Conan Exiles im Test: Leder, Stahl und Schädelknochen

Victoria Scholz

Conan Exiles hat die Early Access-Phase verlassen und ist nun als vollwertiges Spiel für Konsolen und PC zu haben. Zwei Autoren haben sich den Titel genauer angeschaut.

Conan mag in seiner Welt ein Held sein, in unserer verzweifelt er…

Conan Exiles – Aufbauen – Conan vs. IKEA.

Von seinem General gefragt, was das Schönste im Leben eines Mannes sei, antwortet der Mongole: „Die weite Steppe, ein schnelles Pferd, der Falke auf seiner Faust und der Wind in seinem Haar.“ „Falsch“, entgegnet der General und wendet sich mit derselben Frage an Conan. Der muss nicht zweimal überlegen: „Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen am Geschrei der Weiber.“ Word.

Die Figur von Conan, dem Barbaren, basierend auf Ideen des texanischen Low-Fantasy-Allstars Robert E. Howard, ist geprägt von Arnold Schwarzenegger, der dem Titelhelden in der legendären 1982er-Verfilmung keinen Funken Ironie gönnte. In dem Sinne bietet auch „Conan Exiles“ 1A-Genre-Ware für Gamer und Fantasy-Nerds gleichermaßen. Das (Über)Leben als Barbar ist schließlich kein Ponyhof. Lachen kann man anderswo.

Warum zwei Autoren? Conan Exiles ist ein großes Spiel, welches lange Zeit in der Early Access-Phase war. Daher haben wir einen vollkommenen Anfänger (Friedrich Reip) und eine echte, alteingesessene Barbarin (Victoria Scholz) den Test schreiben lassen, um ein ausgewogenes Bild zu liefern.

Umfangreicher Charakter-Editor

Vor den Alltag in der Wildnis haben die Programmierer erst mal eine Runde Schöpfungsgeschichte gestellt. Zwischen 14 Völkern kannst du dich entscheiden, von den „gottgleichen“ Vendyanern bis zu den „hellhäutigen, blauäugigen“ (!) Nordheimern. Einige der Beschreibungen korrespondieren lose mit gängigen Rollenmodellen wie Magier, Dieb, Kämpfer und so weiter, andere sind weniger klar definiert – was die Entscheidung nicht eben einfach macht. Zumal zusätzlich zwischen sechs Religionen zu wählen ist, die unterschiedlichen Trost bieten, wenn es hart auf hart kommt, aber auch jeweils ihr spezifisches, genau, Opfer verlangen. So gehört zum Kult um Yog, „Herr der leeren Bleibe“, unter anderem der Kannibalismus. Pfui. Auch bei der Optik kannst du an jeder Schraube drehen – das Gemächt deines Barbaren eingeschlossen, denn auf Wunsch schickst du ihn auch splitternackt in den Überlebenskampf. Welche Auswirkungen all das aufs Gameplay haben mag (oder ob überhaupt), bleibt allerdings vorerst unklar.

Conan Exiles erscheint unter anderem für den PC, wusstest du, dass du ohne diese Frauen niemals einen PC einschalten könntest?

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Ohne diese Frauen könntest du heute kein PC-Game spielen.

Prächtige, natürliche Spielwelt

Denn viel passieren tut erst mal nicht. Vom wilden Conan vom Kreuz geschlagen und danach im Wüstenstaub zurückgelassen, schlägst du dich erst mal durch Dünen und Gestrüpp, sammelst Samen und Pflanzenfasern und ernährst dich notdürftig von Fettraupen und anderen Insekten. Dafür gibt es einiges zu gucken: Die Ruinen in der Ödnis bieten pittoreske Klettergelegenheiten, die einen weiten Blick über die satte vierzig Quadratkilometer große Spiellandschaft erlauben, und wo sich allmählich die Vegetation im Sand Bahn bricht, kann die nächste Wasserstelle nicht weit sein. Das sieht prächtig aus und fühlt sich so natürlich an, dass man sich schon mal beim Aufatmen ertappt, wenn man aus der sengenden Hitze in den Schatten eines Baumes tritt oder ein paar Züge durch einen Fluss schwimmt. Gerätst du in einen Sandsturm und kommst nicht schnell genug in Deckung, gehst du fix drauf. Wenn dein langes Haar im blutroten Wind weht, ist der Anblick den Heldentod aber allemal wert. Auf der anderen Seite sind etliche der Animationen reich an Glitches – gerade wenn man sich an Wänden entlang oder durchs Gebüsch bewegt oder sich fragt, wie genau dieses Schildkröten-Biest einen nun durch den Fels hindurch gebissen hat.

 Sperriges Kampfsystem

Klar freilich auch, dass du am Wasser auch auf erste Menschen und mehr oder weniger lebensechte Echsen triffst. Den träge daherschlapfenden Molchen, die eigentlich nur ihre Brut beschützen wollen, machst du recht schnell den Garaus, gegen den Alligator allerdings siehst du ohne Waffe keinen Stich. Zumal das Kampfsystem nicht gerade leichtgängig ist. Ob Tritt oder Schlag sitzen oder ins Leere gehen, hängt selbst in der leichtesten Spielstufe („zivilisert“) oft von millimetergenauer Positionierung von Spielfigur und Kamera ab. Wenn man im Nahkampf mit einem eigentlich harmlosen Gegner mehrmals hintereinander in die Luft gehauen hat, stellt sich erster Frust ein. Und der Wunsch nach fetten Waffen. Auch eine eigene Bude wäre nicht übel, um das gesammelte Zeug in Sicherheit bringen zu können. Und sich selbst: Nicht von ungefähr weist einer der Ladebildschirme darauf hin, dass man sich in „sicherem Gebiet“ vom Spiel abmelden sollte. Auch wer offline ist, kann ansonsten ausgeraubt oder abgemurkst werden – allerdings gilt das nur, wenn du auf einem Server spielt. Wer im Koop oder allein spielt, muss keinen Diebstahl fürchten. Wer in der Welt von „Conan Exiles“ etwas aus sich machen möchte, muss allerdings satt Zeit investieren, um Fähigkeiten und Talente auszubauen. Aber um schon nach ein paar Stunden wieder abzuhauen, steigt ja sowieso niemand in diese Welt ein.

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