Assassin's Creed Odyssey: Endlich macht die Reihe wirklich Spaß [Kolumne]

Kamila Zych

Die Assassin’s Creed-Reihe hat mit den Jahren an ihrer Beliebtheit eingebüßt. Mit Origins machte Ubisoft einen Schritt in die richtige Richtung, doch ein entscheidener Aspekt kam trotzdem zu kurz: der Humor.

Hinweis: Dieser Artikel ist ein Meinungsartikel, der den Standpunkt unserer Redakteurin widerspiegelt und nicht zwingend der Meinung der gesamten Redaktion entsprechen muss. Er erhebt keinen Anspruch auf eine universell gültige Wahrheit und deckt sich vielleicht nicht mit deinen eigenen Vorstellungen. Außerdem sind im Text ein paar minimale Spoiler zum Spiel enthalten.

Mag sein, dass meine Überschrift bei einigen für Verwirrung sorgt, daher möchte ich zu Beginn Folgendes klarstellen: Ich bin ein großer Assassin’s Creed-Fan und hatte bisher an keinem Teil der Reihe wirklich viel auszusetzen. Nur kann selbst ich nicht leugnen, dass die Teile vor 2017 wenig innovativ waren und ein relativ monotones, repetitives Gameplay besaßen. Während ich gerade diese Eintönigkeit schätzte, weil mir das Spiel dadurch ein Gefühl der Kontrolle über die Steuerung vermittelt hat, löste es bei den meisten Spielern vermutlich eher Langeweile aus.

Spaß machen heißt auch Humor haben

Aber Spaß bezieht sich ja nicht zwingend nur auf das Gameplay, sondern auch auf den Witz der Handlung und Charaktere. Aber wenn wir ehrlich sind, machte dieser auch nicht den Großteil der Reihe aus. Böse Zungen könnten behaupten, das Einzige was dich in den letzten Teilen zum Schmunzeln brachte, waren höchstens die skurillen Glitches. Und wenn ich ganz objektiv zurückblicke, muss ich gestehen, dass ich die Assassin’s Creed-Spiele nicht unbedingt ihres Humors wegen in Erinnerung habe.

Als Paradebeispiel für einen humorlosen Charakter gilt wohl Connor Kenway aus Assassin’s Creed III. Im Internet wird er als jemand beschrieben, der sich „leicht reizen lässt und nicht sehr oft im Spiel lacht“. Da vergeht einem ja schon die Lust, ihn zu spielen. Aber auch Bayek aus Assassin’s Creed Origins war vorrangig von Rache getrieben und ließ entsprechend wenig Platz für Humor, was aber sicherlich der traurigen Geschichte zu verschulden ist. Grob gesagt, sind die Protagonisten aus Assassin’s Creed keine Figuren, mit denen ich mich gerne identifiziere.

Das soll sich spätestens mit Assassin’s Creed Odyssey grundlegend ändern. Schon in der ersten Szene wirkt der Protagonist – in meinem Fall Alexios – unbeschwert und bodenständig; und bekommt sogar gleich eins auf die Mütze. Die Botschaft ist klar: Selbst der große, starke Söldner ist verletzlich – und das macht ihn direkt sympathisch. Im Laufe des Spiels gelingt es Ubisoft, immer wieder ungezwungen humorvolle Situationen zu schaffen.

Einige dieser Easter Eggs werden dich bestimmt zum Lachen bringen.

Bilderstrecke starten
28 Bilder
Assassin's Creed: Easter Eggs und Details, die du noch nicht kanntest.

Du entscheidest, wie lustig es wird

Wahrscheinlich liegt das größtenteils daran, dass du in Dialogen deine Antwort meist selbst bestimmen kannst. So entsteht das Gefühl, das Spiel in eine bestimmte Richtung zu lenken – oder sich einfach ausprobieren zu können. Dinge tun, die du im wahren Leben nicht machen würdest, weil sie entweder zu skurril scheinen oder mit Konsequenzen verbunden sind – Assassin’s Creed Odyssey gibt dir die Chance dazu. Dabei ergeben sich dann lustige Szenen, wie diese hier: Eine ältere Frau erzählt mir von ihrem abgeflauten Liebesleben. Grund dafür ist ihr Ehemann, dessen Sexualtrieb etwas in die Jahre gekommen ist. Um diesen wieder anzukurbeln, soll ich nach Zutaten für einen Liebestrank suchen. Nachdem ich ihr diese überreiche und der Trank fertiggestellt ist, bietet mir der Ehemann überraschend an, mit seiner Frau zu schlafen. Er fühlt sich trotz des Tranks nicht im Stande, sie befriedigen zu können. Ok, damit habe ich nicht gerechnet! Aber genau das führt dazu, dass mir das Spiel ein Kichern entlockt und ich mir denke: „Go for it!“ Wann hast du sonst mal die Möglichkeit, eine reife Frau zu befriedigen?

