Bloodborne Video-Test: Der bisher beste Grund, sich eine PS4 zu kaufen

Tobias Heidemann 19

Souls-Spiele sind schwer. Da stirbt man ständig. Auf diesen einfältigen Nenner wurden Hidetaka Miyazakis Spiele zuletzt von Vermarktung und Medien reduziert. Der fordernde Schwierigkeitsgrad und die daraus resultierende Anzahl überdurchschnittlich häufiger Bildschirmtode scheinen das wesentliche Merkmal der mit dem Label „Hardcore“ versehenen Serie zu sein. Man könnte kaum weiter daneben liegen. Souls-Spiele auf ihren Schwierigkeitsgrad runter zu brechen ist unnötig und unzutreffend. Wie viel mehr in dieser wunderbar eigensinnigen Reihe steckt, das kann man aktuell in „Bloodborne“ bestaunen. Dem bisher besten Kaufargument für Sonys PlayStation 4.

Bloodborne Video-Test: Der bisher beste Grund, sich eine PS4 zu kaufen
Bloodborne Video Test.

  Bloodborne hier kaufen! *

Verstehen wir uns nicht falsch: Der vergleichsweise hohe Schwierigkeitsgrad von „Demon´s Souls“, „Dark Souls“ und „Dark Souls 2“ hat sicherlich viel zur Wahrnehmung dieser Spiele jenseits ihrer schattigen Nische beigetragen. Er war der verbale Geburtshelfer einer stetig wachsenden Spieler-Gemeinde, die sich für diesen an der Frustrationsgrenze aufgestellten Wachturm aus einer längst untergegangenen Videospiel-Ära interessierte.

Doch wer Souls-Spiele mag, der mag sie nicht (nur), weil sie ihren Spielern mehr als gemeinhin üblich abverlangen. Souls-Spiele werden geschätzt für das schlüssige Design und den verwinkelten Aufbau ihrer verwunschenen Spielwelten, für ihre interpretative Erzählweise, für ihre versteckte Mythologie, für ihre ungemein aufregenden Boss-Kämpfe, für ihre seltsam melancholische Atmosphäre und natürlich für ihr vielschichtiges Charakter– und Kampfsystem. Die gute Nachricht ist, dass „Bloodborne“ keine diese Tugenden verloren hat.

Vor allem beim Design der Spielwelt von „Bloodborne“, dem gotisch inspirierten Yharnam, wird Entwickler From Software dem hart erarbeiteten Ruf mehr als gerecht. Dabei diente insbesondere das extrem verschachtelte und horizontal wie vertikal ineinandergreifende „Dark Souls“ als Blaupause für diese ausgeklügelte Konstruktion. Die für viele etwas zu eindimensionale aber dafür übersichtlichere Struktur aus „Dark Souls 2“ findet sich dagegen in „Bloodborne“ nicht wieder. Eine gute Entscheidung!

Bilderstrecke starten
17 Bilder
PlayStation 4: Das sind die 16 bestbewerteten Spiele für die Konsole.

Bloodborne Video-Test: Ein Spiel von Welt

Wer schwer stöhnende Tore zu einem neuen Bereich öffnet, der findet fast immer ein begehbares Gemälde vor sich, an dessen malerischen Horizont bereits das zu erreichende Ziel zu erkennen ist. Der Weg dorthin ist gepflastert mit schwelgerischen Details, einer hohen Vielzahl von Geheimnissen und vielen optionalen Inhalten. Aufmerksame Wanderer, die sich bis zum regional thematisch passenden Boss-Gegner vorgekämpft haben, finden dabei nun auch häufiger mal eine gewiefte Abkürzung. Ein Ansatz, der sich schon in „Dark Souls 2“ ankündigte und frustrierende Anfahrtswege zu harten Boss-Gegnern endgültig ad acta legt.

bloodborne_2014_08-22-14_003-jpg_600
Bloodborne macht einen auf Gothic, hat aber auch Einflüsse im Western und pulpigen Gespenstergeschichten.

