Atmosphärisch und authentisch ist die Reise zweier glückloser Seelen durchaus, doch mangelt es in „Satinavs Ketten“ das ein oder andere Mal an der Authentizität der Rätselpassagen.

Während Geron und Nuria sich überwiegend pro Abschnitt nur durch wenige Bildschirme bewegen können, sollte das Auffinden bestimmter Objekte erst recht mit Hilfe der Hotspot-Funktion recht einfach erscheinen. Dennoch enden solche Klickorgien meist damit, dass alle Gegenstände des Inventars – ob sinnvoll nachvollziehbar oder nicht – mit jedem interaktiven Objekt kombiniert werden müssen, bis sich eine Lösung ergibt.

 

Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten

Facts 
Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten
Eines der spärlich gesäten Rätsel, dafür aber ein umso gelungeneres.

Wirklich sinnige logische Rätsel kommen eher selten auf und ihr Fehlen trübt dadurch ein wenig den Spielfluss. Derweil ist der Einsatz von Gerons und Nuris Zauberfähigkeiten zum Zerbrechen oder Wiederzusammensetzen toter Materie eine gelungene Erweiterung der Möglichkeiten, die aber letztendlich auch durch das Fehlen von hilfreichen Hinweisen oft vergessen wird.

Zeichnen können sie ja bei Daedalic, das muss man ihnen lassen. Schön anzusehen ist auch, dass man bei „Satinavs Ketten“ zurück zum pastelligen Ton eines „The Whispered World“ zurückgefunden hat und allgemein alles ein wenig realistischer hält als in wandelnden Parodien wie „Deponia“. Die Charaktere wurden nicht beschönigt - sie sehen eben aus wie ein Pack Dorfschranzen. Dass sich da Zwerge über die Farbe ihrer Bärte Sorgen machen, ist eher die Ausnahme.

das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-01
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-01
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-02
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-02
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-03
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-03
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-04
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-04
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-05
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-05
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-06
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-06
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-07
das-schwarze-auge-satinavs-ketten-screenshot-07

Man merkt ebenfalls eindeutig, wie viel Arbeit in den einzelnen Hintergründen steckt, die nur so mit Details vollgestopft sind, ohne dabei unnötig überladen zu wirken. Während Adventures in 3D-Optik zwar mehr Möglichkeiten in der Wegfindung bieten mögen, ist „Satinavs Ketten“ dafür allemal ein willkommener Augenschmaus.

Auch Musik und Dialoge halten das hohe Maß der Präsentation hervorragend aufrecht. Synchronsprecher sind bei Daedalic aber ohnehin stets gut gewählt und so geben die Darstellungen Gerons und Nuris fantastische Charakterportraits dar (auch wenn Nuri mitunter sehr nervtötend gezeichnet ist). So findet man Kleinigkeiten über die Beiden zwischen den Zeilen heraus und fiebert bei gefährlichen Situationen so richtig mit. Herzklopfen und Kribbeln im Bauch begleiten uns, während wir die Protagonisten durch eine der stimmungsvollsten Visualisierungen Aventuriens lenken und dem düsteren Ende eigentlich nicht näherrücken möchten.

 

Fazit:

„Das Schwarze Auge: Satinavs Ketten“ ist das beste Adventure im Lande Aventurien – soweit noch nicht preisverdächtig. Es ist aber auch gleichzeitig die beste Umsetzung eines renommierten Pen & Paper-Rollenspiels und bringt dadurch auch für Nichtkenner eine unglaubliche Glaubwürdigkeit mit sich. Nebenbei ist es durch sein Zusammenspiel von Musik, Art-Stil und Charakteren das atmosphärischste Adventure, das wir lange Zeit in den Händen halten durften. Leider ist auch „Satinavs Ketten“ keine Revolution des Genres, aber klassisch mögen wir's auch manchmal am liebsten.

Daedalic mag kein deutsches Lucas Arts sein, es ist aber allemal ein deutsches Daedalic, und das ist schon ein Qualitätsmerkmal per se.

Wertung: 87%

Das ultimative Skyrim-Quiz: Wie gut kennst du The Elder Scrolls 5: Skyrim wirklich?

Jonas Wekenborg
Jonas Wekenborg, GIGA-Experte.

Ist der Artikel hilfreich?