Call of Duty Ghosts Test: Hunde, Fische und orbitale Verteidigungsraketen (+Gewinnspiel)

Thomas Goik

Wenn es nach Publisher Activision geht, dann gehört „Call of Duty Ghosts“ zu den ganz großen Fischen im Shooter-Teich des Jahres 2013. Dabei ist Ghosts im Vergleich zu den großen Tieren des Genres – namentlich BioShock Infinite und Metro: Last Light – gerade mal ein kleiner Goldfisch. Aber immerhin schwimmt er einem aus dem Weg, wenn man sich ihm nähert.

Call of Duty Ghosts Test: Hunde, Fische und orbitale Verteidigungsraketen (+Gewinnspiel)

„Call of Duty Ghosts“ stellt für mich eine verpasste Chance dar. Es hätte ein Neustart sein können, ein Wagnis – die Gelegenheit, Altlasten der „Modern Warfare“- und „Black Ops“-Serie hinter sich zu lassen und den Militär-Shooter neu zu definieren. Eben das, was „Call of Duty 4“ damals geschafft hat. Stattdessen kriegen wir mit „Ghosts“ im Wesentlichen das gleiche, immer noch solide Spiel, nur mit vermeintlich neuer Geschichte. Und selbst die kommt mir sehr bekannt vor.

Die USA gegen die anderen…

In der Parallelwelt von „Ghosts“ wurde der Mittlere Osten durch nukleare Waffen zerstört, die Öl-produzierenden Nationen von Süd-Amerika formen daraufhin die sogenannte Föderation, die prompt eine Invasion der USA starten, um zu… ja, um was eigentlich? Mehr Macht zu haben? Ach, egal, das hauptsächlich fremdsprachige Feindbild haben wir ja jetzt. Dass die Föderation dann auch noch ein orbitales Verteidigungssystem der USA aus dem All zerstören und ihren eigenen Raketen-Satellit bauen wollen, gibt uns patriotischen Amerikanern mehr als genug Motivation, die Feindes-Horden ohne Reue niederzumähen.

Ghost Dawg Final 2.
Ja, „Ghosts“ tut dem Genre der Militär-Shooter mit seiner Erzählung mal wieder keinen Gefallen. Dabei fordere ich nicht einmal, dass sich „Call of Duty“ dem Thema Krieg ernsthaft annimmt, Kritik äußert und wichtige Fragen stellt. Aber ohne Augenzwinkern, ohne einen Funken von Humor oder Selbst-Ironie so eine dermaßen lächerliche Geschichte zu erzählen, ist einfach nur eine Beleidigung an die Intelligenz der Spieler. „Ghosts“ will ernst genommen werden, es will dramatisch sein, es will mich an seine Figuren binden – schafft aber nichts von alledem.

Da hilft auch die aufgesetzte Vater-Sohn-Geschichte nicht, die dem großen Konflikt zwischen der USA und der Föderation eine Spur Menschlichkeit geben soll. Man spielt nämlich hauptsächlich Logan, der mit seinem Bruder Hesh und seinem Vater Elias im Laufe der Kampagne den Ghosts beitritt, einer berüchtigten Elite-Einheit der USA. Und die Namen dieser „Helden“ kann ich mir nicht etwa merken, weil sie so einprägsame, gut geschriebene Charaktere sind, sondern nur weil sie ständig eingeblendet werden, wenn ich mit dem Zielkreuz auf sie zeige.

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Hunde, die bellen…

Dabei ist der Ansatz im Grunde gut – lieber eine Familiengeschichte erzählen, als 08/15-Marines in den Kampf schicken. Auch die wenig gelungene Beziehung zu dem Hund Riley darf als netter Versuch von Charakterbindung anerkannt werden. Damit wären wir dann auch gleich bei der einzigen spielerischen Neuerung in der Singleplayer-Kampagne. In einigen Missionen darf ich an bestimmten Punkten Kontrolle über den Hund der Ghosts übernehmen, was zu coolen Schleich-Passagen und fiesen Beißangriffen führt.

Leider passiert das nur an festen Stellen – wirklich taktisch und frei darf ich Riley nur selten einsetzen, und wenn doch, dann beschränkt es sich auf simples Zeigen auf das Ziel, Knöpfchen drücken und zack, hat der Feind den besten Freund des Menschen an der Kehle. Insgesamt gefällt mir die zuvor sehr ins Lächerliche verkommene Hundenummer aber gut, nur hätte ich mir eben etwas mehr Freiheit im Umgang mit dem neuen Haustierchen gewünscht.

Alles andere ist bekannt. Wild wechselt „Ghosts“ zwischen Helikopter-Passagen, festen Geschützen an irgendwelchen Stränden, Schleich-Momenten mit dem Hund, Tauch-Abenteuer in der Tiefsee und der Infiltration feindlicher Basen. Die ständige Abwechslung lässt die Kampagne selten langweilig werden, der Mangel an wirklich neuen Szenarien bringt aber auch keine große Aufregung ins Spiel. Dabei finde ich die Inszenierung der großen Call of Duty-Momente nach wie vor gelungen, nur leiden Ereignisse wie die Flutung einer ganzen Stadt oder der Zusammenbruch ganzer Nachbarschaften an der betagten Technik.

