Civilization 6 in der Vorschau: Farbenfroh, aber fordernd

Björn Rohwer 1

Alle paar Jahre holt sich sich Civilization eine Frischzellenkur. Auch wenn das Spin-Off Civilization: Beyond Earth erst vor zwei Jahren erschienen ist – ein neuer Hauptableger ist längst überfällig. Logisch, dass zum 25. Serien-Geburtstag jetzt Firaxis mit Civilization 6 rauskommt. 100 Runden durfte ich bereits in das Spiel reinschnuppern und mit Pedro II. aus Brasilien die Welt unsicher machen. Was euch erwartet, erfahrt ihr in der Vorschau.

Civilization VI - Erster Eindruck: Brasilien.

Bei einem oberflächlichen Blick auf Civilization 6 wirkt alles wie gewohnt – die Kacheln sind da, ihr werdet von Barbaren attackiert, die Ziele scheinen dieselben und die Vorgehensweise ähnlich. Bestenfalls bleibt das Auge am etwas comichafteren Grafikstil hängen. Dieser sorgt aber keinesfalls für eine Verniedlichung oder kündigt gar eine Vereinfachung des Spiels an. Vielmehr bringt der Stil ein Plus an Übersichtlichkeit und bietet gleichzeitig wunderschöne Details. So begleitet die Fertigstellung eines Weltwunders ein Tag-Nacht-Wechsel und neue Gebiete zeichnen sich wie auf Pergamentpapier auf der Landkarte ein, wenn sie entdeckt werden. Der Grafikstil bleibt aber nicht die einzige Änderung. Schon nach ein paar Spielrunden merkt ihr, dass Firaxis an fast jeder Stellschraube gedreht hat.

Ein Sechseck macht noch keine Stadt

Die größte Neuerung für alte Civilization-Hasen dürften die veränderten Städte sein. Zuletzt bestand jede Metropole eures Reiches nur aus einem Sechseck und drumherum haben eure fleißigen Bautrupps ganz wie von selbst die Felder verbessert. Civilization 6 fordert nun mehr strategische Planung. Zusätzlich zu eurem Zentrum müsst ihr mit der Zeit auch verschiedene Bezirke errichten und eure Stadt so spezialisieren. Erst ein Campus-Bezirk macht beispielsweise den Bau einer Bibliothek möglich und ist Grundvorraussetzung für die Ankunft großer Wissenschaftler. Für jeden Bereich des Civilization-Lebens gibt es solche Stadtteile – von Wissenschaft, Militär, Handel, Kultur, Industrie bis hin zum Hafen. Da es nie möglich ist, alle Bezirke in einer einzigen Stadt zu errichten, wird euer Reich deutlich feiner unterteilt. Nach und nach entwickeln sich eure Städte so zu Hochburgen für einzelne Bereiche und ihr verteilt die Aufgaben eurer Zivilisation geschickt über die Karte.

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Was ist nochmal eine Technologie?

Fast schon offensichtlich ist die Weiterentwicklung des Technologiebaums. Civilization-Spieler haben es jahrelang hingenommen, dass alles als Technologie bezeichnet wird: Atomkraft und das Rad genauso wie Ritterlichkeit und Philosophie. Mit Civilization 6 wird dieser traditionelle Technologiebaum aufgebrochen. Nun hangelt ihr euch an zwei Entwicklungslinien entlang. Ihr entwickelt weiterhin Technologien und zusätzlich verfolgt ihr auch einen Civics-Tree für kulturelle Entwicklungen. Während auf der einen Seite also weiter Eisenverarbeitung, Militärtechnik oder Währungen stehen, könnt ihr auf der anderen Seite zeitgleich an Verteidigungstaktiken, der Theologie oder einer Öffentlichen Verwaltung feilen.

