Battlefield 5 im Test: Ein Rohdiamant, der noch geschliffen werden muss

Alexander Gehlsdorf

Nach mehreren Vorab-Veröffentlichungen und Test-Phasen steht Battlefield 5 ab heute endlich auch regulär im Handel. Wir haben bereits die letzten Wochen auf den virtuellen Schlachtfeldern verbracht und verraten dir, warum Battlefield 5 mit etwas Geduld das Zeug zum besten Teil der Serie hat.

Offenbar hat es DICE nicht so ganz mit Zahlen. Battlefield 5 ist der mittlerweile 15. Ableger der Battlefield-Reihe, erschien zwei Jahre nach Battlefield 1 und kehrt in das Szenario des allerersten Serienteils zurück: Battlefield 1942.

Ob die Entwickler und Entwicklerinnen bei DICE gut zählen können oder nicht, ist aber auch nicht weiter von Belang, denn eines steht fest: Sie können verdammt gute Multiplayer-Shooter entwickeln. Denn genau das ist Battlefield 5 geworden.

Vergessene Soldaten und verpasste Chancen

Bevor jedoch die Lobhudelei beginnt, muss ich über die Einzelspieler-Kampagne reden, die sogenannten War Stories. Die bildeten bereits in Battlefield 1 das Schlusslicht und trübten so das eigentlich gelungene Gesamtpaket. Einen Teil der damaligen Kritik hat sich DICE offenbar zu Herzen genommen und die War Stories in Battlefield 5 konsequent verschlimmbessert.

Auf drei Geschichten und einen Prolog reduziert, verfolgen die War Stories von Battlefield 5 im Grunde ein nobles Ziel: Die unbekannte Seite des Zweiten Weltkriegs in den Mittelpunkt zu rücken. Statt also die Landung in der Normandie, Stalingrad oder El Alamein zu thematisieren, spielst du in Battlefield 5 als Mitglied des norwegischen Widerstands, bist als Kämpfer des britischen SBS hinter feindlichen Linien in Afrika unterwegs und verteidigst mit senegalesischen Kolonialtruppen ein Land, dass du noch nie zuvor gesehen hast.

Gerade letztere War Story mit dem Titel Tirailleur hätte so viel Potential gehabt den Zweiten Weltkrieg vor dem Hintergrund des Kolonialismus und des Rassismus außerhalb Deutschlands zu betrachten. Statt zu hinterfragen, aus welchem Grund die senegalesischen Truppen überhaupt für ihre Kolonialherrscher kämpfen müssen, verkommt Tirailleur zur einfallslosen Schießbude. Nachdem in dieser hunderte Feinde ausgeschaltet wurden, wird in einer der darauffolgenden Zwischensequenzen der letzte deutsche Soldat natürlich verschont, weil Töten ja schließlich nicht der richtige Weg ist.

Zwar legt Battlefield 5 viel Wert darauf, nicht das Stereotyp des amerikanischen GIs zu bedienen, letztendlich läuft aber doch jede War Story auf platten Heldenpathos hinaus. Ob als Afrikaner in Tirailleur oder Krimineller in Unter keiner Flagge – die „Heldentaten“ im Krieg versprechen denen Anerkennung, die in Friedenszeiten als Bürger zweiter Klasse gelten. Zwar wird diese Erwartung der Protagonisten enttäuscht – sowohl der SBS als auch die Tirailleur sind heute nichts mehr als eine Fußnote der Geschichte – die inhärente Power Fantasy des Gameplays verhindert aber von vornherein eine komplexe Reflexion des Themas.

Battlefield 5: Offizieller Singleplayer-Trailer.

