Russen, Aliens, Terroristen: Die absoluten Klischeefeinde in Shootern

Richard Benzler 2

Aber seien wir mal pragmatisch. Die meisten Shooter werden von US-Amerikanern oder zumindest für das US-amerikanische Publikum entwickelt, da jener Markt nun mal das fruchtbarste Feld für dieses Genre ist. Da sollte es kaum jemanden überraschen, dass die Russen der beliebteste Feind to go sind.

Immerhin wurzelt die Rivalität jener Länder auch in der gegenwärtigen Zeit: So pflegen die beiden Großmächte auch nach Ende des kalten Krieges eine eher wechselwarme Beziehung zueinander. Konflikte wie in Syrien oder der Ukraine sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

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Quelle: Who Are the Enemies? The Visual Framing of Enemies in Digital Games

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Spiele, die schon vor dem Release gehasst wurden

Aber das nur am Rande, denn der eigentliche Grund für schwarz-weiße Feindbilder, Schubladendenken und flaches Storytelling liegt (meiner Meinung nach!) ganz wo anders: In letzter Konsequenz trägt der Konsument eine Mitschuld am gefühlten Stillstand im Shooter-Genre: Selbstreflektive Shooter, die dem Spieler den Spiegel vorhalten (siehe Spec Ops: The Line) haben sich für Entwickler bisher nur als Marketing-Gift oder zuverlässige Geldverbrennungsanlage erwiesen.

Solange der Fokus des Konsumenten auf dem Multiplayer liegt, werden Storys auch weiterhin nur aus Alibi-Gründen eingebaut. Denn bei aller Liebe zum Medium Spiel: Studios sind Unternehmen, und Unternehmen sind in der Regel kein Wohlfahrtsverband. Was an finanziellen Mitteln für die Entwicklung in die Hand genommen wird, muss auch wieder in die Kassen zurückfließen: Eine ganze Kette von Menschen wartet auf ihr Monatsgehalt.

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