 

In „Bloodborne“ findet man diese Hilfestellungen nun nämlich fast immer. Das liegt in erster Linie daran, dass From Soft uns die hilfreichen Abkürzungen meist mit kleinen Tricks direkt unter die Nase reibt. Sprengt eine kreischende Bestie bei ihrer Sprung-Attacke zum Beispiel eine Tür auf, dann sollten wachsame Erforscher immer mal nachsehen, wo der hinterhältige Angreifer eigentlich gerade herkam.

Aufbau und Führung durch die faszinierende Spielwelt von „Bloodborne“, die neben dem besagten Gothic-Thema zudem noch im Western-Genre wildert und sich mitunter wie eine pulpige Gespenstergeschichte darbietet, sind somit überaus gelungen und überschatten gelegentlich sogar die Vorgänger noch. Auch wenn Miyazaki dieses Mal ein kleines Bisschen weniger versteckte Mythologie einstreut und ihr im Laufe der Geschichte auch weniger gesprächsbereite NPCs treffen werdet, dürfte das unheimliche Yharnam für lange Zeit die Liste der schönsten Spielwelten auf der noch jungen PS4 anführen.

Bloodborne hat einige der besten Boss-Kämpfe der gesamten Serie

Auch bei der zweiten großen Primärtugend der Souls-Serie, den oft nervenzerreißenden Kämpfen gegen imposante Boss-Gegner, liefern Hidetaka Miyazaki und die Seinen die gewohnt hohe Qualität ab. Das Design der Bosse-Kämpfe ist durch und durch gelungen und  feuert viele großartige Momente auf seine Spieler ab, die zweifelsohne als Highlights der Serie in ihre Geschichte eingehen werden. Zwar variiert die Qualität der Boss-Kämpfe wie zuletzt schon in „Dark Souls 2“ mitunter etwas, wirklich enttäuschend ist jedoch keiner der aufregenden Events.

Besonders beeindruckt war ich dabei von dem hohen Grad an Abwechslung, den „Bloodborne“ in diesem Bereich bietet. Jeder Boss steht für sich und verlangt jeweils eigene Taktiken für den Erfolg. Als wirklich gelungen können auch die verschiedenen Phasen der Kämpfe bezeichnet werden. So hat fast jeder Boss kurz vor seinem Niedergang noch ein aggressives Ass im Ärmel und teilt dann deutlich heftiger aus als zuvor. Das treibt die Spannung prima auf den Höhenpunkt und macht das schöne Erfolgserlebnis nach den Kämpfen noch einen Tick intensiver.

Bloodborne Undone by the Blood Trailer.

„Intensiv“ ist auch das beste Stichwort für das leicht veränderte Kampfsystem von „Bloodborne“. Zwar bleiben die bewährten Grundmechaniken aus den Vorgängern weitestgehend intakt, doch mit Hilfe des neu eingeführten „Regain-Systems“ zwingt euch From Software nun aus der Deckung heraus.

Verlorene Lebensenergie kann man sich direkt nach Erleiden von Schaden durch erfolgreich ausgeführte Angriffe zurückkämpfen. Doch das Zeitfenster dafür ist sehr kurz und mit jeder verstreichenden Sekunde geht auch mehr und mehr der kostbaren Energie verloren. Eine kleine Variation, die aber große Auswirkung hat. „Bloodborne“ spielt sich ungemein rasant und verlangt permanentes Risiko-Management.

Angriff ist die beste Verteidigung: Das Regain-Konzept geht voll auf

Was macht der Gegner als nächstes, welche Animation kommt jetzt, passt hier noch ein heilender Angriff rein oder vielleicht doch lieber einen Heiltrank schlucken? Das sind Fragen, die man sich während eines Kampfes in „Bloodborne“ permanent stellen muss. Immerhin kann ein sicher geglaubter Angriff dem Spieler auch die letzte Energie und damit sein Leben kosten. Ein gutes Taktik-Konzept, das in „Bloodborne“ wirklich prima aufgeht und vor allem Souls-Veteranen ein frisches Spielererlebnis gibt.

