Days Gone angespielt: (K)ein Zombie-Spiel, das sich wie eine Netflix-Serie anfühlt

Kamila Zych

Days Gone ist ein Spiel, das dir das Gefühl vermitteln will, an jeder Ecke würden Gefahren lauern. GIGA GAMES-Redakturin Kamila hat das postapokalyptische Action-Adventure angespielt und konnte sich davon überzeugen, wie beängstigend es wirklich ist. Und was es eigentlich mit Netflix zu tun hat.

Du wirst in eine Welt geworfen, in der vor ein paar Jahren noch eine durch ein Virus ausgelöste Pandemie herrschte. Das Virus bewirkte, dass die DNA des Infizierten sich verändert, weshalb Menschen zu zombieartigen Kreaturen namens „Freaker“ wurden und Tiere zu wilden Monstern mutierten. Klingt im Grunde wie ein gewöhnliches Zombie-Spiel, nicht wahr?

Ich habe beim Anspiel-Event in Berlin mit dem Creative Director John Garvin gesprochen und er sieht das ganz anders: „Days Gone ist kein Zombie-Spiel, es ist ein Freaker-Spiel“, korrigiert er mich. Für einige mag das ein und dasselbe sein, aber Freaker unterscheiden sich seiner Meinung nach in einem bestimmten Aspekt von herkömmlichen Zombies.

„Freakers sind am Leben. Das heißt nicht nur, dass sie sich anders bewegen oder sich anders anhören. Die Open World in Days Gone ist dynamisch und systemisch, die Freakers befinden sich wirklich in dieser Welt und sie leben darin“, so Garvin.

Er erklärt mir, dass sich das Entwicklerteam beim Design der Freaker von lebenden Kreaturen inspirieren lassen hat. Die Freaker verfolgen einen Tag-Nacht-Rythmus, das bedeutet, dass sie am Tag in ihren Nestern schlafen und bei Nacht auf Nahrungssuche gehen. Sie leben in Horden; insgesamt gibt es davon 40 an der Zahl und sie alle haben ihr eigenes Territorium, das sie bewachen. Und das unabhängig davon, ob du da bist oder nicht. Das heißt unter anderem, dass wenn ein Hirsch den Freakern zu nahe kommt, dieser ebenso von ihnen angegriffen werden kann.

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Auch ein blinder Freaker findet mal ein Opfer

Beim Spielen selbst ist mir in der Tat aufgefallen, dass die Freaker sich relativ selbstbestimmt verhalten – allerdings fast schon so, als würden sie alles um sich herum vergessen. Es gab zum Beispiel eine Situation, in der ich gerade in einem Raum nach Ressourcen suchte, als plötzlich ein Freaker hereinspazierte. Als Reaktion darauf suchte ich natürlich panisch nach einer Ecke, um mich zu verstecken – bis mir bewusst wurde, dass der Freaker meine Anwesenheit gar nicht wahrgenommen hat. Im Verlauf des Spielens ist mir dann auch öfter aufgefallen, dass du dich teilweise, damit sie dich überhaupt bemerken, im direkten Sichtfeld der Freaker befinden musst. Das macht Schleichangriffe zum Kinderspiel und eine wirkliche Bedrohung stellen die mutierten Menschen damit nicht wirklich dar.

Das ist zumindest mein Eindruck bis jetzt. Mag sein, dass es daran liegt, dass ich in den paar Stunden noch keiner großen Horde begegnet und mir somit dem Ausmaß der Gefahr noch gar nicht bewusst bin. Außerdem gibt es darüber hinaus noch andere Gegner, denen du über den Weg läufst, wie zum Beispiel verfeindete Biker-Banden oder Anhänger eines ominösen Kults namens „Ripper“.

Welche Feinde dich in Days Gone erwarten, zeigt dieses Video.

Days Gone: Die Welt von Days Gone #3 - Kampf ums Überleben.

