Danganronpa Trigger Happy Havoc Test: Saw meets Persona meets Ace Attorney auf Speed

Annika Schumann 18

Danganronpa: Trigger Happy Havoc erzählt eine schaurige und einschneidende Geschichte voller Psychoterror, die dem Spieler das Blut in den Adern gefrieren lässt. Noch weit über den Abspann hinaus hinterlassen das Konzept und die Charaktere einen bleibenden Eindruck, der immer wieder eine Gänsehaut hervorruft. Macht euch bereit in die Elite-Schule Hope’s Peak Academy aufgenommen zu werden und unfreiwillig einem tödlichen Spiel beizuwohnen, in dem ihr niemandem trauen könnt und ständig auf der Hut sein müsst. 

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Makoto Naegi kann sein Glück gar nicht fassen als er aufgrund einer Auslosung ein Stipendium an der Elite-Schule Hope’s Peak Academy erhält. Für gewöhnlich werden nur Personen dort aufgenommen, die in ihrem Spezialgebiet besonders herausragend sind. So finden sich unter den anderen vierzehn Neuzugängen zum Beispiel eine junge und sehr erfolgreiche Schriftstellerin für Liebesromane, der Boss der größten Bikergang Japans, ein Baseball-Star und ein Popstar.

Voller Hoffnung und Vorfreude begibt sich Makoto in die neue Schule, wo er jedoch schlagartig bewusstlos wird. Er erwacht daraufhin mit den anderen Schülern in der Turnhalle und den Charakteren wird von einem kleinen, sprechenden Bären offenbart, worauf sie sich eingelassen haben.
Denn die Hope’s Peak Academy ist keine normale Schule mehr und es gibt nur noch eine Möglichkeit, jemals wieder das Gebäude verlassen zu können: indem man einen der anderen Schüler umbringt.

Doch nur, wenn die Überlebenden in einer Verhandlung nicht feststellen können, wer der Mörder ist, kann die Person das Gelände verlassen – und alle anderen wären dann zum Tode verurteilt.
Monokuma, der Bär, stellt den Schülern jedoch auch in Aussicht, dass sie in Frieden gemeinsam in der Schule leben könnten. Das jedoch für den sämtlichen Rest ihres Lebens. 

Überwältigt und schockiert von dieser Tatsache, versuchen die Schüler daraufhin aus dem Gebäude zu entkommen. Allerdings müssen sie schnell feststellen, dass alle Fenster und Ausgänge ohne eine Chance auf Entkommen gesichert und verriegelt sind. Selbst in den schalldichten Zimmern, die sie von nun an bewohnen sollen, finden sich Überwachungskameras und in einigen Räumen hängen sogar Selbstschussanlagen von der Decke. Die Schüler realisieren, dass sie sich entweder an ein Leben in dem Gebäude ohne Kontakt zur Außenwelt und absoluter Beobachtung gewöhnen müssen oder das Unfassbare zu tun und einen ihrer Kameraden umzubringen.

Zunächst scheint es als würden sich alle auf ein friedliches Zusammenleben einstellen, um währenddessen nach Hinweisen und Möglichkeiten zu suchen das Gebäude doch noch irgendwie verlassen zu können. Doch schon bald wird die erste blutüberströmte Leiche gefunden und die Schüler müssen herausfinden, wer der Mörder ist, um nicht ebenfalls einer brutalen Hinrichtung anheim zu fallen. Das grausame Spiel um Leben und Tod hat begonnen und wird etliche Opfer fordern.

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Die Besten der Besten

Das Großartige und gleichzeitig das Schlimme an Danganronpa: Trigger Happy Havoc sind die Charaktere. Zwar wirken alle am Anfang komplett überzeichnet, doch umso mehr man sich mit ihnen beschäftigt und umso weiter die Story voranschreitet, wird klar, dass jeder von ihnen seine ganz eigenen Stärken, Schwächen und Ängste besitzt. Jedes einzelne Charakterdesign ist dabei komplett unterschiedlich von dem der anderen. Es gibt zum Beispiel den typischen arroganten Sohn aus reichem Hause, den etwas fahrigen Hellseher und die eingebildete Fashionista. Nunn sind all diese Charaktere allerdings gezwungen zusammenzuleben und dieses tödliche Spiel zu überstehen. Dass das nicht gut geht, ist direkt klar, doch genau das macht den Reiz aus. Automatisch beginnt der Spieler darüber nachzudenken, wer wen betrügen oder verraten könnte oder wer niemals dazu im Stande wäre eine andere Person zu töten.

