Deadpool-Film: Drehbuch steht, aber Produzenten zögern

Timo Löhndorf 13

Wenn es nach den Fans ginge, könnte ein Film über den großmauligen Antihelden Deadpool nicht früh genug kommen. Die potentiellen Geldgeber sehen das trotz vorhandenem Drehbuch und verfügbaren Stars leider anders.

Deadpool-Film: Drehbuch steht, aber Produzenten zögern

In dem Sturm der Comic-Verfilmungen, die seit dem ersten „X-Men“ hartnäckig die Kinoleinwände dominieren, gibt es mehrere Figuren, die noch keinen richtigen Auftritt genossen haben. Eine dieser Figuren wird von den Fans besonders schmerzlich vermisst. Die Rede ist von Deadpool, a.k.a Wade Wilson, dem großmauligen und dreisten Söldner, der sich vor allem durch seinen bitterbösen Humor zu einem Favoriten unter Comic-Lesern entwickelt hat.

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Seinen einzigen Auftritt auf der Kinoleinwand hatte der Charakter in „X-Men Origins: Wolverine“, verkörpert wurde er dort von Ryan Reynolds. Allerdings war die Reaktion der Zuschauer auf den Charakter (und den Film) eher durchwachsen. Währenddessen stieg die Popularität von Deadpool in den letzten Jahren konstant, in 2014 wurde für PS3, Xbox 360 und Windows sogar ein Spiel veröffentlicht, das zwar weit von „Game of the Year“-Awards entfernt war, aber immerhin Lob für Story und Humor erhalten hat.

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Über einer eigenständige Verfilmung von Deadpools Abenteuern kursieren seit Jahren diverse Gerüchte und unbestätigte Meldungen. So gibt es ein Drehbuch, das seit einiger Zeit die Runde macht und der außergewöhnlichen Story angeblich sogar gerecht wird. Auch Ryan Reynolds selbst ist an einem eigenständigen Film über Deadpool interessiert und würde die Rolle gerne wieder übernehmen. Mehrmals schien es so, als ob eine offizielle Ankündigung des Films kurz bevor stünde, doch bisher blieb sie leider aus.

Warum weigert sich ein Hollywood, das augenscheinlich jede Comic-Vorlage mit Bergen von Geld überschüttet, gegen einen eigenständigen Deadpool-Film? Die Kollegen von Collider führten vor ein paar Tagen ein Interview mit Lauren Shuler Donner, die seit 2001 an jedem Film der X-Men-Reihe als Produzentin beteiligt war und auch zu „Deadpool“ ein paar Infos geben konnte.

So müsse Rechteinhaber Fox aufpassen, dass man eine „X-Men-Müdigkeit“ um jeden Preis vermeidet. In einem verblüffenden Moment der Erkenntnis räumt die Produzentin ein, dass Zuschauer irgendwann auch „andere Filme neben Comic-Verfilmungen sehen wollen“ und dass man als Filmstudio vorsichtig sein muss, welche und wie viele Exemplare man auf den Markt wirft.

Ein weiterer großer Stolperstein auf Deadpools Weg zur Leinwandpräsenz ist die bedenkliche Natur des Materials. Die Comic-Vorlage zeichnet sich nicht nur durch ihren schwarzen Humor, sondern auch durch eine Menge roher Gewalt aus, wie man sie in Comics und vor allem in Comic-Verfilmungen nur selten zu sehen bekommt. Anders gesagt würde ein Deadpool-Film neben einem Budget von ca. 50 Millionen US-Dollar auch eine große Menge an Eiern benötigen, da eine angemessene Verfilmung ausschließlich für Erwachsene und verzogene Kinder geeignet wäre.

Zu guter Letzt bestätigte Donner, dass das Drehbuch in der Tat „wirklich gut“ sei, und dass sie es gerne produzieren würde.

Meiner Meinung nach ist das Deadpool-Debakel ein perfektes Beispiel für eins der fundamentalen Probleme, die die moderne Filmbranche plagen. Die großen Blockbuster, die im Monatstakt vom filmischen Fließband laufen, sorgen für einige der größten Umsätze des Geschäfts. Joss Whedons „The Avengers“ hat sich mit 1,5 MILLIARDEN Dollar Umsatz die bronzene Medaille der Filmwirtschaft geholt. Doch wie kam es zu diesem Erfolg?

Indem man etwas Neues ausprobierte. Vor 13 Jahren gelang Bryan Singer mit dem ersten „X-Men“ ein Überraschungs-Hit, bis dahin wurden Verfilmungen von Comics größtenteils als lächerlich angesehen, was man sich heute nur schwer vorstellen kann. Jetzt haben wir ein Studio wie Fox, das pro Tag 5 X-Men-Filme produziert, aber sich davor scheut, ein etwas heikleres Thema umzusetzen, obwohl die Fans seit Jahren danach schreien.

Ich selber bin kein religiöser Comic-Leser und werde als Film-Fan langsam aber sicher müde von den sich immer wiederholenden Titeln und Charakteren. Das Einzige, was bei mir wieder etwas Enthusiasmus gegenüber den Superhelden-Filmen aufkommen lässt, sind originelle und schräge Konzepte wie zum Beispiel „Guardians of the Galaxy“. Ein blutrünstiger und rücksichtsloser „Deadpool“ würde exakt in dieses Muster reinpassen.

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Blöd nur, dass heutzutage anscheinend nur noch Filme für 12-jährige produziert werden.

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