Call of Duty Ghosts: Erst meckern und dann trotzdem kaufen (Kommentar)

Tobias Heidemann 1

Call of Duty: Ghosts ist kugelsicher. Obwohl der neuste Teil des jährlich erscheinenden Franchise von der internationalen Fachpresse nach allen Regeln der Kunst gerügt wurde, werden sich die mauen Wertungen noch nicht auf die Verkaufszahlen auswirken. Das zumindest behauptet der Analyst Doug Creutz vom Finanzdienstleister Cowen & Company: »Wir glauben CoD ist ein Franchise, das so stark etabliert ist, dass Reviews keine Rolle mehr spielen. Wir sehen in CoD etwas, das sich am besten mit EAs Madden NFL vergleichen lässt.«

Creutz spricht damit offen aus, was in den letzten Jahren auch unter Spielern immer häufiger zu vernehmen war. Activisions Millionenmaschine läuft längst im Takt einer pragmatischen Aktualisierungslogik, die sich mehr an markterforschten Mindestanforderungen, denn an einer kreativen Vision orientiert.

Statt tatsächlicher Entwicklung erlaubt Activision der Reihe nur noch das absolut Nötigste an Veränderung. Call of Duty ist 2013 ein zyklisches Plagiat seiner selbst, eine Reihe, die ihre DNA unberührt lässt und stattdessen immer neue Klone auf den Markt wirft. So gesehen spielt Activision ein sehr riskantes Spiel mit der Akzeptanz seiner Käufer. Besser werden die jährlichen Auskopplungen eben nicht. Sie werden schlechter. Wie lange kann der Publisher dieses Spiel noch gewinnen?

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Diese Frage stellen sich Analysten wie Creutz von Berufswegen. Wenn es nach ihm geht, droht Activision das Spiel schon sehr bald zu verlieren. In der Sachlogik des Marktanalysten geht die größte Konkurrenz für Call of Duty von Next-Gen Shootern wie „Titanfall“ aus. In seinen Augen macht sich Activision mit Ghosts angreifbarer denn je, denn durch die Auslaugung des ewig Gleichen sei man denkbar schlecht für den Wettbewerb mit den kommenden Konkurrenztiteln vorbereitet.

Die Chancen, dass er damit richtig liegt, stehen gut. Es wäre beileibe nicht das erste Mal, dass ein Produkt durch ein derartig verfehltes Geschäftsmodell seine Käuferschaft von heute auf morgen verliert. Verfehlt vor allem deshalb, weil Activision Call of Duty allein auf kurzfristige Profite ausgelegt hat. Mit jeder neuen Fortsetzung werden die Käufer ein kleines bisschen mehr von der Reihe entfremdet.

Würde man stattdessen nachhaltig wirtschaften, würde man der Käuferschaft mehr bieten. Man würde sie binden, sie begeistern, statt nur zu befriedigen.

Titanfall - Toms Trailer.
Das aktuelle Geschäftsmodell von Call of Duty hat hingegen ein bisschen was von Glückspiel. Man investiert so wenig wie möglich in das Produkt und drückt dann einfach wieder die Daumen, dass aufwendige Werbefilme und die Macht der Gewohnheit noch einmal die erhofften Renditen einfahren.

Wie lange kann Activision dieses Spiel also nun noch gewinnen? Die bessere Frage müsste eigentlich lauten: Warum stellen sich so wenige Spieler diese Frage selbst? Das Interesse an Meldungen von irgendwelchen Analysten ist bekanntlich sehr groß. Es gibt allerorts großen Redebedarf und noch mehr Kritik seitens der Spieler. Nicht nur die Fachpresse stellt dem Franchise einen historischen Tiefpunkt aus (Metacritic bei 77%), selbst eingefleischte Fans pöbeln über die Beratungsresistenz der Entwickler.

Und dennoch scheint fast jeder Kommentar auf der selben Note zu enden: Es wird sich trotzdem wieder gut verkaufen. Dieser Satz ist das zynische Mantra, mit dem sich Spieler gerne selbst an eine Realität erinnern, die sie selbst geschaffen haben. Wie ein Depressiver, der sich jede Hoffnung auf Besserung selbst verbietet, weil er sonst in ein tiefes Loch fallen könnte, wird dieser Satz wieder und wieder ins Feld geführt, um den gemachten Status Quo zu rechtfertigen.

Ja, Call of Duty wurde immer schlechter, weil es immer mehr gekauft wurde. Doch was von Spielern und Kommentatoren oft als ausweglose, unumstößliche Ironie dargestellt wird, ist letztlich nur ein überaus fragiler Kompromiss, dessen Faulheit immer mehr Spielern in die Nase steigt. Gegen die Macht der Gewohnheit steht das Prinzip der kritischen Masse – und was das bedeutet, das weiß Activision selbst am besten. Sichwort Guitar Hero.

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