Die neue Heiloption ermöglicht es From Software zudem, die hervorragend designten Gegner noch ein kleines bisschen gefährlicher und unberechenbarer zu machen. So scheint „Bloodborne“ durch das Regain-System, die stark erhöhte Item-Drop-Raten und die etwas zu ergiebigen Heiltränke auf den ersten Blick sogar einfacher als sein direkter Vorgänger. Doch Fehler und verpasste Chancen werden dieses Mal härter bestraft, womit sich das Spiel in puncto Schwierigkeitsgrad letztlich irgendwo zwischen „Dark Souls“ und „Dark Souls 2“ eingliedert.

Damit trifft „Bloodborne“ meiner Meinung nach genau den Sweet-Point zwischen Frustration und Motivation. Oft wird man über längere Zeit vor keine große Herausforderung gestellt, nur um dann urplötzlich den Arsch kräftig versohlt zu bekommen. Erreicht man eines dieser gut platzierten Nadelöhre, sollte man in bereits erkundeten Gebieten Blood Echos – das neue Seelen-Pendant – farmen und diese sodann in bessere Ausrüstung oder die Steigerung der Charakterwerte investieren. Schon fühlt man sich dem aktuellen Boss wieder gewachsen. Genauso so mag ich es.

 

Etwas enttäuscht bin ich dagegen von den Änderungen am Charaktersystem und den Kürzungen bei Waffen und Ausrüstungsgegenständen. Aktuell habe ich zwölf unterschiedliche Waffen und dreizehn Kleidungssets im Inventar. Das ist sicher nicht die finale Anzahl aller sich im Spiel befindenden Fundstücke, denn Souls-Spiele verstecken bekanntlich den besten Kram auch am besten. Doch dass ihr in „Bloodborne“ insgesamt weniger Waffen und Kleidung finden werdet, das scheint mir sicher.

Etwas weniger Tiefgang

Was schade ist, denn das Basteln an unterschiedlichen Ausrichtungen meines Charakters und die attributbasierte Spezialisierung auf meine aktuelle Lieblingswaffe oder meine magische Fähigkeiten, das hat in der Vergangenheit immer einen großen Reiz der Souls-Spiele für mich ausgemacht. Zwar verlangen Waffen noch immer nach einem Mindestwert beim zugehörigen Attribut, doch die Spannbreite der spielbaren Charakterauslegungen wurde spürbar verengt. Änderungen an euren Attributen und Waffen-Spezialisierungen wirken sich somit nicht mehr so deutlich auf die Spielweise eures Charakters aus.

Eine Design-Entscheidung, die sich größtenteils über die nun deutlich schnelle Spielweise und die neue Spielwelt erklärt, da zum Beispiel schwere Panzer-Rüstungen oder Fantasy-Magie hier einfach keinen Platz mehr haben. So gesehen, kann ich diese Entscheidung tatsächlich gut nachvollziehen, aber das heißt nicht, dass ich sie auch gut finden muss. Eine Geschmackssache also.

 

Wenn man so will, dann scheucht euch „Bloodborne“ aus den Menüs heraus und will, dass ihr dieses Mal mehr Zeit in der Spielwelt und den Kämpfen verbringt. Was ja ein valides Anliegen ist. Zudem muss man an dieser Stelle auch fairerweise sagen, dass ihr in „Bloodborne“ zwar weniger Waffen und Rüstungssets finden werdet – was ihr da aber findet, das ist durch die Bank richtig gut und schön anzusehen. Fast jede Waffe hat einen kleinen Transformations-Trick und die dazugehörige Animation auf Lager. So kann es auch „Bloodborne“ in puncto Tiefgang immer noch mit jeder Konkurrenz im Action-RPG-Genre aufnehmen.

