Great Scott! Da haben sich die Macher von „Zurück in die Zukunft“ aber mächtig vertan.

 

Back to the Future: The Game

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Back to the Future: The Game

Wir schreiben das Jahr 2010 und es gibt noch nicht einmal erste Pläne für schwebende Autos, die wir laut Regisseur Robert Zemeckis schon in fünf Jahren fliegen werden. Und wo zum Teufel bleibt das Hoverboard? Oder Kinowerbung in Hologramm-Form? Okay, all diese Erfindungen gibt es zwar (noch!) nicht, dafür blieb uns aber immerhin dieser peinliche Kleidungsstil erspart.

Wer jetzt nicht weiß, wovon wir reden und demnach mit den „Zurück in die Zukunft“-Filmen nicht viel anfangen kann, dem sei gesagt: Dieses Spiel ist nicht für dich! Denn eines vorweg: „Back to the Future – The Game“ richtet sich ganz klar an Kenner und Liebhaber des Kult-Klassikers und ohne den Fan-Bonus geht viel von dem einmaligen Charme verloren. Warum? Das erfahrt ihr in unserem „Back to the Future – The Game“ Test!

Worum geht es?

Wir erinnern uns: Am Ende der Film-Trilogie von vor 20 Jahren lässt Doctor Emmet Brown, seines Zeichen leicht verwirrter, aber stets genialer Wissenschaftler und Erfinder der DeLorean-Zeitmaschine, Marty McFly, guter Freund vom Doc und Held in Film und Spiel, in der Gegenwart zurück, um mit seiner Familie durch die Zeit zu reisen. Einige Monate später setzt die Story der ambitionierten Adventure-Umsetzung des prägenden Filmwerks an. Doc Browns Hab und Gut wird von der Stadt Hill Valley versteigert, da er seit langer Zeit verschwunden ist und für tot gehalten wird. Marty will dies natürlich verhindern, als wie aus dem Nichts der DeLorean auftaucht. Doc hat seinem jungen Freund eine Nachricht hinterlassen: Er steckt in Schwierigkeiten. Aber wo ist Doc überhaupt? Oder besser gesagt: Wann ist er?

In typischer Adventure-Manier müssen wir nun herausfinden, in welches Jahr wir reisen müssen, um Doc aus der vierdimensionalen Patsche zu helfen. Dabei verschlägt es uns in die Vergangenheit, wo wir auf einen jungen Emmet Brown, Verwandtschaft von Marty und sogar einen Vorfahren Biff Tannens treffen. Dass wir dabei die Zeitlinie ordentlich umkrempeln, müssen wir an dieser Stelle wohl gar nicht erwähnen.

Wie sieht es aus?

Die Entwickler von Telltale Games nutzen für ihre Episoden-Spiele eine eigene Engine, die inzwischen ihr Alter zeigt. Während Charaktere noch detailliert ausmodelliert wurden, sind die Umgebungen teils trist, detailarm und leblos. Das fällt vor allem im leergefegten Hill Valley der Vergangenheit auf – kaum jemand läuft auf den Gehwegen, Autos fahren nur alle paar Minuten vorbei. Es wirkt altbacken und steril. Auch die Animationen sind durchwachsen, bewegen sich doch viele Charaktere wie steife Holzpuppen und wirken so arg künstlich – Schade, das hat bei Tales of Monkey Island schon besser funktioniert! Hinzu kommen Bugs wie fehlende Sprachausgabe trotz abgespielter Animation oder ungünstige Kamera-Perspektiven, die einem die Sicht versperren.

Obwohl „Back to the Future – The Game“ auf einem Realfilm basiert, setzt es auf einen stilisierten Comic-Look, der dem Spiel auch außerordentlich gut steht. Wir erkennen unsere Lieblinge aus dem Kino sofort wieder, vor allem Marty und Doc Brown sehen einfach nur super aus. Unverzichtbar für die Fans: Die Original-Musik von Komponist Alan Silvestri ist mit dabei, freut euch also auf regelmäßige Gänsehaut beim Auftakt des „Zurück in die Zukunft“-Themes!

