Battleborn im Test: Jetzt auch mit Video und finaler Wertung!

Kristin Knillmann

In einem Halbjahr, in dem so viele Hero-Shooter ihren Release feiern, ist es nicht leicht, hervorzustechen. Warum Battleborn, das neue Spiel der Borderlands-Macher, das schafft, aber sich dabei teilweise auch selbst blöde Stolperfallen stellt, erfahrt ihr im (Video-)Test.

Battleborn im finalen Test.

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Battleborn im Test

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Spiele, die zur falschen Zeit herausgekommen sind

Battleborn ist ein sogenannter Hero-Shooter: In einer Kampagne mit acht Missionen (a 30-45 Minuten) und diversen Mehrspieler-Modi stellt das Spiel seine große Helden-Varianz in den Fokus. Mit welchen der 25 sehr unterschiedlichen Figuren ihr die einzelnen Kapitel oder ein Versus-Match bestreitet, könnt ihr frei wählen. Umso mehr ihr mit euren Favoriten spielt, desto mehr levelt ihr euren Spieler-Account, aber eben auch die einzelnen Helden auf. Das ist ein recht simples Grundgerüst, das eine Mischung aus Grinden und kürzeren Matches - ob allein, mit Freunden oder Fremden - erlaubt. Nachfolgend erkläre ich euch, was Battleborn auf dem Kasten hat, warum es ein unterhaltsames Spiel ist, und warum es sich das Leben manchmal schwerer macht als nötig.

Der Look:

Das Erste, was euch bei Battleborn auffallen wird, ist der knallbunte Comic-Stil – und dafür muss man, zugegeben, schon etwas übrig haben. Dann lohnt es sich aber gleich mehrfach: Die Welten der Kapitel und die Mehrspieler-Karten sind wunderschön gestaltet und beinhalten passende Details. Effekte, wie Explosionen, sind perfekt animiert und sehen aus, als seien sie direkt aus dem Comic-Heft ins Spiel übertragen worden. Und dann wären da noch die Charaktere, die visuell so gar nicht klassisch ausfallen. Stattdessen haben wir eine Orendi mit viel zu vielen langen Armen oder eine Thorn, deren Gliedmaßen schlacksig und Gesichtszüge kantig sind. Gearbox hat für Battleborn ein visuelles Feuerwerk geschaffen, das Spaß macht.

ABER:

Leider ist dieses Feuerwerk so bunt, aggressiv und laut, dass es oft wirklich schwer fällt, die Übersicht zu behalten. Ein regelmäßiger Blick auf die vorhandene Mini-Map kann helfen, Gegner zu identifizieren. Konzentrieren wir uns stattdessen auf die Action, die sich direkt vor unserer Nase abspielt, ist es im Gefecht nicht leicht, eingesetzte Fähigkeiten, Monster oder Sammel-Gegenstände zwischen all den Effekten und Explosionen zu erkennen. Das führt besonders beim Verteidigen eines Basis-Punktes innerhalb einer Mission zu einem immensen Chaos, das zu schnell im Scheitern der Aufgabe enden kann.

Das Gameplay:

Das pure Gameplay – also: Held aussuchen, mit der primären und oft auch sekundären Waffe ballern und schnetzeln, die drei Skills nutzen, gegen Bosse bestehen – macht ordentlich Laune. Die Möglichkeit, gemeinsam mit Freunden oder auch im Matchmaking mit Fremden in alle Modi von Battleborn einzusteigen, ist toll. Und auch nach mehr als 15 Stunden (die ich bislang gespielt habe), ist es immer noch spannend genug, alle unterschiedlichen Charaktere auszutesten. Da jeder Held über drei besondere Fähigkeiten verfügt und über ein Helix-System innerhalb eines Matches oder einer Kampagnen-Episode auf sehr verschiedene Art aufgelevelt werden kann, ist der Wiederspielwert von Battleborn angenehm hoch. Einen Helden innerhalb der Helix, für die ihr später sogar noch mehr Optionen, sogenannte Mutationen, freischalten könnt, mal so und mal ganz anders aufzuleveln, fühlt sich unterschiedlich genug an, um ordentliche Spieltiefe zu bieten.

ABER:

Zu einem gesunden, ausbalancierten Gameplay gehört es auch, den Spielern genügend Klarheit zu bieten – und darin ist Battleborn leider gar nicht gut. Neue Spieler verlieren sich zu lang in der komplizierten Helix, die mitten in der Action – und während andere Spieler warten – aufgelevelt werden muss. Einen Trainingsmodus, der euch vorab erlaubt, mit den Helden und Fähigkeiten herumzuspielen, gibt es nicht. Und auch sonst ist es schwer, im Geschehen den Überblick zu behalten – einerseits wegen der vielen Effekte (siehe oben), andererseits durch kaum merkbares Treffer-Feedback. Während ihr bei einem erfolgreichen Schuss auf den Gegner noch sinnvolle, wenn auch eher ungewöhnliche Geräusche hört, nehmt ihr kaum wahr, wenn ihr unter Beschuss steht oder von wo die Schüsse genau kommen, wenn ein von euch zu beschützender Sentry massiven Schaden zieht.

