Crash Bandicoot N. Sane Trilogy im Test: Zeitreise mit Originaltreue

Luis Kümmeler

Mit Crash Bandicoot N. Sane Trilogy bietet dir der Entwickler Vicarious Visions ab sofort die Spiele Crash Bandicoot, Crash Bandicoot 2: Cortex Strikes Back und Crash Bandicoot 3: Warped in zeitgemäßerer Optik. Aber bleibt die Neuauflage den Originalen spielerisch treu? Und machen diese frühen Vertreter des 3D-Jump’n’Runs überhaupt noch Spaß?

Du hast gerade keine Zeit für den gesamten Test? Unten findest du das Fazit.

Better With Crashitude Launch Gameplay Trailer | Crash Bandicoot™ N. Sane Trilogy.

Ich bin wieder zwölf Jahre alt und auf dem Weg von der Schule nach Hause. Der Schulranzen liegt schon in der Ecke, da habe ich mein Kinderzimmer noch gar nicht richtig betreten. Mit einem wohl vertrauten Surren erwacht die „Playsi“ zum Leben. In gebetsähnlicher Haltung hocke ich auf dem Teppichboden, den Blick fest auf den Bildschirm meiner staubigen Röhre geheftet. Zeit für ’ne Runde Crash Bandicoot. Hausaufgaben können warten. Alles wie immer.

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Alle Crash-Bandicoot-Spiele in der Historie: Von Tops und Flops

Naja, fast jedenfalls. Denn meine PlayStation ist inzwischen drei Generationen weiter, der Fernseher hat deutlich an Bildfläche und Pixeln zugelegt und was sich da vor mir abspielt, ist nicht das erste Crash Bandicoot aus dem Hause Naughty Dog, sondern die Neuauflage Crash Bandicoot N.Sane Trilogy vom Entwickler Vicarious Visions. Der hat es sich zum Ziel gesetzt, gleich drei Herzensangelegenheiten meiner frühen Jugend in die Moderne zurückholen. Na, wenn das mal nicht in die Hose geht…

Viel Crash für dein Cash

Na, sieh mal einer an! Das Hauptspiel Crash Bandicoot begrüßt mich mit einer feschen Intro-Sequenz, die im Grunde der des Originals entspricht, die abgedrehte, wenn auch rudimentäre Geschichte rund um den durchgedrehten Nasenbeutler und dessen Widersacher Dr. Neo Cortex aber deutlich zeitgemäßer und sehr charmant präsentiert. Schön schön! „Jetzt aber nur nicht von der schicken Optik blenden lassen“, denke ich mir – auf das Gameplay kommt es schließlich an.

Nach wenigen Sekunden befinde ich mich im Spiel und gleichsam des Titelhelden macht auch mein Herz einen ersten Hüpfer. Ich bin Zuhause. Crash spielt sich auch in der Neuauflage exakt so, wie ich es vom PS1-Original in Erinnerung hatte. Als hätte ich auch in den letzten 15 Jahren nichts anderes getan, hüpfe ich in größtenteils schlauchigen Leveln auf Kisten, sammle bunte Früchte ein und lehre Feinden mit meiner Wirbel-Attacke das Fürchten. Durch das Sammeln kleiner Bonusgegenstände komme ich wie im Original in versteckte Spielabschnitte, in denen ich zusätzliche Leben sammle. Und die sind auch bitter nötig.

„Es wird nicht geflucht!“

Während ich da anfänglich noch butterweich durch die Level renne und alles zu Kleinholz verarbeite, wird mir eines nämlich schnell gewahr: Crash Bandicoot hat auch in seiner Neuauflage nichts von seinem mitunter diabolischen Schwierigkeitsgrad verloren. Wie im Original steigt die Herausforderung rapide, bald schon muss ich unter Zeitdruck quasi chirurgisch präzise Sprünge vollführen und lasse dabei ein ums andere Mal das digitale Leben. Auch diverse Bosskämpfe lassen sich mitunter nur durch einiges Herumprobieren bewältigen.

Wenn ich nun noch in besagtem Kinderzimmer säße, würde ich Malte anrufen. Du weißt schon, dieser eine Kumpel, den vermutlich jeder in seinem Freundeskreis hatte. Dieser hochnäsige Alleskönner, der einem bei unschaffbaren Bosskämpfen mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen und den Worten „Komm, ich mach‘ ihn dir“ den Controller abnahm und einem zeigte, wie es richtig geht. Verdammter Malte. 