Ich habe auf der Xbox 360 gespielt und generell gilt: Von weitem sieht alles noch ganz okay aus, geht man wiederum nah ans Geschehen, dann erblickt man schnell grobkörnige Schatten und Matschtexturen. Die Animationen der Charaktere und die Mimik lassen ebenfalls zu wünschen übrig. Zeit darauf zu achten habe ich aber natürlich wenig, wenn unter mir gerade ein ganzes Hochhaus zusammenbricht – in diesen Momenten hat mich Call of Duty nämlich, in diesen Momenten kann ich mich dem Bombast hingeben, auch wenn er vor ein paar Jahren noch deutlich mehr Wumms hatte.

Official Call Of Duty Ghosts Multiplayer Reveal Trailer.

Der Multiplayer (getestet von Tobias Heidemann)

Im Multiplayer bleibt alles beim Alten. Wobei alt hier dieses Mal wirklich gestrig meint. Der versprochene Grafik-Sprung ist ebenso ausgeblieben wie ernstzunehmende Neuerungen. „Ghosts“ sieht im Vergleich mit dem direkten Konkurrenten „Battlefield 4“ schlichtweg antiquiert aus und verpasst es zudem wieder einmal, das mittlerweile arg angerostete CoD-Getriebe einer Generalüberholung zu unterziehen.

An der auf Schnelligkeit und Kurzweil getrimmten Run & Gun-Formel wurden also erneut nur unwesentliche Tweaks vorgenommen. Ein gutes Beispiel dafür ist der neue Modus Cranked, der euch nach dem ersten Abschuss mittels Zeit-Counter zum nächsten Kill treibt – wer innerhalb des Zeitlimits nicht abliefert, geht in die Luft. Eine nette Idee, die aber kaum mehr als eine zusätzliche Regelvariation altbekannter Spielprinzipien ist und das eigentliche Treiben auf den Karten wenig bis gar nicht verändert.

Und dieses Zeugnis kann man ohne Weiteres allen neuen Modi in „Ghosts“ ausstellen. Search & Rescue ist das bekannte Kill Confirmed mit leicht veränderten Vorzeichen, Blitz ist die halbgare CoD-Antwort auf Conquest und spielt sich letztlich wie ein Team Deathmatch, in dem man durch eine gegnerische Zone laufen muss, während die eigene zu verteidigen ist. Besonders egal war uns der neue Trupps-Bereich, der euch in vier unterschiedlichen Modi gemeinsam mit selbst ausgerüsteten Bots gegen andere Spieler oder die KI antreten lässt. Warum das eine gute Idee sein soll? Wir haben absolut keine Ahnung. Wer Gefallen daran findet, seine Bot-Kameraden langsam aufzuleveln, der wird mit den Trupps vielleicht auf Dauer sein Glück finden – uns kam das Ganze wie ein komplett überflüssiger Trainingsbereich vor, in welchem man sich mit einer mittelmäßigen KI herumschlagen muss.

Der kooperative Extinction-Modus, in dem man gegen Aliens ins Feld zieht, ist zwar ein Mal nett, aber das ist auch schon das Problem: Ein Mal. Danach verbraucht sich das „Novum“ der Alien-Invasion sehr schnell, weil man jede Runde aufs Neue die außerirdischen Nester zerstören und anschließend via Helikopter fliehen muss – da boten die blutrünstigen Zombie-Eskapaden von Black Ops deutlich mehr Tiefgang.

Über allem steht schließlich noch der schmerzhaft halbherzige Versuch der Entwickler, irgendwie doch noch ein bisschen Taktik in das hyperaktive Chaos zu bringen. So hält „Ghosts“ passend zum „Levolution“-Konzept von „Battlefield 4“ nun halt auch „dynamische Karten –Ereignisse“ bereit. Doch wo  „Levolution“ spielerisch schon kaum ausschlaggebend ist und sich lediglich als Atmosphäre-Bonus behaupten kann, ist die Angelegenheit in „Ghosts“ nur ein schlechter Witz ohne Pointe. Ein paar Extra-Kills und neue Deckung – mehr darf man sich von diesen vermeintlichen „Game-Changern“ nicht erhoffen.

Fazit
:

Call of Duty Ghosts“ will die nächste Generation „CoD“ einleiten, klebt dabei aber an den alt gewordenen Konventionen der Serie. Die Kampagne ist im Vergleich zu einem Meisterwerk wie „BioShock Infinite“ oder einem Atmosphäre-Hammer wie „Metro: Last Light“ nur der gescheiterte Versuch, kompromisslose Action abzufeiern. Nur ist es dabei eben nicht kompromisslos, stattdessen lässt es sich von seiner bier-ernsten, aber total banalen Story runterziehen.

Dass dann selbst der Multiplayer nur ein paar neue Regeln für bekannte Spielmodi zu bieten hat und einem Entwicklerstudio wie Infinity Ward nicht mehr Neuerungen einfallen, als ein Bot-basierter Trupps-Modus, ist einfach nur schade. Letztendlich holen sich die Massen dieses Spiel für seine Mehrspieler-Komponente, bekommen hier aber nicht viel mehr als ein Map-Pack. Das mag vielen Spielern genug sein, uns wiederum ist „Ghosts“ trotz einigem Respekt vor den Leistungen der Vergangenheit vor allem eines: total egal.

Unsere Wertungsphilosophie

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