Battlefield 1: Warum ich den Trailer daneben finde

Martin Eiser 37

DICE‘ neuer Massenshooter Battlefield 1 wurde fulminant angekündigt und hat sich innerhalb kürzester Zeit zum beliebtesten Video auf YouTube gemausert. Ich kann die Euphorie zu dem Titel nur teilweise verstehen – den Trailer finde ich sogar daneben.

Battlefield 1: Warum ich den Trailer daneben finde

Krieg kennt keine Gewinner, nur Verlierer. Diesen Satz führe ich mir immer wieder vor Augen, wenn es um bewaffnete Auseinandersetzungen geht. Krieg ist etwas Monströses und kaum Fassbares. Etwas so Schreckliches, das auf ein kurzes Wort heruntergebrochen alles, was damit verknüpft ist, fast schon verharmlost. Wir leben im heute friedlichen Westeuropa, was Krieg aber wirklich bedeutet, das müssten wir aufgrund unserer jüngeren Vergangenheit eigentlich noch ziemlich gut wissen.

Selbst wenn wir in unseren Gedanken die Ursachen und Resultate des Krieges ausblenden bringt Krieg als solcher so viel Leid mit sich, dass kaum vorstellbar erscheint, dass wir uns heute überhaupt noch damit beschäftigen wollen. Natürlich: manche Konflikte lassen sich kaum vermeiden. Aber darüber, wo die Grenze zwischen dem Wollen und dem Müssen für einen solchen Einsatz verläuft, will ich an dieser Stelle auch nicht diskutieren.

Um allerdings eine gute Einschätzung darüber abgeben zu können, was notwendig und was verhältnismäßig ist, braucht es ein Verständnis dafür, was hinter diesem Wort „Krieg“ steckt. Und deswegen sollte sich eigentlich jeder genauer mit den Folgen von Kriegen auseinandersetzen. In meiner Schulzeit ging es ziemlich viel um den Ersten und den Zweiten Weltkrieg. Viel ist gerade vom ersten Weltkrieg nicht unbedingt hängengeblieben. Im Sommer 2014 rief mir Ubisoft die „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ mit Valiant Hearts aber wieder in Erinnerung und unterfütterte das Thema sogar noch mit einer für mich als Spieler nah- und nachvollziehbaren Konfrontation.

Valiant Hearts: The Great War ist eines der bewegendsten Spiele, das ich gespielt habe. Mir war nie so klar, welches Elend und Leid der Erste Weltkrieg als „Mutter der modernen Kriege“ mit sich brachte. Das 2D-Comic-Adventure gab mir einen Eindruck davon, warum dieser Krieg als Wendepunkt bezeichnet wird und was ihn in dieser Hinsicht so erschreckend machte.

Ich erfahre in dem Spiel etwas über den sinnlos erscheinenden Grabenkrieg, bei dem beide Seiten kaum vorwärts gekommen sind, es aber trotzdem viele Millionen von Toten gab. Thema ist natürlich auch der verheerende Einsatz von chemischen Waffen, der völlig neu war, und dessen Folgen zu diesem Zeitpunkt kaum bekannt waren. Und dann gab es da natürlich noch die vielen Toten durch automatische Waffen, die in diesem Krieg ebenfalls flächendeckend zum Einsatz kamen.

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Was das mit Battlefield 1 zu tun hat

Battlefield 1 - Offizieller Enthüllungstrailer.

Der Trailer zu Battlefield 1 ist großartig inszeniert. Er zeigt einen Haufen Details, die wir für den Shooter erwarten können und die spielerisch vielversprechend aussehen. Dazu gehören solche Kleinigkeiten wie der Spaten, authentische Waffen und der Einsatz von Pferden. Aber auch der bereits sichtbare Grad der Zerstörung ist fantastisch. Wow, da kribbelt es ordentlich. Frankreich, die italienischen Alpen und die Wüsten in der arabischen Welt sind abwechslungsreiche, grafisch opulente Schauplätze gegenüber dem Grau, das wir sonst mit dem 1. Weltkrieg assoziieren (auch wenn diese freilich von den schwarzweißen Fotos bestimmt werden, die aus der Zeit erhalten sind).

Beeindruckend an dem Video sind aber vor allem die riesig wirkenden Schlachtfelder mit all ihren Möglichkeiten, sich gegenseitig niederzumähen. Wir können mit dem Flugzeug, Panzer oder Schiff, und zu Fuß oder zu Pferde in den Einsatz ziehen. Auch riesige Luftschiffe fehlen nicht. Battlefield 1 wird richtig fett – der Shooter schaut im Trailer einfach großartig aus. Und wenn dazu noch ein Dubstep-Remix von „Seven Nation Army“ das gezeigte untermalt, dann darf man sich zurecht darauf freuen.