Die Kombination aus den neuen Städten und dem zusätzlichen Talentbaum macht das Spiel zeitintensiver und gleichzeitig strategisch noch anspruchsvoller. Um der gestiegenen Komplexität etwas Ordnung zu verleihen, werdet ihr durch die sogenannte Heureka-Mechanik angeleitet. Schreitet ihr im Kultur- oder Technologiebaum voran, könnt ihr die Rundzahl einer Entwicklung durch kleine Herausforderungen verringern. Meistens sind diese ganz intuitiv den einzelnen Fähigkeiten zugeordnet. Wollt ihr das Konzept einer Währung erforschen, hilft euch ein Handelsweg und steht die Entwicklung von Verteidigungsstrategien an, bringt es euch einen Bonus, bereits einen Kriegserklärung erhalten zu haben. Diese Aufgaben werden jederzeit angezeigt, sind aber absolut freiwillig. Viele Anforderungen, wie ein Kampf gegen Barbaren, ergeben sich zudem schon von selbst durch den Spielverlauf.

Civilization 6: Alle Zivilisationen im Überblick

Große Köpfe mit eigenem Kopf

Für ein lebhafteres Spielerlebnis hat Firaxis mit Civilization 6 auch deutlich an den Anführern gefeilt. Zum Release sollen 18 verschiedene Zivilisationen bereit stehen – jede mit einem eigenen Führer mit einem ganz eigenen Kopf. Bisher sind acht verschiedene Völker offiziell angekündigt – Amerika, Ägypten, China, Japan, England, Frankreich, die Azteken und Brasilien. Zunächst hat jeder der Köpfe dieser Völker eine Persönlichkeit, die möglichst seinem realen Pendant entsprechen soll. Theodore „Teddy“ Roosevelt hasst zum Beispiel Gefechte auf dem eigenen Kontinent. Startet ihr einen Krieg in seinem Vorgarten, habt ihr ihn in wenigen Augenblicken zum Erzfeind.

Anderen Herrschern geht es mehr um Besitztümer (Montezuma für die Azteken), Weltwunder (Qin Shi Huang für China) oder große Persönlichkeiten (Peter II. für Brasilien). Stechen wir einen der Anführer in einer dieser Kategorien aus, könnte der Neid schon einmal für einen Krieg sorgen. Neben der öffentlichen Agenda gibt es aber auch versteckte Ziele eines jeden K.I.-Anführers. Diese sind allerdings im Vorfeld nicht festgelegt. Mit jeder neuen Partie ziehen sich eure Gegner aus einem Pool von Eigenschaft ein geheimes Zusatzziel, dass ihr über das neue Gossip-System oder clevere Schlüsse auch selbst ermitteln könnt.

Das Gossip-System ist die Civilization-6-Variante der Spionage. Mit der Zeit tauchen auf eurem Bildschirm Gerüchte über Kriegserklärung oder andere weltbewegende Ereignisse auf – je trainierter eure Spionagefähigkeiten, desto zuverlässiger und detaillierter diese Informationen. Gerade die französische Herrscherin Catherine de Medici bietet sich mit ihren Hofdamen an, um dem Gegner allerlei Geheimnisse zu entlocken.

Spielt ihr mit Peter II. liegt euer Fokus, wie bereits erwähnt, auf den großen Persönlichkeiten. Genau wie zuvor bei den Weltwundern, gestaltet sich in Civilization 6 nun auch das Anlocken der großen Dichter und Denker der Menschheitsgeschichte als ein Wettrennen um die besten Köpfe. Stellen wir in bestimmten Bereichen die attraktivste Nation, kommen nicht mehr einfach nur anonyme Persönlichkeiten in unser Reich, sondern es geben sich Größen wie Wolfgang Amadeus Mozart, Francis Drake oder Galileo Galilei die Ehre. Da sich die großen Persönlichkeiten aber nicht teilen können, macht immer nur ein Volk das Rennen.

Haben viele Fans nach den ersten Screenshots schon um eine Casualisierung ihres Franchise gebangt, steht nun eher das Gegenteil an. Die neuen Features scheinen die Civilization-Reihe nur strategisch spannender und variabler zu machen. Die vielen Möglichkeiten eine Stadt zu spezialisieren, der zusätzliche Entwicklungsbaum, das neue Wettrennen um große Persönlichkeiten oder die zufällige, geheime Agenda, die jeder Einzelne verfolgt – es sind alles Aspekte, die für ein noch abwechslungsreicheres Spielerlebnis sprechen. Dabei war ja bereits Civilization V ein Zeitfresser sondergleichen. Im Oktober scheint euch ein würdiger Nachfolger zu erwarten.

 

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