Was uns gefällt:

„Back to the Future – The Game“ fühlt sich wirklich wie ein vierter Teil und Nachfolger der bisherigen Zeitreise-Trilogie an. Die Story wurde in Zusammenarbeit mit Bob Gale, Autor des Originals, geschrieben. Die Dialoge sind clever und witzig, die Geschichte fesselt von Anfang an und nimmt bereits in der ersten von fünf Episoden unerwartete Wendungen.

Die englische Sprachausgabe ist ebenfalls erstklassig – Christopher Lloyd schlüpft erneut in die Rolle von Doctor Emmet Brown, für Marty McFly springt der Newcomer AJ LoCascio ein, der Michael J. Fox erschreckend ähnlich klingt. Die bereits erwähnte Musik, der passende Comic-Stil und die mal mehr und mal weniger subtilen Anspielungen auf die Filme machen aus „Back to the Future – The Game“ ein Fest für Fans, die schon nach den ersten Spielminuten die Titelmelodie nicht mehr aus dem Kopf kriegen werden.

Was uns nicht gefällt:

„Back to the Future – The Game“ ist ein klassisches Point&Click-Adventure, ein Genre, mit dem Telltale Games bereits jahrelange Erfahrung hat. Und doch sind wir von den meisten Rätseln enttäuscht: Zu einfach, zu einfallslos, zu gewöhnlich. Versteht uns nicht falsch: Wir haben keine Zeitsprung- und Charakterwechsel-Knobeleien à la Day of the Tentacle erwartet – darum geht es in einem Zurück in die Zukunft auch gar nicht. Aber etwas mehr Intelligenz hätte man seinen Spielern schon zutrauen dürfen.

Die oben erwähnten technischen Mängel kratzen an der Atmosphäre. Die bereits am Release-Tag mitgelieferte, deutsche Synchronisation ist zwar ein netter Zug seitens Telltale, allerdings fehlen die Original-Sprecher und bei der Übersetzung sind dem Lokalisierungs-Team Fehler unterlaufen. So wird aus einer „Pipe“ etwa eine Pfeife, statt das eigentlich abgebildete Rohr. Schlimmer noch: So manche Zeile wurde falsch eingesprochen – es ist schon merkwürdig, wenn Marty plötzlich Doc Browns Text liest. Wir sagen: Greift unbedingt zur englischen Version!

„Back to the Future – The Game“ ist, wie jedes Adventure von Telltale, ein Episodenspiel. Trotzdem ist die erste Folge deutlich zu kurz. Nach zwei bis drei Stunden flimmert bereits der Abspann über den Monitor – vergleichbare Titel des Entwicklers waren doppelt so lang.

Fazit:

Als Fan der drei noch heute faszinierenden Filme mögen wir „Back to the Future – The Game“. Das liegt an der tollen Geschichte, der Musik, den Charakteren, den Original-Stimmen; kurzum: Es liegt am „Zurück in die Zukunft“-Flair. Denn der eigentliche Adventure-Part des Spiels ist ernüchternd und enttäuscht: Überwiegend anspruchs- und einfallsloses Rätseldesign, kurze Spieldauer und technische Mängel machen aus der ersten Episode von „Back to the Future – The Game“ ein nur durchschnittliches Knobel-Abenteuer.

Da haben wir uns deutlich mehr erhofft, vor allem, da Telltale Games mit der dritten Staffel von „Sam&Max“ bereits gezeigt haben, wie es geht. Bleiben noch vier weitere Episoden, in denen die Jungs rund um Dave Grossman zeigen können, ob ihr neues Werk mehr als eine eingeschränkte Empfehlung verdient. Dann können wir hoffentlich mehr sagen als: Nur für Fans!

Wertung: 70%

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Thomas Goik
Thomas Goik, GIGA-Experte.

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