Attack on Titan – Wings of Freedom im Test: Große Schlachten für Anime-Fans

Lisa Fleischer

Wer die Manga- und Anime-Serie kennt und liebt, bei dem steht Attack on Titan: Wings of Freedom bestimmt schon längst auf der Wunschliste. Gänzlich ohne Vorwissen, dafür mit leichter Skepsis, bin ich an den Titel herangegangen. Wie es das Spiel geschafft hat, mich zum Fan der Serie zu machen, erfahrt ihr in meinem Test.

Attack on Titan: Wings of Freedom im Test.

Nach dem japanischen Release im Februar kommt das düstere Actionspiel Attack on Titan: Wings of Freedom nun endlich auch auf unsere heimischen Konsolen. Als Manga- und Anime-Fan wollte ich mir den Titel natürlich nicht entgehen lassen – obwohl ich die zugehörige Serie bislang nie gesehen hatte. Die Mischung aus unsagbar komplexem Plot und brutaler Atmosphäre schreckte mich ab, weshalb meine Neugier beim Spiel groß war: Wie würde es hier aussehen?

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Die Story von Wings of Freedom

Bevor ich aber darauf eingehe, starten wir bei einem ganz anderen wichtigen Aspekt: Der Geschichte. Die orientiert sich an der ersten Staffel des Animes von Attack on Titan. Dabei findet natürlich nicht jede einzelne Szene Erwähnung, die zentralen Geschehnisse werden im Spiel aber passend erzählt; manche Nebenmissionen gehen sogar über den Anime hinaus. Für mich als vollkommener Neuling im Attack-on-Titan-Universum war die Geschichte gut verständlich. Dank der kurzen Schilderung der Vorgeschichte am Anfang des Spiels und durch die Erläuterung der verschiedenen Charaktere konnte ich im Spiel voll und ganz in die Geschichte von Attack on Titan eintauchen und musste mir nur wenig durch andere Quellen aneignen.

Leider sind die meisten dieser wichtigen Informationen nicht direkt in die Kampagne eingebunden, sondern werden euch als Text präsentiert, der während der Ladezeiten zu lesen ist. Wollt ihr euch nicht durch diese Textflut kämpfen, seid aber trotzdem interessiert an der Story, kann ich euch empfehlen, euch nach dem Durchspielen doch an den Anime zu wagen. Dank des Spiels habe ich inzwischen angefangen, mich mehr mit der Serie zu beschäftigen und bin gespannt, was mit der zweiten Staffel von Attack on Titan auf uns zukommen wird.

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Aller Anfang ist langsam

Trotz Komplexität der Vorlage, setzt Wings of Freedom auf einen eher langsamen Einstieg. Ihr werdet also nicht sofort mit den furchteinflößenden Titanen konfrontiert, sondern kämpft zu Anfang im Tutorial erst einmal gegen große Holz-Figuren.

Und wo wir gerade eben noch beim Thema Story waren: Dieses Tutorial wird durchweg passend in die Geschichte eingebunden. Zu Anfang spielt ihr als Hauptcharakter Eren, der in der 104. Trainingseinheit ausgebildet und auf den Kampf mit echten Titanen vorbereitet wird. Ihr lernt dabei den Umgang mit der 3D-Manöver-Ausrüstung, bewegt euch dank Drahtseilen und Turbo-Antrieb zum ersten Mal in der Luft und übt Angriff und Verteidigung. Auch, wie ihr euch neu ausrüstet und wie eure Waffen und der 3D-Manöver-Apparat aufgewertet werden, wird euch verständlich erklärt.

Obwohl der Angriff durch die Benutzung der Ausrüstung rasant abläuft und ich zumindest am Anfang noch die Tasten durcheinanderbrachte, waren die Kämpfe dabei selten unübersichtlich. Besonders die Steuerung für die Luftangriffe ging mir irgendwann gut ins Blut über, sodass ich mich im Kampf lieber mittels der schwingenden Seile als zu Fuß bewegt habe. Auf diese Weise erreicht ihr ziemlich schnell den verwundbaren Nacken der Titanen, wodurch einige Gegner trotz des Größenunterschieds zu eurer Spielfigur recht einfach zu bezwingen sind.

Abwechslung auf dem Schlachtfeld

Anschließend geht es dann auf das richtige Schlachtfeld. Dabei werdet ihr mit verschiedenen Missionen konfrontiert, die alle recht ähnlich aufgebaut sind. Vor Beginn der eigentlichen Schlacht lauscht ihr schön gerenderten Cutscenes, plaudert mit Kameraden und rüstet euer Inventar, eure Waffen und Pferde auf. Habt ihr euch ausreichend vorbereitet, geht es mit der Action los, welche uns die Trailer von Wings of Freedom schmackhaft gemacht hatten.

