Deshalb gibt es so wenig Infos zu Death Stranding

Alexander Gehlsdorf

Vor über zwei Jahren wurde Death Stranding offiziell angekündigt, dennoch weiß noch immer niemand, was sich eigentlich hinter dem Spiel verbirgt. Hinter der Geheimniskrämerei steckt durchaus eine wohlüberlegte Strategie, aber führt diese auch zum gewünschten Ergebnis?

Death Stranding - E3 2018 4K Trailer | PS4.

Hideo Kojima liebt es, über Death Stranding zu reden, er möchte nur nichts über Death Stranding sagen. Klingt kompliziert? Bereits vor über einem Jahr hatten wir einen Artikel veröffentlicht, in dem Hideo Kojimas Hype-Train kritisch unter die Lupe genommen wurde. So nutzt er all zu gern die Gelegenheit, Death Stranding ins Gespräch zu bringen, handfeste Details zum Spiel liefert er aber nur in den seltensten Fällen.

Wie sich heraus stellt, verfolgt er mit dieser Geheimniskrämerei einen konkreten Plan. Gegenüber Variety verriet er, dass er sich mit Death Stranding bewusst von der Art und Weise distanzieren will, wie heutzutage in sozialen Netzwerken kommuniziert wird.

Wir leben in einem Zeitalter der sozialen Netzwerke. Heutzutage wollen die Menschen sofortige Antworten — aber nicht nur Antworten, sie wollen auch wissen, was sie von diesen halten sollen. Das ist gut, das ist schlecht. Dieses Spiel sollte mir gefallen. Dieses Spiel sollte mir nicht gefallen. Sie wollen gesagt bekommen, was sie denken sollen.“

Kojima hingegen möchte die Spieler zur Eigenständigkeit bewegen. „Es ist wie eine Matheaufgabe, in der es nicht darum geht, die richtige Antwort zu finden. Viel wichtiger ist es, auf welchem Weg du diese Antwort findest. Ein Spiel zu vermarkten verbaut vieles. Es verrät zu viel über das Spiel und zerstört damit den wichtigsten Aspekt eines Spieles: Die interaktive Reise. Ich will den Spielern nicht das nehmen, was in Spielen am meisten Spaß macht.“

Was Kojima also beabsichtigen will, ist klar. Indem er bewusst Informationen vorenthält, hofft er, dass die Fans eigene Theorien aufstellen, Ideen austauschen und Death Stranding zum Gesprächsthema machen.

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Die Idee ist nicht neu und hat sich in der Vergangenheit als durchaus erfolgreich bewiesen. Als etwa die Serie Lost auf Pro7 starte, wurden in den Wochen zuvor Teaser ausgestrahlt, die nur wenige Sekunden lange Szenen sowie das Logo der Serie zeigten. Genug Informationen also, um neugierig zu machen und für Gesprächsstoff zu sorgen, ohne die spannendsten Aspekte der Serie vorweg zu nehmen. Das Ergebnis waren knapp 2,5 Millionen Zuschauer, die jede Woche die erste Staffel einschalteten.

Das Problem daran ist, dass dieser Prozess im Fall von Death Stranding bereits vor zwei Jahren begann und viele Fans schon lange das Interesse am Thema verloren haben. Wenige Wochen vor dem Release wäre ein solche Herangehensweise noch nachvollziehbar, da sie für Vorfreude und im besten Fall sogar Vorbestellungen sorgt. Death Stranding hingegen hat selbst nach der diesjährigen E3 noch immer kein Release-Datum.

Death Stranding: World Premiere - The Game Awards 2017.

Welchen Grund also hat ein Fan, sich jetzt schon den Kopf über ein Spiel zu zerbrechen, das er frühestens in einigen Jahren spielen können wird? Entweder steigern die eigenen Theorien die Erwartungshaltung ins Unermessliche, sodass sich das finale Spiel als Enttäuschung herausstellt, oder aber ein Teil der Spieler hat zum Release bereits jegliches Interesse an Death Stranding verloren, da sich die Jagd nach Info-Häppchen in der Vergangenheit als zu frustrierend, anstrengend und unbefriedigend herausgestellt hat.

So gesehen liegt das Dilemma von Death Stranding aber wahrscheinlich in einer ganz anderen Frage: Wie sollen Fans mit einem Spiel umgehen, das einfach viel zu früh angekündigt wurde?

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