Die einzigen echten Kritikpunkte, die ich an „Bloodborne“ richten möchte, sind die derzeit viel zu langen Ladezeiten, einige, (sehr) wenige Frame-Rate-Drops und die mitunter etwas irritierende  Zielaufsetzung. Während From Software bereits versprochen hat, die Ladezeiten und die Frame-Rate-Drops mit dem nächsten Patch anzugehen, bleibt hinter der Zielaufsetzung noch ein Fragzeichen. Im Kampf mit Standardgegnern läuft alles höchst geschmeidig, doch bei einigen Boss-Kämpfen sorgte sie für unnötigen Stress. Da sich die meisten Bosse aber ohnehin ohne Zielmarkierung deutlich besser bearbeiten lassen – nur ohne Ziel könnt ihr eine Ausweichrolle ausführen, die euch für den Bruchteil einer Sekunde unverwundbar macht – lässt sich auch dieses Problemchen ganz gut verkraften.

Fazit

„Bloodborne“ ist eine gewaltige, gefräßige, über 40-Stunden lange Bestie von einem tollen Action-Rollenspiel, das trotz kontroverser Design-Entscheidungen alle bisherigen Tugenden der Souls-Reihe fulminant auf der PlayStation 4 zu beschwören weiß. Mit einer einzigartigen Spielwelt, die auf der PS4 lange Zeit ihresgleichen suchen wird, einem angenehm unverbrauchten Stil und einigen der wohl besten Boss-Kämpfe, die wir je auf einer Konsole spielen durften, stellt „Bloodborne“  ein verdammt gutes Argument für den Kauf einer PS4 dar.

Eine finale Wertung werdet ihr trotz meiner intensiven Zeit mit „Bloodborne“ heute hier allerdings noch nicht finden. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass während der gesamten Test-Phase die Online-Funktionalität des Spiels nicht zur Verfügung stand. Da aber PvP, Koop und auch die neuen Chalice-Dungeons maßgeblich zur Langlebigkeit des Titels beitragen, halte ich eine Wertung zum jetzigen Zeitpunkt für unprofessionell. Ich werde den Test also in den kommenden Tagen aktualisieren.

Update und finale Wertung

Alle Bosse gelegt, mehrere Stunden PvP-Gezanke bestritten, etliche Geheimnisse gelüftet, alle Waffen und Rüstungen gefunden, alle Enden gesehen und die Chalice-Dungeons ausgiebig erkundet – ich bin bereit für eine finale Wertung.

Meine durchweg positive Meinung zu „Bloodborne“ hat sich dabei nicht wesentlich verändert. Wer Souls-Spiele mag oder den Erstkontakt wagen möchte, der bekommt hier ein unglaublich sättigendes Festmahl serviert, das  – je nach eurer Spielweise – zwischen 30 und 50 Stunden durchgehend fesselt und alle Qualitäten der Vorgänger brillant in die nächste Konsolen-Generation transportiert. Einziger Wehrmutstropfen für Fans der Serie: Ein paar mehr NPCs und Quests hätten es ruhig sein können, From Soft. Zwar sind die in „Bloodborne“ zu entdeckenden Questlines allesamt gelungen, gemessen an den NPCs aus den Vorgängern sind es in meinen Augen aber einfach ein paar zu wenig.

Die Tatsache, dass mir das ungemein rasante PvP und die Chalice-Dungeons wirklich gut gefallen haben, lässt mich dies jedoch gut verkraften. Auch über die vermeintliche Abwesenheit des alten Magie-Systems habe ich mich etwas zu früh und laut beschwert. So hat mein auf „Arcane“ geskillter Charakter mittelweile schon sieben Items gefunden, die ihn mächtig und spaßig zaubern lassen. Rechnet man diese in der Welt gut verteilten Gegenstände mit den neu integrierten Schusswaffen zusammen, so erreicht „Bloodborne“ zwar nicht ganz das Magie-Arsenal der Vorgänger, doch viel fehlt da nicht mehr. Mit dem letzten Patch hat sich zudem das Problem der zu langen Ladezeiten spürbar verringert. Kurz sind die Ladezeiten deswegen aber noch lange nicht.

 

Bloodborne hier kaufen! *

Zu den Kommentaren

Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA GAMES

* gesponsorter Link