Crash Bandicoot N. Sane Trilogy: Trash-Werbespot im 90er-Jahre Stil*

Crash Bandicoot ist streckenweise fordernd, verdammt fordernd. Doch zum Glück hat sich an der grundlegenden Steuerung nur insofern etwas geändert, als dass der erste Teil nun auch mit dem Analogstick gespielt werden kann. Das erleichtert einiges, tatsächlich ertappe ich mich in einigen eher geradlinigen Passagen dann aber doch dabei, wie ich wieder zum Steuerkreuz greife.

Ansonsten hat sich nur wenig geändert. Alle drei Spiele bieten jetzt einheitliche Checkpoint-, Speicher- und Menüsysteme, sowie Time Trials, die einen alle Level noch einmal unter den strengen Augen einer erbarmungslos tickenden Stoppuhr spielen lassen. Für den kleinen Dopamin-Kick zwischendurch und etwas mehr Langzeitmotivation gibt es jetzt Trophäen. Etwas mehr Abwechslung bringt zudem Crashs Schwester Coco ins Spiel, die jetzt weit öfter gespielt werden kann, sich aber identisch steuert. Und dann ist da natürlich die Grafik.

Alter Nasenbeutler in neuem Gewand

Vicarious Visions hat die drei Jump’n’Run-Abenteuer von der PlayStation in die aktuelle Generation und auf die PlayStation 4 geholt – und das weitestgehend erfolgreich. Einige der Außenareale wirken da teilweise ein wenig steril, insgesamt ist das Spiel aber sehr hübsch geworden. Insbesondere Innenbereiche wie Fabriklevel sehen wirklich toll aus – und auf der PS4 Pro dank Pseudo-4K-Unterstützung (1440p) sogar noch tollerer. Schade, dass das Spektakel nur mit (immerhin konstant wirkenden) 30 Bildern pro Sekunde wiedergegeben wird.

Von den Originalen bin ich natürlich nicht mehr gewohnt, ganz im Gegenteil – doch ich werde den Gedanken nicht los, dass hier mehr drin gewesen wäre. Es gibt schon einen Grund, warum etwa viele hüpflastige Nintendo-Spiele auf eine Bildrate von 60 FPS optimiert werden. Zwar setzte auch das Remake des PS2-Titels Ratchet and Clank aus dem Jahr 2016 auf 30 Bilder pro Sekunde, bot dabei aber auch ein optisch wesentlich größeres Spektakel.

Das Optionsmenü von Crash Bandicoot N. Sane Trilogy bietet bei Release zudem nahezu keine Einstellungsmöglichkeiten. Hier gibt es lediglich einige Lautstärkeregler. Und das war’s. Keine Gameplay-Optionen, keine Untertitel, nicht mal ein Helligkeitsregler. Auch etwas sauer aufgestoßen ist mir das Intro von Activision und Vicarious Visions bei Anwendungsstart. Dieses ist zwar überaus charmant, kann aber auch bei wiederholtem Spielstart nicht übersprungen werden und ist dann doch relativ schnell auswendig gelernt.

Crash_Nadicoot_Test_Fazit

Fazit zu Crash Bandicoot N. Sane Trilogy:

Lohnt sich Crash Bandicoot in der N.Sane Trilogy? Für mich absolut. Als Fan des Genres und der Originale hab ich mich in der Neuauflage dank nahezu identischem Gameplay gleich zu Hause gefühlt. Das muss aber wahrlich nicht jedem so ergehen. Hast du vielleicht nicht die alten Teile gespielt, wirst du dich bei aller durchaus lobenswerter Originaltreue unter Umständen am hohen Schwierigkeitsgrad und einigen 90er-Jahre-Altlasten stören, etwa der leicht hakeligen Steuerung oder „trial and error“-Bosskämpfen. Wenn du allerdings etwas Frusttoleranz dein Eigen nennst und einige der besten Jump’n’Runs der frühen 3D-Zeit nachholen möchtest, solltest du Crash Bandicoot N.Sane Trilogy definitiv eine Chance geben. Und im Notfall dann halt einfach Malte anrufen.

Crash Bandicoot N. Sane Trilogy wird dir gefallen, wenn du die Originalspiele magst oder ein Jump’n’Run-Liebhaber mit Durchhaltevermögen bist.

Crash Bandicoot N. Sane Trilogy wird dir nicht gefallen, wenn du dich schnell frustrieren lässt oder dir das olle Rumgehüpfe eh zu blöd ist.

Erkennst du diese Games anhand ihrer mit Google Translate übersetzten Spielbeschreibung?

Wir haben uns einen kleinen Spaß erlaubt und deutsche Spielbeschreibungen bei Google Translate ins Chinesische übersetzt und dann ins Deutsche zurück übersetzt. Dabei kamen ziemlich lustige Beschreibungen zustande. Kannst du erraten, um welche Games es sich handelt?

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