Das resultiert in einem möglicherweise hohen Verbrauch der limitierten Extra-Leben, die Battleborn auf das gesamte Team umlegt. Sterbt ihr in einem Boss-Fight alle zufällig zeitgleich und könnt euch nicht wiederbeleben, sind die angesparten 5 Leben nichts mehr wert. Gehen sie euch aus, dürfen die zuletzt gestorbenen Spieler nämlich nicht mehr mitmachen, bis ihr ein neues Leben in einem Loot-Paket gefunden habt. Das motiviert zwar, Loot und auch Extra-Münzen für einen guten Highscore zu sammeln, ist aber besonders frustrierend, wenn ihr mit Fremden spielt, da ihr nie wisst, ob die abwarten wollen oder stattdessen einfach das Spiel verlassen.

Die Kampagne:

Anders als viele andere Hero-Shooter bietet Battleborn euch zusätzlich zu den Versus-Karten auch eine Kampagne mit insgesamt acht Missionen an, die jeweils auf Normal, Normal (Hardcore), Advanced und Advanced (Hardcore) gespielt werden können. Die Highlights der Kampagne sind ganz klar die musikalischen Comic-Intros, sowie der Prolog, der den meisten Wert auf Charakterinteraktion und Geschichte legt. Wir begleiten die schnippische Eldrid-Frau Mellka und die ehemalige Gehilfen des Antagonisten namens Deande über eine kurze Map und durch einen kleinen Bosskampf; und hören den beiden konstant dabei zu, wie sie sich anbitchen. Das ist unterhaltsam und zeigt, dass Gearbox immer noch gut darin ist, coole Charaktere mit Profil zu entwerfen.

ABER:

Der Rest der Kampagne steht und fällt mit seinen acht Missionen, die im Grunde genommen alle zu ähnlich funktionieren: Eskortiert diesen Sentry und passt auf, dass er keinen Schaden nimmt. Beschützt diese Basis und passt auf, dass sie keinen Schaden nimmt. Lauft über diese Karte und erledigt am Ende einen ganz okay entworfenen Boss-Gegner. Das macht in der Gruppe dank der unterschiedlichen Helden trotzdem Spaß; eine wirklich spannende, atemberaubende Kampagne sieht aber anders aus. Den Atem rauben die Kapitel dennoch gern, wenn die Mission mal wieder scheiterte, weil unklar war, von wo die zu beschützende Basis so schnell so viel Schaden genommen hat. Dann heißt es: War wohl nix; die letzten 30 Minuten noch mal komplett von vorn spielen.

Ob die Geschichte was taugt, ist dabei leider auch völlig uninteressant. Denn von der kriegt ihr indes eh nicht viel mit, da alles Erzählte während einer Mission im Geballer und Krach untergeht – das gute, alte Borderlands-Problem. Dass neue Battleborn-Spieler zu Beginn so gar nicht an die Hand genommen werden, wird aufgrund des blöden Aufbaus der Kampagne außerdem schnell zu einem großen Problem, vor allem auch wieder im Bezug auf die Story. Sind grad keine Freunde online, um die Geschichte im privaten Modus Kapitel für Kapitel durchzuspielen, greift ihr halt zum öffentlichen Spiel, das euch mit Fremden in eine Lobby schmeißt. Dort dürft ihr zwischen drei zufällig ausgewählten Missionen der Kampagne voten. Passiert euch das zu Beginn, spielt ihr vielleicht erst den dritten Teil der Geschichte, bevor ihr den ersten Teil spielt. Da die Kapitel insgesamt für sich selbst stehen, geht das schon klar. Damit machen sie sich aber zeitgleich auch irgendwie unwichtig.

Versucht übrigens gar nicht erst, die Kampagne allein spielen zu wollen. Abgesehen davon, dass sich einfach nicht alle Helden für alle Missionen eignen, sind besonders die Stellen, an denen ihr Basen oder Sentries verteidigen müsst, allein ein echter Drahtseilakt.

