Call of Duty – Black Ops 4 im Test: Ein Greatest-Hits-Album mit Bonustrack

Alexander Gehlsdorf

Jeden November fliegt ein neues Call of Duty in die Regale. Doch Moment, dieses Jahr ist es ja bereits im Oktober soweit? Tatsächlich bricht Call of Duty: Black Ops 4 so einige Regeln der Serie und bleibt dennoch ganz den alten Stärken treu.

Call of Duty: Black Ops 4 - Trailer zum Launch.
Call of Duty muss sich schon seit Jahren den Vorwurf gefallen lassen, mit jedem Teil praktisch das selbe Spiel abzuliefern. Also hat Call of Duty: Black Ops 4 einfach mal die Bombe platzen lassen und kurzerhand auf die Singleplayer-Kampagne verzichtet. „Kann das gut gehen? Schließlich ist ja dann nicht mehr alles wie früher!“ wurde besorgt in den Äther geschrien. Und schon einmal vorweg: Ja, es ist alles gut gegangen.

#1 Der Diss-Track — Childish Campaigno

Tolle Aktion von Treyarch! Überall in den USA gibt es Grundschüler, die ihre Dinosaurier-Phase gerade hinter sich haben und mit verklärtem Blick die Welt des Militärs entdecken. Treyarch hat dieses Potential genutzt und einen Schreibwettbewerb ins Leben gerufen, um den Charakteren in Black Ops 4 Leben einzuhauchen. Pädagogisch gesehen super, nur schade, dass die entsprechenden Ergebnisse tatsächlich im Spiel landeten.

Spaß beiseite: Statt einer Kampagne bietet Black Ops 4 das Specialist HQ, ein erweitertes Tutorial, das den Spieler nach und nach mit den Fähigkeiten der zehn Spezialisten sowie den unterschiedlichen Spielmodi vertraut macht. Für Einsteiger grundsätzlich großartig, wären da nicht die Story-Schnipsel, die du über dich ergehen lassen musst. Denn obwohl Black Ops 4 keine Kampagne enthält, erzählt es doch eine Geschichte. Nur eben sehr fragmentarisch. Und nicht besonders gut. Warum zum Beispiel ist Firebreak, der als Kind seinen eigenen Vater lebendig verbrannt hat, in einem Black Ops-Team und nicht in Therapie?

Noch ein Highlight: Zu Beginn des Tutorials hält Sergeant Frank Woods, den Fans noch aus den vorherigen Black Ops-Teilen kennen, eine kleine Ansprache. Das Einzige, was in diesem Moment die sofortige Deinstallation noch verhinderte ist, dass ich vor lauter Ekel nicht den richtigen Knopf gefunden habe. Um in Zukunft das Konzept von Toxic Masculinity zu erklären, wird es völlig ausreichen, auf Donald Trumps Twitter-Account und Sergeant Frank Woods zu verweisen, statt sich in Ruhe den entsprechenden Urban-Dictionary-Eintrag durchzulesen.

Dass die „Charaktere“ und „Story“ rund um das Motto „Weltfrieden durch Waffengewalt“ aus Black Ops 4 in einem intellektuellen Totalausfall geendet hätten, wurde wohl auch den Entwicklern rechtzeitig klar und trug mit Sicherheit einen Teil dazu bei, dass in diesem Jahr auf eine komplette Kampagne verzichtet wurde. Gott sei Dank! Denn mal ehrlich, wie in jedem Jahr hätten Kritiker wie ich den neusten Teil in ihrem Fazit mit Sätzen wie „Toller Multiplayer, leider trübt die Kampagne das Gesamterlebnis“ abgefrühstückt und eine entsprechende Wertung vergeben.

#2 Der Evergreen — Kill You Baby One More Time

Hand aufs Herz: Das Specialist HQ wird außer absoluten Neueinsteigern niemand spielen, weshalb das interaktive Mahnmal auch subtil im Hauptmenü versteckt ist. Stattdessen werden die meisten direkt in eine Mutliplayer-Partie springen und damit beginnen, ihrem Prestige-Rang hinterher zu jagen. Wer die Vorgänger gespielt hat, muss sich dabei jedoch an einige Änderungen gewöhnen.

Die Spezialisten gab es zwar bereits in Black Ops 3, allerdings ist ihr Einfluss auf das Spielgeschehen nun deutlich spürbarer. Jeder der Kämpfer hat jetzt gleich zwei einzigartige Fähigkeiten. So kann Spezialist Ajax nicht nur Blendgranaten werfen, sondern als eine Art Ultimate auch einen kugelsicheren Schild benutzen.

