Dark Souls 3 im Test: Brenne auf, mein Licht!

Sebastian Tyzak 4

Das Feuer lodert wieder. Zum dritten Mal stürzen sich waghalsige Spieler in den Schlund der Hölle, der nur vom Licht des Feuers erhellt wird. Kann Dark Souls 3 die anhaltende Begeisterung für die Serie schüren, oder erlischt das Feuer allmählich? Das beantworten wir im Test.

Dark Souls 3 im Test.

Es lodert wieder. Das zaghaft züngelnde Feuer am Fuße des Schwertes, das uns als Leuchtfeuer einen Hort der Ruhe verspricht. Doch neben den brodelnden Eingeweiden des Hades scheinen den dritten Teil der Dark-Souls-Reihe auch weit irdischere Probleme zu plagen.

Die Meinungen sind gespalten – die einen finden’s nach wie vor großartig, die anderen sind gelinde von der Einfallslosigkeit der Entwickler enttäuscht, mit der sie der Serie vorerst ein Ende bereiten. Als langanhaltender Freund der Serie kann ich für Fans Entwarnung geben: Das Feuer brennt. Noch immer.

Das Souls-Einmaleins

Wer hätte es erwartet: Natürlich ist der Kernbestandteil von Dark Souls 3 ähnlich seiner Vorgänger. Ihr werdet als wiederbelebter Leichnam im Anschluss an eine verschwurbelte Einstiegsrede eurem Schicksal überlassen. Herzlichen Glückwunsch! Und als eben diese bemitleidenswerte Kreatur dürft ihr euch den Aschefürsten stellen, deren Macht es braucht, um die Flamme allen Ursprungs wieder zu entfachen. Das bedeutet für euch, dass ihr übergroßen Monstrositäten die Stirn bieten dürft, gegen deren Konturen euer Breitschwert wie ein armseliger Zahnstocher wirkt.

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Doch wie seit jeher zieht auch Dark Souls 3 aus eben jener Ungleichheit einen großen Teil seiner dichten Atmosphäre, und jeder Millimeter bewältigten Dämonenlandes fühlt sich wie eine echte Errungenschaft an. Wie immer stellt auch der kleinste Gegner eine echte Bedrohung für diejenigen von euch dar, die sich ihnen zu leichtfertig entgegenwerfen. Wer die Allmachtfantasie eines Diablos in den höllischen Breitengraden von Lorthric – der Spielwelt von Dark Souls 3 – erwartet, wird mitsamt seiner Erwartungshaltung genüsslich zerquetscht und als hübsches Paket verschnürt zurück nach Hack’n’Slay-Hausen geschickt. Klingt im ersten Moment unnachgiebig, anstrengend und irgendwie „Bäh“, ist aber eigentlich verdammt großer Spaß, wenn man sich erst einmal einige Stunden daran versucht hat … so schwer ist es nämlich eigentlich gar nicht.

Und um weiteres Standard-Blah kurz zu halten: Auch in Dark Souls 3 spielt die Geschichte eine sehr untergeordnete Rolle. Ihr trefft kaum redselige Charaktere und ihr seht keine ausladenden Sequenzen. Wer sich die durchaus vorhandene und ziemlich tiefe Hintergrundgeschichte zusammenpuzzeln möchte, muss Gegenstandsbeschreibungen studieren, Hinweise im Leveldesign suchen und wortkarge Sätzchen von NPCs auf hauchdünne Infos abklopfen.

Abseits dessen wird fleißig gekloppt – da auch der kleinste Winz-Gegnerich ganz schön Krallen ausfahren kann, wird es dabei aber nie banal. Die exakte Steuerung gibt euch immer eine faire Chance, und ermöglicht Ausweichrollen unter Schwerthieben hindurch, sowie risikoreiche Riposten.

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Dark Souls: 13 Details, die selbst den härtesten Fans entgangen sind.

Jetzt kopiert sogar schon From Software

Gut. Schön. Das waren die Grundlagen. Aber ihr wollt sicherlich wissen, was es abseits dessen neues gibt. Und genau an dieser Stelle wird der erste große Kritikpunkt an Dark Souls 3 laut. Es fehlt an Neuem. Die Serie, die einst für neuen Schwung im Genre sorgte, verkommt am Krückstock der Jahre zum Zitat seiner selbst. Und… ja. Ein bisschen muss man From Software in diesem Belang wirklich Vorwürfe machen. Zu sehr hat man sich auf identische Gegenstände, bekannte Charaktere und gleichartige Lokalitäten beschränkt. Zu wenige frische Ideen wurden eingebracht. Doch das stört nur alteingesessene Souls-Jünger – und auch die in meinen Augen erst dann so richtig, wenn sie durch sind… mit New Game +7.

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Für mich ist Dark Souls 3 eine wohltuende Wiederkehr an bekannte Orte. Alte Freunde und Feinde zu treffen, ist trotz der wenig vokalen Geschichte ein emotionaler Paukenschlag. An einigen Stellen ertappte ich mich selbst dabei, wie ich über kleine Seitenhiebe auf Vorangegangenes grenzdebil in mich hineinkicherte. Und auch wenn stellenweise zu viele alte Assets auftauchen und einige Gegnerarten zu oft wiederaufgelegt wurden, so bleibt mir Dark Souls 3 am Ende doch als finale Reminiszenz in Erinnerung.

