Call of Kriegsverbrechen: Rotes Kreuz erklärt Militär-Shootern den Krieg

Tobias Heidemann
Call of Kriegsverbrechen: Rotes Kreuz erklärt Militär-Shootern den Krieg

Medal of Honor, Battlefield, ArmA, Operation Flashpoint, Modern Warfare – die Liste der Shooter-Serien, die sich gern mal als besonders realistisch verkaufen, ist ziemlich lang. Wie weit das vermeintlich authentische Kriegsgeschehen in solchen Spielen aber von den tatsächlichen Kriegsrealitäten entfernt ist, das möchte das Internationale Rote Kreuz mit einer aktuellen Initiative belegen. Gemeinsam mit den Entwicklern von Militär-Shootern wollen die Initiatoren aus dem gesetzlosen Kriegstreiben, das seit Jahren auf Konsolen und PCs tobt, einen realistischen, bewaffneten Konflikt machen, der Humanitäres Völkerrecht achtet und schwere Kriegsverbrechen wie Folter oder außergerichtliche Tötungen ächtet.

Warum sollten sich Gamer in virtuellen Kriegsspielen nicht wie echte Soldaten verhalten müssen? Diese Frage stellten drei wissenschaftliche Berater des Internationalen Roten Kreuzes in einem bemerkenswerten Aufsatz.

Detailliert und meist gut informiert untersuchten die drei Militär- und Sozialwissenschaftler, wie in aktuellen Shootern die Missachtung von international geltendem Kriegsrecht bzw. dem Humanitären Völkerrecht als vollkommen normal dargestellt werden.

So würden unter anderem Gefangene, die sich bereits ergeben hätten, einfach getötet (Black Ops), medizinisches Personal würde angegriffen (Crysis 2) und Marken, die zur Identifikation gefallener Gefechtsteilnehmer dienten, würden aufgesammelt (Modern Warfare 3). Zudem seien Folter ebenso wie die Tötung von Zivilisten ständige Begleiter in Militär-Shootern.

Die Position der Autoren ist dabei durchaus nachvollziehbar. Games bieten Millionen von Spielern die Möglichkeit, modernes Kriegsgerät auf zeitgenössischen Schlachtfeldern einzusetzen. Dabei sei ein möglichst hoher Grad an Realismus oftmals das erklärte Ziel dieser Spiele. Doch so realistisch Kriegsspiele mittlerweile auch aussehen, in der Regel stellen sie unrechtmäßige Kampfhandlungen dar, die laut der Autoren ohne jegliche Konsequenzen für die beteiligten Soldaten blieben. Auf diese Weise werde der fatale Eindruck erweckt, dass international definierte Kriegsverbrechen wie die gezielte Tötung von Zivilisten, die Behinderung humanitärer Hilfe, die Tötung von Gefangenen, Geiselerschießungen oder Folter auch in echten Kriegshandlungen legitim seien.

Shooter, die Realismus für sich in Anspruch nehmen, sollten laut der drei Autoren, konsequenterweise auch die Situationen echter Kriegsteilnehmer authentisch reflektieren. Mit anderen Worten: Warum wird man in realistischen Kriegsspielen nicht auch dazu angehalten, sich realistisch zu verhalten, also sich wie echte Soldaten an die international geltenden Regeln zu halten.

Hier findet ihr ein Interview mit einem der Initiatoren und den besagten Aufsatz.

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