Zu einem Helden-Shooter im Stil eines Overwatch wird Black Ops 4 dadurch zwar nicht, trotzdem hat die Wahl des entsprechenden Spezialisten nicht nur spürbaren Einfluss auf den eigenen Spielstil, sondern auch auf das gesamte Match. Wer etwa in vergangenen Serienteilen unter konstantem Granatenhagel leiden musste, darf in Black Ops 4 aufatmen. Einerseits sind Granaten jetzt auf einen Cooldown angewiesen, andererseits kann ohnehin nicht jeder Charakter Granaten benutzen.

Wer eine solche abbekommt, dem wird die nächste wichtige Neuerung in Black Ops 4 auffallen. Dein Charakter heilt sich nicht automatisch, sondern muss sich manuell wieder zusammenflicken. Konsequenterweise ist auch diese Funktion mit einem Cooldown versehen, wodurch sich das Gameplay insgesamt taktischer und bewusster anfühlt, da eine risikoreiche Spielweise härter bestraft wird.

Call of Duty – Black Ops 4: Eine Runde, 35 Kills und nur ein Tod. Noch Fragen?

Wer auf Nummer sicher gehen will, greift zu Body Armor, der dritten entscheidenden Neuerung in Black Ops 4. Wer das Item ausgerüstet hat, hält deutlich mehr Körpertreffer aus. Kopfschüsse hingegen sind noch immer genauso effektiv — sofern du keine Body Armor der Stufe 3 trägst, die auch einen Helm beinhaltet.

Das Problem der Body Armor besteht darin, dass sie — Kopfschüsse hin oder her — zu gut ist, um sie nicht zu benutzen. Zwar bietet das Spiel insgesamt eine immense Vielfalt an Waffen, Items, Perks und Aufsätzen, aber die Body Armor scheint für jeden Spieler Pflicht zu sein.

Veteranen werden unter Umständen also etwas Umgewöhnungszeit benötigen, dürfen sich dafür aber auf bekannten Karten tummeln, denn Black Ops 4 setzt zu großen Teilen auf Fan-Favoriten der Vorgänger. Maps wie Jungle, Slums oder Summit kennen viele Spieler im Schlaf und ohne Frage hat es ja einen Grund, warum sie in der Community so beliebt sind.

Auch bei den Spielmodi geben sich alte Bekannte die Klinke in die Hand. Hardpoint, Team-Deathmatch und Kill-Confirmed und weitere Klassiker dürften jedem bekannt sein und auch den neue Modus Control hat jeder schnell verstanden, der jemals im Leben eine Runde in Conquest in Battlefield gespielt hat. Alles in allem funktioniert die gewohnte Unlock-Tretmühle also so gut wie eh und je.

#3 Die Indierock-Hymne — Welcome To The Undead Parade

Der heimliche Star eines jeden Call of Duty war in den vergangenen Jahren in der Regel der Zombie-Modus und auch dieses Mal braucht sich der Koop-Spaß nicht zu verstecken. Zum Glück tut er das auch nicht und trumpft stattdessen mit gleich drei Karten auf, statt wie sonst nur einer.

Call of Duty: Black Ops 4 - Zombies – Chaos-Story-Trailer.

Abermals lassen sich wieder alte Bekannte blicken: Blood of the Dead ist ein Remake der aus Black Ops 2 bekannten Alcatraz-Karte, ein Klassiker der bekannten Aether-Storyline also. Neu sind zwei Episoden der neuen Chaos-Story: Voyage of Despair und IX.

IX schickt dich in ein antikes Kolosseum. Statt muskulösen Gladiatoren musst du dich in diesem jedoch Hirn fressenden Zombies entgegen setzen — und ihren Haustieren. In Voyage of Despair hingegen musst du auf der sinkenden Titanic nicht nur gegen den Kältetod kämpfen — das hab ich mir schon seit 1998 gewünscht! Ursprünglich eigentlich ohne Zombies, aber so gefällt es mir auch ganz gut.

So schnappst du dir alle Trophäen in Call of Duty: Black Ops 4

Die einen lieben sie, die anderen hassen sie, aber keine Zombie-Map kommt ohne die gewohnt vagen Rätsel aus, die das Voranschreiten auf der jeweiligen Map ermöglichen. Unter Zeitdruck und pausenlosen Gegnerwellen die Umgebung nach Hinweisen abzusuchen macht eben einen Großteil der Spannung aus. Wer darauf trotzdem absolut gar keine Lust hast, darf sich die Zombiehatz aber auch ganz nach seinen eigenen Wünschen gestalten.