Dass sich auch Spiele differenziert mit den Ursachen, Folgen und Schrecken des Krieges auseinandersetzen dürfen und sollen, beweisen Spiele wie 11-11: Memores Retold, This War of Mine, Through the Darkest of Times, Valiant Hearts und viele mehr – mit dem entscheidenden Unterschied, dass diese Spiele auf einem grundlegend anderen Gameplay basieren. In einem solchen Rahmen die vergessenen Teilnehmer und Opfer des Krieges zu beleuchten hätte einen enormen Wert für die historischen Aufarbeitung, die in Battlefield 5 schlicht nicht stattfinden kann.

Dementsprechend fehlen auch Hakenkreuze und der Holocaust, schließlich wäre dafür eine tatsächliche Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte nötig, statt sich auf Heldentaten und Pathos als Story-Ersatz zu verlassen.

Dazu kommt, dass das Gameplay der War Stories nicht mit der Qualität des Multiplayer mithalten kann. In Battlefield 1 hatte der Singleplayer immerhin die Daseinsberechtigung, dass die fünf War Stories als eine Art Tutorial fungierten, in denen dir die unterschiedlichen Aspekte von Battlefield nahe gebracht wurden. Davon kann im aktuellen Teil keine Rede sein. Praktisch jede der drei War Stories lässt sich nach der Prämisse „Laufe zum Ende des Levels und töte alle Gegner“ absolvieren. Immerhin ein kleiner Bonus: Alle Charaktere sprechen in ihren entsprechenden Landessprachen. Das darf gerne Schule machen.

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13 Features, die beweisen, wie realistisch Battlefield wirklich ist.

Ein stabiles Fundament mit wenigen Stockwerken

So, das klang jetzt alles sehr fatalistisch. Habe ich nicht eingangs von einem „verdammt guten Shooter“ gesprochen? Nicht ganz. Von einem „verdammt guten Multiplayer-Shooter“ war die Rede, denn im Mehrspieler kann Battlefield 5 beweisen, wie fantastisch das Fundament ist, auf dem der Rest des Spiels gebaut ist.

Auf den ersten Blick fallen die Unterschiede zum Vorgänger Battlefield 1 nur marginal aus, allerdings haben diese in der Summe große Auswirkungen. Da wäre zum einen, dass sich die Lebensenergie der Soldaten nicht von selbst regeneriert, sondern mit Hilfe eines Medikits wiederhergestellt werden muss. Davon tragen die meisten Kämpfer jedoch nur ein einziges mit sich herum.

Ebenso startest du mit begrenzter Munition, die im Laufe eines Gefechts durchaus zur Neige gehen kann. Dementsprechend wichtig ist es in Battlefield 5, dass genügend Spieler die unterstützenden Klassen Medic und Support übernehmen. Während andere Shooter in erster Linie den Skill am Fadenkreuz belohnen, kassieren in Battlefield 5 vor allem Team-Spieler massig Punkte.

Praktisch jede Aktion, die nicht in erster Linie deiner Kill-Death-Ratio, sondern deinem Team dient, wird belohnt: Das Heilen und Versorgen von Squad-Mitgliedern wird mit doppelten Punkten vergütet, ebenso werfen Squad-Spawns, Spotting, Assists und das Ausführen von Befehlen zusätzliche Punkte ab. So sammle ich im Laufe eines Matches als Sanitäter in der Regel nur eine Handvoll oder sogar gar keine Abschüsse, befinde mich aber dennoch stets im oberen Drittel des Leaderboards.

Durch diesen simplen aber effektiven Trick, das gewünschte Verhalten mit Punkten zu belohnen statt Einzelgänger zu bestrafen, funktioniert das Team-Play in Battlefield so gut wie noch nie zuvor. Natürlich gab es bereits in den Vorgängern ähnliche Mechaniken, erst durch den im Vorfeld noch kritisierten Munitionsmangel und die fehlende Selbstheilung greifen jedoch alle Elemente jetzt wirklich perfekt ineinander.