Wenn bestimmte Charaktere favorisiert werden, kann in der sogenannten Free Time am Tag Zeit mit den frei ausgewählten Figuren verbracht werden. Auf diese Weise wird die Beziehung zwischen dem Protagonisten Makoto und den anderen gepflegt. Auch ist es möglich den Personen bestimmte Geschenke zu überreichen, die in einem Automaten gegen Münzen, die überall im Spiel verteilt sind, erworben werden können. Dadurch können nicht nur bestimmte Skills freigeschaltet werden, die später während der Verhandlungen überlebensnotwendig sind, sondern die ganze Geschichte erhält zugleich mehr Tiefe. Während der Zeit erzählen die Charaktere viel von ihrem Befinden und ihrer Vergangenheit. So kommt es, dass bestimmte Figuren einem richtig ans Herz wachsen - und genau da liegt der schlimme Part. Denn es ist immer noch ein Spiel auf Leben und Tod. Sobald dann ein Charakter, den man wirklich lieben gelernt hat, plötzlich tot aufgefunden wird, macht sich ein unbequemes, fades Gefühl im Spieler breit. Es gab einen ganz bestimmten Tod, der mich besonders aus der Bahn geworfen und mich schwer getroffen hat. Doch genau darin liegt die Faszination und die Stärke von Danganronpa. Das Spiel schafft es, dass man sich wirklich wie ein Teil der Gruppe fühlt, sich manchmal ärgert aber auch mit den Personen mitleidet. Genauso gut entwickelt sich ebenso ein großer Zorn oder Hass bestimmten Charakteren gegenüber und ich habe mich dabei erwischt, wie ich mich gefreut habe als einer dieser Figuren dann aus dem Weg geräumt war.

Danganronpa besteht nicht nur aus einer Ansammlung von wahllosen Stereotypen, wie es zunächst scheint, sondern jede einzelne Person hat eine tiefere Geschichte, ein ganz eigenes Profil und eine bestimmte Art, mit dieser neuen Situation umzugehen. Das sorgt für viele heftige, schöne und angespannte Situationen. Selten konnte ein Spiel eine Gruppendynamik und gleichzeitig den einsamen Kampf ums Überleben so detailliert und nachvollziehbar für mich gestalten wie Danganronpa.

Das kriminelle Genie hinter dem Wahnsinn

Wie in vielen japanischen Visual Novels ist das mörderische Genie und der Strippenzieher hinter der ganzen Geschichte dem ersten Anschein nach kein Mensch, sondern kommt in Form eines kleinen Bären namens Monokuma daher. Bereits in Zero Escape (ein Hase) und Sweet Fuse - At your Side (ein Schwein) begegnete dem Spieler diese Art von Bösewicht. Wie in diesen Titeln und auch den Saw-Filmen kommuniziert Monokuma mit seinen Gefangenen über Monitore und Lautsprecher, um ihnen Anweisungen oder Reglements zu vermitteln. Oft taucht er aber auch wie aus dem Nichts vor den Charakteren auf und versucht sie zur Weißglut zu bringen. Das geschieht aus dem reinen Wunsch nach Chaos und Pein heraus, denn wenn die Schüler Monokuma angreifen, kann er sie daraufhin bestrafen und so seinen Blutdurst stillen. Monokuma ist ein Bilderbuch-Sadist, denn er liebt es Zwietracht, Hass und Unbehagen zwischen den Schülern zu säen, nur um daraufhin abermals den Tod eines Schülers bekannt geben zu dürfen.

Ace Attorney auf Speed

Sobald die Leiche eines neuen Charakters gefunden wurde, könnt ihr euch wieder frei in der Schule bewegen und müsst dabei Hinweise, Aussagen und Beweise sammeln, die ihr im kommenden Prozess vorlegen könnt. Ihr könnt mit einer praktischen Schnellreisefunktion über die Map zwischen den Stockwerken und Gängen springen. Auf der Karte lässt sich ebenfalls entdecken, wo sich welcher Charakter aufhält. Das hilft euch vor allem dann, wenn ihr eine bestimmte Aussage einholen und nicht in der relativ großen Spielwelt umherirren wollt.

Nachdem die Nachforschungen abgeschlossen sind, geht es darum den Mörder zu überführen. Das geschieht während eines gehetzten, bunten und überdrehten Prozesses, bei dem es gilt schnell und gleichzeitig korrekt zu reagieren. Während der Verhandlung müsst ihr Widersprüche in den Aussagen der anderen Schüler finden, Beweise vorbringen und eurem Verdacht Nachdruck verliehen. Meistens müsst ihr mit den sogenannten Truth Bullets zum richtigen Zeitpunkt auf die richtigen Worte zielen, um einen Widerspruch oder eine Lüge aufzudecken. Dies wird jedoch häufig zur schwierigen Angelegenheit, da ihr dafür nur sehr wenige Sekunden habt und dann auch noch genau treffen müsst. Sollte euer Verdacht sich nicht bewahrheiten und die Kugel ein falsches Wort treffen, verliert ihr Lebenspunkte.
In einigen Abschnitten müsst ihr jedoch auch in einer Art Hangman-Spiel ein bestimmtes Beweismittel korrekt benennen und müsst dafür die richtigen Buchstaben in der richtigen Reihenfolge treffen. Dafür bleibt euch meistens aber genug Zeit. 

