DayZ zeigt, wie der Hype um Battle Royale-Spiele sterben wird

Alexander Gehlsdorf 2

Momentan sind Battle Royale-Spiele die ultimative Goldgrube, an der sich so ziemlich jeder Publisher bedienen will. Allerdings ist das Ende des Trends bereits jetzt an die Wände geschrieben.

PlayerUnknown's Battlegrounds Mobile Game Trailer.

Bist du auch im Sommer 2012 auf dem Hype-Train mitgefahren, auf dem in großen Buchstaben DayZ geschrieben stand? Für die noch junge Let’s-Play-Szene war das Survival-Spiel der heilige Gral: Eine frei begehbare offene Welt voller Zombies, knappe Ressourcen und Waffen, der wahre Feind sind jedoch die anderen Spieler. DayZ war also nicht nur Multiplayer-Spektakel, sondern auch eine Art soziales Experiment.

Kaum ein PC-Spieler kam in diesem Jahr um den Titel herum. Dabei handelte es sich lediglich um eine Mod der eher nischigen Militär-Simulation Arma 2, die dank der Modifikation plötzlich Rekord-Verkäufe einfuhr.

Angriff der Klonkrieger

So erfolgreich DayZ auch war, so schnell stand natürlich auch die Konkurrenz auf der Matte, die vom großen DayZ-Kuchen ein Stück abhaben wollten. Innerhalb kurzer Zeit erschienen The War Z (2012), 7 Days to Die (2013), Rust (2013), State of Decay (2013), Unturned (2014), H1Z1 (2015) und noch viele andere Spiele, die sich mehr oder weniger großzügig am DayZ-Konzept bedienten.

Allerdings hat DayZ auch unabhängig von den direkten Nachahmern einen Eindruck in der Gaming-Welt hinterlassen. Spiele wie Don’t Starve, ARK: Survival Evolved oder This War of Mine nahmen den populär gewordenen Survival-Trend auf ihre eigene Weise auf und auch Crafting wurde zu einem immer häufiger gesehen Feature.

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Die besten Survival-Games, die einfach zeitlos sind (PC).

Wie es mit Trends aber nun mal so ist, sind sie irgendwann auch wieder vorbei. Das Letzte, was ein Spieler in den vergangenen Jahren hinter Tags wie Zombie, Survival, Crafting, Open-World beziehungsweise einer Mischung aus all diesen Begriffe zu erwarten hatte, war ein originelles Spiel. Das Genre wurde derart oft und intensiv kopiert, adaptiert und zu Tode gemolken, dass heute kaum noch jemand Lust auf DayZ und Konsorten hat.

Das katastrophale Metal Gear Survive etwa schreit förmlich nach „Lasst uns ein Zombie-Survival-Crafting-irgendwas-Spiel machen, weil sich damit super viel Geld verdienen lässt“. Und wäre Metal Gear Survive fünf Jahre früher erschienen, bevor der Trend vollständig ausgestorben ist, hätte das vielleicht sogar funktioniert. Dass DayZ nach insgesamt sechs Jahren tatsächlich die Early-Access-Phase verlassen hat, interessiert dementsprechend auch kaum noch jemanden.

Was hat das alles mit Battle Royale zu tun?

Obwohl Battle-Royale-Spiele dank PlayerUnknown’s Battlegrounds erst seit 2017 so richtig durchstarten, ist der Spielmodus schon deutlich älter. Bereits 2012 gab es erste Mods, etwa für Minecraft oder – ach ja – Arma 2, auf dem auch DayZ basiert. Die Inspiration hinter den Mods dürfte klar sein, schließlich erschien im gleichen Jahr der erste Teil der Tribute von Panem-Filmreihe.

Interessant ist, dass die DayZ-Battle Royale-Mod von keinem geringeren stammt als Brendan Greene – genau der, der einige Jahre später für PlayerUnknown’s BattleGrounds verantwortlich sein sollte.

Den Mod-Ursprung haben Battle Royale und DayZ also schon einmal gemeinsam. Auch für Let’s-Player und Streamer ist der Modus eine Goldgrube. Und wie sieht es mit dem Einfluss auf die Gaming-Szene aus? Der Beißreflex der Studios jedenfalls scheint genau der gleiche zu sein. „Battle Royale ist erfolgreich, genau das gleiche machen wir jetzt also auch!“ Das betrifft nicht nur Fortnite und unzählige Early-Access-Produktionen, auch Battlefield 5 und das neue Call of Duty kommen laut Insider-Aussagen in diesem Jahr nicht um den Modus herum – im Falle von Call of Duty angeblich sogar auf Kosten der Einzelspieler-Kampagne.

Bis 2019 oder 2020, wenn all diese Spiele wirklich fertig sind, dürfte sich der Hype rund um Battle Royale allerdings längst gelegt haben. Sicher, Fortnite wird wahrscheinlich auch in ein oder zwei Jahren noch beliebt sein und auch dem ein oder andere Battle Royale-Ableger ist die Gunst der Spieler bestimmt vergönnt. Die zahlreichen Klone, die bis dahin erschienen sind, werden jedoch wie Blei in den Händlerregalen und Steam-Stores liegen bleiben, die Entwickler werden sich sicherlich im Nachhinein wünschen, lieber eigenen, originellen Ideen nachgegangen zu sein statt blind auf den Hype-Train mit aufzuspringen.

Und 2022 erscheint dann garantiert auch ein Metal Gear: Battle Royale von Konami!

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