An jenen Stellen im Trailer, in denen aber Giftgas, Grabenkämpfe und Maschinengewehre zu sehen sind, wird mir persönlich trotzdem ziemlich mulmig. Da sind plötzlich diese Gedanken im Kopf – Gedanken daran, was die Szenen tatsächlich darstellen. Klar, das schaut fett aus, wenn ich es im bequemen Schreibtischstuhl vor meinem Monitor sitzend betrachte und nicht versuche, mich in die Situation hineinzudenken. Sobald ich aber die Verbindung zum Ersten Weltkrieg herstelle, verzieht sich mein Gesicht. Darf man einen schrecklichen Krieg so darstellen, dass er fast sexy wirkt?

Battlefield 1 ist nur ein Spiel, das ist klar. Ich tue mich wirklich schwer damit, den Shooter zu verteufeln, weil er sich dem Ersten Weltkrieg annimmt und den Schrecken nicht historisch aufarbeiten, sondern als Rahmenhandlung für fetzige Feuergefechte inszenieren möchte. DICE verpackt den Krieg hier in einer solchen Form, die wir ähnlich wie das Wort das Wort „Krieg“ inzwischen verharmlosend und beinahe gleichgültig benutzen. Wir haben über die Zeit eine solche Distanz zum Krieg entwickelt, dass wir abgestumpft sind. Die Notwendigkeit solcher Auseinandersetzungen erscheint uns alternativlos, mit den Konsequenzen konfrontieren wir uns nicht.

Das geht inzwischen so weit, dass wir Krieg gegen alles und jeden erklären können. Und manchmal stehen wir sogar mit Nichtigkeiten auf „Kriegsfuߐ“. Aber irgendwann ist uns das Gefühl für den Krieg scheinbar abhanden gekommen. Wir finden das alles schon schlimm, aber es fehlt uns die Vorstellungskraft dafür, wie schlimm Krieg wirklich ist. Und wenn DICE nun Battlefield 1 den Anstrich von Popcorn-Kino verpasst, dann wird es das für uns nicht leichter machen.

Die Diskussion über Battlefield 1 streift auch das leidige Thema der politischen Korrektheit. Darf man Krieg so darstellen, oder nicht? Heutzutage gehört es zum guten Ton, entweder immer die richtigen Worte zu finden und alle Befindlichkeiten zu berücksichtigen, oder aber eben genau dagegen zu sein und ohne Sinn und Verstand die Klappe aufzureißen. Ich persönlich halte von beiden Extremen nicht besonders viel und bin eher ein Freund von Kompromissen. Jede Meinung, sofern sie nicht menschenverachtend ist, hat erst einmal ihre Berechtigung.

Mein ganz klarer Standpunkt zu diesem Thema ist jedenfalls, dass Krieg nicht verherrlicht werden sollte. Deswegen muss Battlefield aber nicht zum Anti-Kriegs-Spiel mutieren. Ein Shooter darf auch einfach nur Spaß machen. In dem Moment, wo ich mich aber auf reale Ereignisse beziehe, muss ich einfach ein paar Dinge beachten. Dabei geht es nicht darum, ein Spießer oder Langweiler zu sein, sondern um Respekt gegenüber den 17 Millionen Menschen, die in genau diesem Krieg gefallen sind.

Wer ein Spiel über den Ersten Weltkrieg macht, aber dabei die historischen Fakten verdreht, um seichte Unterhaltung für eine breite Masse zu liefern, dem darf ich vorwerfen, dass er den Krieg und Gewalt verherrlicht. Und natürlich haben Spiele auch in der Vergangenheit immer wieder statt der Realität ihre eigene Agenda verfolgt. Je besser und realer die Erfahrung wird, desto absurder erscheint das übertrieben geschönte Abziehbild.

Ich würde mir für Battlefield 1 wünschen, dass es versucht, einen Teil der Geschichte des Ersten Weltkriegs historisch korrekt zu erzählen und auf die Schrecken einzugehen. Wie man auch etwas ernsthafter an das Thema herangehen kann, zeigt beispielsweise Spec Ops: The Line von Yager. Wie genau DICE die Kampagne gestaltet, ist aber noch nicht bekannt. Das einzige, was wir bis jetzt kennen ist ein im Sinne des Marketings reichlich plakativer Trailer. Es besteht durchaus die Hoffnung, dass der Shooter mehr will, als einfach nur ein bisschen Gaudi auf dem digitalen Schlachtfeld zu erzeugen.

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