Ballerspiele: Verstehen statt verschmähen

Nils Lassen 32

Liebe Eltern, liebe Geschwister, liebe Freunde und Bekannte. Wir finden uns heute hier zusammen, um über das Thema Ballerspiele zu reden. Ein Thema, welches sich schon seit Jahren hartnäckig in den Medien verankert. Ein Thema, das gleichzeitig viele für ausgelutscht und längst vergessen halten. Ein Thema, mit dem sich Gamer trotzdem immer wieder konfrontiert sehen. Denn Ballerspiele gehören zu unserem liebsten Unterhaltungsmedium dazu, so wie die Butter auf das Brot. Nicht zwingend jedermanns Sache, aber trotzdem ein fester Bestandteil der Gamingkultur.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen - Die Hintergründe

In den folgenden Zeilen soll versucht werden, Ballerspiele für Nicht-Gamer verständlich zu machen. Zu meiner Studienzeit habe ich eine Forschung durchgeführt, welche sich mit dem Image von Gamern befasste. Im Zuge dieser Forschung habe ich mehrere Nicht-Gamer über ihre Meinung zu Gamern und negativen Medienberichten über Spiele befragt. Diese Arbeit lieferte mir viele spannende Ergebnisse, jedoch war mir eines am wichtigsten: Kennt eine Person (Nicht-Gamer) ein Objekt (Ballerspiel) nicht, so wird seine Meinung über dieses Unbekannte leicht beeinflusst (Freunde, Medienberichte).

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Es wäre falsch zu behaupten, dass Medienbeiträge einen so großen Einfluss haben und eins zu eins von uns Konsumenten aufgenommen werden. Genauso falsch ist es, die Konsumenten als homogene Masse zu bezeichnen. Jeder kann sich seine eigene Meinung bilden, der Charakter spielt dabei eine große Rolle. Es wäre aber auch falsch zu sagen, dass das was deine Freunde und die Medien sagen, komplett ohne Wirkung bleibt. Vereinheitlichen kann man auch hier nicht, aber gewisse Meinungen werden häufiger übernommen und verdrängen andere. In den Medien werden leider auch heute noch Berichte verfasst, in denen Morde in Verbindung mit Videospielen gebracht werden. Es wird selten eine direkte gegenseitige Kausalität beschrieben, jedoch wird gerne erwähnt, dass der Täter dieses und jenes Videospiel gezockt hat.

Ich habe bereits von Berichten gelesen, wo brutale Morde verübt wurden und es weiter unten im Text hieß, der Mörder habe unter anderem Spiele wie Assassin’s Creed gespielt. Ich denke wir sind mittlerweile soweit, dass sich davon nur noch wenige Menschen beeinflussen lassen und niemand erwartet, dass über den eigenen Dächern ein nach Heu riechender Assassine sein Unwesen treibt. Darum soll es in diesem Text auch nicht gehen. Vielmehr geht es mir darum, dass verstanden wird, warum wir Gamer auch Ballerspiele spielen.

Ballerspiele: Kommen wir zur Sache!

Die Frage, die sich wohl so manche stellen und die sich auch meine Versuchskaninchen bei meiner Forschung stellten, ist die: „Warum? Warum müsst ihr denn so etwas überhaupt spielen?“ Nehmen wir doch einfach in den folgenden Zeilen Counter-Strike als Paradebeispiel für ein Ballerspiel und weil Beispiele so toll sind beginnen wir mit einem Beispielsatz!