Die vorgegaukelte Entscheidungsfreiheit

Was bereits in den ersten Spielstunden auffällt, ist, dass Days Gone aus sehr vielen Cutscenes besteht. Wie Sam Witwer, der Darsteller von Protagonist Deacon St. John, bereits via Twitter bestätigt hat, sind die filmischen Sequenzen ganze sechs Stunden lang. Und ich muss gestehen, dass sich das Spiel stellenweise wirklich eher wie ein interaktiver Film anfühlt. Falls du aber jetzt erwartest, dass du Entscheidungen treffen kannst, die den Verlauf des Spiels beeinflussen, muss dich John Garvin leider enttäuschen:

„Ich weiß, es gibt narrative Spiele, die das tun, in denen verzweigte Geschichten wichtig sind und sie dem Spieler die Möglichkeit geben zu entscheiden, wie die Geschichte endet. Bend Studio hat nie solche Spiele gemacht [wir haben immer] erzählerisch getriebene, Third-Person-Shooter [entwickelt], bei denen der Anfang, die Mitte und das Ende der Geschichte klar strukturiert waren. Und das ist, was wir in Days Gone tun, denn ich habe das Gefühl, die Geschichten, die ich erzählen möchte, in denen ich den Spieler hoffentlich auf eine emotionale Reise nehme, auf eine eher linearen Art und Weise [vermitteln] muss.“

Meist gehen die Cutscenes in Gameplay-Sequenzen über, die du selbst nur bedingt kontrollieren kannst. Fährt Deacon beispielsweise in dem Moment auf seinem Motorad, kannst du nicht etwa selbst fahren, sondern lediglich die Kamera hin- und herbewegen. Im Anschluss auf einer andere Szene sollst du dich mit einer Gruppe von Rowdys prügeln. Dabei wird aber die Funktion fürs Auszuweichen blockiert, sodass du unabhängig von deinem Können im Nachteil bist. Grund dafür ist der weitere Verlauf der Story, für den es nötig ist, gegen die Gruppe zu verlieren. Meines Erarchtens könnten solche Gameplay-Happen gänzlich entfernt werden, denn sie suggerieren dem Spieler, er hätte Einfluss auf das Geschehen, was in Wirklichkeit nicht der Fall ist.

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Wie Red Dead Redemption 2 – nur mit Motorrad

Etwas, was mir dafür umso mehr gefallen hat, ist Deacons Motorrad. Es ist dein ständiger Begleiter, daher musst du auch entsprechend Acht darauf geben. Ähnlich wie das Pferd in Red Dead Redemption 2. Fährst du damit zu oft gegen Hindernisse, verliert es an „Gesundheit“ und du musst es reparieren. Das nimmt allerdings etwas Zeit in Anspruch, was gerade in brenzligen Situationen sicherlich nicht förderlich ist. Später kannst du dein Motrorrad aber auch nach deinen Bedürfnissen anpassen und upgraden, um dir einen Vorteil zu verschaffen.

Days Gone besitzt darüber hinaus viele Funktionen, die du bereits aus anderen Spielen kennst. Zum Beispiel die sogenannte „Survival Vision“, mithilfe der dir Fußabdrücke oder Ressourcen angezeigt werden oder ein Waffenrad, über das du Waffen auswählen, reparieren und herstellen kannst. Wer also innovative Features erwartet, wird im Spiel nicht wirklich fündig – dafür aber bekannte Gameplay-Mechaniken, die zumindest mir den Einstieg ins Spiel enorm erleichtert haben.

Was du noch so auf den Straßen der Farewell Wildnis in Days Gone beachten musst, erfährst du in diesem Video.

Days Gone: Die Welt von Days Gone #2 - Auf den maroden Straßen - Spielwelt-Trailer.

In Sachen Gameplay erfindet Days Gone zwar das Rad nicht neu, dafür könnte es mit seiner Story noch viel rausholen. Das Spiel setzt sich aus einzelnen Storylines zusammen, die alle unterschiedliche Geschichten erzählen: Von Deacons Vergangenheit, über seine Freundschaft mit Biker-Kumpel Boozer, bis hin zu den Beweggründen des Ripper-Kults. Hierbei haben sich die Macher an beliebten Streamingdiensten wie Netflix orientiert:

„Du abonnierst einen Dienst, dieser veröffentlicht eine ganze Staffel auf einmal und du kannst die komplette Staffel „binge watchen“ oder du kannst bei Episode 3 aufhören und zu einer anderen Serie springen. Wir haben dieses Feature entwickelt, um genau das nachzubilden. Du kannst im Grunde hin und herspringen und du weißt immer, wo du bist“, erläutert John Garvin.

Wie gut das umgesetzt wurde, davon werde ich mich spätestens dann überzeugen können, wenn ich das komplette Spiel testen darf. Bisher hat Days Gone für auf mich einen soliden Eindruck gemacht – wenn noch an den entsprechenden Stellschrauben gedreht wird und die Handlung mit der nötigen Tiefe und Emotion überzeugt, hat es durchaus Potenzial ein gutes Spiel zu werden. Days Gone erscheint voraussichtlich am 26. April 2019 exklusiv für PlayStation 4.

 

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