Slaps and Beans: Vier Fäuste für das Beat 'Em Up

Victor Redman 1

In den Neunzigern waren Prügelspiele mit Film- und Fernsehhelden Verkaufsschlager. Heute ist es ruhig geworden um das Genre. In Slaps and Beans beweisen die Kult-Helden Bud Spencer und Terence Hill jetzt: Die Formel funktioniert immer noch.

Bud Spencer & Terence Hill - Slaps and Beans - Official Trailer.

Boah, ist das langweilig!“ Mit einem theatralischen Seuzfer lässt meine Freundin Katha den Controller fallen. Wir spielen gerade Teenage Mutant Ninja Turtles 2, und bisher lief es eigentlich ganz gut. So ganz ohne Unterstützung bin ich allerdings aufgeschmissen. Kurz bäumt mein Turtle – Leonardo, natürlich – sich noch auf, dann übermannen ihn die Roboter-Ninjas von Erzschurke Shredder. Game Over.

Und das hast du früher echt gern gespielt?“, fragt Katha ungläubig. „Dieses stumpfe Gekloppe?

Meine Kindheit als Action-Held

Ich spiele das immer noch gern. Und ich fühle mich ein bisschen, als hätte sie die Kochkünste meiner Mutter beleidigt oder so was. Die Sidescrolling Beat ‚Em Ups aus den Neunzigern waren meine Kindheit. Obwohl ich nur im Urlaub Gelegenheit hatte sie zu spielen, kann ich mich bis heute an vieles glasklar erinnern – oder vielleicht gerade deswegen.

In den USA gab es in in den frühen Neunzigern mehr Arcades als Starbucks-Filialen. Neben Renn-Simulatoren, virtuellen Schießbuden und Greifer-Automaten hatten sie alle auch das ein oder andere Prügelspiel im Angebot. Mal kloppte ich mich mit den Turtles quer über den Bildschirm, mal mit den X-Men, den Avengers oder auch den Simpsons. Während meine Eltern am nahe gelegenen Strand brutzelten oder sich beim Shopping mit Jeans und Turnschuhen eindeckte, rettete ich mit meinen Helden die Welt. Für das Geld, dass ich über die Jahre in die Arcade-Automaten gesteckt habe, hätte ich mir wahrscheinlich einen davon kaufen können. Bereut habe ich keinen Cent.

Auch mit dem Prügler zu Marvels Avengers habe ich mir viele Stunden vertrieben. Hier gibt's den Nostalgie-Check!*

Mit der Arcade-Ära endete aber auch die Zeit der Sidescrolling Beat ‚em Ups. Heute sind Neuheiten im klassischen Arcade-Stil selten geworden. Kürzlich erschien der Indie-Prügler Raging Justice für Konsolen und PC. Große Aufmerksamkeit wurde ihm leider nicht zuteil. Die Ankündigung von Street of Rage 4 schlug schon etwas höhere Wellen. Der große Hype lässt aber noch auf sich warten.

Slaps and Beans: Maulschellen verteilen wie Bud Spencer

Hat Katha vielleicht Recht? Ist das klassische Gameplay der Arcade-Tage heute nur noch stumpfes Gekloppe, das keinen Zocker mehr vor den Bildschirm lockt? Ich glaube das nicht. Und ich habe auch schon eine Idee, wie ich Katha überzeuge.

Du magst doch Bud Spencer, oder?“, frage ich, die Antwort schon kennend. Mit diesen Worte starte ich auf meiner Nintendo Switch meine Geheimwaffe: Das Indie-Game Slaps and Beans ist ein Beat ‚Em Up, das problemlos in eine Arcade der Neunziger gepasst hätte. Hier spielen allerdings keine amerikanischen Serienhelden die Hauptrolle, sondern Bud Spencer und Terence Hill.

Der Intro-Bildschirm könnte als Film-Plakat zu einem Abenteuer des Kult-Duos durchgehen. Im Hintergrund läuft die Titelmelodie zum Film Sie nannten ihn Mücke. Die Story zum Spiel ist schnell erklärt: Böse Buben haben eine Jungfrau in Nöten gekidnappt – und sich ganz nebenbei noch allerhand Bares gekrallt. Klar, das Spencer und Hill da nicht untätig zusehen.