So sicherst du dir alle Trophäen in Battlefield 5

Neben den unterstützenden Klassen haben jedoch auch Meisterschützen Grund zur Freude. Die Waffen sind präzise, Rückstoßmuster sind nicht mehr zufällig und auch Kopfschüsse werden zusätzlich belohnt. Wahre Experten können nun sogar Granaten in der Luft abschießen und so verhindern, dass der Feind diese zurückwirft.

Allerdings hat es einen Grund, dass ich dieses Zusammenspiel als Fundament bezeichne, denn bis zum fertigen Haus ist nach wie vor Zeit und Arbeit nötig. Da wäre zum einen die Grundreinigung. Noch wird Battlefield 5 von diversen Bugs und technischen Schwierigkeiten heimgesucht. Von Grafik-Glitches über Perfomance-Probleme hin zu langen Wartezeiten und Abstürzen bietet Battlefield 5 immer wieder kleinere und größere Anlässe für Frust.

Nun ist ein verbuggter Launch inzwischen so etwas wie eine Battlefield-Tradition. Eine Entschuldigung ist das nicht, aber immerhin ein guter Indikator dafür, dass DICE es wie in den Vorgängern schaffen wird, die aktuellen Probleme in den kommenden Updates zu beheben.

Dennoch fehlen der Casa Battlefield 5 derzeit noch einige Stockwerke, denn das acht Karten starke Erdgeschoss der Release-Version darf gern noch ausgebaut werden. Zwar können die bisherigen Karten durchaus überzeugen, ikonische Szenarien sind derzeit jedoch Fehlanzeige. Auch von den unzähligen Fraktionen sind aktuell lediglich Deutsche und Briten spielbar.

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Battlefield 5: Alle Waffen - Liste mit allen bestätigten Knarren.

Während der Fokus auf unbekannte Schauplätze für eine Einzelspieler-Kampagne, die einen narrativen Anspruch hat, durchaus nachvollziehbar ist, hat Battlefield ausgerechnet hier Multiplayer-Potential verschenkt. Denn abgesehen von den Waffen und Fahrzeugen vermittelt wenig im Spiel die Atmosphäre, gerade im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen.

In keinem anderen Serienteil wäre es naheliegender gewesen, Klassiker wie Wake Island zurückzubringen, was DICE in mehreren Vorgängern ja bereits getan hat. Dementsprechend hoffe ich sehr, dass im Rahmen der Tides of War nicht nur neue Spielmodi, War Stories und Skins veröffentlicht werden, sondern Battlefield 5 auch um den ein oder anderen ikonischen Schauplatz wächst.

Mein Test-Fazit zu Battlefield 5

Battlefield ist auf dem besten Weg, einer der besten Serienteile überhaupt zu werden. Bis dahin fehlt jedoch noch der technische Feinschliff und ein gesunder Nachschub an Content. Es wäre faszinierend gewesen zu sehen, was für ein Spiel aus Battlefield 5 geworden wäre, wenn Electronic Arts den Mut gehabt hätte, auf die überflüssigen War Stories zu verzichten und sich stattdessen voll und ganz auf den Ausbau des Multiplayers konzentriert hätte.

Dennoch ist Battlefield 5 bereits im aktuellen Zustand ein lohnenswertes Paket. Da dank der Tides of War alle zukünftigen Inhalte kostenlos erscheinen werden, wird sich auch die Qualität und der Umfang von Battlefield 5 stetig verbessern. Ich bin jetzt schon sehr gespannt, was für ein Spiel in einem Jahr aus Battlefield 5 geworden ist. Serien-Fans die auf komplexe Multiplayer-Gefechte stehen, kommen also definitiv wieder auf ihre Kosten. Ob Battlefield 5 mit dem Modus Firestorm hingegen auch Battle Royale-Fans gewinnen kann, wird sich erst im März 2019 herausstellen.

Wird dir gefallen, wenn du ein Team-Spieler bist und auf fordernde Mutliplayer-Gefechte stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du dir eine packende Einzelspieler-Erfahrung erhofft hast und von dem Szenario auch ikonische Schlachten erwartest.

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