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Ein weiterer Abschnitt der Verhandlungen ist die Argumentation. Rhythmisch Knöpfe drückend müsst ihr dann die Argumente eures Gegners zerstören, um zum letzten Teil des Prozesses zu kommen. Dieser besteht aus einer Art Comic, den ihr mit fehlenden Bildern vervollständigen müsst, um den kompletten Tathergang nachzustellen. Dies ist eigentlich sehr leicht, während der Argumentationspart allerdings wirklich zur Qual werden kann. Besonders dann, wenn die Einblendungen verschwinden, ihr nachladen und dann auch noch im richtigen Moment die richtigen Tasten treffen müsst. Am Anfang habe ich mich damit sehr schwer getan, doch nach einer Weile gewöhnt man sich an die Hektik und den aufkommenden Stress.

Solltet ihr irgendwann all diese Passagen überstanden haben, steht der Verurteilung des Mörders nichts mehr im Wege und er findet auf abstruse und kranke Art und Weise sein Ende.

Danganronpa Trigger Happy Havoc Trailer.

Ein Spiel der besonderen Art

Danganronpa: Trigger Happy Havoc zeichnet sich auch durch den abgedrehten Artstyle, einen Soundtrack voller seltsamer und gewöhnungsbedürftiger Klänge und den Mix aus 2D und 3D aus. Es wird außerdem ganz klar vorausgesetzt, dass der Spieler sich bewusst ist, dass mit Danganronpa kein Spiel im eigentlichen Sinne daherkommt. Es bezieht die Stärke der grandiosen und fulminanten Story aus den vielen, langen Dialogen, welche wahlweise eine englische oder japanische Synchronisation besitzen. Klassische Spielelemente kommen nur in den Verhandlungen während der verschiedenen Minispiele vor.
Auch ist Danganronpa komplett in englisch gehalten, es gibt keine deutschen Untertitel oder deutschen Text.

Der bereits angesprochene Soundtrack erschafft eine seltsame Atmosphäre und obwohl sich viele Stücke einfach aufgrund der langen Spielzeit sehr häufig wiederholen, passen sie immer zur jeweiligen Situation.
Während man sich in 3D-Ego-Perspektive frei durch das riesige Gebäude bewegt, kommt vor allem auch durch die Klänge und die Musik ein unbehagliches Gefühl auf. Sie wirken immer etwas neben der Spur, immer ein klein wenig bedrohlich. Zu dieser Atmosphäre tragen auch die vielen leeren, langen und teilweise düsteren Gänge bei. Aufgrund der Tatsache, dass alle Fenster verriegelt sind, entsteht trotz der Größe der Schule eine klaustrophobische und kalte Atmosphäre, die mir selten in einem Spiel begegnet ist. Niemals Tageslicht zu sehen oder nur frische Luft zu atmen ist ein Gedanke, der mich während der ganzen Handlung begleitet und nicht mehr losgelassen hat. Erst dadurch wurde mir vollends klar, wie schwierig und furchtbar die Situation für die Schüler sein muss; nicht nur aufgrund der drohenden Gefahr jede Sekunde von einem Freund getötet zu werden. 

Fazit

Obgleich ich zunächst eine 8 / 10 Wertung vergeben wollte, war es besonders das grandiose Ende, das Danganronpa den Sprung auf die 9 verschafft hat. Die Auflösung der ganzen Rätsel und die Offenbarung, die dadurch mit sich gebracht wurde, waren so schockierend und teilweise überraschend, dass mich das Ende und die Tode einiger Charaktere noch lange über den Abspann hinaus beschäftigt haben. Denn Danganronpa besitzt eine Eigenschaft, die ich nur sehr wenigen Spielen zuschreibe. Der Spannungsbogen hat sich trotz der zahlreichen und detaillierten Dialoge nämlich nie gesenkt. Die Antwort auf die Frage, was hinter der psychotischen Idee steckt, peitscht den Spieler von einer Mordaufklärung zur nächsten. Die vielen Widersprüche, die seltsamen Hinweise und die immer stärker werdende Geschichte gipfelt schlussendlich in einer epischen und tragischen Auflösung, die ihresgleichen sucht.
Danganronpa ist daher ein absoluter Pflichtkauf für alle hartgesottenen und lesefreudigen PS Vita-Spieler.

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Annika Schumann
Annika Schumann, GIGA-Experte.

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