Das Assassin's Creed-Paradox: Alles neu und doch so wie immer [Kolumne]

Alexander Gehlsdorf

Als ich vor einigen Wochen für ein paar Stunden Assassin’s Creed Odyssey gespielt habe, gingen mir zwei Gedanken durch den Kopf. „Das ist noch immer das gleiche Assassin’s Creed wie vor fast zehn Jahren“ und „Das Spiel hat nichts mehr von dem, was Assassin’s Creed damals für mich ausgemacht hat.“ Wie passt das zusammen?

Assassin's Creed Odyssey – Vorschau – Das alles ändert sich.

Zugegeben, die Assassin’s-Creed-Reihe habe ich in den letzten Jahren immer mehr aus den Augen verloren. Jedes Jahr ein neuer Teil, das war einfach zu viel. Dabei haben die Ermüdungserscheinungen bei mir bereits mit Brotherhood und Revelations eingesetzt. Ist das nicht das gleiche Spiel mit minimalen Änderungen?

Dementsprechend wenig Zeit habe ich den späteren Teilen gewidmet. Kurz angespielt, immer noch das gleiche, wieder aufgehört. So ähnlich ging es mir schließlich auch, als ich in den Wochen vor der E3 für ein paar Stunden Assassin’s Creed Odyssey im Rahmen eines Events gespielt habe. Und das, obwohl das Spiel als neuer Meilenstein der Reihe angekündigt wurde. Ein echtes Rollenspiel. Kein klassisches Assassin’s Creed mehr. Trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, wirklich etwas Neues zu spielen.

Was mir erst im Nachhinein so wirklich auffiel: Offenbar kannte ich alles, was es in Assassin’s Creed Odyssey zu tun gibt, schon aus anderen Spielen. Aber kannte ich es wirklich aus einem älteren Assassin’s Creed?

Stutzig wurde ich während meines Interviews mit Senior Producer Marc-Alexis Côté. Darin kam ich auf das traditionelle Fassadenklettern zu sprechen. Während ich in älteren Serienteilen minutenlang einen Weg hinauf auf die ein oder andere riesige Kathedrale gesucht haben, sind es in Assassin’s Creed Odyssey mittelgroße Statuen, die erklommen werden. Anspruchsvoll ist das allerdings nicht, nach fünf bis zehn Sekunden Kraxelei genieße ich bereits die Aussicht vom höchsten Punkt.

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Auf meine Frage, warum das Klettern in Assassin’s Creed Odyssey so anspruchslos ausfällt, antwortete Côté, dass die Faszination nie im Klettern bestand. Stattdessen geht es den Spielern um die Aussicht vom höchsten Punkt. Der Weg nach oben soll also möglichst kurz ausfallen. Ist das wirklich so?

Für mich persönlich bestand gerade im Weg nach oben der Reiz, Gebäude zu erklimmen. Dass es vom Dach aus eventuell eine schöne Aussicht geben könnte – worüber bei den älteren Serienteilen zudem gestritten werden darf – war für mich eher zweitrangig. Vielleicht stehe ich in dieser Hinsicht aber auch alleine da.

Ein anderer Aspekt, der die Serie für mich in der Vergangenheit ausgezeichnet hat, waren die namensgebenden Assassinations. Diese waren stets ein narrativer Höhepunkt, die mich auch spielerisch gefesselt haben. Aus dem Schutz der Masse heraus meinem Ziel aufzulauern, ungesehen zuzuschlagen und schließlich über die Dächer der Stadt entkommen. In diesem Moment fühlte ich mich wie ein echter Meister-Meuchler, ein unsichtbarer, todbringender Schatten.

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Assassin's Creed: Die Geschichte aller Assassinen und Spiele.

In Assassin’s Creed Odyssey erinnerte die Herangehensweise hingegen eher an Far Cry 5. Ich erledige also so lange Missionen, bis mein Ziel aus seinem Versteck gelockt und von mir im offenen Zweikampf besiegt wird. Wie ein unsichtbarer Schatten mit tödlichem Plan fühle ich mich dabei nicht unbedingt.

Überhaupt wird das auch der Grund sein, warum mir vieles in Assassin’s Creed Odyssey so bekannt vorkommt. Nicht, weil es aus den älteren Teilen übernommen wurde, sondern weil erneut die berüchtigte Ubisoft-Formel ihr Gesicht zeigt. Vieles, was ich in Assassin’s Creed Odyssey erledige, kenne ich so oder so ähnlich also bereits aus Far Cry 5, Ghost Recon: Wildlands und anderen Ubisoft-Spielen. Nur das Setting und die Waffen sind anders. Dementsprechend fühlt sich das meiste im Spiel so altbekannt an, Rollenspiel hin oder her.

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Wird Assassin’s Creed Odyssey deshalb ein schlechtes Spiel? Mit Sicherheit nicht! Schon im Test von Far Cry 5 ist mir die Formelhaftigkeit praktisch ins Gesicht gesprungen, Spaß hat das Spiel trotzdem gemacht. Dementsprechend wenig Sorgen mache ich mir darüber, dass bei Odyssey der Schuss nach hinten losgehen könnte.

Trotzdem bleibt mein ganz persönliches Assassin’s-Creed-Paradox: Noch immer spielt sich alles so, wie ich es kenne und erwarte – und das, obwohl genau die Aspekte, die die Reihe für mich bisher ausgemacht haben, gar nicht mehr im Spiel enthalten sind.

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