Borderlands - The Pre-Sequel Test: Im Grenzland nichts neues

Leo Schmidt 5

Jüngst habe ich mich noch darüber lustig gemacht, jetzt ist es auch schon da: Im Pre-Sequel zu Borderlands geht es diesmal mit einer nicht mehr ganz frischen Gruppe von Antihelden nach Elpis, dem Mond von Pandora, um nicht nur eine Vault zu plündern, sondern ganz nebenbei auch noch die Welt zu retten.

Borderlands - The Pre-Sequel Test: Im Grenzland nichts neues

Denn Athena, ehemalige Offizierin unter General Knoxx, Wilhelm, spätere rechte Hand von Handsome Jack und Nisha, der Sheriff von Lynchwood in spe, sind keine Helden. Sie sind Söldner und haben einen Auftrag: Ein unscheinbarer Hyperion-Programmierer namens Jack braucht ihre Hilfe bei der Bergung des just entdeckten immensen Vault-Schatzes. Aus irgendeinem Grund – wahrscheinlich, um Käufer ins Boot zu holen – ist auch die professionelle Nervensäge Claptrap mit dabei.

Als sich die Rakete unserer vier Recken aber dem über Elpis schwebenden Hyperion-Satelliten nähert, passiert etwas Unvorhergesehenes: Eine Privatarmee greift die Raumbasis an, übernimmt sie und beschießt von nun an Elpis unaufhörlich mit Lasern. Jack, der sowieso immer ein Held sein wollte, beschließt, vor der Vault-Plünderung den Satelliten zurückzuerobern und sowohl Elpis als auch Pandora zu retten.

Es ist eine Origin-Story, der Weg des jungen idealistischen Programmierers zum narzistischen Superschurken soll dargestellt werden. Es gibt dabei nur das Problem, dass dieser Wandel in Jacks Persönlichkeit zu schnell, zu überstürzt und zu holprig passiert und insofern unglaubwürdig ist. Niemand wird innerhalb weniger Stunden von einem selbstlosen Altruisten erst zu einem Pragmatiker mit harten Entscheidungen, dann zu einem megalomanischen Psychopathen. Es funktioniert einfach nicht besonders gut.

Das ist umso bedauerlicher, als dass dieser Citizen-Kane-Geschichte zwei wesentliche Dinge geopfert wurden, nämlich die Story und der Humor. Erstere ist von Anfang an eigentlich linear, die Länge des Spiels, die in etwa wie die von Boderlands 2 ausfällt, kommt durch immer wieder künstlich in den Weg gestellte Hindernisse zustande. Keine großen Twists, sondern kleine Ärgernisse sind es, die uns immer wieder vom Weg abbringen. Man kann auf Elpis über keine Brücke gehen, ohne dass sie einstürzt und man einen halbstündigen Umweg gehen muss.

Nun war das in der Tendenz schon im Vorgänger so, aber der hatte wenigstens den Vorteil, eine ganz klare Komödie mit sehr vereinzelten dramatischen Momenten zu sein. Das Pre-Sequel aber… ist nicht lustig. Jedenfalls nicht sehr, vereinzelte Gags werden gebracht und sitzen eher schlecht als recht, aber insgesamt fühlt man sich zu den Zeiten von Borderlands zurückversetzt, als die Reihe noch nicht wusste, ob sie eine Klamotte sein will oder nicht.

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Nicht ernst sein ist alles

Das ist ein deutlicher Rückschritt und nimmt dem Spiel Profil und einen Teil des Gesamteindrucks. Es hilft auch nicht gerade, dass alle neu eingeführten Charaktere blass und uninteressant sind, und das nicht nur im Vergleich zu solchen Knallchargen wie Tiny Tina oder Mr. Torgue. Ich kann mich kaum an die Namen der Leute erinnern, mit denen ich gerade erst Stunden Spielzeit verbracht habe. Das enttäuscht.

Und dass ich so lange beim Stil verweile, liegt natürlich daran, ihr ahnt es, dass ich über das eigentliche Spiel nicht ganz so viel zu sagen habe. Was kann man schon erwarten von einem Titel, von dem selbst Entwickler 2K Australia eingeräumt haben, dass er als eine Art „Super-Add-On“ zu Borderlands 2 gesehen werden könnte? Habt ihr den Vorgänger gespielt, und das müsst ihr ja quasi, dann findet ihr ihn hier zum absoluten Großteil unverändert wieder. Es ist wirklich schwer zu sagen, ob das Pre-Sequel mehr am Hauptspiel verändert hat als zum Beispiel seinerzeit der Tiny-Tina-DLC.

Ich würde dafür plädieren, dass das Pre-Sequel doch eine Spur mehr liefert. Da wäre die niedrige Gravitation des Mondes, die nicht nur eine erstaunliche Vertikalität in die Kämpfe und das Leveldesign bringt, sondern auch eine Vielzahl kleiner Kniffe. Neue Manöver wie der Buttslam (aus einem hohen Mondsprung auf die Erde knallen und dabei einen Feind plätten) und das Gleiten durch den Ausstoß von Luft machen Bock, man kann den Feinden die Helme zerschießen, damit sie kontinuierlich Schaden nehmen und alles ist etwas gemächlicher, aber dafür wuchtiger.