Das Aufleveln:

Die komplette Zeit, in der ihr mit den Helden von Battleborn spielt, wird eurem Spielerkonto gutgeschrieben. Statistik- und Loot-Nerds kommen voll auf ihre Kosten, denn die wirkliche Motiviation des Spiels ist keine Geschichte oder Kampagne, sondern das Aufleveln der Helden, das Bewältigen von Herausforderungen, das Freischalten von Spieler-Titeln, das Sammeln von Medaillen für den Abschluss der Missionen, das Anhäufen von gutem Gear zur Erweiterung der Fähigkeiten, oder das Freischalten von Helix-Mutationen, Hintergrund-Geschichten, Beleidigungen oder Helden-Skins. Wer Battleborn gern spielt, hat unglaublich lange was davon – und kann mit dem eigenen Profil-Tag und dem besten Figuren-Skin zeigen, wie gut man die Skills der Helden beherrscht.

ABER:

Während einige Sachen nur durch Training und die eigenen Fähigkeiten freigeschaltet werden können, ist zu viel Sammelkram vom Zufall abhängig oder rein davon, wie viel Zeit man in Battleborn investiert hat. Wenn alle Spieler theoretisch den geilen Skin bekommen können, wenn sie nur lang genug spielen, dann ist das wenig motivierend. Und das beste Gear haben eben auch nur die, die genug zocken, um sich mit genügend Münzen genügend Loot-Packs kaufen zu können – in der Hoffnung, das was Gutes drin ist.

Der Versus-Modus:

Battleborn ist, trotz Kampagne, ein reines Mehrspieler-Spiel. Das zeigt der Titel vor allem deutlich, wenn es vom Koop- in den Versus-Modus geht, in dem ihr euch in unterschiedlichen Modi und Maps die Köpfe einschlagen könnt. Das fühlt sich dank einiger entliehener Grundstrukturen teilweise an, als würdet ihr ein knallbuntes, witziges MOBA spielen. Dank der Helden, die sich eigen genug anfühlen, bleibt das Shooter-Gefühl aber stets präsent. Im Mehrspieler-Modus liegt die klare Stärke von Battleborn, auch wenn noch kompetitive Möglichkeiten wie „Counter-Picking“ fehlen. Aber auch ohne macht es Spaß, die Karte durch wiederholte Matches verstehen und strategisch ausnutzen zu lernen, um das gegnerische Team aus echten, und teils wirklich guten Spielern, zu besiegen.

ABER:

… ich habe gar kein „Aber“ für den Mehrspieler-Modus. Höchstens das leidige Problem der Übersichtlichkeit, das besonders in einem kompetitiven Spiel zum Problem werden kann. Da die Modi von Battleborn aber recht strategisch ausfallen, und zumindest bei erfahrenen Spielern nicht in blindem Teamfight-Geballer enden dürften, fällt das nicht so sehr ins Gewicht.

Warum ihr Battleborn endlich beachten solltet.

Hier ist unser Einsteiger-Guide zu Battleborn*

Mein Test-Fazit zu Battleborn:

Battleborn ist ein Hero-Shooter, der durch viele schöne Dinge von sich überzeugen kann: Die Helden sind cool und einzigartig, der Look des Spiels bunt und wunderschön, das Gameplay in seiner reinen Form - und vor allem mit Freunden oder im hervorragenden Mehrspieler-Modus - richtig spaßig. Wenn Gearbox eines versteht, dann ist es, sein Spiel in Szene zu setzen: Jede Explosion sitzt, die Comic-Intros fetzen und die Sprüche strotzen vor Attitüde. Noch dazu gibt es Unmengen zu tun und freizuschalten: Der Wiederspielwert von Battleborn ist dank des Helix-Systems, sammelbarem Gear und ganz viel Freischalt-Kram enorm hoch.

ABER:

Battleborn suggeriert mit einer Kampagne, dass das Spiel auch für Einzelspieler funktioniert. Das ist aufgrund der recht ähnlich entworfenen Missionen, in denen ständig irgendwas beschützt werden muss, nur leider ziemlicher Quatsch. Was okay wäre, wenn dadurch nicht die eigentlich stark gestartete Erzählung, die den typischen Gearbox-Charme versprüht, total abfallen und unbedeutend werden würde. Die verbockte Kampagnen-Auswahl, schlechtes Treffer-Feedback, frustrierende Kapitel-Neustarts und einige leidige Ruckler und „Hängenbleiber“ in der PC-Version, trüben den guten Eindruck noch zusätzlich. Und ehrlich: Ich weiß nicht, warum Gearbox die Memo nicht bekommen hat, aber Escort-Missionen (in denen man nicht mal merkt, von wo das Ziel so viel Schaden nimmt) sind der Abschaum der Videospielgeschichte.

Battleborn ist seit dem 03. Mai 2016 für PC, Xbox One und PlayStation 4 erhältlich. Ihr könnt das .

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