Wie die Begegnung mit der älteren Frau vonstatten geht, siehst du im folgenden Video.

Assassin's Creed Odyssey: Achievement-Guide "Aphrodites Umarmung".

Ubisoft schafft es aber auch, dich mit deinen eigenen Entscheidungen zu verblüffen – und dich dabei sogar ein bisschen zu trollen. Beispielsweise entscheide ich mich in einem Schlüsselmoment dazu – ich versuche es mal ohne Spoiler – eine wichtige Person zu töten. Doch statt auf das Ziel loszugehen, zögert Alexios. Er hebt zwar das Schwert und ich gehe davon aus, dass er nun zuschlägt. Doch er hält inne, nach dem Motto: „Ich kann das nicht tun.“ Und ich denke mir nur: „Was ist denn jetzt los? Ubisoft, so war das nicht geplant!“ Doch dann dreht sich Alexios um und rammt seinem Opfer leidenschaftlich sein Schwert in den Bauch. „Hach!“, rufe ich innerlich lachend aus, „Da hast du mich aber rangekriegt, Ubisoft!“

 

Die Welt lacht mit dir

Doch nicht nur Alexios ist für eine Überraschung gut. Auch die historischen Figuren, die du im Laufe deiner Reise triffst haben ihre ganz eigenen lustigen Eigenarten, die du ihnen auf den ersten Blick nicht anmerkst. Perikles veranstaltet beispielsweise pompöse Parties mit feuchtfröhlichen Orgien, er selbst aber hält sich währenddessen lieber in seiner Kammer auf. Hippokrates hingegen ist sehr eitel, also wage es erst gar nicht, ihn auf seine Halbglatze anzusprechen. Es sind kleine Details wie diese, durch die dir das Spiel ein Lächeln ins Gesicht zaubert und die Figuren gleichzeitig authentisch und nahbar macht.

Selbst die Welt in Assassin’s Creed Odyssey ist unterhaltsam. Dabei kann es sich zum Beispiel um einen erklimmbaren Penis einer übergroßen Zeus-Statue handeln. Näherst du dich beim Hinaufklettern dem besten Stück, hörst du Alexios auch noch sagen: „Ich sollte da vielleicht nicht raufklettern.“ Aber wir wissen alle, was danach folgt! Oder aber es ist eine zufällige Begegnung mit der Tierwelt: Während ich etwa einem NPC zum Quest-Ziel folge, werde ich plötzlich von einem Huhn angegriffen – einfach so, ohne Grund! Natürlich verteidige ich mich, was sich aber schnell als fataler Fehler herausstellt. Ehe ich mich’s versehe, bin ich von einer Horde verärgerten Geflügels umzingelt.

Wie viel weißt du wirklich über Assassin’s Creed? Teste es in unserem Quiz.

Hier kannst du Assassin's Creed Odyssey bestellen *

Auch mal über sich selbst lachen

Auch mit Sarkasmus spart Ubisoft in seinem neuen Spiel nicht. So bekommt selbst Publisher Electronic Arts in einer Nebenquest sein Fett weg. Dort wird die berühmte Aussage „sense of pride and accomplishment“, zu deutsch Gefühl von Stolz und Errungenschaft, aufgegriffen. Und das, obwohl Ubisoft selbst Mikrotransaktionen im Spiel eingebaut hat. Hier könnte Ubisoft Widersprüchlichkeit vorgeworfen werden oder aber es ist ein Zeichen dafür, dass der Entwickler sich selbst nicht allzu ernst nimmt. Denn genau das ist es, was den Erfolg von Assassin’s Creed Odyssey ausmacht. Daher meine Bitte: „Ubisoft, mach weiter so!“ Einen guten Anfang hat der Entwickler bereits mit Watch Dogs 2 gemacht. Im Gegensatz zum Vorgänger wirkt das Spiel viel lockerer im Umgang mit Gesellschaftskritik und der sonst so klischeebehaftete Hacker- und Hipsterkultur. Vielleicht schafft es Ubisoft im dritten Teil ja sogar noch eine Schippe mehr draufzulegen und kombiniert den Humor von Assassin’s Creed Odyssey mit der Gesellschaftskritik eines Watch Dogs.

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Weitere Themen

Neue Artikel von GIGA GAMES

* Werbung