Pro-Gamer gegen Sexismus? Bullyhunters wird stark kritisiert, Sponsoren wenden sich ab

Constantin Krüger

Der Verband Bullyhunters versucht sich zurzeit an einer Initiative, die in Online-Videospielen für mehr Respekt gegenüber dem weiblichen Geschlecht sorgen soll. Allerdings wurde ihr erster Stream von Ungereimtheiten überschattet.

Bullyhunters - Trailer.

Update vom 16. April 2018:

Inzwischen hat der erste Bullyhunters-Stream stattgefunden. In der Show wurde offenbar jedoch nicht mit echten Bullies abgerechnet, die Show war wohl gescriptet. So waren ein gezeigtes Opfer und die herbeigerufene Bullyhunterin anscheinend ein und dieselbe Steam-Nutzerin, wie ein Imgur-Bild beweisen will. Der Steam-Name wurde demnach vor einigen Tagen mehrmals geändert, was darauf hinweist, dass die Szenen im Stream vorab aufgezeichnet wurden.

Daraufhin wurden noch mehr Ungereimtheiten über den Stream bekannt. Die Informationen dazu sammelte hauptsächlich Blogger SuitablyBored, der die Show in einem umfangreichen Post auseinander nimmt. Zuvor war er schon mit dem Host der Show, Nati Casanova alias TheZombiUnicorn, aneinander geraten, weil er der Meinung ist, dass die Bullyhunters diskriminierende Spieler niedermachen und deshalb nicht besser sind.

Zu diesen Ungereimtheiten gehört, dass Host TheZombieUnicorn in einem Tweet vor der Show bekannt gab, über drei Millionen Frauen hätten wegen Belästigung aufgehört, Videospiele zu spielen. Als mehrere Nutzer nach der Quelle der Studie fragten, weil sie sie nicht finden konnten, stellte sich heraus, dass solch eine Studie nicht existiert. Vielmehr bezieht sich die Aussage von TheZombieUnicorn wohl auf eine Studie, die an 874 Teilnehmern durchgeführt wurde – die drei Millionen sind also vollkommen aus der Luft gegriffen.

Zudem stellte sich heraus, dass TheZombieUnicorn, die sich im Stream und in ihren letzten Twitter-Posts gegen Mobbing positioniert, wohl lange Zeit selbst andere weibliche Gamer beleidigt und nieder gemacht hat, wie eine Screenshot-Collage belegen will.

Vor der Show konntest du dich mit deinem Steam-Account auf der Seite von Bullyhunters einloggen, damit die Pro-Gamerinnen auch an deinem Bully Rache nehmen können. Einher ging mit der Anmeldung, dass du zahlreiche private Daten gegenüber den Veranstaltern offen legen solltest, unter anderem könnten all deine öffentlichen Profil-Informationen über die Webseite bullyhunters.org eingesehen werden. Und das, obwohl die Inhalte der Show anscheinend kaum echt waren. Was die Seite mit deinen Daten anstellen wollte, bleibt schleierhaft, schließlich ist sie inzwischen offline.

Weil die Produktion der Show von einer Marketing-Agentur übernommen wurde und Sponsor SteelSeries ein limitiertes Bullyhunter-Headset anbot, wurde kurz vermutet, dass es sich bei der Show sogar nur um eine Marketing-Aktion handelt. Inzwischen haben sich jedoch zahlreiche Sponsoren von der Show distanziert. Demnach stellten sich die Sponsoren die ganze Aktion ganz anders vor.

SteelSeries stellt in einem Post klar, dass die Aktion „nicht von uns als eine Art viraler Kampagne inszeniert wurde. Die Idee dazu kam nicht von uns.“ Die Headsets seien lediglich entworfen worden, um Spenden zu sammeln, SteelSeries wollte sich daran offenbar nicht selbst bereichern. Allerdings ist zuvor im Statement zu lesen, dass „die meisten Gamer noch nie belästigt wurden und, wichtiger, 99 Prozent oder mehr Gamer nicht belästigen.“ Auch diese Aussagen dürfen in Frage gestellt werden, werden auch für diese Zahlen keine Belege geliefert.

Auch die Diverse Gaming Coalition distanzierte sich von der Organisation, deren Partner sie waren. „Diese Initiative ist nicht mit unserer eigenen Mission und Vision als Non-Profit-Organisation zu vereinbaren. (…) Wir glauben an ihre Intention, als Unternehmen das soziale Wohl zu fördern, sind aber nicht der Meinung, dass ihre Herangehensweise optimal war.“

Eigentliche Meldung vom 15. April 2018 um 17:15 Uhr:

Multiplayer-Videospiele sind ein raues Pflaster. Ganz besonders in Spielen, die über einen Voice- oder Textchat verfügen, machen viele Menschen ihrem Ärger meist etwas mehr Luft, als eigentlich nötig wäre. Beleidigungen und die Unterstellung des Geschlechtsaktes mit diversen Müttern sind an der Tagesordnung. Doch genug ist genug, finden die Organisatoren der Initiative Bullyhunters. Seit dem 12. April läuft die Kampagne auf Twitch.

Dabei wurde ein Team aus Profi-Spielerinnen des Ego-Shooters Counter Strike: Global Offensive zusammengestellt, die gezielt Mobber und Sexisten bestrafen wollen. Von der Community gemeldete Ziele werden also auf einen übermächtigen Gegner treffen. Damit wollen sie zum einen die Täter frustrieren und zum anderen aktiv gegen das Klischee vorgehen, dass Frauen an den Herd und nicht an einen Rechner gehören würden.

Das Ziel der Kampagne ist es, die Problematik in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken und mögliche Lösungsansätze zu diskutieren. Dabei werden sie von einigen bekannten Streamern wie ZombiUnicorn unterstützt und auch große Firmen wie SteelSeries sind als Sponsoren an Bord.

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Erste Reaktionen aus dem Internet auf die Kampagne fielen allerdings überwiegend negativ aus. Unter anderem wurde die Methoden und die langfristige Effektivität der Kampagne hinterfragt. Für mehr Informationen über die Initiative kannst du die offizielle Facebookseite besuchen.

Was hältst du von dieser Kampagne? Lass uns deine Meinung in den Kommentaren wissen. Wir freuen uns auf dein Feedback!

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