Auch die neu eigeführten Waffen, vor allem Energiewaffen und das Eis-Element, sind durchaus unterhaltsam, haben Gewicht und fügen sich gut in die Welt ein. Sie folgen dem üblichen Gimmick, verhalten sich je nach Hersteller unterschiedlich und auch und gerade die einzigartigen Exemplare kommen mit nützlichen und verrückten Effekten daher. Man kann es nicht leugnen, die Kämpfe machen Spaß – weil sie ja schon in Borderlands 2 Spaß gemacht haben und nur marginal verändert wurden. Wem die Änderungen gefallen, der wird hier noch eine Prise zusätzliche Freude erleben. Sie sind aber gleichzeitig subtil genug, als dass sie niemandem total die Grütze verhageln werden, dem sie nicht gefallen. Es ist eben auf Nummer sicher gegangen worden, etwas mehr Ambition und Mut wäre ganz nett gewesen, dafür wird man aber wohl auf Borderlands 3 warten müssen.

Neue Klassenclowns

Die größte Veränderung sind sicherlich die vier neuen Klassen, und obwohl es mir nicht möglich war, für den Test alle im Detail zu spielen, habe ich sie mir zumindest angeguckt und kann vermelden, dass sie gut konzipiert sind und dass ich zumindest bei meinem Test-Run sehr viel Spaß mit den tieferen Mechaniken von Wilhelm hatte. Den kann man innerhalb seines Trees zum Beispiel zum Terminator ummodeln, der bei einer Niederlage nicht in die Knie geht, sondern unaufhaltsam auf seine Feinde zumarschiert, dabei Funken sprüht und am Ende in einer gewaltigen Explosion draufgeht, die uns unter Umständen eine zweite Chance einräumt. Fun!

Athena kann man sehr defensiv oder wie einst Zero als mobile Nahkämpferin spielen, was zusammen mit den Gravitationsmanövern sehr nett wirkt. Nisha ist etwas fragwürdig, sie wirkt nämlich über gewisse Strecken zu stark, weil ihre Spezial-Fähigkeit ein eingebauter Aimbot ist, sodass man nicht mehr zielen muss. Wo ich mit Wilhelm und seinen mickrigen (aber nützlichen) Dronen echt zu knabbern hatte, schmeiß‘ ich mit Nisha ihren „Showdown“-Skill an, hämmer einfach nur noch auf den Abzug, der ganze Raum ist leergefegt – und die Fähigkeit nach etwa 15 Sekunden schon wieder verfügbar. Ich freu mich darauf, herauszufinden, ob sie wirklich zu stark ist oder nur so wirkt.

Und dann wäre da noch Claptrap, den wir als Finale des Tests erwähnen sollten. Es gibt bei dem kauzigen Roboter quasi keine Zwischenposition – man liebt ihn oder hasst ihn, Kompromisse sind mir nicht bekannt. Wenn man den kleinen Quasselklumpen hier ins Feld führt, ist das vor allem im Koop eine lohnende Erfahrung, denn er löst mit seinem Skill zufällige Effekte aus, die von sehr mächtig und nützlich bis zu wahnwitzig und störend reichen – wenn das eigene Team plötzlich wie bescheuert durch die Gegend flippert, dann ist das gerade in einer Gruppe von bis zu vier Spielern definitiv ein Anlass für Lacher.

Man sieht also: Im Grunde alles beim Alten, und das Wenige, was sich geändert hat, ist insgesamt gut. Als Fan der Reihe muss man selbst entscheiden, ob das für einen Kauf reicht. Man weiß immerhin sicher, dass man keinen Griff ins Klo macht, aber die Motivation, viel Geld auszugeben, könnte sicherlich auch höher sein. Ich jedenfalls hatte viel Spaß und würde es den Hardcore-Fans durchaus empfehlen. Wer bislang nicht mit Gearbox‘ Abenteuern warmwurde, braucht hier aber natürlich gar nicht erst zu gucken.

Borderlands – The Pre-Sequel: Das Test-Fazit

Das Borderlands Pre-Sequel ist keine Überraschung, kein Sprung und insgesamt nicht weltbewegend, wie die meisten Prequel-Ableger. Zudem könnte es Fans in stilistischer Hinsicht enttäuschen oder vor den Kopf stoßen, denn der Humor ist zurückgeschraubt worden oder sitzt nicht mehr so gut wie im letzten Teil, die Story ist trotz Gradlinigkeit in die Länge gezogen und recht lahm und die neu eingeführten Charaktere sind, vor allem im Vergleich zu früher, erstaunlich blass.

Das, was sich in spielerischer Hinsicht getan hat, hält sich zwar in Grenzen, kann sich aber sehen lassen. Die neuen Manöver mit der geringen Gravitation machen durchaus Bock, die Laser- und Eis-Waffen fügen sich gut in das schon bestehende Grundgerüst ein und auch die vier Klassen sind unterhaltsam. Es ist für Fans ein durchaus lohnendes Paket, das trotzdem nicht ganz den Mief eines Super-Add-Ons oder einer Total-Conversion-Mod loswird, vor allem, weil es insgesamt doch eine Spur zu unambitioniert ist. Dennoch ist es ein durch die bereits etablierten Mechaniken effektiver Zeitvertreib, der das Warten auf die nächste ECHTE Fortsetzung gut verkürzen wird.

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