Während dieser ersten Phase des Kampfes ist es zumeist euer Ziel, so viele Titanen und Nebenquests wie möglich zu bezwingen. Habt ihr das erfolgreich gemeistert oder ist die Zeit abgelaufen, wird euch in einer kurzen Cutscene euer finaler Gegner präsentiert, der weitaus größer und stärker ist als die anderen Titanen. Erst, wenn ihr diesen gigantischen Riesen gemeinsam mit euren Verbündeten, die ihr zur Hilfe holen könnt, erfolgreich bezwingt, ist die Mission am Ende angelangt und es erfolgt eure finale Bewertung. Mit diesem Schema erinnert Wings of Freedom an andere Titel von Entwicklerstudio Omega Force, das vor allem für Musou-Spiele wie Dynasty Warriors bekannt ist.

Allerdings weichen einige Aufgaben dank der Orientierung an der Attack-on-Titan-Serie von dem eben geschilderten Schema ab. So ist es bei manchen Missionen eure Aufgabe, Charaktere zu eskortieren oder bestimmte Titanen aufzuhalten. Außerdem variiert das Gameplay je nach spielbarem Charakter. Im Verlauf der Kampagne schlüpft ihr nämlich nicht nur in die Haut von Eren, ihr übernehmt auch die Rolle der flinken Mikasa oder habt Kontrolle über Armin. Bei ihm ist es beispielsweise von Vorteil, wenn ihr eure 3D-Manöver-Ausrüstung links liegen lasst und aus sicherer Entfernung Verbündeten Anweisungen im Kampf gebt.

Alternativ könnt ihr sogar als freundlich gesinnter Titan spielen und andere Titanen mit mächtigen Schlägen vermöbeln. Anders als in unserer E3-Vorschau noch vermutet, ist Wings of Freedom also weit abwechslungsreicher, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Spielmodi in Attack on Titan: Wings of Freedom: Neben der Kampagne gibt es in Wings of Freedom zusätzlich den Expeditionsmodus. Mit einem Charakter eurer Wahl stellt ihr euch entweder alleine oder gemeinsam weiteren Herausforderungen, die offline sowie online gespielt werden können. Außerdem findet ihr im Hauptmenü des Spiels eine Galerie, in der ihr nochmals alle Informationen zur Story, den verschiedenen Charakteren und Waffen lesen könnt.

Wenn da nicht die Grafik- und Kamera-Probleme wären…

Wings of Freedom funktioniert bei den Themen Gameplay und Story sehr gut, doch Grafik und Kameraführung sind leider streckenweise katastrophal. In hektischen Gefechten bleibt eure Kamera in den unpassendsten Momenten an Mauern oder den Rücken eurer Gegner kleben oder rückt so weit nach oben, dass ihr euch kaum selbst erkennen könnt. Obwohl sich ihre Körper eigentlich auflösen sollten, versperren die Kadaver der besiegten Titanen euch hin und wieder noch Sekunden nach dem Sieg die Sicht auf den nächsten Gegner. Ergänzt werden diese Probleme durch streckenweise nerviges Kantenflimmern. Der Stil erinnert mit dem leichten Cel-Shading-Look und der verschwommenen Umgebung an die vergangenen Tage der PlayStation 3 und wird nur selten den Standards der aktuellen Konsolengeneration gerecht.

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Ebenfalls nervig designt sind die Pferde in Attack on Titan. Auf Ebenen sind sie noch ein nützliches Feature, doch besonders bei niedrigen Hindernissen werden sie dann ziemlich bockig. An manchen Stellen springen sie mit Leichtigkeit selbst über höhere Hügel, vor Zäunen hingegen bleiben sie meist wie angewurzelt stehen. Das nervt und schränkt unnötig ein, denn ohne Gaul können wir uns dank 3D-Manöver-Ausrüstung schließlich einfach selbst über Kirchtürme hinwegschwingen.

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Mein Test-Fazit zu Attack on Titan: Wings of Freedom

Attack on Titan: Wings of Freedom ist sicherlich kein perfektes Spiel. Vor allem die grafischen Probleme fressen an den Nerven. Und auch wenn die Missionen im Spiel relativ abwechslungsreich sind, wiederholen sich die Passagen und vor allem die Animationen auf Dauer doch recht häufig.

Trotz meiner anfänglichen Skepsis und den eben erwähnten Fehlern konnte mich Wings of Freedom aber von sich und vor allem auch von der Serie Attack on Titan überzeugen. Der Grund dafür ist die Geschichte: Die ist kompliziert, aber fesselt im Verlauf des Spiels stetig mehr. In Kombination mit den Spielmechaniken, die sich dank sehr unterschiedlichen Missionen selten repetitiv anfühlen und durchweg fordern, wird dieses Attack-on-Titan-Spiel zu einem nischigen, aber durchaus spaßigen Unterfangen. Und mit der Möglichkeit, die blutigen Szenen optional auf ein Minimum zu reduzieren, hat das Spiel sowieso schon bei mir gewonnen.

Attack on Titan: Wings of Freedom ist seit dem 26. August für PlayStation 4, PlayStation 3, PS Vita, Xbox One und auf Steam erhältlich.

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