Es hätte gern an der Innovations-Theke „etwas mehr“ sein dürfen, doch letztlich fühle ich mich so sehr vom Fan-Service gebauchpinselt, dass ich keine Einwände erheben möchte. An Neulingen, die mit Dark Souls 3 einen verhältnismäßig angenehmen Serieneinstieg finden dürften, geht dieser Kritikpunkt selbsterklärend völlig vorbei.

Und doch: Neues aus Lothric

Ein bisschen was ist aber dann doch neu: Zum Beispiel die im Vorfeld oft erwähnten Waffen-Fertigkeiten. Diese geben euch ein bis zwei neue Tricks zur Hand, mit denen die übliche Kombination aus leichtem und starkem Schlag erweitert wird. Die Fertigkeiten unterscheiden sich von Waffe zu Waffe und lassen euch mal Kriegsschreie zum Stärken eurer Angriffskraft herausbrüllen, einen Pfeilhagel auf Gegner niederprasseln oder ausladende Schwertschwünge tanzen. Das sorgt definitiv dafür, dass Keilereien etwas variabler und dynamischer sind, ist aber nicht die gleiche Art von Gamechanger wie es die Schusswaffen in Bloodborne waren.

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Die blaue Energieleiste, die mit Nutzung genannter Fähigkeiten und Magie abbaut, ist ein weiterer neuer Bestandteil. Ebenso die Asche-Estus-Flakons, die die Energie wieder auffüllen und ähnlich wie Estus-Flakons an den Leuchtfeuer-Checkpoints wieder aufgefüllt werden. Wer keine Lust auf diesen neuen Kram hat, kann die neuen Tränke aber auch beim Schmied gegen die regulären Heiltränke tauschen, und ignoriert fortan einfach den blauen Farbklecks in der Bildschirmanzeige.

Ansonsten fällt als deutliche Änderung noch der etwas smoother fließende und generell etwas flottere Kampf auf, der in Ansätzen an Bloodborne erinnert. Einige weitere, dezentere Neuerungen schlummern zwar noch im Detail, deren Entdeckung überlassen wir aber euch selbst.

Souls for Dummies?

Das Thema Schwierigkeitsgrad ist seit dem ersten Teil und dem damit indirekten Nachfolger zu Demon’s Souls ein vehement diskutierter Punkt aller „Soulsborne“-Spiele. Gleicher Fall hier: Dark Souls 3 sei Vielen zu leicht. Teilweise wurde sogar davon geredet, dass die der Presse schon einige Wochen vor Erscheinen zur Verfügung gestellte Fassung absichtlich vereinfacht wurde, damit diese flott durchs Spiel kommen und ihre hübschen Artikel auch ja brav vor Redaktionsschluss runterrattern können. Und, ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, ob das stimmt, oder nicht. Aber zumindest für meinen Teil kann ich behaupten, dass ich nach den ersten zwei verhältnismäßig einfachen Bossen dann doch auch wieder ordentlich strampeln musste.

Einsteigertipps für Dark Souls 3

Ja, Dark Souls 3 ist mitnichten der schwerste Teil der Serie. Aber für mich ist das okay. Er bietet Neueinsteigern die Gelegenheit, ihren Weg ins Spiel zu finden, zieht dann aber doch wieder so merklich an, dass auch Fans rackern müssen. Das wohl Wichtigste ist, dass das Plätten eines garstigen Kerkerkönigs noch immer einer Ekstase gleichkommt – und genau so sieht es auch in Dark Souls 3 noch aus. Die kreativ designten Bosse sind eh eines der Highlights des Spiels und lassen euch mehr als einmal den Atem stocken. Das ist großartig und genau so muss es sein.

Das Problem mit Technik und Tiefe

Hübsch kann Dark Souls 3 auch. Es baut deutlich auf dem Bloodborne-Gerüst auf und malt unwahrscheinlich bezaubernde Panoramen, schauderhafte Kellerverliese und unaussprechlich widerwärtige Wesen auf den Bildschirm. In Sachen Artdesign macht dem japanischen Entwickler so schnell niemand was vor.

Einzig die technische Seite ist nach wie vor nicht rund, kämpft mit deutlichen Detail-Pop-ins auf kurze Distanz und Clipping-Fehlern, bei denen ein Angriff euch auch schon mal durch eine massive Wand hindurch trifft. Außerdem plagten unsere PS4-Testversion zu Beginn merkliche Slowdowns, die allerdings verschwanden, nachdem als Grundeinstellung das Offline-Spiel gewählt wurde. Inwiefern das Problem bestehen bleibt, wenn die Spielserver online kommen, können wir zur jetzigen Zeit nicht beurteilen.

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Im Vergleich mit den Vorgängern lässt der dritte Teil außerdem ein wenig an Tiefe vermissen. Zwar füllt sich der Knotenpunkt Feuerband-Schrein nach einiger Zeit mit einer ganzen Reihe an NPCs, doch deren Quest-Reihen sind so flach wie eine Schwertschneide. Auch die Hintergrundgeschichte wirkt im Vergleich zur gewaltigen Lore des ersten Dark Souls erstaunlich blass – trotzdem bin ich mir sicher, dass die Community hier in den kommenden Monaten viele interessante Details an die Oberfläche bringen wird, die meinem blinden Auge entgangen sind.

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Mein Test-Fazit zu Dark Souls 3:

Dark Souls 3 mag nicht das beste Spiel seiner Serie sein, doch es sorgt für einen feinen Abschluss eines mehrteiligen Ritts, der mir und vielen von euch da draußen auf lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Schön war’s!

9 von 10 Punkten – Would praise the Sun again! \o/

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