Einen Preis wird diese Story wohl nie abstauben – aber das muss sie ja auch gar nicht. Bei Spencer und Hill ging es eh nie um die Story; genauso wenig bei den Arcade-Hits meiner Kindheit. Die Handlung diente immer nur einem Zweck: Sie bereitet die Bühne für durchgeknallte Charaktere und reichlich Action. Das klappt auch 2018 in Slaps and Beans noch wunderbar:

Da die bösen Jungs nicht mit sich reden lassen, lassen die Kult-Helden eben die Fäuste sprechen. Bud prügeln sich mit wuchtigen Faustschlägen und schallenden Ohrfeigen durch bunte Kulissen und nicht enden wollende Gangster-Horden.

Hin und wieder laufen uns dabei auch bekannte Gesichter aus früheren Abenteuern des Kult-Duos über den Weg. Ich will ehrlich sein: Ich erkenne vielleicht die Hälfte von ihnen, mit Glück. Nicht so Katha. Sie kommentiert jeden Gastauftritt mit einem entzückten kleinen Jauchzen. Zu jedem neuen Gesicht kann sie ohne Nachzudenken eine Anekdote erzählen – zu den meisten sogar die komplette Lebensgeschichte.

Nüchtern betrachtet ist das alles natürlich kein Stück weniger repetitiv als das stumpfe Gekloppe in Teenage Mutant Ninja Turtles 2. Hier und da lockert ein Autorenn-Segment oder ein anderes Mini-Game den Spielfluss auf, bahnbrechende neue Spielmechaniken lassen aber auf sich warten.

Trotzdem höre ich von Katha diesmal kein Murren und kein Klagen. Im Gegenteil: Längst ist sie hochkonzentriert am Prügeln, die Zungenspitze zwischen den Zähnen eingeklemmt. Sie steuert Bud – natürlich – und sie macht das so gut, dass mein Terence fast zur Nebenfigur wird. Unermüdlich drischt sie auf die Knöpfe auf dem Pro Controller ein. Besonders gelungene Kombos und Treffer kommentiert sie ein ums andere Mal mit einem freudigen „Yes!“.

Dafür, dass sie mit Prügelspielen gar keine Erfahrung hat, schlägt Katha sich ganz schön gut. Leicht ist Slaps and Beans nämlich nicht unbedingt. Auch da bleibt der Prügler den großen Brüdern aus der Arcade treu. Bud und Terance hauen ordentlich drauf, aber die bösen Jungs können eben auch ordentlich austeilen. Als Automat hätte das Spiel das Potenzial zum Münzengrab. In seiner jetzigen Form frisst es vor allem eines: Zeit. Die vergeht aber wie im Flug, während wir uns von Level zu Level prügeln.

Bock auf Beat-Em-Up-Action mit Spencer und Hill? Hier gibt's Slaps and Beans auf Steam.*

Das Beat ‚Em Up als Tor zur Fantasie

Gibt es kreativere, originellere Spiele als Slaps and Beans? Klar! Auch Teenage Mutant Ninja Turtles, X-Men oder The Simpsons waren längst nicht mehr taufrisch, als ich sie in den Neunzigern für mich entdeckte. Aber die simplen Beat-‚Em-Ups hatten nie vor, das Rad neu zu erfinden. Sie wollen die Fans in eine Welt entführen, die sie sonst nur als passive Zuschauer kennen. Und genau das gelingt im Beat-‚Em-Up-Genre scheinbar mühelos und oft in Sekundenschnelle. Ein gutes Beat ‚Em Up erlaubt es uns, zusammen mit den Helden unserer Kindheit zu kämpfen, und dann in den Alltag zurück zu kehren, als sei nichts gewesen.

Egal, ob du an der Seite von Bud Spencer oder den Ninja Turtles kämpfst – langweilig wird das niemals werden.

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