - Gameplay Reveal Trailer.
Natürlich kann ich auf See nicht nur andere Schiffe versenken oder entern. Eine der Nebenbeschäftigungen des Ozeans ist das Tauchen, was nur an festen Stellen funktioniert. Dann wird Edward mit einer Tauchglocke gen Meeresboden gelassen und kann nach Schatztruhen gluckern. Nicht sonderlich realistisch, dafür aber cool: Meist wird man beim Tauchen von mehreren Haien bedroht – im Seetang muss ich mich dann vor den Meeresbestien verstecken und sehe oft nur ihren Schatten über mich drüber huschen, dabei kommt fast schon Horror-Stimmung auf.

Freude auf See, Langeweile auf Land

Nicht ganz so cool ist die Jagd auf Wale mit Harpunen, das Ganze erinnert nämlich eher an ein Minispiel. Mit Seil und Speer muss man den Meeresbewohner erwischen und ihn anschließend mit weiteren Harpunen erlegen. Das ist einmal ganz cool, wird dann aber schnell langweilig. Langeweile ist im Übrigen immer noch ein großer Teil von „Assassin’s Creed 4: Black Flag“. Während ich auf See immer bestens unterhalten werde, unterfordern die Missionen auf Land zumeist.

Da ist Ubisoft Montreal nämlich oft nichts Besseres eingefallen, als mich irgendwelche Personen verfolgen zu lassen. Denen latsche ich dann also minutenlang hinterher und lausche ihren Gesprächen, möglichst ohne dabei von Wachen entdeckt zu werden. Das wäre an und für sich kein schlechtes Mittel, um Exposition rüberzubringen – wenn aber gefühlt jede zweite Mission auf Land die Verfolgung irgendwelcher Charaktere beinhaltet, ist das einfach nur ein kreatives Armutszeugnis.

Es geht auch besser, ab und zu gibt es durchaus Aufträge, in denen ich mich durch feindliche Lager oder Plantagen schleichen muss oder in denen die Brust eines Meuchelmord-Ziels nur darauf wartet, von Edwards versteckter Klinge durchstochen zu werden. Zu oft verfällt aber auch „Black Flag“ in ein Missionsmuster, das ich nun schon zu Genüge aus den Vorgängern kenne.

Das Entdecken von Havannah, Kingston, Tortuga und anderen Inseln ist natürlich nach wie vor spaßig, allerdings nicht so faszinierend wie einen Aussichtsturm nach dem anderen in Venedig, Rom oder Konstantinopel zu erklimmen – dafür sind sich die Städte der Karibik zu ähnlich, außerdem kommen sie nicht an die faszinierende Architektur ihrer Konkurrenten heran.

Der Mehrspieler-Modus von „Assassin’s Creed 4: Black Flag“ folgt den Tugenden der Vorgänger und baut das bekannte und immer noch sehr spaßige Räuber & Gendarme-Spiel weiter aus. Das bedeutet in erster Linie mehr Fähigkeiten zum Freischalten, mehr Skins zum Freischalten und überhaupt einfach mehr zum Freischalten. Ein Koop-basierter Modus soll ein wenig Story in die Multiplayer-Gefechte bringen, echte dramatische Größe will sich aber nicht entfesseln. Sehr schade ist, dass die Seekämpfe noch immer nicht im Mehrspieler-Modus auftauchen - ich will endlich auch gegen menschliche Gegenspieler in die Seeschlacht ziehen!

Fazit:

Assassin’s Creed 4: Black Flag“ ist ein herrlich fulminant inszeniertes Piratenspiel mit krachigen Seeschlachten, motivierendem Schiffsausbau und einer faszinierenden Inselwelt, die nur auf ihre Entdeckung wartet. Es ist aber auch ein Spiel, das einen Großteil seiner Faszination verliert, sobald man eine der meist sehr langweiligen Missionen auf Land annimmt. Ein klassisches „Assassin’s Creed“ darf man hier genauso wenig erwarten, wie eine packende Geschichte mit Charaktertiefe.

Stattdessen bekommen große Piraten hier kleine Auftritte, die Templer kämpfen den immer gleichen Kampf gegen die Assassinen und Edward sucht nebenbei den Schatz seines Lebens. Wenn ich dabei dann aber am Ruder meines Schiffes stehe, um mich herum die Wracks von fünf Piratenjägern treiben und ich gerade abwäge, ob ich lieber in blutrote Segel oder eine goldene Gallionsfigur investiere, bin ich ein glücklicher Pirat.

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