Ich gebe zu, dass Außenstehende zurecht stutzig werden, wenn sie folgende Erklärung mit anhören: Alter, gestern auf Dust 2, ich so Mitte gesmoked und auf Kurz gerushed, BÄM Headshot verteilt, direkt in Kopf. Dann nehm‘ ich so meine Granate und jag‘ den Kacknoob mit seiner AWP auf A-Spot hoch. Dann leg‘ ich so Bombe für Lang, schnapp‘ mir seine AWP und baller noch die anderen drei Opfer weg, als sie versuchen zu defusen. Den letzten habe ich mies mit meiner Deagle ins Gesicht geschossen. Ace Junge, läuft bei mir! Ich hoffe meine Jugendsprache ist nicht zu eingerostet, aber ich denke selbst die, die gerade nur Bahnhof verstanden haben, wissen was ich meine. Ich verstehe voll und ganz, dass man bei solchen Sätzen, jetzt mal abgesehen von der Ausdrucksweise, daneben steht und die Nase rümpft. Aber versuchen wir doch mal diese Erklärung zu dechiffrieren.

Warum spielen wir Ballerspiele?

In Counter Strike spielt die Anti-Terroreinheit gegen die Terroristen. Die Terroristen müssen im Falle unseres Beispiels die Bombe legen, die Anti-Terroreinheit muss sie daran hindern. Es gibt pro Spielkarte insgesamt zwei Bombenplätze, um das Spiel etwas vertikaler zu gestalten. Die Runde ist vorbei, wenn entweder die Bombe explodiert, die Zeit abläuft oder alle Spieler des gegnerischen Teams ausgeschaltet wurden. Gekämpft wird mit Schusswaffen, die in Counter Strike ein gewisses Maß an Können erfordern, um damit umzugehen.

Counter-Strike-Global-Offensive-Trailer.

Zusammengefasst hat unser Spieler also alle fünf Gegenspieler ausgeschaltet und zusätzlich noch das zweite primäre Missionsziel (Legen der Bombe) erreicht. Ein durchaus schöner Moment für alle Gamer. Denn das ist es, wo der Unterschied zwischen dem Außenstehenden und dem Counter-Strike-Spieler liegt: Es geht bei einem Spiel wie Counter Strike selten darum, dass sich ein Spieler daran aufgeilt einen anderen im Game leiden zu lassen. Er schießt lediglich auf ihn, um zu beweisen, wer der Bessere ist.

Ein Kopfschuss verursacht in Counter-Strike und auch in vielen anderen Shootern mehr Schaden und führt häufig zum sofortigen Tod, da der Kopf einfach am schwersten zu treffen ist. Das ist ein Punkt, der auf viele Spiele zutrifft und der viele Spieler motiviert. Man kann sein Können unter Beweis stellen und das ist es, worum es bei einem Ballerspiel häufig geht. Und  wenn man dann die Runde gewonnen hat und im besten Fall auch noch maßgeblich daran beteiligt war, dann macht es Spaß. Und damit klärt sich auch schon die Frage nach dem Warum.

Denn es ist wirklich ganz simpel: Es macht Spaß. Manche erfreuen sich an Aufbauspielen, manche an Ballerspielen und manche an beidem. Dabei spielt lediglich die persönliche Lust eine Rolle - und damit meine ich nicht die Lust am Töten, sondern die Lust ein bestimmtes Spiel zu spielen, weil man es als gut erachtet. In unserem Beispiel von vorhin ging es als lediglich darum, anderen mitzuteilen, wie gut man eine Runde gespielt hat. Die Begriffe, die dabei fallen sind Genre- oder Spiel-typische Bezeichnungen - und einem anderen Spieler in den Kopf zu schießen mag sich hart anhören, ist aber nunmal Teil des Spiels und notwendig, um besser zu sein als Andere. Dahinter verbirgt sich auch kein tief verborgener Wunsch, anderen Menschen in den Kopf schießen zu wollen. Es ist Teil des Spiels und bleibt auch in der virtuellen Welt.