Einerseits bietet Black Ops 4 den neuen Modus Zombie Rush, in dem alle Türen geöffnet und alle Waffen freigeschaltet sind. Das einzige Ziel ist also das Bekämpfen der immer stärker werdenden Zombiewellen. Für die einen also eine eher platte Zwischendurch-Version, für die anderen hingegen genau das, was sie sich schon immer vom Zombie-Modus gewünscht haben.

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Call of Duty - Black Ops 4: Alle Waffen - Liste, Bilder und Werte.

Andererseits kannst du in Black Ops 4 aus unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden auswählen und zu Übungszwecken die Partien auch mit überraschend kompetenten Bots bestreiten. Wer hingegen neue Herausforderungen sucht, kann unzählige Variablen per Hand anpassen und so etwa die Geschwindigkeit der Zombies regulieren oder Türen versperren. In puncto Abwechslung und Wiederspielwert bietet der Zombie-Modus von Black Ops 4 also so viel wie nie zuvor.

4# Der Bonustrack — 99 Problems (But Fortnite Ain’t One)

Es muss nicht lange um den heißen Brei herumgeredet werden: Der Battle-Royale-Modus Blackout ist super geworden, das ist bereits seit der Beta bekannt und auch ich werde dem keine einzigartigen Erkenntnisse hinzufügen können. Das Spielprinzip — du und bis zu 99 Gegner springen über eine Karte ab, der Letzte hat gewonnen — kennt mittlerweile jedes Kind, schließlich haben PUBG und Fortnite aus dem Spielmodus ein Millionengeschäft gemacht.

Call of Duty: Black Ops 4 - This is Blackout.

Blackout Fortnite gegenüber zustellen wäre jedoch wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Das grundlegende Ziel ist in beiden Spielen gleich, dennoch ist die Spielerfahrung eine ganz andere. Während im quietschbunten Fortnite im Sekundentakt Festungen gebaut, Städte zerstört und Tanz-Partys veranstaltet werden, ist Blackout eine deutlich „realistischere“ Erfahrung.

Die Partien spielen sich deutlich langsamer und taktischer, statt Comic-Grafik setzt das Spiel auf einen authentischen Look und auf den bekannten Cartoon-Humor wird komplett verzichtet. Mit anderen Worten, ich lasse mich also doch zu einer steilen Erkenntnis hinreißen: Blackout ist das bessere PUBG. Genauer gesagt: Blackout ist einer der größten Sargnägel für PUBG.

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Während Fortnite aufgrund der starken Unterschiede dem Vergleich entkommt, muss sich PUBG mit der neuen Konkurrenz messen, denn sowohl PUBG als auch Blackout verfolgen das gleiche Ziel: Ein realistisches, strategisches Battle-Royale. Und in diesem Vergleich geht PUBG nicht als das bessere Spiel hervor.

Ist Blackout deswegen perfekt? Nein, natürlich nicht. Noch ist das Spiel nicht Bug-frei und auch die Emotes können Probleme verursachen. Insgesamt läuft Blackout aber bereits zum Release besser als PUBG nach eineinhalb Jahren.

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Die 10 besten Battle Royale-Spiele für PC, PS4 und andere Konsolen.

Mein Test-Fazit zu Call of Duty: Black Ops 4

Im Mai habe ich noch gefragt, ob ein Call of Duty ohne Solo-Kampagne gut gehen könnte. Heute sage ich, dass dem Spiel nichts besseres hätte passieren können. Das Specialist HQ, in dem offenbar fragmentarisch die Überbleibsel der gestrichenen Kampagne verarbeitet wurden, taugt allemal zum Fremdschämen. Die dadurch frei gewordenen Ressourcen konnten dafür nicht nur in einen endlich noch umfangreicheren Zombie-Modus gesteckt werden, sondern auch in den Blackout-Modus. Klar, der wurde zur Ankündigung noch skeptisch als unorigineller Cash-Grab beäugt, hat jetzt aber wie im Vorbeigehen PUBG vom Battle-Royale-Thron gestoßen.

Ansonsten folgt Call of Duty: Black Ops 4 dem Greatest-Hits-Prinzip. Die beliebtesten Karten der Vorgänger kehren zurück, neu gemixt mit dem überarbeiten Gameplay-Mechaniken und Spezialisten. Wer ausschließlich den klassischen Multiplayer spielt, mag also über zu wenig neue Inhalte trauern, Fans von Battle-Royale und Zombies machen mit Black Ops 4 aber alles richtig.

Wird dir gefallen, wenn du die Kampagne von Call of Duty schon immer links liegen gelassen hast und auf Battle Royale stehst.

Wird dir nicht gefallen, wenn du von Call of Duty vor allem eine packende Erfahrung für Solo-Spieler erwartest.

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