Zur Verdeutlichung ein weiteres Beispiel. Neulich erzählte mir ein junges Familienmitglied, wie er ein ganzes Paradies aufgebaut und anschließend mutwillig zerstört hat. Er erzählte von riesigen Explosionen, wie er mit seinem Schwert auf Zombies einschlug und am Ende ein Schwein mit einer Spitzhacke töten musste, um nicht zu verhungern. Während meine Familie äußerst verstört darüber war, was mein 13 Jahre altes Familienmitglied für grausame Spiele spielt, konnte ich mir bereits denken, um welches Spiel es sich handelt. Es ging um Minecraft. Ein Spiel, das nun wirklich so gar nicht brutal ist. Es ist am ehesten vergleichbar mit LEGO und auch da spielt man bereits sehr früh mit Waffen, auch wenn es nur Laserschwerter sind. Apropos Laserschwerter: In der Grundschule habe ich Episode 1 im Kino geguckt. Da wird Darth Maul am Ende einfach mal in zwei Teile geschnitten.

Ballerspiele: Es ist doch alles gar nicht so schlimm!

Natürlich ist die Wahrnehmung bei einem Spiel  und gerade bei Ego-Shootern eine andere, da man die Handlungen selber ausführt und aus einer anderen Perspektive erlebt. Aber würde man jetzt über einen Star-Wars-Film oder meinetwegen auch über einen Disney-Film so reden wie unser Beispiel-Gamer über Counter-Strike, mag auch hier einer seine oder ihre Nase rümpfen. Ey, Mufasa wurde einfach so von hunderten Gnus kaputtgetrampelt (kein schöner Tod)! Und in dem anderen Film ballern die voll die Mutter von Bambi weg. Krass, Alter! (Die Jugendsprache wurde der Einfachheit halber erneut angewendet).

Jemand der Disney nicht kennt, mag sich jetzt auch wundern, was die Kinder hier für krasse Filme schauen. Aber jemand, der Disney kennt wird entgegnen, dass es eben nicht nur um den Tod in den beiden Filmen geht, auch wenn er eine sehr wichtige Roll spielt. Genauso wird ein Counter-Strike-Spieler sagen, dass es nicht nur um das Abschießen des Gegners geht. Kaum einer würde ein Spiel spielen, in dem sich zwei Typen mit Waffen gegenüber stehen und sich einfach nur stumpf umnieten – das macht halt einfach keinen Spaß.

Und die Moral von der Geschichte?

Da wären wir dann wieder bei unserem Kernproblem angekommen: „Ich verstehe es nicht, also bin ich skeptisch.“ Verständliche Reaktion - das geht vielen so, auch mir. Ich habe mittlerweile ein vorgefertigtes Bild von Hipstern und erwische mich auch nur zu oft dabei, in Vorurteilen zu denken oder Menschen in diese Kategorie einzuordnen. Doch ich bemühe mich, hinter die Fassaden zu schauen, mich mit dem Menschen und seinen Interessen näher zu befassen. Es sei denn er oder sie ist ein riesen Arsch – dann eben nicht. Also, ihr Leute da draußen, fasst euch an die Hände und habt euch alle ganz dolle lieb! Nee Quatsch, aber versucht doch wenigstens, euer Gegenüber zu verstehen. Ja, ich klinge wie Gandhi, aber trotzdem.

Wenn euer Klassenkamerad von seinen Spielerfahrungen erzählt, hört ihm zu oder nicht und dann belasst es dabei. Aber bewertet ihn nicht schlecht, wenn ihr doch gar nicht wisst, worüber er redet. Wenn euer Kind mal wieder vor einem Ballerspiel hockt, setzt euch daneben und lasst euch das Spiel erklären. Es kostet euch echt wenig Zeit und kann so vielen Konflikten vorbeugen. Und Gamer, vielleicht müsst ihr euch einfach mal hinsetzen und den Skeptikern da draußen das Spielprinzip erklären. Dazu muss es natürlich ein gegenseitiges Interesse geben und wer weiß – vielleicht kriegen manche Nicht-Spieler ja plötzlich selber mal Lust, Terrorist zu sein und eine Bombe zu legen. Natürlich nur im Spiel, versteht sich.

Wenn ihr euch für weitere Themen rund um Videospiele Interessiert, könnt ihr euch die Artikel von Leo oder Tobi anschauen!

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